Endlich wieder was los bei Hertha…

Na, das wurde ja auch langsam Zeit: Nach Klinsmanns epochalem Abschied aus Berlin und dem eher geräuschlosen Rausschmiss des Duos Preetz/Labbadia war es seit einiger Zeit still um die Alte Dame geworden. Man spielte Fußball und holte den einen oder anderen Punkt, der vielleicht doch noch vor dem Abstieg retten könnte. Da meldet sich ausgerechnet ein ganz Stiller, der Torwarttrainer Zsolt Petri zu Wort und erklärt uns ausführlich, was er für unmoralisch und unanständig hält. Es hat ihn zwar niemand gefragt, wenn man von einer unanständigen und unmoralischen ungarischen regimetreuen Zeitung absieht, aber manche Menschen verfügen eben über ein gewisses Mitteilungsbedürfnis. Nun ist der gute Zsolt „freigestellt“, was nichts anderes heißt, dass er sein Geld auch ohne Arbeit bekommt, da er vor jedem deutschen Arbeitsgericht natürlich Recht bekommt, falls er gekündigt werden sollte. Wir denken mit Grauen an die 400.000 Euro, die Christian Fiedler damals erhielt, als er aus unerfindlichen Gründen von Hertha (Preetz?) gefeuert wurde. Allerdings: Ein so großer Verlust scheint der zwangsweise Abgang des Torwarttrainers nicht zu sein, denn wer es in sieben Jahren nicht schafft, einem Torwart wie Rune Jarstein beizubringen, wie eine schnelle Spieleröffnung aussieht (das eine oder andere Video von Manuel Neuer könnte nicht schaden), hat sein Soll eigentlich nicht erfüllt. Und tschüss…

Und was macht die Mannschaft im Abstiegskampf?

An der Alten Försterei schon mal fast gar nichts. Nachdem durch den Sieg gegen Leverkusen das zweite Dardaische Viererpäckchen mit sechs Punkten doch noch erfolgreich abgeschlossen wurde, müssen im Union-Gladbach-Mainz-Freiburg-Päckchen noch zwei Siege her, um vielleicht am letzten Spieltag doch schon drei Punkte und das bessere Torverhältnis Vorsprung zumindest vor dem direkten Abstiegsplatz zu haben.

Also: Alles ist möglich, aber gut wäre ein Sieg gegen Mönchengladbach für die Seele schon. Könnte klappen, falls der Torwart ohne Zsolt Petri fit ist…

Hertha und der Länderspiel-Fluch

Niklas Stark spielt seit Wochen in bestechender Form in Herthas Dreierkette. Er leitet die jüngeren und unerfahreneren Klünter und Dardai an und reißt sie mit, so dass sowohl ein Lewandowski als auch ein Haaland zur Bedeutungslosigkeit degradiert wurden. Zum Glück verzichtete Noch-Bundestrainer Löw auf die Nominierung Starks für die drei kommenden Qualifikationsspiele und lädt stattdessen den deutlich indisponierteren Tah ein. Zum Glück? Natürlich, denn Hertha-Spieler und die Nationalmannschaft, das geht seit Erich Beers Siebzigerjahre-Berufungen gar nicht mehr (Arne Friedrich nehmen wir mal als übergroße Ausnahme aus der Bewertung).

Beispiele? Bitte schön:

Nachdem Plattenhardt einige Länderspiele, u.a. bei der unsäglichen Russland-WM absolviert hatte, rauschte seine Formkurve senkrecht in die Tiefe. Seit einigen Monaten findet er langsam zu ähnlicher Form der frühen Tage zurück, ohne jedoch so freistoß- und flankengefährlich zu sein wie früher.

Als Dilrosun sein erstes Länderspiel machte, verletzte er sich nach 20 Minuten und hat seither seine alte Explosivität nicht wiedergefunden.

Kurz nach Cunhas erster Berufung in die Selecao traf er nicht mehr, gewann keine Zweikämpfe mehr und verweigerte weitgehend die Arbeit. Langsam wird es wieder, aber man hofft nicht auf weitere Berufungen.

Niklas Stark selber machte ja bis zu seinem ersten Kurzeinsatz bei den Adlerträgern eine wahre Odyssee an Ausfällen durch die skurrielsten Verletzungen und Krankheiten durch, die man sich vorstellen kann. Jetzt, ein Jahr später, ist er wieder in Form, und Jogi Löw hat offenbar Verständnis dafür, dass er bei Hertha im Abstiegskampf gebraucht wird.

