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Wer ist eigentlich Emir Spahic?

Als ich neulich im U-Bahn-Fernsehen auf einem Foto einige Berater von Emir Spahic vor der Hertha-Geschäftsstelle sah, hatte ich sofort Verschwörungstheorien im Kopf: Da will jemand, der dem armen Michael Preetz nicht wohlgesonnen ist, dem Hertha-Manager, der nach der verunglückten Saison und der Schelte auf der Mitgliederversammlung angezählt ist, den letzten Rest von Reputation nehmen. Denn nur ein dem Irrsinn Nahestehender kann doch auf die Idee kommen, einen Emir Spahic nach den Vorkommnissen in Leverkusen zu verpflichten. Auch wenn es schwerfällt: Versuchen wir doch mal frei von allen Emotionen Für und Wider einer Verpflichtung gegeneinander abzuwägen.
Dafür spricht erstens die Erfahrung einer langen Karriere mit über sechzig Länderspielen für Bosnien-Herzegowina. Zweitens dürfte die Ablösesumme nach dem Rauswurf bei Leverkusen ca. null Euro betragen und das Gehalt sollte drittens bei einem Spieler, der vielleicht woanders nie wieder einen Vertrag bekommen würde, auch nicht im Millionenbereich, wie etwa bei (dem meines Erachtens zu schlecht beurteilten) John Heitinga, liegen. Viertens könnte Hertha einen guten Spieler im Abwehrzentrum durchaus gebrauchen, denn wenn sich Langkamp oder Brooks, die wohl unbestritten erste Wahl sind, verletzen, ist adäquater Ersatz nicht in Sicht. Und fünftens sollte man nicht außer Acht lassen, dass jeder, selbst ein Mörder (und ganz so schlimm ist es ja glücklicherweise bei Spahics Kopfstoß nicht gekommen), eine zweite Chance im Leben verdient hat.
Was spräche nun aber gegen eine Verpflichtung von Emir Spahic? Als erstes muss natürlich die Körperverletzung gegen einen Ordner berücksichtigt werden. Fabian Lustenberger würde so etwas nicht tun. Wer solche Handlung auch nur als Option in Erwägung zieht, und sei er noch so ungerecht behandelt worden, ist charakterlich nicht geeignet bei Hertha zu spielen. Vorbildfunktion Fehlanzeige. Zweitens ist Spahic wohl noch zu Saisonbeginn gesperrt und was geschieht eigentlich, wenn er in der laufenden Saison wegen Körperverletzung verurteilt wird? In den Knast kommt man ja bei uns nicht so schnell, aber unmöglich ist es auch nicht… Wichtigstes Argument gegen eine Verpflichtung scheint drittens das gesetzte Alter von 35 Jahren zu sein, das der gute Emir im August erreicht. Andere Profis seines Alters haben sich längst nach einer Schaf- oder Ziegenrasse umgeschaut, die sie auf einem Biobauernhof in der bosnischen Heimat züchten können. Und schließlich scheint viertens seine Vita darauf hinzudeuten, dass sich Herr Spahic nirgendwo lange Freunde gemacht hat: Dubrovnik, Zagreb, Jaroslawl, Moskau (Torpedo und Lokomotive), Montpellier, Sevilla und Leverkusen lauten seine Stationen auf dem europäischen Kontinent. Was allerdings besonders zu denken gibt, ist die Lücke, die 2009 in seinem fußballerischen Lebenslauf auftaucht. So schnell ist man als guter Profi eigentlich nicht „vereinslos“.
Lange Rede kurzer Sinn: Da Hertha keine Anstalt zur Reintegration Gestrauchelter in die Gesellschaft ist, sollte von einer Verpflichtung abgesehen werden, es sei denn, Emir Spahic bringt noch ein paar hunderttausend Euro mit, um wieder spielen zu dürfen…

