Wie wird Herthas Rückrunde diesmal?

In der letzten Fußball-Woche ist ein schönes Foto abgedruckt, das Salomon Kalou in einem Luftduell mit einem Gegenspieler zeigt. Wer das Spiel, aufgrund eines gehässigen Hinweises eines Freundes, am Fernsehapparat verfolgen musste, kann sich nicht erinnern, dass auch nur irgendein Herthaner einen einzigen Zweikampf in der 45-minütigen Spielzeit absolviert hat. War die erste Garnitur im sogenannten Telekom-Cup noch knapp gegen Gladbach unterlegen, so zeigte niemand, der im zweiten Spiel gegen Düsseldorf auf dem Platz stand, dass er ernsthafte Ambitionen hat, in der zweiten Saisonhälfte professionell Fußball zu spielen. Man kann nur spekulieren, woran es liegt, wenn Spieler, die doch so gerne Stunk wegen zu geringer Einsatzzeiten machen, nicht das Geringste dafür tun, um diesen Zustand zu ändern. Man kann doch nicht nur auf entsprechende Verletzungen von Mitspielern hoffen, oder, wie es Darida vorgemacht hat, durch robuste Zweikampfführung im Training, aktiv dazu beitragen. Vielleicht liegt die Nichtleistung auch am zu harten oder am zu laschen Vorbereitungstraining, wer weiß? Eventuell war das Trainingslager in der kalten Heimat Schuld. In früheren Jahren lag es allerdings an der Hitze in der Türkei, dass die Umstellung auf den deutschen Winter nicht gelang. Man kann nur hoffen, dass sich die alte Theaterweisheit von der schlechten Generalprobe und der guten Premiere bewahrheitet. So schlecht wie die Generalprobe war, müsste Hertha in Nürnberg allerdings schon zweistellig gewinnen, um die Redewendung zu verifizieren.

Wie sieht denn nun die ernsthafte Kaffeesatzleserei in Bezug auf die Rückrunde aus?

Wenn man die Vorsaison betrachtet, liegt Hertha gegen die gleichen Gegner (Absteiger gegen Aufsteiger ausgetauscht) mit acht Punkten im Plus. Würde Hertha die Ergebnisse der letzten Spielzeit wiederholen, müssten die Blau-weißen 30 Punkte holen, was dann 54 Zähler ergäbe und in jedem Fall einen Euro-League-Startplatz, im günstigsten Falle sogar ein Schnuppern an den Champions-League-Plätzen ermöglichte. Aber ist das realistisch? Dazu müsste erstmal in Nürnberg gewonnen werden, was bei aller fairen Aufbauhilfe Herthas für minderbefähigte Vereine in der Hinrunde nicht selbstverständlich wäre. Dortmund müsste zuhause geschlagen werden, Leipzig auswärts. Und in Frankfurt und heimwärts gegen Leverkusen gewinnt man auch nicht nebenbei. Es sieht also, nach objektivem Ermessen, eher nach 20 als nach 30 Punkten für die Rückrunde aus. Ein Glück nur, dass Fußball mit objektiven Maßstäben nicht zu fassen ist. Einigen wir uns gütlich in der Mitte, Hertha holt 25 Punkte und ist mit dann 49 Zählern am Ende deutlich besser als letztes Jahr. Und was will man mehr…

Die Pause geht – der Winter kommt

So sicher, wie einst das rhythmische Parteitagsklatschen nach der Rede des 1. Vorsitzenden in der DDR, nimmt auch diesmal Ende Januar, Anfang Februar mit dem Ende der Winterpause in der Fußball-Bundesliga, General Winter das Land in seinen Schwitzkasten, wobei „schwitzen“ zwar ein falsches Bild ist, die Tatsache aber trotzdem richtig beschreibt. Jeder, der sich auch nur ein kleines Bisschen in der meteorologischen Pseudowissenschaft auskennt oder auch nur das Wetter halbwegs bewusst zu verfolgen in der Lage ist, weiß, dass der Dezember in der Regel relativ mild ist (in sieben von zehn Jahren gibt es „Grüne Weihnachten“). Erst Ende Januar, Anfang Februar, wenn der Winter laut Kalender kurz vor seinem traurigen Abgesang steht, wird es so richtig kalt und eklig. Just dann, wenn wir wieder ins Stadion gehen müssen und auch dicke Socken, lange Männer und mehrere Lagen Pullover vor einem gehörigen Durchfrieren nicht schützen können, beginnt die Bundesliga mit der Rückrunde. Tendenziell hat es die 2. Liga besser gemacht: Sie beginnt eine Woche später, da sie schon ein Rückrundenspiel im Dezember absolviert hat, weil sie im schönen August bereits vor der 1. Liga gestartet ist.