Just in diesem Moment erhalten mehrere Union-Spieler, u.a. Kapitän und Leader Trimmel ihrerseits Einladungen für ihre Nationalmannschaften. Vielleicht überträgt sich das Virus der Formschwäche nach Länderspiel-Nominierungen ja mal nicht auf Hertha, sondern auf Union. Für das anstehende Derby könnte Hertha externe Unterstützung ganz gut gebrauchen. Und bei einem Hertha-Sieg würde Max Kruse vielleicht sogar von seinen ungeliebten „Europapokal“-Spielen verschont werden. Wir helfen gerne…

Bloß keine Zuschauer

Seitdem der Lockdown unser Leben bereichert, hat Hertha zwei Heimderbys gegen Berlins Fußballverein Nr. 1, den 1. FC Union, gespielt und mit einem Gesamttorverhältnis von 7:1 nicht allzu schlecht abgeschnitten. Das Olympiastadion war von allen ablenkenden, irritierenden und nervös machenden Störenfrieden, genannt Fußballfans, freigehalten, so dass die Herren Berufssportler ungestört ihrer eigentlichen Bestimmung, nämlich ihrer sonderbaren Art von Leibesübungen zu frönen, nachgehen konnten.

Im ersten Erstligaderby an der Wuhlheide war alles ganz anders. Viele Freunde der gepflegten Pyrotechnik hatten sich ins Stadion verirrt und meinten dort schon für Silvester trainieren zu müssen. Auch selbsternannte Pistoleros konnten sich die Ausübung ihres Hobbys nicht verkneifen und ballerten auf alles, was sich bewegte und rotweiße Kleidung trug. Nach Spielende verwechselten Bergsteiger die Alte Försterei mit einer Kletterhalle und überwanden den mit Schwierigkeitsgrad eins versehenen Zaun mit Leichtigkeit, nur um den kleinen Schwanz vor Torwart Gikiewicz einzuziehen und sich in ihren angestammten Bereich zurückscheuchen zu lassen.

Union konnte alle nicht verschuldeten Unregelmäßigkeiten für sich ausnutzen und gewann gegen indisponierte Herthaner durch einen nicht unumstrittenen Foulelfmeter knapp mit 1:0. Und jetzt kommt tatsächlich jemand auf die Idee, das Derby in der Alten Försterei wieder vor Zuschauern stattfinden zu lassen! Das kann ja nur von einem eingefleischten Fan der Köpenicker ins Spiel gebracht worden sein, wie z.B. Herrn Lederer von den Linken, dessen Sympathien auch ohne ausdrückliche Befragung klar sein dürften. Aus taktischen Gründen werden noch ein Theaterstück und ein Konzert der Philharmoniker gestattet, um die Bevorzugung Unions zu vertuschen, was natürlich nur Menschen, die an das Gute im Leben des Nachbarn glauben, nicht durchschauen.

Nun gut! Lassen wir doch zu Testzwecken tausend Schreihälse ins Union-Stadion ein und die Arena in ein Höllenhaus verwandeln. Wenn Hertha dann verliert, wissen alle aufrechten Menschen wenigstens, woran es gelegen hat: An den Politikern, dem Schiedsrichter und dem Scheiß-DFBeeh sowieso…

Man wird ja wohl noch träumen dürfen!

Seit Pal Dardai wieder Trainer der verunsicherten Hertha-Mannschaft geworden ist, haben die Spieler fast immer guten bis ordentlichen Fußball gespielt, was sicher auf die Lockerheit von Pal und Zecke, gepaart mit der Vermittlung von Vertrauen zurückzuführen ist, was insgesamt zu mehr Selbstvertrauen führt. Viel mehr Punkte als vorher hat es noch nicht gebracht, aber die Ernte soll ja auch erst im Mai in Form des Nichtabstiegs in die Scheune gebracht werden.

