Die Kaderplanung Herthas ist fast abgeschlossen…

Der erste Neuzugang der Saison bei Hertha ist gleich ein Hochkaräter: Davie Selke verstärkt endlich (wieder) den Angriff der Blauweißen. Ob mit der Bekanntgabe dieser Tatsache große virtuelle Begeisterungsstürme auf der morgen stattfindenden Mitgliederversammlung bei Hertha ausgelöst werden können, erscheint zweifelhaft. Statt einer festgeschriebenen Ablösesumme in zweistelliger Millionenhöhe (die das ganze Trauerspiel Werder Bremens wie mit grellem Scheinwerfer angestrahlt verdeutlicht) erhält man jetzt ungewollt die Manpower zurück, die sich voraussichtlich aber hinter Cordoba und Piatek erst mal in der dritten Reihe anstellen muss.

Dabei ist die Karriere des mittlerweile 25jährigen gar nicht so erfolglos gewesen: Mit 193 Spielen in der 1. (Werder Bremen, Hertha BSC und wieder Werder) und 2. Bundesliga (RB Leipzig) und 40 Toren, U19 Europameister 2014 (bester Torschütze und bester Spieler), U 21 Europameister 2017, Silbermedaillengewinner 2016 in Rio hat er Meriten erworben, die nicht jeder vorweisen kann.

Aber die drei Tore, die Selke in den letzten eineinhalb Jahren als Leihspieler bei Bremen erzielte, lassen nicht erwarten, dass eine Leistungsexplosion kurzfristig bevorsteht. Auch wenn Demnächst-Ex-Bundestrainer Löw und Noch-Experte Lothar Matthäus einen potenziellen Nationalspieler in Selke sahen (Löw: „12 Saisontore-Spieler“), hat er, der seit seiner Lungenverletzung in der Saisonvorbereitung 2018/19 nie mehr zu guter Form fand, noch kein A-Länderspiel gemacht. Laut wikipedia wäre er deshalb auch für die Mannschaft Tschechiens spielberechtigt, aber Spieler, die keine Tore schießen, hat Tschechien wahrscheinlich selber genug. Vielleicht besteht ja die Möglichkeit, Selke an den Nachbarn Union weiterzuschieben. Die Unioner verstehen sich ja recht gut darauf, mittelmäßige Spieler besser zu machen und ins Profil der Köpenicker, die einen guten Kopfballspieler dringend gebrauchen können, passt Selke hervorragend hinein. Aber eventuell kann Pal Dardai, wenn er denn Trainer bei Hertha bleiben sollte, auch wieder das Potenzial aus Selke herauskitzeln, wie es ihm schon vor Jahren gelungen ist.

Wer fehlt noch im Kader? Neben Klünter, Pekarik und Zeefuik ein flankenfähiger Rechtsverteidiger, genau wie auf der anderen Seite neben Mittelstädt und Plattenhardt einer für die linke Seite. In der Innenverteidigung, dem defensiven Mittelfeld und der Sturmspitze besteht eher ein Überangebot.

Aber eine Position, die bei Hertha seit Marcelinhos Zeiten nur unzureichend besetzt ist, nämlich die des „Spielgestalters“, die auch Cunha nur unzureichend ausfüllt, sollte dringend mit Leben erfüllt werden. Wenn dies jemand wäre, der auch die Hierarchielücke, die Sami Khedira jetzt wieder hinterlässt, schließen könnte, wären zwei Fliegen auf einen Streich erledigt. Ein Kevin-Prince Boateng wollte ja mal am Ende seiner Karriere zu Hertha zurück, aber sein Ego scheint nicht bezähmbar. Und einen Toni Kroos wird man sich trotz aller Windhorst-Millionen nicht leisten (wollen).

Also bleibt nur das Hoffen in Fredi Bobics seherische Fähigkeiten und sein gutes Netzwerk, mit dem er einen perfekt passenden Spieler aus dem Transferpool fischt.