Hertha und der Transfermarkt…

Erfreulich , erfreulich: Endlich wird man bei Hertha schlau und hält sich mit den Transfers für die neue Spielzeit dezent zurück. Während einige der solventen Bundesligisten kurz nach der Winterpause ihre ersten Neuzugänge meldeten und der Stadtrivale Union zum Saisonende fast täglich eine Neuverpflichtung bekanntgab, herrscht bei Hertha vornehme Funkstille. Vielleicht ist Sportdirektor Michael Preetz nach dem Transferwahn der letzten Saison, als es neun neue Spieler zu integrieren galt, woran Trainer Luhukay letztlich scheiterte, zur Besinnung gekommen und kauft nicht, was dubiose Spielerberater wie Sauerbier anbieten, sondern was charakterlich und spielphilosophisch zum Team passt. Und wenn nachher nur zwei Neue kommen: Auch gut. Wenn jeder vorhandene Spieler zusätzlich nur drei Prozent besser gemacht wird (wie auch immer man so etwas messen will) und durch die dann klug ausgewählten Neuen ein paar weitere Prozent dazukommen, ist es laut dem einstigen Hertha-Trainer Favre so, als ob die Mannschaft einen Spieler mehr auf dem Platz hat.
Schaun wir mal, was der Preetz macht. Mich beunruhigt es auf jeden Fall überhaupt nicht, wenn ich im U-Bahn-Fernsehen zwar täglich die Transfers der Konkurrenz zur Kenntnis nehmen muss, von Hertha aber weit und breit nichts zu hören ist.
Vielleicht ist Herthas Sportdirektor aber vom Saisonfinale und der folgenden Mitgliederversammlung noch so erschöpft, dass er erstmal auf einer einsamen Insel neue Kräfte sammelt, um dann umso stärker zuzuschlagen. Hoffentlich erholt er sich nicht so schnell…

Michael Preetz und die Finalisierung …

Michael Preetz hatte es auf der Mitgliederversammlung von Hertha BSC am 26.5.2015, drei Tage nach dem souveränen Nichtabstieg und dem Vermeiden der Relegation durch das bessere Torverhältnis im Vergleich zum HSV, nicht leicht. Es ist aber nicht so, dass sich die Wogen der Enttäuschung der Hertha-Mitglieder über das dürftige Abschneiden der Mannschaft noch nicht geglättet hätten, nein – die Chemie zwischen einem großen Teil der (anwesenden) Herthaner und dem Sportchef Michael Preetz stimmt einfach nicht, auch wenn dies im Protokoll der Mitgliederversammlung auf der offiziellen Hertha-Website mit keinem Wort erwähnt wird.
Im Mittelalter wurden die Juden als Sündenbock für angebliche Brunnenvergiftung ermordet. Viele Herthaner haben da einen Quantensprung in Sachen Zivilisation gemacht: Sie fordern den Kopf von Preetz nur noch symbolisch, weil sie ihn für alles verantwortlich machen, was nicht nach den genehmen Wünschen des blau-weißen Anhängers läuft. Steigt die Mannschaft ab: Preetz ist schuld (steigt das Team auf, sind es die Fans, die die Mannschaft in die erste Liga gebrüllt haben). Wird ein Trainer entlassen (oder nicht entlassen oder zu spät oder zu früh entlassen): Preetz ist schuld. Erfüllt der neue Spieler die Erwartungen nicht: Richtig – Preetz ist schuld! Scheidet die Mannschaft wieder mal in der ersten oder zweiten Pokalrunde, und sei es im Elfmeterschießen, aus: Natürlich, der Preetzer…
Selbstverständlich: Verantwortlich ist Preetz, aber ist deshalb alles schlecht, was er macht? Der jetzige Kader, in dem ja nicht nur Pfeifen spielen, auch wenn die Saison unbefriedigend verlief (aber Hinrunde 2013/14: 28 Punkte als Aufsteiger!!!), wurde bis auf Lustenberger, vollständig von Preetz zusammengestellt. Dass es da einige Spieler gibt, die nicht der Brüller sind, ist klar, aber man zeige mir den Manager, der noch nie einen Fehleinkauf getätigt hat. Natürlich hat es ein Klaus Allofs leichter, konnte er doch für De Bruyne, Gustavo und Schürrle schlappe 70 Millionen Euro aus der VW-Kasse ausgeben. So viel wird Preetz wahrscheinlich in seiner gesamten Laufbahn als Sportdirektor, und wenn sie noch zwanzig Jahre dauern sollte, nicht ausgeben können.
Preetz` Problem ist in erster Linie, dass er diese Fakten dem Volk nicht erklären kann. Er könnte doch einfach sagen, dass er nicht, wie sein Vorgänger (der den Verein mit 50 Millionen Schulden fast in die Pleite getrieben hat), verantwortungslos Geld verbrennen will, das gar nicht vorhanden ist. Er könnte doch sagen, dass er mit Pal Dardai über dessen Weiterbeschäftigung verhandelt, und dass es dabei einiges zu besprechen gibt. Stattdessen spricht er von „Finalisierung“ der Zusammenarbeit. Da denken viele Fans doch gleich wieder an das Pokalfinale. Michael Preetz muss nicht dem Volk nach dem Munde reden, aber verständlich sollten seine Ausführungen schon sein. Wer dreimal das Wort „finalisieren“ benutzt, wenn er meint, dass Gespräche zu einem guten Ende geführt werden sollen, muss sich nicht wundern, wenn er als arrogant bezeichnet wird.
Ergo: Weiter für Hertha arbeiten, Kontinuität als oberstes Prinzip walten lassen, nicht neun, sondern nur drei neue, charakterstarke Spieler (also kleine Dardais) pro Saison verpflichten und die anderen besser machen, jedes Jahr einen Spieler aus der Jugend in den Kader einbauen, nicht auf das Geschwätz der Leute hören, wohl aber ihnen die Handlungen so erklären, dass sie es verstehen.
Und wenn Hertha in der kommenden Saison einen einstelligen Tabellenplatz erreicht (was aus jetziger Sicht zwar utopisch erscheint, aber nicht völlig unmöglich ist) hört der Berliner sowieso auf zu meckern: „Ha ick doch schon imma jesacht…“