Unter dem sympathischen Hessen Labbadia holte Hertha 17 Punkte in 18 Spielen was als Quotient 0,944 auf dem Taschenrechner anzeigt. Der sympathische Ungar Dardai führte das Team in sechs Spielen zu 4 Punkten, was leider nur 0,666 Punkte pro Spiel ergibt und die Bilanz eines Absteigers ist. Wenn es nicht Pal Dardai wäre, und vier Spiele gegen die ersten Vier der Tabelle dabei gewesen wären, und in jedem der vier „Champions-League-Spiele“ Hertha durchaus Punkte hätte mitnehmen können, würde mit Sicherheit in der Presse und bei den typischen „Fans“ schon wieder unter vorgehaltener Hand ein neuer Trainer im Gespräch sein, ob er nun Magath, der ewige Rangnick, Neururer oder gar Falko Götz hieße.

Das ist zum Glück nicht der Fall, Pal steht ungefährdet da. Schön wäre es aber schon, wenn sich sein Schnitt in Richtung der 1,0 bewegen würde, was nur 34 Punkte am Saisonende bedeuten würde, und keineswegs einen Abstiegsplatz oder den ungeliebten Relegationsrang 16 ausschließen würde. Ein Sieg gegen Dortmund und/oder gegen Leverkusen würde die Situation fühlbar entspannen, allein, es fehlt der Glaube. Einigen wir uns in Güte auf zwei Unentschieden, was den Pal-Schnitt auf immerhin 0,75 Punkte/Spiel verbessern, das Selbstvertrauen für die letzten acht Begegnungen aber um 100% stärken würde. Viel Konjunktiv…

Wenn man sieht, wie sich einzelne Spieler verbessert haben, darf man, wenn der Abstieg vermieden wird, optimistisch in die Zukunft blicken: Tousart wird immer stärker, selbst Zeefuik weist schon manchmal Bundesliga-Qualität nach, Piatek wird langsam aber sicher ein gefährlicher Strafraumspieler und mit Marton Dardai ist urplötzlich ein souveräner Abwehrspieler aus dem Hut gezaubert worden. Wenn dann noch Kapitän Boyata, Torunarigha, Plattenhardt, Cunha und Khedira aus ihren Verletzungspausen zurückkehren und mit Fredi Bobic ein erfolgreicher Ex-Herthaner als Sportlicher Leiter verpflichtet werden könnte, könnte die Mannschaft selbst ohne Transfers (wichtig: Kontinuität!!!) eine Rolle im oberen Tabellendrittel spielen.

Aber erst mal müssen die Spieler ihre Hausaufgaben machen und nicht virtuell, sondern höchst analog, auf dem Rasen Punkte holen. Am besten schon in Dortmund…

Hertha löst die erste Aufgabe

Im zweiten von vier Dardaischen Viererpäckchen hat Hertha mit dem verdienten Sieg gegen Augsburg die erste Aufgabe gelöst. Ist jetzt alles gut? Überhaupt nicht, genauso wenig wie alles schlecht ist. Man ist dem Soll, das heißt der unbedingt nötigen Punktzahl, die es zu erreichen gilt, wenn man den Abstieg vermeiden will, ein kleines Stückchen näher gekommen. Im zweiten Päckchen warten noch Dortmund (auf dem aufsteigenden Ast) und Leverkusen (verunsichert) auf Hertha, da könnte in beiden Spielen was gehen, muss aber nicht. Drei Punkte sind eigentlich Pflicht, wenn der Zugzwang im nächsten Kästchen (Union-Gladbach-Mainz-Freiburg) nicht zu groß werden soll. Zwei Unentschieden wären zwar nicht ganz drei Punkte, aber für`s Selbstvertrauen sehr gut, ein Sieg aus beiden Spielen ließe auch wieder etwas optimistischer in die Zukunft blicken. Dass Haaland, wie im Hinspiel, vier Tore schießt, erscheint unglaubwürdig, Niklas Stark ist momentan in bestechender Form, die er hoffentlich in der Länderspielpause nicht verlieren wird.

Eines ist auf jeden Fall klar: Die Antwort auf die Frage, ob Hertha absteigt oder die Liga hält, wird voraussichtlich erst am 34., frühestens aber am 33. Spieltag entschieden. Denn man ist sich ja rechnerisch erst sicher, wenn man nach dem 33. Spieltag vier Punkte Vorsprung vor dem 16. hat oder nach dem 32. Spieltag sieben Punkte. Das erscheint aber aus heutiger Sicht unmöglich. Es sei denn Hertha (oder eine andere der vier Mannschaften zu denen außer Hertha noch Mainz, Bielefeld und Köln gehören) startet eine Serie von vier oder fünf Siegen hintereinander. Ansonsten bleiben alle ganz eng beieinander. Bis zum Schluss. Für Spannung ist gesorgt…

Kann Hertha den Abstieg noch vermeiden?