Es fehlt neben ein bisschen Glück (laut Pal Dardai macht das immerhin 30 Prozent beim Fußball aus!) nicht viel, um Hertha in der nächsten Saison ziemlich weit oben mitspielen zu lassen.

Nach der Saison ist vor der Saison

Die Vorfreude auf die Saison 2021/22 will sich trotz der zu erhoffenden Möglichkeit, Heimniederlagen wieder live im Stadion bei Regen, Kälte und Dunkelheit erleben zu dürfen, nicht recht einstellen. Gut – der normale Herthaner konnte das Spiel in Hoffenheim entspannt auf dem heimischen Fernsehsessel genießen, und so schlecht war es ja gar nicht, was in der zweiten Halbzeit geboten wurde, wenn man vom Niederlagen-Tor in der Nachspielzeit mal absieht. Aber vor zwei Wochen hätte man strahlend vor Dankbarkeit unterschrieben, wenn einem angeboten worden wäre, dass es für Hertha am letzten Spieltag um nichts mehr ginge. Kein Zittern, kein Hoffen, kein Horror wie in Bremen, Bielefeld und Köln. Das gönnt man keinem, nicht mal Schalke, aber die mussten schon lange nicht mehr zittern.

Hertha beendet die Saison zum 5. Mal in der Bundesliga-Geschichte der Blauweißen als 14. Nie Meister, dreimal Letzter, einmal Vizemeister und sehr viel dazwischen. Im Durchschnitt ihrer 38 Spielzeiten im Oberhaus (von 58 möglichen) war Hertha 10. (genau 9,61.). Das ist sonderbarer Weise besser als der 12. Platz der ewigen Tabelle, den Hertha mit 1709 Punkten innehat, unverrückbar festgemauert zwischen oben (Kaiserslautern mit 385 Punkten Vorsprung) und unten (Bochum 335 Punkte dahinter). Na ja, vielleicht geht ja was in zehn Jahren…

Insofern war es nicht nur statistisch eine unterdurchschnittliche Saison mit einem, wie allseits behauptet wird, überdurchschnittlichen Kader. Es wäre zu hoffen, dass in der neuen Saison mindestens ein einstelliger Tabellenplatz erzielt wird, um überdurchschnittliches abzuliefern.

Was müsste man Fredi Bobic mit auf den Weg geben, wenn er nicht sowieso bestens informiert wäre?

Den Kader nicht wieder runderneuern, sondern behutsam, an zwei, drei Stellen ergänzen. Arne Maier zurückholen, er hat jetzt genug Spielpraxis in der Fremde gesammelt. Und wenn Guendouzi zu seinem Stammverein zurückkehrt wäre ja in jedem Fall ein Platz frei. Ansonsten ist die Mannschaft gut genug besetzt, um in der oberen Tabellenhälfte mitzuspielen. Ob mehr möglich ist, steht in den Sternen. Hauptsache man schmeißt nicht mit dem vielen Geld, das auf dem Festgeldkonto liegt, um sich. Wenn ein paar Euro für`s neue Stadion, das ja wohl demnächst eröffnet werden soll, übrigbleiben, kann es auch nicht schaden. Ach nee, das war ja Freiburg, die ein neues Stadion gebaut haben…

Geld schießt (keine) Tore!

Ja, was denn nun? Natürlich schießt Geld Tore, und zwar 40 in einer Saison. Außer den Bayern könnte sich kein anderer deutscher Verein den derzeit besten Fußballer der Welt leisten. Aber dass man mit seinem Geld auch das Richtige anfangen müsste und das Falsche machen kann, haben schon viele Vereine bewiesen, wie der HSV, dem noch ein viertes Jahr Bedenkzeit in der Liga 2 gegönnt wurde, oder der von Gazprom mit hunderten von Millionen verwöhnte FC Schalke 04. Gazprom? Ist nicht ein gewisser selbsternannter Premium-Fan von Borussia Dortmund namens Gerhard Schröder ein hohes Tier bei der mit Gazprom eng verbandelten Schwesterfirma North-Stream? Und warum schüttet er den Erzfeind Schalke mit Petromillionen so zu, dass sie kaum noch die mittlerweile saubere Ruhrgebietsluft atmen können? Wir beginnen zu verstehen: Weil NUR Geld eben nicht reicht, man muss auch was von der Sache verstehen. Und ein bisschen Glück und Fingerspitzengefühl gehört ebenfalls dazu.

