Immerhin: Die sogenannten Kleinen, die es ja laut Fußball-Legende Hans-Hubert (genannt Berti) Vogts schon seit den Neunzigerjahren nicht mehr gibt, haben am Anfang der WM ganz schön viel Staub aufgewirbelt: Katar holte ein Unentschieden gegen die Schweiz, Australien schlug die Türkei, Curacao spielte Unentschieden gegen Ecuador, den Deutschland-Besieger ( womit das 7:1 der deutschen Mannschaft einen ganz anderen Stellenwert erhält), Ägypten und Iran ringen Belgien ein Unentschieden ab, Kap Verde spielt sensationell 0:0 gegen Spanien und 2:2 gegen Uruguay, die DR Kongo holt einen Punkt gegen Mitfavorit Portugal und Ghana, von den deutschen im Testspiel locker geschlagen, erkämpft ein 0:0 gegen England.
Soweit so überraschend, aber trotzdem schieden sieben Asiaten bereits in der Gruppenphase aus und schon im Sechzehntelfinale war für acht afrikanische Mannschaften Endstation.
Ab dem Viertelfinale dann alles wie immer: sechs europäische, und je eine afrikanische und südamerikanische Mannschaft waren unter sich. Trotz all der anfänglichen Furore: Als es drauf ankam, setzte sich die Erfahrung oder was immer es war, schließlich durch.
Dass die deutsche Mannschaft, der man das Viertelfinale ja eigentlich zugetraut hatte, schon früh ausschied, hatte sicher viele Ursachen. Immerhin hat man erstmals seit 12 Jahren wieder eine Vorrunde überstanden, was man ja auch mal lobend erwähnen darf. Und warum ging es nicht weiter? Versuchen wir, das mal aufzubröseln.
1) Die Nominierung von Neuer war für den Zusammenhalt der Mannschaft sicher nicht optimal, auch wenn er nur im bedeutungslosen Vorrundenspiel gegen Ecuador Fehler machte und alle Mitspieler (vor der Kamera) von seiner Ausstrahlung und Aura sprachen.
2) Die Verletzungen von Karl (Sané war zwar fleißig, seine große Stärke im eins gegen eins konnte er aber nie ausspielen, weshalb das Spiel immer wieder verlangsamt und zur Mitte verlagert wurde) und Schlotterbeck taten wahrscheinlich mehr weh, als befürchtet.
3) Die Formschwäche der beiden Kreativspieler Wirtz und Musiala konnte die Mannschaft nie kompensieren. Noch dazu, weil
4) Kimmich auf der Verteidigerposition zu weit weg vom Geschehen war und andererseits in der Defensive trotzdem die Schwachstelle darstellte.
5) Alles das hätte nicht für`s Ausscheiden gereicht, wenn eine absurde VAR-Entscheidung (die abgesehen vom falschen Eingreifen (KLARE Fehlentscheidung?) dem Schiedsrichter die falschen Perspektiven einspielte) nicht den Sieg vor dem Elfmeterschießen verhindert hätte.
Ob mit Klopp alles besser wird? Sein Sympatiepulver hat er durch rätselhafte Karriereentscheidungen (Brause-Sportvorstand) und peinliche Werbespots (Anhäuser Busch – ungenießbar!) beim Fanvolk weitgehend verschossen. Mit Siegen in der Nations-League, der Euro-28-Quali und der Europameisterschaft selber kann er verspielten Kredit zurückgewinnen. Dafür fehlen ihm nur noch die richtigen Spieler…
P.S.: Nach der WM ist vor der Zweitligasaison. Hertha geht wie üblich mit einem Rumpfkader in die ersten Spiele. Da man das aus den letzten drei Jahren ja gewohnt ist, ist es eigentlich kein Nachteil: Niemand erwartet im Eröffnungsspiel gegen Bochum mehr als eine klare Niederlage.