Natürlich, lautet die Antwort auf die Überschrifts-Frage, denn momentan befindet sich Hertha, aller Hysterie, die seit Monaten in der Stadt umgeht, zum Trotz, überraschender Weise gar nicht auf einem Abstiegs- oder Relegationsplatz. Wenn Hertha also genau so viele Punkte in den verbleibenden 11 Spielen holt wie Mainz und Bielefeld (und dabei kein deutlich schlechteres Torverhältnis einspielt), ist der Abstieg kein Thema.

Wenn man einen groben Statistik-Überblick haben will, um eine Soll- und Haben-Rechnung aufzumachen, könnte man sich zur Erbauung mal Herthas letzte zehn Jahre Bundesliga-Zugehörigkeit vor Augen führen und mit heute vergleichen:

Nach 23 Spieltagen stand Hertha in der Saison 2008/09 mit 46 Punkten auf Platz 1! Schon vergessen, dass die Mannschaft mit Drobny, Friedrich, Simunic, Pantelic, Raffael, Woronin und Co. fast die Meisterschaft holte? Ein Jahr später lag man mit 15 Punkten zur gleichen Zeit auf Platz 18 und stieg ab. Nach dem sofortigen Aufstieg reichten 20 Punkte nach 23 Spielen nicht, die Relegation und den erneuten Abstieg zu verhindern. Hertha hat momentan 18 Punkte! Das sieht eng aus. Und es blutet einem das Hertha-Herz, wenn man sich an die Punktestände der letzten Jahre erinnert: Nach den oben erwähnten 46 Punkten nach jeweils 23 Spielen gab es auch 39, 37, 35, und 32 Punkte, aber auch 30, 26, 24 und die schon erwähnten 20 und 15 Punkte.

Aber jede Saison verläuft anders. Die Punktzahlen, mit denen man am Ende der Saison den 15. und also rettenden Platz erreichte, bzw. erreicht hätte (d.h. ein Punkt mehr als der 16.) lauteten: 31-32-32-28-36-37-38-34-29-32. Da gibt es also eine Spanne von 10 Punkten und niemand kann sagen, ob es für Hertha reichen wird, von den letzten 11 Spielen fünf zu gewinnen (im Idealfall gegen die direkten Konkurrenten) um dann mit 33 Punkten nicht abzusteigen. Vielleicht reichen aber auch vier Siege und wenn es schlecht läuft, reichen sechs Siege nicht!

Die FußballWoche schreibt, dass Hertha gegen Augsburg zum Siegen verdammt ist. Einerseits richtig, andererseits wissen wir, dass nichts verloren ist, solange die rechnerische Möglichkeit besteht, den 15. noch einzuholen. Wie man aus den obigen Zahlen sieht, gilt die alte Regel:“Mit 40 Punkten kann man nicht absteigen“ immer noch. Aber 40 Punkte wird keine der momentan unten stehenden Mannschaften erreichen. Es ist alles ein Nervenspiel. Insofern macht Hertha das gar nicht so schlecht: Langeweile in Corona-Zeiten kommt bestimmt nicht auf…

Päckchenrechnen

In der Grundschule waren die Rechenaufgaben in „Päckchen“ angeordnet. Es gab vier oder sechs oder acht Aufgaben gleichen Typs und gleichen Schwierigkeitsgrads, die man als armer Schüler zu lösen hatte. Pal Dardai, der ja ein kluger Mensch ist, geht für seine Spieler in die Grundschule zurück und gibt ihnen Aufgaben. Er ordnet die Spiele in Vierer-Päckchen und verlangt oder erwartet oder rechnet zuhause mit der Taschenlampe unter der Bettdecke, eine entsprechende Punktzahl, die die Mannschaft in einem Päckchen erwerben muss, um den Abstieg noch zu verhindern. Wie viel Punkte der gute Pal für das erste Päckchen einkalkuliert hatte, wissen wir nicht, erzielt wurde aber immerhin ein ganzer Punkt. Das ist zwar schon mal ein Punkt mehr, als Thomas Kroh vom rbb den Herthanern zugetraut hatte, aber wahrscheinlich drei oder vier weniger als Dardai erwartet oder erhofft hatte.