Was man auch von Dieter Hoeneß nicht behaupten konnte, als er 2003 den jubelnden Herthanern auf der Mitgliederversammlung stolz verkündete, dass er gerade 28 Tore eingekauft habe, indem er Fredi Bobic und Artur Wichniarek für Geld, das er gar nicht hatte, verpflichtete. Dass diese dann in zusammen sechs Spielzeiten nur noch 12 mal einnetzten, d.h. ZWEI Tore pro Saison (Bobic in 54 Spielen 8 Tore und Wichniarek in 63 Begegnungen ganze 4 Tore), wohlgemerkt als Stürmer und nicht als Torwart, zeigt wieder, dass die Geldbündel allein nichts garantieren.

Schwamm drüber. Aber die 50 Millionen Schulden, die Hoeness seinem Nachfolger Preetz vererbte, beeinflussten die folgenden zehn Jahre, was Transfermöglichkeiten anging, negativ. Erst mit den Windhorst-Millionen änderte sich das, aber wer einmal am Hungertuche nagt, kann mit plötzlichem Reichtum oft nichts anfangen. In unguter Erinnerung ist das Schicksal des Lotto-Hauptgewinners (damals 500.000 DM), der das Schild „Wegen Reichtum geschlossen“ an seinen kleinen Laden anpinnte. Nach einem Jahr waren die Hunderttausende und auch der Laden weg…

Das ehemalige Aufsichtsratsmitglied von Hertha, Jens Lehmann, sagte neulich in einer Fußball-Talkrunde, dass sein Arsenal-Trainer Arsenne Wenger dazu neigte, Geld auch mal nicht auszugeben. Wenn ein potenzieller neuer , teurer Spieler nicht wesentlich besser sei als ein vorhandener, warum diesen Transfer tätigen? Auf Hertha bezogen: Ein fitter, verletzungsfreier Arne Maier ist kein Deut schlechter als ein guter, aber eben auch nicht weiterhelfender Tousart, der 25 Millionen kostete!

Hertha hat die falsche Kurve, die der plötzliche Geldsegen bescherte, dank Pal Dardai gerade noch so gemeistert, im Gegensatz zu den ehemals mit Geld um sich werfenden Schalkern, die sich jetzt immerhin, trotz 200 Millionen Euro Schulden, einen Simon Terodde vom HSV leisten können. Respekt! Oder wird Schalke in die dritte Liga durchgereicht, wie vorher Kaiserslautern, Braunschweig, Duisburg, 1860 und andere vorgemacht hatten? Man könnte ja mal Gerhard Schröder fragen, wer der nächste Sponsor von Schalke 04 wird…

Der Zauberer Dardai

Es gibt ja für alles und jeden Quatsch Datenbanken, in dem das Fußballspiel der oberen Ligen mit Hilfe der Chips, die jeder Fußballer mit sich herumschleppt (bald hat laut klugen Querdenkermenschen jeder Geimpfte so einen Chip aus der Spritze bekommen) bis ins kleinste Detail auseinandergenommen und analysiert werden kann. Aber gibt es auch eine Datenbank, die die Wechsel in der Aufstellung von Spiel zu Spiel darstellt? Ich habe davon noch nie gehört, wage aber die Behauptung aufzustellen, dass es in der Geschichte der Bundesliga seit 1963 noch nie einen Wechsel von neun Spielern innerhalb von drei Tagen gegeben hat! Herthas Trainer Dardai hat, zur Überraschung selbst seines Trainerteams, im Spiel gegen Freiburg aus der Not eine Tugend gemacht, aus dem Vollen geschöpft und bis auf Guendouzi und Torwart Schwolow die „Ersatzmannschaft“ antreten lassen. Das hat sich ja nicht mal Sepp Herberger 1954 bei seinem genialen Schachzug gegen Ungarn getraut, als er vor dem Entscheidungsspiel gegen die Türkei die wichtigsten Spieler schonte und die Ungarn in weiser Voraussicht, falls man sich (im Finale) noch mal treffen sollte, in Sicherheit wiegen wollte. Das Ergebnis ist bekannt: Deutschland verlor 3:8, wurde von den zehntausenden deutscher Schlachtenbummler in Basel gnadenlos ausgepfiffen, gewann ausgeruht das Entscheidungsspiel und war zwei Wochen später Weltmeister.

