Mit Brekalo zum Aufstieg?

Hertha hat doch noch zugeschlagen: Nach den Abgängen von Thorsteinsson und Rogel, die Herthas klamme Kasse im Verhältnis zu den dargebrachten Leistungen über Gebühr belasteten, hat Hertha den kroatischen Ex-Nationalspieler Josip Brekalo verpflichtet. Seine Vita liest sich mit dem Durchlaufen sämtlicher kroatischer Jugendnationalmannschaften und 35 A-Länderspielen recht beeindruckend. Mit 27 Jahren befindet er sich im allerbesten Fußballeralter. Was die Euphorie etwas bremsen könnte, ist die Tatsache, dass Brekalo in 11 Jahren bei neun Vereinen tätig war, bei einigen auf Leihbasis, was ja nichts anderes heißt, dass die abgebenden Vereine nicht völlig überzeugt von seinen Leistungen waren. Aber denken wir an ähnliche Fälle, wie Pantelic und Ibisevic, die auch erst bei Hertha zu Konstanz und überragender Leistungsfähigkeit fanden. Was allerdings Ausnahmefälle waren, ist doch Hertha der Verein, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dazu in der Lage ist, Spieler von Tag zu Tag ein bisschen schlechter werden zu lassen. Selbst ein Reese hat seine Dynamik, Schnelligkeit und mitreißenden Flügelläufe im dritten Jahr bei Hertha fast völlig eingebüßt.

Nun gut, verhilft Brekalo Hertha zum Aufstieg? Wen soll er als Außenspieler eigentlich ersetzen? Reese? Winkler? Cuisance? Oder schulen wir ihn, wie einstmals Jolly Sverisson, vom Stürmer zum unüberwindlichen, stets lächelnden Abwehrhaudegen um? Egal, „die Genossen werden sich schon was dabei gedacht haben“, wie man in der DDR zu sagen pflegte, wenn man sich absurde Handlungen der Führung nicht zu erklären vermochte.

Wir bleiben also skeptisch, lassen uns aber gerne eines besseren belehren. Herthas Rückstand von sieben Punkten auf die Plätze 2 und 3 (nach dem Darmstadt-Unentschieden hat sich faktisch nicht viel verändert) bleibt groß, ist aber nicht unaufholbar. Vielleicht hilft ja Josip Brekalo dabei, die Unentschieden-Serie in den Beginn einer Aufholjagd zu verwandeln.

Hat Hertha noch Aufstiegschancen?

Machen wir uns nichts vor. Mit derzeit 30 Punkten (bei für einen eventuellen Aufstieg benötigten ca. 64 Punkten) ist Hertha weit von allem entfernt, was über Träumerei hinausgeht. 34 Punkte in 15 noch ausstehenden Spielen zu holen, also 11 Siege und ein Unentschieden bei nur noch drei Niederlagen, erscheint bei der instabilen Hertha fast ausgeschlossen. Wenn der Konjunktiv bestimmen würde, hätte Hertha zumindest in Fürth, gegen Gelsenkirchen und in Karlsruhe gewonnen anstatt Remis zu spielen, hätte sechs Punkte mehr auf dem Konto und könnte morgen mit einem Sieg gegen Darmstadt die Tabellenführung übernehmen. Es ist aber wie es ist und deshalb dümpelt Hertha auf dem siebten Tabellenplatz herum. Zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig, sagt man ja wohl. Um noch mal an den vorderen Tabellenplätzen wenigstens zu schnuppern, müsste Hertha nochmal eine Serie wie im Oktober/November mit sieben Siegen in Folge hinlegen. Aber meist hat man so eine Serie nur einmal in der Saison. Und Hertha vielleicht alle zwanzig Jahre. Das bedeutet alles nicht, dass es nicht mehr möglich wäre, das hochgesteckte Ziel zu erreichen und mit dem allseits anerkannten besten Kader der Liga auch den angemessenen ersten, zweiten oder dritten Tabellenplatz zu erreichen. Wir wissen ja, wie das mit der Hoffnung einerseits und mit der rechnerischen Möglichkeit andererseits ist. Um das Phrasenschwein dick und fett zu füttern muss man also von Spiel zu Spiel denken: Wenn gegen Darmstadt ein Heimsieg in der vorhergesagten sibirischen Kälte erfolgt, wäre man vier Punkte hinter Darmstadt. Elversberg und auch Gelsenkirchen scheinen zu schwächeln. Vielleicht geht ja, allem Pessimismus und Realismus zum Trotz, doch noch was…

Oder sollen wir uns auf den Pokal konzentrieren? Nicht ausgeschlossen, dass Freiburg geschlagen wird. Aber dann kämen die Bayern, Leverkusen, RB Brause oder Stuttgart. Friss, Phrasenschwein: Pokal.. Gesetze…eigene…?