In der nahen Zukunft hilft aber kein Hoffen und auch kein Beten: Es müssen Punkte her. Im Päckchen „Wolfsburg-Augsburg-Dortmund-Leverkusen“ sollten es sechs Punkte werden, d.h., wenn man von einem Sieg gegen Augsburg ausgeht, jeweils Unentschieden gegen die anderen drei oder ein Sieg, am besten schon mal in Wolfsburg, um gegen Dortmund und Leverkusen Druck raus zunehmen. Im zweiten Päckchen „Union-Gladbach-Mainz-Freiburg“ sollten sieben Punkte herausspringen, genau so wie im letzten Päckchen mit „Schalke-Bielefeld-Köln-Hoffenheim“. Man sieht, dass das alles möglich, aber natürlich keineswegs sicher ist. Am Ende der Saison stünden, bei erfolgreichem Lösen der Rechenaufgaben, 38 Punkte, was die Versetzung der Schüler in die nächste Erstligasaison gewährleisten müsste. Vorteil der Päckchen-Einteilung: Wenn man sein Soll in den ersten beiden Spielen erreicht hat, kann man ganz ungezwungen noch eine Schippe drauflegen. Es ist ja nicht verboten mehr zu holen. Jeder Schüler darf rechnen, soviel er will und auf dem Platz ist das Toreschießen nicht verboten.

Aber am Ende des Tages, wie man neuerdings zu sagen pflegt, hat eben doch jeder sein Päckchen zu tragen und das der Herthaner ist momentan besonders groß und schwer…

Hält die Thomas-Kroh-Serie?

Tja, bisher liegt er voll auf Kurs: Thomas Kroh prophezeite fünf Niederlagen in den ersten fünf Spielen unter dem neuen alten Trainer Pal Dardai. Die ersten beiden Spiele wurden planmäßig verloren, wenn auch nach ansprechenden Leistungen mit etwas „Spielpech“. Gegen Leipzig und in Wolfsburg (mit massiver Fanunterstützung in den letzten Jahren immer für ein Überraschungsresultat gut) dürften die Trauben recht hoch hängen, am ehesten scheint in Stuttgart etwas zu holen zu sein, auch wenn Dardai in der Pressekonferenz entsprechende Fragen energisch zurückwies. Aber die Stuttgarter Heimbilanz ist nun mal nicht überragend und Hertha hat auswärts, wenn man die Spiele in Freiburg und Bielefeld ausklammert, immer gut gespielt, wenn auch meist wenig Zählbares dabei heraussprang. Wenn Hertha nicht absteigen will (und wer will das schon?), muss die Mannschaft heute einen Punkt, besser noch drei Punkte, holen. Und da die Spieler ja „nullkommanull“ Druck haben, wie Dardai erklärte, müsste ein 1:3-Auswärtssieg im Bereich des Möglichen liegen und Hertha-Hasser Thomas Kroh könnte über seine Vorhersage nachsinnen.

Nachsinnen könnte man mit Abstand auch mal über die viel und von vielen kritisierte Trainerbestellung des Ex-Managers Michael Preetz. Zugegeben, bei Hertha gibt es keine Freiburger oder Bremer Verhältnisse, was aber auch der stets aufgekratzten Stimmung bei den Medienvertretern im allgemeinen und der Meckersucht der Berliner Fans im speziellen geschuldet ist. Natürlich wurden nach Favres Entlassung 2009 mit Funkel, Babbel, Skibbe, Rehhagel, Luhukay, Dardai, Covic, Klinsmann, Nouri und Labbadia (Interimstrainer wie Tretschok mal ausgelassen) zehn Trainer in zwölf Jahren verpflichtet (wobei man Nouri eigentlich nicht zählen kann, da er ja nicht nach einer Kündigung sondern nach Klinsmanns Flucht neuer Trainer werden musste), aber die erfolgreichen Trainer (Babbel, Luhukay, Dardai) haben immerhin 289 Spiele geleitet, während die gar nicht, weniger oder nur teilweise erfolgreichen (Funkel, Skibbe, Rehhagel, Covic, Klinsmann, Nouri und Labbadia) nur bei 95 Spielen Coach waren. Wenn man sich erinnert, was den meisten ja recht schwer fällt, weiß man, dass unter Funkel viel Pech dabei war und es eine großartige Aufholjäger-Zeit in der Rückrunde, vor allem bei Auswärtsspielen mit hohen Siegen gab, dass Rehhagel die Mannschaft vor dem direkten Abstieg gerettet hat und unglücklich in der Düsseldorfer Relegation verlor, dass Klinsmann rein sportlich einen guten Punkteschnitt hatte und dass Labbadia nach der Pandemie das Abstiegsgespenst mit vier nicht verlorenen Spielen schnell verscheuchte. Bleiben als Fehlgriffe eigentlich nur Skibbe, Covic und (zwangsweise) Nouri, die in der Trainer-Fehlbesetzungsliste stehen bleiben. Und auch hier gilt: Nach der Ernte weiß auch der dümmste Bauer, wo die dicksten Kartoffeln wachsen!