Neuer Trainer bei Schalke und Nichtabstieg bei Hertha

Wie so oft im Leben habe ich mich total geirrt: Am 8.10.2014 schrieb ich in dieser Rubrik, dass Schalkes neuer Trainer di Matteo wohl in einem halben Jahr das sinkende Schiff werde verlassen müssen. Völlig falsch! Jetzt ist di Matteo schon über sieben Monate im Amt und wird es sicher noch eine Woche bleiben. Dann dürfte aber nun wirklich Schluss sein, nachdem die Schalker Fans die Mannschaft nach dem Spiel gegen Paderborn wegen ihres desaströsen Gekickes wutschnaubend in die Sommerpause verabschiedeten. Vereinzelt sollen im Fanblock schwarz-gelbe Schals gesichtet worden sein. Trotzdem hat Schalke mit himmlischem Beistand (der Papst ist ja wohl mit seiner Wahl automatisch Mitglied bei Schalke) die Europa-Liga erreicht, was wahrlich einem Wunder gleichkommt.
Ein Wunder wäre es auch, wenn Hertha nach durchwachsener Saison noch absteigen müsste. Direkt geht es zwar nur, wenn der HSV gegen Schalke zweistellig gewinnt, was trotz des Trainers Matteo kaum möglich sein dürfte, oder Hertha zweistellig verliert, was nach dem 0:5 im Hinspiel zwar nicht völlig ausgeschlossen ist, mit Hilfe der stabilisierten Abwehr jedoch verhindert werden sollte. Insofern ist der Punkt aus dem Frankfurt-Spiel vielleicht noch Gold wert, denn wer glaubt denn ernsthaft, dass Stuttgart in Paderborn gewinnt (Chancen 50:50) UND Freiburg gegen Hannover unentschieden spielt (Chance 1:3) UND Hertha mit mehr als einem Tor Differenz in Hoffenheim verliert (Chance 40:60). Insgesamt also eine 11-%- Chance (!) für die Relegation. Nun gut, man kennt ja Hertha, könnte man sagen, aber vertrauen wir mal auf Paderborn. Die werden bis zum letzten Tropfen Paderborner Pils kämpfen und gegen Stuttgart nicht verlieren…
Interessant übrigens: Wenn das Spiel Hannover gegen Freiburg 0:0 endet und Hertha in Hoffenheim 3:5 verliert, sind Hertha und Hannover punkt- und torgleich. Leider spräche dann der direkte Vergleich für Hannover. Aber soweit wird`s nicht kommen.