Gibt es den Berliner Weg noch?

Maza und Scherhandt haben den Verein zur Saison 2025/26 verlassen, um in der 1. Bundesliga zu spielen. Wer kann es ihnen verdenken? Ein richtiger Schritt aus ihrer Sicht und durchaus erfolgreich noch dazu. Maza ist Stammspieler in Leverkusen und Scherhandt bekommt ausreichend Einsatzzeit und schießt das eine oder andere Tor. Hertha hat einige Millionen in die klamme Kasse bekommen und kann sich weiterhin den teuersten Kader der Liga leisten, in der die Spieler im Durchschnitt mehr verdienen als in Freiburg oder Augsburg.

Und der Berliner Weg? Ist er nur noch ein langsam verblassendes, eher lästiges Vermächtnis des ehemaligen Präsidenten Bernstein? Was sagen die Zahlen?

In der Saison nach dem Abstieg kamen 12 Spieler aus Berlin zum Einsatz, was 29,4 % der Einsatzminuten ergab. In der Saison 24/25 unter Fiél und Leitl stieg der Anteil (auch durch Scherhandt und Maza, die regelmäßig spielten) auf 37,7 % (11 Spieler). Überraschender Weise ging in der Hinrunde 2025/26 der Anteil der in Berlin geborenen bzw. hier ausgebildeten Spieler nicht so stark zurück wie erwartet und lag immer noch bei beachtlichen 30,3 % der Gesamteinsatzzeit. 10 der 26 eingesetzten Profis waren dem „Berliner Weg“ zuzuordnen, nämlich Marton Dardai, Julian Eitschberger, Marten Winkler, Linus Gechter, Kennet Eichhorn, Boris Mamuzah Lum, Pascal Klemens, Leon Jensen, Janne Berner und Tim Hoffmann.

Schade allerdings, dass mit Tim Hoffmann und vor allem Julian Eitschberger zwei junge, talentierte Spieler den Verein verlassen wollen, weil sie nicht genügend Einsatzzeiten bekommen. Vielleicht kann ihnen jemand klarmachen, dass Einsatzzeiten höchstens bei Messi oder Ronaldo im Vertrag stehen und dass auch bei einem Vereinswechsel keine Garantie auf Spielzeit besteht. Außerdem sollte klar werden, dass zu einem Team mehr als 11 Spieler gehören und höchstens 16 an einem Spieltag eingesetzt werden können. Alles andere bestimmt das Leistungsprinzip. Eingeschnappt sein ist keine Option für einen Profi, der zwischen 20- und 50-mal so viel Geld erhält, wie ein Durchschnittsverdiener.

Hertha liegt nach der halben Saison, die ja nach Einschätzung aller Experten und einiger Spieler und Funktionäre die Aufstiegssaison werden sollte, auf Platz 6 der Tabelle. Nach den letzten drei sieglosen Spielen (man könnte auch sagen Hertha hat seit zwei Spielen nicht mehr verloren) ist der Abstand zur Spitze etwas gewachsen. Um im nächsten Spieljahr wieder Erstligist zu werden, gibt es noch 17 Spieltage zur Aufholjagd. Und wenn das mit einem erheblichen Anteil einheimischer Spieler geschieht, um so besser für die Kasse und das Image. Denn die 30 % Berliner-Weg-Spieler sind nicht nur in Deutschland ein selten erreichter Wert. Mit diesem Pfund sollte man weiter wuchern.

Noch nicht in Aufstiegsform

Jetzt haben sich nach dem absurden Platzverweis von Leister im Spiel gegen Bielefeld und dem Ausgleich in der 96. Minute alle mal wieder beruhigt, so dass man mit klarem Kopf Bilanz ziehen kann: Was soll man mit dieser Halbserie anfangen, in der Hertha von allen Experten (kicker, 11Freunde, Fußballwoche), durchaus zur Überraschung für den einen oder anderen Hertha-Anhänger, zum Aufstiegsfavoriten erklärt worden war?