Am sinnvollsten wäre es natürlich, die Saison ans Kalenderjahr anzupassen, d.h., die Saison würde im Frühjahr, Ende März beginnen, im Sommer an heißen Tagen weitgehend unter Flutlicht abends spielen und spätestens im November den Meister küren (was Bayern München ja auch mit dem aktuellen Spielplan schon fast geschafft hätte). Dieses fortschrittliche Modell hatte die verblichene DDR in den Fünfzigerjahren für einige Zeit vom großen Bruder Sowjetunion übernommen, aber nicht immer setzt sich die Vernunft durch. Das Kalendersaisonmodell würde natürlich nur funktionieren, wenn sich weltweit alle Länder anschließen würden, weil ansonsten die Wettbewerbsfähigkeit bei internationalen Meisterschaften nicht gegeben wäre. Ein Schritt in die richtige Richtung hat die FIFA aber schon vor Jahren gemacht: Die kommende Winter-WM in Katar böte geradezu an, die Saison vorher beendet zu haben und sich in aller Ruhe auf das Turnier zu freuen. Und wenn die deutsche Mannschaft ihre Leistung aus Russland wiederholen würde, könnten die Spieler trotzdem in Ruhe in der Heimat Weihnachten feiern…

Dardais lächerliches Angebot

Pal Dardai, seit fast vier Jahren insgesamt erfolgreicher Hertha-Trainer, wollte aus den letzten drei Spielen vier Punkte holen, was die Mannschaft in einer Art „jüdischem Poker“ (frei nach Ephraim Kishon) auf sieben Punkte erhöhte. Zum Glück war wenigstens Manager Preetz vernünftig und setzte nicht die magische Zahl „zehn“ in die Welt. Wahrscheinlich war der Mannschaft aber ein popeliges Essen aber zu wenig, um einen bedingungslosen Einsatz aus den Restreserven  hervorzuzaubern. Da sollte sich der gute Pal doch mal ein Beispiel an Salomon Kalou nehmen: Da geht es wenigstens gleich um protzige Uhren, aber der weiß halt aus Erfahrung, worauf Fußballer so abfahren. Es kam wie es kommen musste: Für eine lumpige Pizza sich kurz vor dem Weihnachtsurlaub noch ein Bein ausreißen? Nachdem man das Spiel in Stuttgart verschenkt hatte, brauchte man sich auch gegen Augsburg nicht mehr über Gebühr konzentrieren, und dass man aus Leverkusen etwas mitnehmen könnte, wäre sowieso nur mit den fünf verletzten Stammspielern möglich gewesen. Für die Werkself-Spieler ging es schließlich schon um die Stammplätze unter dem neuen Trainer, der das Spiel sicher am Fernseher verfolgte. Ob er in Zukunft immer den Strafraum aufhacken lässt, um Platzfehler bei Rückgaben zu provozieren, entzieht sich unserer Kenntnis, auf jeden Fall sollte Hertha das schmierige Geläuf im Olympiastadion erst nach dem Pokalspiel gegen die Bayern durch einen bespielbaren Rasen ersetzen, mit Kampf lässt sich gegen Technik durchaus etwas ausrichten. Nun gut.