Herbergers Weisheiten

Sepp Herbergers scheinbar unumstößliche Weisheiten sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Dass ein Fußballspiel 90 Minuten dauere, weiß jeder fußballaffine Mensch allerspätestens seit seinem ersten Stadionbesuch im zarten Alter von sieben Jahren. Am Sonnabend im Dortmunder Westfalenstadion, oder wie der Fußballtempel auch gerade heißen mag, war diese Grundregel mitteleuropäischer Zivilisation nach neun Minuten außer Kraft gesetzt, weil das Spiel da praktisch vorbei war: Ausgerechnet der zuverlässigste und intelligenteste Spieler, den Hertha hat, und der seit seiner Rückkehr ins Team maßgeblich zur Stabilisierung der Abwehr in der Rückrunde beigetragen hat, Sebastian Langkamp, leistete sich einen folgenschweren Dreifachfehler. 1) Er hörte auf zu spielen und reklamierte, weil er einen Schiedsrichterpfiff erwartete. Anfängerfehler! 2) Nachdem er den Ball trotzdem vor dem ihn verfolgenden Dortmunder erreicht hatte, drosch er ihn unmotiviert zur Ecke, anstatt wenigstens zu versuchen, ihn ins Seitenaus zu schießen. 3) Die Zuordnung beim folgenden Eckball war nicht gegeben, obwohl man weiß, dass Hummels oder Subotic zum Kopfball ansetzen werden. Vielleicht tue ich Langkamp zumindest beim dritten Punkt Unrecht, eventuell war ja auch Stürmer Kalou für Subotics Bewachung vorgesehen, der es aber für unter seiner Würde hielt, durch die weiten Savannen des Stadions wenigstens in die Richtung des eigenen Strafraums zu traben!
Was danach folgte, war abzusehen und nicht Herthas relativ erfolgreiches Spiel der letzten Monate. Bei eigenem Ballbesitz konnte man sich in der Abwehr nicht so geordnet und diszipliniert aufstellen, wie gewohnt und lud den Gegner bei den häufigen Ballverlusten immer wieder zu Kontern und Torchancen ein. Das hätte auch höher werden können. Insofern: Noch mal Glück gehabt, denn vielleicht spielt das Torverhältnis noch eine Rolle, wenn Hertha mit ein oder zwei anderen Mannschaften am Ende punktgleich sein sollte.
Jetzt ist genau die Situation gegeben, die alle Herz-Kreislauf-Ärzte Berlins in jedem Fall vermeiden wollten: Hertha muss gegen Frankfurt gewinnen, dann kann man nur noch theoretisch absteigen. Verliert Hertha oder erreicht nur ein Unentschieden, heißt es zu beten oder für Atheisten, zu hoffen, dass die anderen auch verlieren. Denn wenn man am letzten Spieltag nach Hoffenheim fährt und gewinnen muss…Bloß nicht dran denken!