Hertha kann zwar nicht Weltmeister werden und verlor auch nicht 3:8, sondern besiegte Freiburg, weiß Gott kein Laufpublikum, mit 3:0 und hat damit das erste Ziel in der Quarantäne-Aufholjagd erreicht. Pekarik, Torunarigha, Ascacibar, Piatek, Boyata und vor allem Radonjic spielten nicht, als wenn sie wochenlang nicht oder vor der Quarantäne nur sporadisch zum Einsatz gekommen wären, sondern ballsicher und souverän, als wenn sie eine seit drei Jahren kontinuierlich gewachsene Mannschaft wären. Betonung auf Mannschaft!

Besonders Radonjic, der bisher, außer in seinem ersten Spiel gegen die Bayern, hauptsächlich durch Unlust aufgefallen war, spielte wie von einem anderen Stern. Wie er seine Gegenspieler vor dem zweiten und dritten Tor stehenließ, hatte Extraklasse und ließ schon eine Spur Mitleid mit den hinterherhechelnden Freiburgern aufkommen.

Dardai hat viel gewagt und alles gewonnen. Wenn jetzt gegen Bielefeld gewonnen werden würde, dürfte der Abstieg zu 70 % vermieden werden können. Erst bei Siegen auch gegen Schalke und vor allem Köln ist ein Ligaverbleib aber in trockenen Tüchern.

Und wenn das passiert, müsste es doch möglich sein, in der nächsten Saison mit diesem Kader, der kaum noch ergänzt werden muss, weil so viel individuelle Klasse da ist, mindestens in der oberen Hälfte der Tabelle mitzuspielen.

Das kann Hertha nicht schaffen! Oder doch?

Die DFL hat sich einen tollen Trick ausgedacht: Da der Spielplan wegen Herthas Nachholspielen bei 14 Tagen Quarantäne und einer Woche Vorbereitung nicht zu halten gewesen wäre, streicht man einfach die Vorbereitungszeit auf drei Tage zusammen. Freitag, Sonnabend und Sonntag dürfen die Herthaner gemeinsam für den Abstiegskampf trainieren, um am Montag in Mainz das erste von sechs Spielen zu bestreiten. Für so flexibel hätte man die DFL gar nicht gehalten.

Im Tagesspiegel war neulich zu lesen, dass die Situation für Hertha auch positiv gewendet werden könnte. Leider wurden außer psychologischen Floskeln keine konkreten Maßnahmen genannt, wie das laufen soll. Arne Friedrich und CEO Schmidt haben immerhin schon von der „Jetzt-erst-recht-Mentalität“ gesprochen. Darauf könnte man wirklich aufbauen. Sich im virtuellen Kreis aufzustellen und dreimal ganz laut „Wir sind ein – TEAM“ zu brüllen (selbstverständlich unter Einhaltung aller Hygiene- und Abstandsregeln) könnte auch hilfreich sein. Dass sich am Sonnabend um 15.30 Uhr 80.000 potenzielle Abstiegskampf-Stadionbesucher auf den Balkon stellen und ganz lange applaudieren, ist nicht zu erwarten, ein bisschen Pyrotechnik a la Union würde wenigstens das eine oder andere Kamerateam aktivieren.

