Dass Hertha nach dem Absprung von sechs Stammspielern mit zwei Siegen in die neue Saison starten würde, hätten nicht einmal Ultras aus der Ostkurve nach dem Konsum eines überdurchschnittlichen Quantums berauschender Getränke zu hoffen gewagt. Noch viel weniger der gemeine Herthaanhänger, der sich selbst als Realist bezeichnen würde. Nun ist aber genau das passiert und alle drehen durch. Von 100 Punkten ist die Rede, die die neue, junge, kampfbereite Herthamannschaft holen wird oder zumindest holen soll. Ein ambitionierter, sicher nicht ganz ernst gemeinter Plan, bei 102 im Laufe der Saison zu vergebenden Punkten. Zumal unklar wäre, gegen wen denn bitteschön nicht gewonnen werden würde? Nach alter Hertha-Art natürlich gegen den dann real existierenden Tabellenletzten. Aber nichts ist in dieser Saison normal.
Kommen wir mal alle runter und überlegen, was denkbar ist. Natürlich kann sich die Mannschaft, durch den Saisonstart beflügelt, im oberen Tabellendrittel festsetzen und später eventuell sogar um den Aufstieg mitspielen. Schließlich hat man mit Seguin, Brekalo, Zeefuik, Sessa (bisher die Überraschung der Saison!), Gersbeck, Dardai, Kolbe und anderen auch viele erfahrene Spieler in den Reihen, ohne die ein Aufstiegsrennen, besonders im letzten Saisondrittel, nicht erfolgreich durchgestanden werden kann. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass der Kader bisher (die Transferperiode schließt ja erst Ende August, es muss sich noch was tun!) zu dünn ist, um mehrere Ausfälle zu verkraften, selbst wenn andere Jugendspieler neben Gouram (Lum, Hidebrandt, Ndi…) einschlagen könnten.
Wenn aber der Hype nicht allzu lange anhält und sich die Mannschaft mittelfristig zwischen Platz 6 und 10 einpendeln sollte, darf man nicht den Stab über dem Team brechen und enttäuscht sein. Alles was besser wäre, käme einer Sensation gleich. Und gegen den Abstieg wird die Mannschaft, Stand heute, wahrscheinlich nicht spielen.
Und wie ist das mit den 100 Punkten? Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995/96 hatten die Meister der 2. Bundesliga wenigstens 61 Punkte (2 Mal) und höchstens 76 Punkte, nämlich Hertha BSC im Jahre 2013 mit Jos Luhukay als Aufstiegstrainer. Im Schnitt erreichte der Meister in 31 Jahren mit 67,5 Punkten sein Ziel. Und da bekanntermaßen auch der zweite Platz für den Aufstieg reicht, sind nicht mal diese 67 Punkte nötig.
Aber 100 wären schon besser…