Arme Bayern

Neulich schrieb ich, dass es schon ein Wunder wäre, wenn sich das Desaster vom Vorjahr (0:1 und 0:4 gegen Real Madrid) angesichts der Totalrotation der Bayern in der Bundesliga nicht wiederholen würde. Nun gut, bis zur 77. Minute hatte ich, was das Ergebnis angeht, daneben gelegen, ermauerten sich die Münchener doch ein achtbares 0:0 in Camp Nou. Was die Spielanteile und die Torchancen angeht, erteilte Barcelona den Bayern aber von der ersten Minute an eine Lektion. Das hat sicher nicht nur mit mangelnder Fokussierung im Meisterschaftsrausch zu tun, sondern mit der Tatsache, das Barcelona mit Suarez, Messi und Neymar den mit Abstand gefährlichsten Sturm im Welt-Vereinsfußball hat. Dagegen ist Bayern mit dem Ein-Mann-Unterhalter Lewandowski (Müller eher indisponiert, Götze nur auf der Ersatzbank und nach seiner Einwechslung ein Schatten seiner selbst) ausgesprochen dürftig besetzt. Die drei Tore fielen zwar spät, aber folgerichtig. Wenn jemals der Begriff „sturmreif schießen“ einen Sinn hatte, dann in diesem Spiel. Sonderbar übrigens, dass Lewandowski eine Maske trug und sein Gegenspieler ein gewisser Mascherano (sprich: Maskerano) war…
Es wäre absurd, zu hoffen, dass Bayern im Rückspiel noch eine Chance hätte. Zwar können sie durchaus mit Harakiri-Angriffsfußball ein oder zwei Törchen erzielen, werden dann aber zwangsläufig auf der Gegenseite auch das eine oder andere Gegentor kassieren. Es sei denn, Barcelona rotiert im scheinbar unwichtigen Rückspiel Messi, Neymar und Suarez aus der Mannschaft heraus, um sie für’s Finale zu schonen. Aber so viel Dummheit und Arroganz gibt es wohl nur manchmal in einer nichtgenannten Stadt in Süddeutschland an der Isar!

Aus Fehlern lernen…

Intelligent ist man, wenn man aus Fehlern zu lernen vermag! Dementsprechend ist die Führung des FC Bayern München in Gestalt ihres Trainers Pep Guardiola saudumm. Denn genau wie im Vorjahr, nachdem man frühzeitig Deutscher Meister geworden war und offensichtlich die Bundesligaspiele aus dem Fokus verloren hatte (Niederlage gegen Augsburg, Einsatz von „Perspektivspielern“= Wettbewerbsverzerrung), lässt man sich auch in diesem Jahr wieder hängen und verliert in Leverkusen (was passieren kann, aber nicht auf diese Art), weil man etliche Spieler, die nicht unbedingt zur Creme der Weltspitze gehören, einsetzt (Strieder, Gaudino, Weiser, Görtler, ebenso Dante, Pizarro). Nun gut, „Was geht uns die Qualifikation zur Champions-League der zweitklassigen Gladbacher oder Leverkusener an!“ denken sich die Bayern, womit sie zweifellos Recht haben. Aber dass sie im Vorjahr nach dem großen Abschlaffen mit 0:4 gegen Real aus der Champions-League geflogen sind, scheinen sie vier Tage vor dem Spiel im Halbfinale gegen Barcelona vergessen zu haben. Es wäre schon ein Wunder, wenn sich das Desaster vom Vorjahr nicht wiederholen würde. Dann würde das Sprichwort des Tages heißen: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Pep nimmermehr…“.

Auf der anderen Tabellenseite ist Hertha, obwohl einem alle Oberschlauberger seit Wochen das Gegenteil einreden wollen, wieder ganz nahe am Absturz. Wenn in Dortmund verloren wird, was angesichts der beiden knappen Spiele gegen Gladbach und Bayern noch keineswegs sicher ist, kommt es am übernächsten Sonnabend zum Abstiegsendspiel gegen Eintracht Frankfurt. Wenn die Frankfurter gegen Hoffenheim nicht gewinnen, könnte Hertha mit einem Sieg im Olympiastadion an den Hessen vorbeiziehen. Aber wie viele Nerven wird das kosten und sicher ist das keineswegs. Jetzt wird erst klar wie verheerend die zwei Tore zum 4:4 im Hinspiel gegen Frankfurt in der Nachspielzeit waren. Hätte man dort gewonnen, sähe die blau-weiße Welt wesentlich entspannter aus. Aber vielleicht hat Hertha ja mal zur Abwechslung das Glück des Tüchtigen. Denn tüchtig sind sie, seit Dardai und der nicht zu unterschätzende Widmeyer das Training übernommen haben, allemal…

Wie sind die Bayern drauf?