Klar ist natürlich: Solange die anderen Abstiegskandidaten, also Köln, Bielefeld, Mainz und neuerdings auch Bremen und Augsburg, keine Punkte holen, steigt Herthas Chance, das Feld von hinten in der Jägerrolle ein-und überholen zu können, wie einstmals Nikita Sergejewitsch Chrustschow mit der Sowjetunion an den USA vorbeiziehen wollte. Leider sind aber Köln (Siege gegen Leipzig und Augsburg), Bielefeld (Siege gegen Freiburg und Schalke) und Mainz (Siege gegen Hoffenheim, Köln und Bremen) gemeine Spielverderber. Und je größer der nicht virtuelle sondern ganz konkrete Punkteabstand auf den Relegationsplatz oder gar den ersten Nichtabstiegsplatz 15 wird, desto mehr verschlechtert sich das psychologische Moment einer dann fast aussichtslosen Aufholjagd für Hertha.

Wenn das erste Spiel gegen Mainz am 3. Mai gewonnen werden kann, könnte es einen befreienden Schub geben, zumal die Mannschaft zwar einerseits Trainingsrückstand hat, andererseits aber auch zwei Wochen Kraft schöpfen und aktive Regeneration betreiben konnte.

Die maximal erreichbare Punktzahl von Herthas Mitkonkurrenten liegt bei 43 (Mainz), 42 (Augsburg, Bremen und Bielefeld) sowie 38 (Köln). Hertha kann theoretisch noch auf 44 Punkte kommen. Eine Spielerei, natürlich, aber ein Hinweis darauf, dass noch alle Chancen auf den Klassenerhalt bestehen. Manchmal hilft lautes Rufen im dunklen Wald ein bisschen. Vielleicht…

Herthas Tanz auf dem Abstiegsvulkan

„Ausgerechnet Hertha…“ würde Ernst Huberty, mit den Nerven am Ende, ins Mikrophon hauchen, wenn er noch aktiv wäre. Und wie diejenigen, die dank der Gnade der frühen Geburt mit offenen Mündern 1970 vor dem Fernseher sitzend und sich des historischen Ereignisses bewusst, dem sie beiwohnen dürfen, die Verlängerung im Halbfinale zwischen Deutschland und Italien bestaunten, können auch wir, 51 Jahre später, dem Abstiegskampf der Herthaner beiwohnen.

Warum die Mannschaft im Gegensatz zu anderen Vereinen, die auch mit mehreren Coronafällen weiterspielen durften, aus dem Spielbetrieb zurückgezogen wird, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht ist die Anzahl „fünf“ ja der sogenannte Inzidenzwert, der genauso willkürlich wie es die 50, 100 oder 200 bei den Einschränkungen im täglichen Leben sind. Irgendwo muss die Grenze eben gesetzt werden. Wie dem auch sei: Die Folge ist, dass die Saison unter normalen Umständen und ohne Änderung der Spielordnung nicht beendet werden kann:

Die Quarantäne der Hertha-Spieler dauert vom 15.4. bis zum 29.4.. Danach wird Hertha eine Woche Vorbereitung zugestanden, in der das Toreerzielen nach Eckbällen geübt werden und sich an den Geruch von Rasen gewöhnt werden kann. Diese Übungswoche endet am 6.5. Da laut Spielordnung die letzten beiden Spieltage, um Wettbewerbsverzerrungen auszuschließen, für alle Mannschaften zeitgleich am Sonnabend um 15.30 Uhr stattfinden müssen, müssen die vier Nachholspiele von Hertha also vor dem 15. Mai (Ansetzung des 33. Spieltages) terminiert werden. Die Spiele könnten demnach am 7.5., 9.5., 11.5., und 13. 5. stattfinden, um am 15.5. ins „normale“ Ligageschehen eingreifen zu können.