Fakt ist, dass die von Leitl erwünschte 30-Punkte-Marke knapp gerissen wurde und auch in der privaten Aufstiegs-Hochrechnung fehlen jetzt zwei Punkte. Nach der wundersamen Aufholjagd der Spieltage 10 bis 14 verschenkte Hertha gegen Fürth und Bielefeld glatte vier Punkte, wenn man die Heimniederlage gegen Magdeburg mal außen vor lässt: Sowas kann passieren. Auch irgendwie beruhigend, zugleich aber verstörend ist die Tatsache, dass Hertha eben doch Hertha geblieben ist, ein Verein, der stets bemüht ist, Vereinen, die schlechter als sie dastehen, wieder mit Punktgeschenken auf die Beine zu helfen. Hundertmal erlebt. Hundertmal ist jedesmal das Gleiche passiert.

Fakt ist aber auch, dass Hertha trotz des desolaten Saisonbeginns 28 Punkte erspielt hat und auf Platz 6 liegt. Auf den Relegationsplatz (Darmstadt) hat man 5 Punkte Rückstand, auf Platz 2 (Elversberg) sind es 5 bis 8 Punkte. Nicht wenig, aber keine unmögliche Aufgabe. Im vorigen Jahr unter Fiél hatte man 22 Punkte und lag auf Platz 12. Nach einem Sieg im 18. Spiel in Paderborn gab es fünf Niederlagen und folgerichtig mit Leitl einen neuen Trainer, der Hertha aus dem Abstiegsschlamassel herausholte. Die Defensive ist gestärkt worden, man kassierte in dieser Saison nur 16 statt 27 Tore, allerdings auf Kosten des Angriffs (nur noch 21 statt 27 Tore).

Ausblick: Wenn Hertha den Dardaischen Rückrundenfluch vermeiden kann, wird es eine deutliche Verbesserung im Vergleich zur vorigen Saison geben. Um aufzusteigen müsste allerdings eine sensationelle Halbserie mit 36 Punkten hingelegt werden, was 12 Siege in 17 Spielen bedeuten würde. Ein Sieg im ersten Spiel der Rückrunde gegen Gelsenkirchen wäre dafür allerdings absolute Pflicht…

Herthas Weihnachtswünsche

Wie gewonnen, so zerronnen: Nach der Niederlage gegen damals starke Elversberger hatte Hertha am 4. Spieltag bereits 7 Punkte Rückstand gegenüber der Aufstiegshochrechnung. Nach dem Sieg in Kiel hatte man diese Bilanz mit Hilfe der Siebener-Sieg-Serie auf drei Pluspunkte gedreht. Aber Hertha wäre nicht unsere Hertha, wenn auf Euphorie nicht stets Ernüchterung folgte. Gegen den Tabellenletzten -natürlich den Tabellenletzten!- Magdeburg folgte der Rückschlag. Nicht ganz unerwartet für den langjährig geprüften Herthaner und rein mathematisch nach sieben Siegen auch nicht unwahrscheinlich. Obwohl: Mathematisch ist auch nach dem hundertsten Sieg in Serie der hunderterste Sieg genauso wahrscheinlich, wie nach dem zweiten Sieg der dritte. Aber vom Gefühl her weiß man, dass jede Serie einmal endet, wenn man von der Überlegenheit der Bayern in der ersten Liga einmal absieht. Nichts ist verloren. Wenn in den beiden noch ausstehenden Spielen vor der kurzen Winterpause mindestens vier Punkte geholt werden, idealerweise mit einem Sieg in Fürth eingeleitet, wird das 30-Punkte-Ziel genau erreicht werden, was man nach dem vergurkten Saisonstart (siehe oben) nicht mehr erwartet hätte. Dazu kommt ein Überwintern im Pokal, wo mit dem Gegner Freiburg ein schweres, aber nicht unlösbares Rätsel zu bewältigen wäre. Wie Oliver Kahn sagen würde: „An einem besonders guten Tag…“

Und was macht eigentlich der Berliner Weg, von dem man ja so gut wie gar nichts mehr hört?

Mit Dardai, Eichhorn, Winkler und Gechter stehen fast regelmäßig vier Berliner in der Startelf, was einen Anteil von cirka 36 Prozent ausmacht. Genauere Zahlen kann man an langen Abenden am gemütlichen Kaminfeuer bei Glühwein und Dominosteinen erarbeiten, wenn es denn der innere Schweinehund erlaubt. Aber schon die Grobschätzung zeigt, dass der Berliner Weg weitergegangen wird, was auch gut und richtig ist und ein nicht unsympathisches Alleinstellungsmerkmal unserer Hertha im deutschen Profifußball ist.