Eine Frage, die man als blau-weiß angehauchter Fan durchaus stellen darf: Wie sind eigentlich die Bayern nach ihrem 6:1-Sieg gegen Porto drauf? Für das Spiel am Wochenende ergeben sich aus dem überragenden Erfolg in der Champions-League wie immer im Leben mindestens drei Möglichkeiten.
Die erste Möglichkeit, mit der ich unbedingt sympathisiere, wäre, dass nach dem Spiel in der Kabine des FC Bayern die Hölle los war, die der Trainer, der sich in erster Linie um seine gerissenen Beinkleider kümmern musste, nicht mehr unter Kontrolle bekam. Sekt, Champagner oder schnödes Weißbier wurden direkt aus dem Entmüdungsbecken geschlürft, so dass sich der Laktatwert der Spieler bis zur freitäglichen Auslosung des Halbfinales nur langsam erholte. Selbst Matthias Sammer soll unter den Nachwirkungen des Genusses von einem Viertelliter Sangria mit Strohhalm und einer Zigarre gelitten haben. An all den Tagen wurde an das Spiel gegen Hertha nicht mal gedacht, sondern unter der Rubrik „passt scho“ abgehakt. Die Höhe des Sieges spielt angesichts des Torverhältnisses sowieso keine Rolle und nach dem Sieg wäre man faktisch Deutscher Meister. In genau dieser Konstellation der gnadenlosen Unterschätzung ist für Hertha, die in letzter Zeit äußerst stabile Abwehr spräche dafür, sogar ein Pünktchen drin, wenn man viel Dusel und einen guten Schiedsrichter (nicht: Stark!) hat. An mehr zu denken verbietet der gesunde Menschenverstand und die Statistik, die sagt, dass der letzte Hertha-Sieg bei den Bayern in der Bundesliga am 29.10.77 (mit 0:2) erzielt wurde (Nigbur, Brück, Sziedat, Kliemann, Weiner, Beer, Sidka, Gersdorff, Grau, Granitza und der geniale Jörgen Kristensen!)
Die zweite Möglichkeit wäre, dass Bayern weiter im Rausch der ersten Halbzeit des Porto-Spiels ist und der faktische Gewinn der Deutschen Meisterschaft als zusätzlicher Anreiz dazu führt, Hertha mit sechs bis acht Toren nach Hause zu schicken. Eine unangenehme Perspektive, die mir von den drei Möglichkeiten am wenigsten genehm ist. Deshalb schnell an was anderes denken, z.B.,
Möglichkeit drei: Alles ist wie es immer ist und die Münchener sind eben so gut, dass sie auch Spiele gewinnen, auf die sie nicht fokussiert sind, weil sie einfach gut und in der Liga unerreicht sind. Das heißt, Bayern gewinnt mit zwei bis vier Toren Unterschied, vielleicht erzielt Hertha nach einer Standardsituation einen Ehrentreffer, was solls. Das frustrierende an diesem normalen Verlauf ist die Chancenlosigkeit. Allerdings: Im letzten Spiel in München, als Hertha phasenweise überlegen war und nur knapp und eigentlich unverdient 2:3 verlor, war es anders als sonst. Aber das ist eineinhalb Jahre her, der Trainer hieß Jos Luhukay und Hertha spielte eine begnadete Hinrunde nach dem Aufstieg. Ergo: Als realistischer Tipper kann man nur ein 3:1 für Bayern vorhersagen. Wenn`s anders kommt (siehe Möglichkeit 1) ist man ja nicht böse…