Alle zwei Tage ein Spiel ohne vorheriges ausreichendes Zweikampftraining? Muskelrisse sind hier in Mengen vorprogrammiert. Aber was soll`s, es ist ja nur Abstiegskampf. Und außerdem noch „nur Hertha“. Alle zwei Tage ein Spiel? Das geht vielleicht manchmal beim Basketball oder beim Eishockey, da stehen die Spieler aber teilweise auch nur 20 Minuten effektiv auf dem Spielfeld. Beim Fußball nicht möglich. Zwei Tage Pause zwischen den Spielen wäre das Minimum. Das wird interessant, wie Arne Friedrich und CEO Schmidt, die in ständigem Kontakt mit der DFL stehen, aus diesem Schlamassel rauskommen wollen. Denn eine Saisonverlängerung ist wegen der EM auch nicht möglich.

Die einfachste Lösung wäre natürlich in guter alter DFB-Tradition, Hertha die Spiele am Grünen Tisch verlieren zu lassen („sind ja selbst an den Ansteckungen schuld“). Den freiwerdenden Platz in der Liga könnte dann eigentlich Schalke 04 einnehmen, die haben es sich mit sportlich fairer Einstellung und wirtschaftlich solider Arbeit redlich verdient. Dann könnte Ernst Huberty wirklich sagen: „Ausgerechnet Hertha…“

Endlich wieder was los bei Hertha…

Na, das wurde ja auch langsam Zeit: Nach Klinsmanns epochalem Abschied aus Berlin und dem eher geräuschlosen Rausschmiss des Duos Preetz/Labbadia war es seit einiger Zeit still um die Alte Dame geworden. Man spielte Fußball und holte den einen oder anderen Punkt, der vielleicht doch noch vor dem Abstieg retten könnte. Da meldet sich ausgerechnet ein ganz Stiller, der Torwarttrainer Zsolt Petry zu Wort und erklärt uns ausführlich, was er für unmoralisch und unanständig hält. Es hat ihn zwar niemand gefragt, wenn man von einer unanständigen und unmoralischen ungarischen regimetreuen Zeitung absieht, aber manche Menschen verfügen eben über ein gewisses Mitteilungsbedürfnis. Nun ist der gute Zsolt „freigestellt“, was nichts anderes heißt, dass er sein Geld auch ohne Arbeit bekommt, da er vor jedem deutschen Arbeitsgericht natürlich Recht bekommt, falls er gekündigt werden sollte. Wir denken mit Grauen an die 400.000 Euro, die Christian Fiedler damals erhielt, als er aus unerfindlichen Gründen von Hertha (Preetz?) gefeuert wurde. Allerdings: Ein so großer Verlust scheint der zwangsweise Abgang des Torwarttrainers nicht zu sein, denn wer es in sieben Jahren nicht schafft, einem Torwart wie Rune Jarstein beizubringen, wie eine schnelle Spieleröffnung aussieht (das eine oder andere Video von Manuel Neuer könnte nicht schaden), hat sein Soll eigentlich nicht erfüllt. Und tschüss…

Und was macht die Mannschaft im Abstiegskampf?

An der Alten Försterei schon mal fast gar nichts. Nachdem durch den Sieg gegen Leverkusen das zweite Dardaische Viererpäckchen mit sechs Punkten doch noch erfolgreich abgeschlossen wurde, müssen im Union-Gladbach-Mainz-Freiburg-Päckchen noch zwei Siege her, um vielleicht am letzten Spieltag doch schon drei Punkte und das bessere Torverhältnis Vorsprung zumindest vor dem direkten Abstiegsplatz zu haben.

Also: Alles ist möglich, aber gut wäre ein Sieg gegen Mönchengladbach für die Seele schon. Könnte klappen, falls der Torwart ohne Zsolt Petry fit ist…

Hertha und der Länderspiel-Fluch

Niklas Stark spielt seit Wochen in bestechender Form in Herthas Dreierkette. Er leitet die jüngeren und unerfahreneren Klünter und Dardai an und reißt sie mit, so dass sowohl ein Lewandowski als auch ein Haaland zur Bedeutungslosigkeit degradiert wurden. Zum Glück verzichtete Noch-Bundestrainer Löw auf die Nominierung Starks für die drei kommenden Qualifikationsspiele und lädt stattdessen den deutlich indisponierteren Tah ein. Zum Glück? Natürlich, denn Hertha-Spieler und die Nationalmannschaft, das geht seit Erich Beers Siebzigerjahre-Berufungen gar nicht mehr (Arne Friedrich nehmen wir mal als übergroße Ausnahme aus der Bewertung).