Ein Punkt statt vier bzw. sieben aus den letzten drei Spielen ist zwar etwas dürftig, aber mit 24 Punkten steht Hertha immer noch glänzend da und man mag sich gar nicht vorstellen, wo man jetzt ohne die Verletzungsseuche stünde, die aber nicht auf falsches Training zurückzuführen ist, da es sich in der Hauptsache nicht um muskuläre Probleme handelt. Es gilt für die Rückrunde die richtigen Schlüsse aus den Vorjahren zu ziehen, um noch mal Richtung Tabellen-Norden anzugreifen: Eine solide, akribische Vorbereitung hat in den letzten Jahren stets zum Einbruch nach der Winterpause geführt. Warum kopiert man nicht Danish Dynamite von 1992, wo das Team ohne Vorbereitung aus dem Strandurlaub zurückgeholt und Europameister wurde? Mein Vorschlag: Lasst die Spieler in den Süden fliegen oder zum Skilaufen (Helm erwünscht, aber keine Pflicht) in die Alpen fahren. Am Vorabend des Spiels gegen Nürnberg, also am 19. Januar, trifft man sich zur Vorbesprechung im Hofbräuhaus in München, um einen Tag später die Nürnberger vom Platz zu fegen und mit übervollem Akku werden in der Rückrunde 30 Punkte akquiriert, was auf jeden Fall für die Europa-League reichen wird. Das Thema „übertrainiert“, das schon vor vierzig Jahren im DDR-Fußball große Erfolge verhinderte, würde endlich wieder in den deutschen Fußballdiskurs einfließen. Jetzt muss nur noch der Weihnachtsmann Pal Dardai von der Idee überzeugen…

Deutschlands „leichte Gruppe“

Wenige Monate nach dem doch etwas überraschenden Ausscheiden in der WM-Vorrunde in der „Todesgruppe“ gegen die Fußballgiganten Mexiko, Schweden und Südkorea jubeln alle selbsternannten Experten über die leichte Gruppe in der Qualifikation für die Europameisterschaft 2020. Die Mannschaft hat es ja nur mit den Niederlanden, Nordirland, Estland und Weißrussland zu tun!

Nur?

Über die Stärke der Niederländer braucht man sich keine Illusionen zu machen. Die Länderspielbilanz gegen unsere Nachbarn ist immer noch positiv (15 Siege, 16 Unentschieden, 11 Niederlagen bei 79:69 Toren) und gerade gegen Holland haben die deutschen Spieler noch eine Rechnung offen, nachdem ihnen, trotz zweier guter Spiele, die Boulevardpresse vor allem das 0:3 um die Ohren schlug. Dabei war man, bis auf die letzten zehn Minuten, durchaus auf Augenhöhe, wenn nicht sogar überlegen und im Rückspiel wurde der höchst verdiente Sieg erst in den letzten Minuten verschenkt. Egal, ob die Revanche gelingt oder nicht, es nehmen ja zwei Mannschaften aus jeder Qualigruppe an der aufgeblähten Meisterschaft teil. Aber sind Nordirland, Weißrussland und Estland wirklich so ungefährlich, wie ihr Fifa-Ranglistenplatz uns glauben machen will?

Nordirland, als 35. der aktuellen Fifa-Rangliste war immer ein unbequemer Gegner für Deutschland. Das 2:2 bei der WM 1958 hat zwar schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, aber es gab z.B. auch noch 1996 bei der WM-Qualifikation nur ein 1:1. Und zuletzt bei der EM 2016 quälte sich das deutsche Team zu einem mühsamen 1:0-Sieg. Trotz der Gesamtbilanz von 11 Siegen, 4 Unentschieden und nur 2 Niederlagen bei 38:14 Toren gewinnt man gegen die Nordiren nicht im Vorbeigehen.

Gegen Weißrussland, auf Rang 76 gelistet, hat Deutschland die schlechteste Bilanz aller Gruppengegner: Noch nie wurde gegen diese Mannschaft gewonnen. Allerdings gab es gegen Belarus auch nur ein Spiel, welches Unentschieden endete. Aber wir sehen schon, dass auch die Weißrussen offensichtlich nicht nur Eishockey spielen können.

Die große Unbekannte scheint Estland zu sein, schnöder 96. in der Fifa-Computerliste. Für die makellose Bilanz der deutschen Nationalmannschaft von drei Siegen in drei Spielen bei 11:1 Toren kann sich Jogi Löw aber auch nichts kaufen, handelt es sich doch um drei Spiele aus den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts.

Fazit?

Alles machbar, aber wenn die Abwehr nicht stabilisiert wird, kann man auch gegen angeblich schwächere Mannschaften (wie gegen Österreich, Saudi-Arabien oder Südkorea) Tore kassieren. Der Absturz des deutschen Teams in der Weltrangliste von Platz 1 auf Rang 16 im Jahr 2018 ist ja kein Zufall. Ähnliches gab es zwar schon mal, als man von Platz 4 (2002) auf Platz 19 (2004) abstürzte, sollte aber nicht zur Regel werden.