Und wenn man bedenkt, dass Hertha nach den unglücklichen Abstiegen sofort wieder recht souverän aufgestiegen ist, kann man dem Manager in der Kaderzusammenstellung nur wenige Vorwürfe machen. Was ja, wie man am HSV, der jetzt im dritten Zweitligajahr ist, sieht, nicht selbstverständlich ist. Von Vereinen wie dem 1.FC Kaiserslautern, die der vierten Liga zustreben mal ganz abgesehen.

Nur in diesem Jahr scheint das große Geld, Fluch und Segen zugleich, dem Preetzer etwas den gesunden Menschenverstand vernebelt zu haben. Die Vorwürfe Dardais in Bezug auf die fehlende Erfahrung von Spielern und die nicht vorhandene Achse waren eindeutig. Unter dem Strich bleibt aber, und das verkennen viele der jetzt so lauten Schreihälse, dass Preetz zu 80 % gute Arbeit abgeliefert hat. Das sollen die Gröler erst mal nachmachen…

Kommt die große Wende schon gegen die Bayern?

Die Frage aus der Überschrift kann man getrost verneinen, wenn man die allseits bekannte Statistik zu Hilfe ruft. In den bisherigen 71 Bundesligaspielen seit der Saison 1968/69 (in den ersten beiden Bundesligajahren fehlten die Bayern – im zweiten wurden sie pikanterweise von Tasmania 1900 aus der Aufstiegsrunde gekegelt – und in der dritten bis fünften Saison gurkte Hertha in der Regionalliga Berlin herum) haben 41 mal die Bayern gewonnen, 20 Spiele endeten Unentschieden und nur 10 mal gewann Hertha. Im heimischen Olympiastadion gab es in 35 Spielen immerhin 8 Hertha-Siege bei 14 Unentschieden und 13 Niederlagen. Das Heim-Torverhältnis von 45 : 66 weist im Durchschnitt auf eine 1:2-Niederlage hin. Damit könnte man, unter normalen Umständen, durchaus zufrieden sein, da man vor der Saison aus den beiden Bayern-Spielen sowieso null Punkte in die Planung einfließen lässt.

Diesmal wäre natürlich ein Punkt (an drei zu denken wäre unverschämt, arrogant und egoistisch, schließlich müssen die Münchener ja Meister werden, und möglichst nicht erst fünf Spieltage vor Saisonende) Gold wert, würde es der Mannschaft doch Selbstvertrauen für die folgenden Aufgaben in Stuttgart und gegen Leipzig einflößen. Und das ist ja das einzige, was den Herthanern momentan in reichlichem Maße fehlt, von Passgenauigkeit, Abwehrverhalten, systematischem Spielaufbau und Effektivität vor dem gegnerischen Tor einmal großzügig abgesehen.