Beispiele? Bitte schön:

Nachdem Plattenhardt einige Länderspiele, u.a. bei der unsäglichen Russland-WM absolviert hatte, rauschte seine Formkurve senkrecht in die Tiefe. Seit einigen Monaten findet er langsam zu ähnlicher Form der frühen Tage zurück, ohne jedoch so freistoß- und flankengefährlich zu sein wie früher.

Als Dilrosun sein erstes Länderspiel machte, verletzte er sich nach 20 Minuten und hat seither seine alte Explosivität nicht wiedergefunden.

Kurz nach Cunhas erster Berufung in die Selecao traf er nicht mehr, gewann keine Zweikämpfe mehr und verweigerte weitgehend die Arbeit. Langsam wird es wieder, aber man hofft nicht auf weitere Berufungen.

Niklas Stark selber machte ja bis zu seinem ersten Kurzeinsatz bei den Adlerträgern eine wahre Odyssee an Ausfällen durch die skurrielsten Verletzungen und Krankheiten durch, die man sich vorstellen kann. Jetzt, ein Jahr später, ist er wieder in Form, und Jogi Löw hat offenbar Verständnis dafür, dass er bei Hertha im Abstiegskampf gebraucht wird.

Just in diesem Moment erhalten mehrere Union-Spieler, u.a. Kapitän und Leader Trimmel ihrerseits Einladungen für ihre Nationalmannschaften. Vielleicht überträgt sich das Virus der Formschwäche nach Länderspiel-Nominierungen ja mal nicht auf Hertha, sondern auf Union. Für das anstehende Derby könnte Hertha externe Unterstützung ganz gut gebrauchen. Und bei einem Hertha-Sieg würde Max Kruse vielleicht sogar von seinen ungeliebten „Europapokal“-Spielen verschont werden. Wir helfen gerne…

Bloß keine Zuschauer

Seitdem der Lockdown unser Leben bereichert, hat Hertha zwei Heimderbys gegen Berlins Fußballverein Nr. 1, den 1. FC Union, gespielt und mit einem Gesamttorverhältnis von 7:1 nicht allzu schlecht abgeschnitten. Das Olympiastadion war von allen ablenkenden, irritierenden und nervös machenden Störenfrieden, genannt Fußballfans, freigehalten, so dass die Herren Berufssportler ungestört ihrer eigentlichen Bestimmung, nämlich ihrer sonderbaren Art von Leibesübungen zu frönen, nachgehen konnten.

Im ersten Erstligaderby an der Wuhlheide war alles ganz anders. Viele Freunde der gepflegten Pyrotechnik hatten sich ins Stadion verirrt und meinten dort schon für Silvester trainieren zu müssen. Auch selbsternannte Pistoleros konnten sich die Ausübung ihres Hobbys nicht verkneifen und ballerten auf alles, was sich bewegte und rotweiße Kleidung trug. Nach Spielende verwechselten Bergsteiger die Alte Försterei mit einer Kletterhalle und überwanden den mit Schwierigkeitsgrad eins versehenen Zaun mit Leichtigkeit, nur um den kleinen Schwanz vor Torwart Gikiewicz einzuziehen und sich in ihren angestammten Bereich zurückscheuchen zu lassen.

Union konnte alle nicht verschuldeten Unregelmäßigkeiten für sich ausnutzen und gewann gegen indisponierte Herthaner durch einen nicht unumstrittenen Foulelfmeter knapp mit 1:0. Und jetzt kommt tatsächlich jemand auf die Idee, das Derby in der Alten Försterei wieder vor Zuschauern stattfinden zu lassen! Das kann ja nur von einem eingefleischten Fan der Köpenicker ins Spiel gebracht worden sein, wie z.B. Herrn Lederer von den Linken, dessen Sympathien auch ohne ausdrückliche Befragung klar sein dürften. Aus taktischen Gründen werden noch ein Theaterstück und ein Konzert der Philharmoniker gestattet, um die Bevorzugung Unions zu vertuschen, was natürlich nur Menschen, die an das Gute im Leben des Nachbarn glauben, nicht durchschauen.