Klopp und Knäbel – ein Vergleich

Zugegeben: Der Vergleich hinkt und ist ein bisschen unfair. Andererseits: Warum soll man nicht einen Bundesligatrainer mit einem anderen vergleichen. Ein Nacktmull ist ein Nacktmull. Nur im Vergleich zu, sagen wir, Dieter Bohlen, erscheint uns der Nacktmull plötzlich als hübsche und liebenswerte Kreatur.
Jürgen Klopp ist ein Trainer, der jetzt, leider kurz nach dem Höhepunkt seiner Erfolge (aber das kann man ja vorher nie wissen) bei Borussia Dortmund aufhört. Das ehrt ihn einerseits, ist andererseits aber auch nicht ganz uneigennützig, denn wenn Dortmund noch so eine Saison spielt wie die derzeitige, würde das Denkmal Klopp doch erheblich Risse bekommen. Insgesamt aber eine große Zeit für die Schwarz-gelben. Nicht ganz so reibungslos verlief die Trainerkarriere von Peter Knäbel: Selbst erst im Laufe der Saison als Sportdirektor von Dietmar Beiersdorfer beim HSV installiert, währte sie genau zwei Spiele und zwei Niederlagen lang und erreichte das ernüchternde Torverhältnis von 0 : 6 sowie eine Kabinenschlägerei zwischen zwei Spielern, was nicht auf volle Konzentration auf den Abstiegskampf hindeutet. Zwei Spiele als Trainer sind zwar keineswegs Bundesligarekord (Jörn Anderson wurde als Nachfolger von eben jenem Jürgen Klopp nach dem Aufstieg von Mainz noch vor dem ersten Spiel entlassen.), vier Trainer in einer Saison gab es ebenfalls schon, fünf sind mir nicht bekannt. Also: Gut gemacht HSV – Rekord eingestellt.
P.S.: Wenn Hertha BSC in einer Saison vier Trainer benötigte, sind sie stets abgestiegen: 1991 mit Werner Fuchs, Pal Csernai, Peter Neururer und Karsten Heine ebenso wie 2012 mit Markus Babbel, Michael Skibbe, René Tretschok/Ante Covic und Otto Rehhagel.
Das wird beim HSV wohl nicht anders sein…

Arme Sky-Reporter

Sky-Reporter zu sein ist offensichtlich nicht einfach. Man muss die Ware Fußball verkaufen, darf sie also nicht schlecht machen, auch wenn jeder sieht, was für ein Grottenkick gerade abläuft. Beim Spiel Hannover gegen Hertha am Freitagabend hatte Torsten Kunde diese Probleme nicht. Es war ein, den (Abstiegskampf-) Umständen entsprechend, recht flottes Spiel, bei dem Sportkamerad Kunde zwar übersah, dass Kalou im Strafraum umgegrätscht wurde, obwohl dies viele Zeitlupen seiner fleißigen Kollegen Kameramänner mehr als deutlich zeigten, sich ansonsten aber wohltuend vom Hertha-Hasser Fritze von Thurn & Taxis unterschied. Ich wunderte mich nur, dass Herr Kunde plötzlich in der zweiten Halbzeit die Sportart wechselte, als er mich, als einen Euro Sky-Zuschlag im Feuchten Grafen zahlenden Zuseher, ansprach und fragte, ob ich früher auch bei den Ali-Kämpfen mitten in der Nacht aufgestanden sei. Wenn die Kommunikationsrichtung nicht so furchtbar einseitig gewesen wäre, hätte ich dies mit Begeisterung bejaht und von der Flasche Wodka berichtet, die in Ermangelung anderer Getränke beim Kampf Ali gegen Foreman alsbald aufgebraucht war (wir waren zu viert), wobei ich nicht sicher bin, ob Boxexperte Kunde schon Jahre vor seiner Geburt Boxen im TV gesehen hat. Absurd wurde die Frage nach den durchgemachten Ali-Nächten nur, als Kunde sie in Zusammenhang mit einem Boxkampf zwischen den Herren Floyd Mayweather und Manny Pacquiao erwähnte, der demnächst stattfinden soll und angeblich der Kampf des Jahrhunderts wird. Abgesehen davon, dass ich beide Namen noch nie gehört habe, was aber nichts bedeutet, da ich nicht zu den größten Experten des internationalen Boxsports zähle, habe ich mich ein bisschen für Herrn Kunde fremdgeschämt. Wie gesagt: Der Sky-Reporter muss eine Ware verkaufen, aber den großen Ali mit irgendwelchen Boxern überhaupt auf eine Stufe zu stellen, ist ein journalistischer Fehlgriff. Zugegeben: Der arme Torsten Kunde muss es ja tun, sonst landet er über kurz oder lang noch bei ARD oder ZDF. Da könnte er zumindest kritische Kommentare absondern. N`Abend allerseits…