Obwohl es für ein Jahresfazit noch etwas zu früh ist, kann man sagen, dass es schon schlechtere Jahre für Hertha gab, als das Jahr 2025.

Herthas Aufstiegshochrechnung

Mit dem Durchschnitt ist das so eine Sache: Ein Loch im Sieb ist relativ wenig, ein Loch im Kopf ist relativ viel!

Seit 30 Jahren gibt es in der 2. Liga die Drei-Punkte-Regel und 34 Spieltage. Für den aufstiegsberechtigten zweiten Tabellenplatz reichten schon mal 56 Punkte (2003/04), manchmal hatte der Tabellenzweite aber auch 68 Zähler (2011/12 und 2023/24). Dazwischen ist alles vorhanden und der Durchschnitt liegt bei 62,5 Punkten. Für diese Erkenntnis kann man sich leider nichts kaufen und für eine seriöse Saisonplanung reicht sie erst recht nicht. Je nach Saisonverlauf benötigt man eben mal ein paar Pünktchen mehr und mal ein paar weniger. Aber die 62 Punkte sind eine gute Kennziffer für die Hochrechnung, die wir am Anfang der Saison erstellen. Wir kalkulierten mit 30 Punkten in der Hinrunde und lagen nach vier Spieltagen schon mit sieben Punkten im Minus. Wie schnell sich das Bild ändern kann, sehen wir nach Herthas Vier-Siege-Serie (plus einem im Pokal), die sie nun auf einen Punkt im Plus liegen lassen. Bei vier noch ausstehenden Spielen in der Vorrunde könnte dieses Plus mit zwei Heimsiegen gegen Magdeburg und Bielefeld sowie zwei Unentschieden in Kiel und Fürth gehalten werden. Was in der Rückrunde passiert, wissen wir nicht, es ist aber nicht zu vermuten, dass der Dardaische Rückrundenfluch eine Rolle spielen könnte, genau so wenig wie eine Entlassung von Trainer Leitl wie im Vorjahr, als ihn die Hannoveraner (Un-)Verantwortlichen bei zwei Punkten Rückstand auf einen Aufstiegsplatz in den Urlaub schickten.

Fazit: Der im September in unendlicher Ferne liegende Aufstiegsplatz befindet sich wieder in realistischer Reichweite. Nicht mehr und nicht weniger. Zur Not könnte ja auch der Relegationsplatz 3 weiterhelfen. Wenn der Gegner HSV hieße, hätte Hertha schon gewisse positive Erfahrungen einzubringen…

Herthas Endspieltraum(a)

Seit 1985 findet das Pokalendspiel in Berlin statt. Nur einmal in diesen 41 Endspielen war Hertha BSC vertreten, und zwar 1993 durch die sensationellen Hertha Bubis. Die „erste“ Mannschaft war überhaupt nur zwei Mal, nämlich 1977 und 1979 im Endspiel ( beide Male verloren, zuerst gegen Köln im Wiederholungsspiel und dann gegen Düsseldorf, in der Verlängerung). Rekordteilnehmer seit 1985 ist natürlich der FC Bayern München mit 17 Teilnahmen. Überraschender Weise folgt dann schon Werder Bremen mit 9 Teilnahmen vor Dortmund (8). Dann folgen VfB Stuttgart (5), Eintracht Frankfurt (5), Bayer Leverkusen (5), Schalke (4), Kaiserslautern (4), RB Leipzig (4). Zwei Endspielteilnahmen hatten Mönchengladbach, Wolfsburg und der MSV Duisburg und einmal standen im Finale Bayer Uerdingen, HSV, Stuttgarter Kickers, Bochum, Köln, Hannover 96, Hertha Amateure, RW Essen, KSC, Energie Cottbus, Nürnberg, Union Berlin, Alemannia Aachen, SC Freiburg und Arminia Bielefeld.

Hertha BSC: Fehlanzeige!

In den letzten zehn Jahren scheiterte man zweimal in der 1. Runde, einmal in der 2. Runde, fünfmal im Achtelfinale, einmal im Viertelfinale und einmal schaffte man es sogar bis ins Halbfinale, um gegen Dortmund mit Angsthasenfußball auszuscheiden.