Nun gut! Lassen wir doch zu Testzwecken tausend Schreihälse ins Union-Stadion ein und die Arena in ein Höllenhaus verwandeln. Wenn Hertha dann verliert, wissen alle aufrechten Menschen wenigstens, woran es gelegen hat: An den Politikern, dem Schiedsrichter und dem Scheiß-DFBeeh sowieso…

Man wird ja wohl noch träumen dürfen!

Seit Pal Dardai wieder Trainer der verunsicherten Hertha-Mannschaft geworden ist, haben die Spieler fast immer guten bis ordentlichen Fußball gespielt, was sicher auf die Lockerheit von Pal und Zecke, gepaart mit der Vermittlung von Vertrauen zurückzuführen ist, was insgesamt zu mehr Selbstvertrauen führt. Viel mehr Punkte als vorher hat es noch nicht gebracht, aber die Ernte soll ja auch erst im Mai in Form des Nichtabstiegs in die Scheune gebracht werden.

Unter dem sympathischen Hessen Labbadia holte Hertha 17 Punkte in 18 Spielen was als Quotient 0,944 auf dem Taschenrechner anzeigt. Der sympathische Ungar Dardai führte das Team in sechs Spielen zu 4 Punkten, was leider nur 0,666 Punkte pro Spiel ergibt und die Bilanz eines Absteigers ist. Wenn es nicht Pal Dardai wäre, und vier Spiele gegen die ersten Vier der Tabelle dabei gewesen wären, und in jedem der vier „Champions-League-Spiele“ Hertha durchaus Punkte hätte mitnehmen können, würde mit Sicherheit in der Presse und bei den typischen „Fans“ schon wieder unter vorgehaltener Hand ein neuer Trainer im Gespräch sein, ob er nun Magath, der ewige Rangnick, Neururer oder gar Falko Götz hieße.

Das ist zum Glück nicht der Fall, Pal steht ungefährdet da. Schön wäre es aber schon, wenn sich sein Schnitt in Richtung der 1,0 bewegen würde, was nur 34 Punkte am Saisonende bedeuten würde, und keineswegs einen Abstiegsplatz oder den ungeliebten Relegationsrang 16 ausschließen würde. Ein Sieg gegen Dortmund und/oder gegen Leverkusen würde die Situation fühlbar entspannen, allein, es fehlt der Glaube. Einigen wir uns in Güte auf zwei Unentschieden, was den Pal-Schnitt auf immerhin 0,75 Punkte/Spiel verbessern, das Selbstvertrauen für die letzten acht Begegnungen aber um 100% stärken würde. Viel Konjunktiv…

Wenn man sieht, wie sich einzelne Spieler verbessert haben, darf man, wenn der Abstieg vermieden wird, optimistisch in die Zukunft blicken: Tousart wird immer stärker, selbst Zeefuik weist schon manchmal Bundesliga-Qualität nach, Piatek wird langsam aber sicher ein gefährlicher Strafraumspieler und mit Marton Dardai ist urplötzlich ein souveräner Abwehrspieler aus dem Hut gezaubert worden. Wenn dann noch Kapitän Boyata, Torunarigha, Plattenhardt, Cunha und Khedira aus ihren Verletzungspausen zurückkehren und mit Fredi Bobic ein erfolgreicher Ex-Herthaner als Sportlicher Leiter verpflichtet werden könnte, könnte die Mannschaft selbst ohne Transfers (wichtig: Kontinuität!!!) eine Rolle im oberen Tabellendrittel spielen.

Aber erst mal müssen die Spieler ihre Hausaufgaben machen und nicht virtuell, sondern höchst analog, auf dem Rasen Punkte holen. Am besten schon in Dortmund…