In der Fußball-Woche wird in Corona-Zeiten mangels aktuell möglicher Berichterstattung aus den unterklassigen Ligen wöchentlich im Archiv der Zeitung gekramt. Und seit den großen Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, den großen Hertha-Zeiten, zieht sich durch die Berichterstattung, dass Hertha nun mal eine Wundertütenmannschaft war und ist. Egal mit welchen Spielern unter welchen Umständen zu welchen Zeiten: Immer konnte man von Hertha erwarten, was eigentlich nicht zu erwarten war. Siege, wenn man chancenlos war und Niederlagen gegen Mannscaften, die eigentlich jeder schlug. Deshalb ist ja auch beim heutigen Geisterspiel alles möglich, man sollte aber keinesfalls fest mit einem allzu hohen Sieg der Herthaner rechnen. Vielleicht wird er ja dann Wirklichkeit…

Übrigens: Es ist noch viel zu wenig im öffentlichen Bewusstsein verankert, wann Bayern München seine erste von mittlerweile drei Millionen Deutschen Meisterschaften holte: 1932, also nachdem Hertha 1930 und 1931 seine beiden einzigen Titel geholt hatte. Eine neuerliche Ablösung werden selbst junge Menschen zu Lebzeiten wohl nicht mehr erleben…

Verliert Hertha fünf Mal?

Nun gut, da stimmt schon mal das erste Ergebnis: Thomas Kroh, seines Zeichens Hertha-Hasser im rbb-Inforadio, sagt dem neuen Trainer Dardai fünf Niederlagen in den ersten fünf Spielen seiner zweiten Amtszeit voraus. Nach dem Frankfurt-Spiel stimmt das bereits zu 20 %. Wie wird es nach den Spielen gegen Bayern, Stuttgart, Leipzig und Wolfsburg sein? Schon möglich, dass der gute Polemik-Papst Kroh recht behält, denkbar sind aber auch fünf Punkte, d.h. ein Sieg in Stuttgart und Unentschieden gegen Leipzig und Wolfsburg, wenn wir realitätstreu, wie wir eben sind, eine Niederlage gegen die Münchener als gegeben verbuchen wollen.

Nach fünf Niederlagen wäre auch Pal Dardai schon wieder Geschichte, weil von ihm ja die Aussage stammt, dass ein Trainer nach fünf Niederlagen gehen muss. Labbadia musste nach zwei Niederlagen gehen, auch wenn er nichts für verschossene Elfmeter kann und Spielern auch nicht als taktisches Konzept mitgegeben hatte, nach zehn Minuten einen Gegner im Strafraum umzugrätschen.

Was kann helfen? Wer kann helfen?

Sami Khedira kann höchstwahrscheinlich nicht helfen, obwohl Neumanager Arne Friedrich ankündigte nur dann auf dem Transfermarkt tätig zu werden, wenn ein Spieler sofort helfen könne. Auf Khediras Position spielen Ascacibar, Tousart, Guendouzi, Löwen, Stark, und der verliehene Maier. Aber vielleicht hilft ja viel viel. Eventuell ist Khedira mit seiner Mentalität und seiner Erfahrung genau das fehlende Puzzleteil, um Hertha in die Erfolgsspur zurückzuführen. Denn das ist es ja, was Dardai als klaren Seitenhieb auf seinen Ex-Vorgesetzten Preetz nach dem Frankfurt-Spiel öffentlich bemängelte: Dass die Mannschaft zu jung und unerfahren und nicht ausgewogen zusammengestellt sei. Das war vielleicht auch eine kleine Revanche für die nicht ganz so sauber wie geplant abgelaufene Ablösung Dardais vor anderthalb Jahren.

Aber selbst wenn Khedira trotz mangelnder Spielpraxis Hertha stabilisiert, wird das Abstiegsgespenst noch eine ganze Weile über dem Westteil der Hauptstadt drohen. Auch wenn das Spiel in Frankfurt Mut machte, hielt Hertha doch bis zur 85 Minute ein Unentschieden bei der aktuell stärksten Bundesliga-Mannschaft. Aber in München hatte man ein Unentschieden bis zur 94. Minute gehalten und in Leipzig trotz 40-minütiger Unterzahl bis kurz vor dem Ende ebenfalls. Es müssen ein paar Erfolgserlebnisse her, um nicht in den letzten Saisonspielen gegen Köln, Bielefeld und Schalke auf Siege angewiesen zu sein, um den Abstieg, bzw. die Relegation zu vermeiden. Das hatten wir schon mal vor neun Jahren und es ist schiefgegangen. Und dass man bei Holstein Kiel nicht zwangsläufig dank besserer individueller Klasse gewinnen muss haben vor kurzem schon ganz andere erlebt…