Jetzt ist Hertha nach dem famosen Sieg gegen Elversberg wieder ins Achtelfinale eingezogen und rein statistisch wäre nun Schluss mit lustig. Einiges wird vom Losglück abhängen, es sind noch fünf weitete Zweitligisten im Topf (Magdeburg, Kaiserslautern, Darmstadt, Kiel und Bochum). Dass Hertha an einem guten Tag, auch auswärts, diese schlagen kann und auch gegen den einen oder anderen Bundesligisten (St. Pauli, Gladbach, HSV) Siegchancen hätte, ist nicht zu bestreiten. Wenn Bayern München, Dortmund, Leverkusen oder Leipzig zugelost werden, dürfte das Ende der Fahnenstange erreicht sein, obwohl wir ja, laut Sepp Herberger, „zum Fußball gehen, weil wir nicht wissen, wie`s ausgeht.“

Hoffen wir also auf etwas Losglück, so dass der Endspieltraum noch etwas weiterleben kann und das Trauma vielleicht überwunden wird.

Kann man mittelmäßig aufsteigen?

Hertha hat in Bochum, dem Angstgegner aus früheren Bundesligazeiten, beileibe kein schlechtes Spiel gemacht. In allen erhobenen Daten hatte Hertha die besseren Werte, selbst bei den gewonnenen Zweikämpfen, was in Bochum schon an ein kleines Wunder grenzt. 6:1 Ecken, 63 % Ballbesitz, 20:10 Dribblings, 440 : 256 gespielte Pässe, 116:114 km Laufleistung, 13:10 Torschüsse, 1,89:1,70 Xgoals aber 2:3 Tore. Ein absurdes Eigentor und zwei verlorene Zweikämpfe von Leistner schenkten den Bochumern drei überflüssige Tore, wenn man mal davon absieht, dass Tore immer irgendwie überflüssig sind. Aber wie Hertha trotz 0:3 wiederkam und gegen taumelnde Bochumer fast noch das 3:3 erzielt hätte, war schon aller Ehren wert.

Aber reichen positive Kritiken, zu denen auch eine Leistung von Seguin gehörte, der spielte, als wäre er nie woanders gewesen, um aufzusteigen? Momentan ist Hertha Achter mit 10 Punkten Rückstand auf einen Aufstiegsplatz bei 11 erreichten Punkten. Vor einem Jahr hatte man unter dem vielgeschmähten Fiél 14 Punkte und lag in Lauerstellung zu den Aufstiegsplätzen. Hertha ist noch mittelmäßiger als in der vorigen Saison, auch wenn die Hoffnung auf eine Serie mit drei, vier Siegen in Folge, die bei den Hertha-Anhängern so alt wie der Wunsch nach sechs Richtigen im Lotto ist, bis zum viertletzten Spieltag bestehen bleiben wird.

Einen Unterschied gibt es allerdings zum vorigen Jahr: Während damals von den ersten neun Spielen nur die Partien in Hamburg (nur die 2. Hälfte), in Kaiserslautern und in Nürnberg sowie in Gelsenkirchen (nur 1. Hälfte) gut waren, also drei von neun, hat man in dieser Saison in vier Auswärtsspielen (außer dem ersten in Gelsenkirchen) und im Heimspiel gegen Münster, also in fünf Begegnungen, sehr ordentliche Leistungen gezeigt. Dazu noch ein mittelmäßiges Spiel gegen den KSC und außer dem schon genannten Eröffnungsspiel waren nur die Leistungen gegen Elversberg (jetzt souveräner Spitzenreiter) und Paderborn erbärmlich. Spielerisch also eine deutliche Verbesserung, das muss man Leitl immerhin zu Gute halten und lässt den Optimisten nicht völlig verzweifeln. Die Mannschaft ist insgesamt besser als ihr mittelmäßiger Tabellenplatz. Wenn die gezeigten Leistungen und die Ergebnisse irgendwann in Übereinstimmung gebracht werden können, ist der Aufstieg nicht völlig undenkbar.

Luxemburg ernst nehmen

Die unsinnigste Aussage zum Thema WM-Qualifikation wird Andi Möller zugeschrieben, die so absurd ist, dass er es wirklich gesagt haben könnte: “Deutschland wird sich qualifizieren, weil es sich qualifizieren muss!“ Niemand muss müssen, man frage mal Italiener und Engländer, wie es sich anfühlt, wenn man sich nicht qualifiziert hat, obwohl man es eigentlich musste.

Die vier noch ausstehenden Spiele müssen höchstwahrscheinlich alle gewonnen werden. Die erste Aufgabe heißt Luxemburg. Das könnte zu schaffen sein, denn die Länderspielbilanz Deutschlands gegen Luxemburg ist relativ eindeutig. In 13 Spielen gab es 12 Siege mit einem Torverhältnis von 60:11. Das Durchschnittsergebnis lautet also 5:1, was auch heute erreicht werden könnte, wenn…, ja wenn sich die Spieler bewusst sind, dass man gegen Luxemburg genauso schlecht aussehen kann wie gegen die Slowakei. Schließlich spielen auch Luxemburgs Spieler vielfach in europäischen ersten Ligen und dass selbst Zweitligaspieler über sich hinauswachsen können sehen wir im Pokalwettbewerb stets aufs Neue. Soweit muss es nicht kommen.

Auch viele fehlende Spieler wie Musiala, Hawertz, Kleindienst, ter Stegen und Rüdiger sollten keine Entschuldigung für ein enttäuschendes Spiel sein. Mit dem nötigen Willen plus Respekt vor dem Gegner müsste der erste von vier Siegen realisiert werden.

P.S.: Den einzigen Luxemburger Sieg gab es vor 86-einhalb Jahren, am 26.3.1939, mit 1:2 in Differdingen. Ein Grund dafür war die Vorgabe an Reichstrainer Herberger, nach dem Anschluss Österreichs vier oder fünf Österreicher in der Großdeutschen Mannschaft spielen zu lassen. Dass das nicht funktionieren konnte, war nur braunen Parteigenossen nicht klar. Außerdem: Es handelte sich um ein Auswärtsspiel…

Die Geschichte lügt nicht

Der 1.FC Nürnberg und Hertha BSC haben eine lange gemeinsame Geschichte. Erstmals traf man im Jahre 1927 aufeinander, als Hertha zum zweiten Mal im Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft stand. Nürnberg gewann 2:0 und Hertha musste noch drei Jahre warten, bis sie selber Meister wurde. 1963 trafen beide Mannschaften am 26. August am allerersten Bundesliga-Spieltag aufeinander und trennten sich 1:1. Insgesamt gab es in den fast 100 Jahren 19 Hertha-Siege, 12 Unentschieden und 22 Siege für Nürnberg, bei einem Torverhältnis von 77:80 aus Hertha-Sicht. Alles in allem eine relativ ausgeglichene Bilanz, die im vorigen Jahr durch einen 2:0-Sieg Herthas in Nürnberg und ein 0:0 in Berlin erweitert wurde.
Wenn Hertha übermorgen verliert, dürfte die Luft für Trainer Leitl sehr dünn werden, obwohl niemand weiß, ob ein anderer Übungsleiter erfolgreicher sein würde. Was auch immer die Verantwortlichen von sich geben: Man sollte es nicht allzu ernst nehmen. Weder bei Trainerentlassungen noch bei Neuverpflichtungen von Trainern oder Spielern gehen die Äußerungen über Sprechblasen hinaus. Man redet, was der Anhänger gerne hören will. Dieter Hoeneß sagte unter tosendem Jubel, dass er mit Bobic und Wichniarek 22 Tore eingekauft hätte. Der größte Irrtum der Hertha-Historie. Beide schossen zusammen nicht mehr als fünf, sechs Tore. Finanzgeschäftsführer Schiller sagte am 14.5.2018 auf der Mitgliederversammlung, dass Hertha am 25.7.2025 die Eröffnung des neuen Stadions feiern könne. Wie er auf das Datum kam, verschwieg er. Michael Preetz sagte im Mai 2019, dass Hertha ab 2025 nicht mehr im Olympiastadion spielen werde, notfalls werde man ein „temporäres Stadion“ errichten. Wie wir wissen, war das alles Blödsinn. Das neue Stadion liegt in genauso weiter Ferne wie die dritte Deutsche Meisterschaft. Die Expertise der beiden ehemaligen Geschäftsführer tendierte also beim Thema Stadion gegen Null. Warum sollte die Expertise der gegenwärtigen Geschäftsführer beim Thema Trainerwechsel eigentlich größer sein?