Wenn man also nicht fahrlässig von einer „leichten Gruppe“ faselt und konzentriert zu Werke geht, müsste die verjüngte deutsche Mannschaft auch den ersten Platz erreichen können. Und bei der EM selber wären wir ja zum Glück seit langer Zeit erstmals nicht in der Favoritenschar dabei…

Lügen mit Zahlen

Von wegen! Die vereinte Meute der Fernsehjournalisten, Zeitungsschreiber, Radiomoderatoren, selbsternannten Experten und sogar die seriöse „Fußball-Woche“ behaupten es: Das Jahr 2018 sei das schlechteste in der Länderspielgeschichte. Das stimmt jedoch höchstens nach dem Motto, dass man nur an Statistiken nicht glaubt, die man selber nicht gefälscht hat. Oder so.

Fakt ist, dass die deutsche Nationalmannschaft sechs Spiele verloren hat, was es in der 99 Jahre währenden Länderspielgeschichte ( 111 Jahre seit 1908 abzüglich 12 Jahren Pause wegen der Weltkriege 1 und 2) wirklich noch nie gab. Aber wenn man nur ein Spiel macht, wie 1950, kann man auch nicht sechs verlieren. Selbst wenn man vier Spiele bestreitet, wie noch im Jahr 1963, ist es schwierig, sich sechs Niederlagen zu erarbeiten. Grundsätzlich gibt es heutzutage viel mehr Länderspiele pro Jahr als früher. In den ersten Jahrzehnten gab es durchschnittlich unter 5 Spiele im Jahr, in den Sechziger- und Siebzigerjahren nicht mal 10 und in den letzten dreißig Jahren ist der Schnitt auf 13 bis 14 Länderspiele pro Jahr gestiegen, was auch an der Aufblähung der internationalen Meisterschaften und deren Qualifikation liegt. Beispiel: Bei der Quali zur WM 66 benötigte die deutsche Mannschaft 4 Spiele gegen Schweden und Zypern, um sich für das Turnier in England zu qualifizieren. Heute wären dafür mindestens 10 Spiele nötig.

Aber zurück zu Jogi Löws verkorkstem Jahr 2018 (denn es ist nur Löws Seuchenjahr, nicht etwa das der Spieler, die das Tor nicht mehr treffen): Um gewissenhaft sagen zu können, ob es sich um ein schlechtes oder gutes Jahr handelt, muss man also die Zahl der Spiele im Verhältnis zur Zahl der Niederlagen betrachten. Denn wenn man 100 Spiele macht und davon nur sechs verliert, handelte es sich zweifellos um eine gute Bilanz. Und siehe da: Die Journaille hat dies auf ihrer Jagd nach Superlativen „vergessen“, weil man ja ein Ziel verfolgt, nämlich dem Bundestrainer ein möglichst schlechtes Zeugnis auszustellen. Ansonsten wüssten die Fußballexperten, dass es 11 Jahre in der Länderspielgeschichte gab, die schlechter waren als das Jahr 2018, mit sechs Niederlagen in 13 Spielen, was 46 % ausmacht. Die schlechtesten Jahre reichen von 100 % Niederlagen (1908: drei von drei Spielen) bis zu 50 % (1963: zwei von vier Spielen). 1985 war das letzte Jahr mit negativer Bilanz: 45 % Niederlagen waren nur geringfügig besser als 2018.

Das beste Jahr ihrer Länderspielgeschichte war übrigens 1950 mit 100 % Siegen. Allerdings gab es als einziges Länderspiel nur den 1:0-Sieg gegen die Schweiz…

Endlich – Hertha in bekannten Tabellen-Gefilden

Das muss Hertha erst mal jemand nachmachen: Gegen einen Verein, der in zehn Spielen ganze sechs Tore erzielt, in einer Halbzeit deren vier zu kassieren – Hut ab. Nur Statistiker könnten sagen, ob es das überhaupt schon mal in der langen Geschichte der Bundesliga gab! An den Fans kann es diesmal nicht gelegen haben, die unterstützten die Blau-weißen nach Kräften. Wie es zu dieser verpatzten Revanche für 2012 kommen konnte, ist natürlich schnell erzählt. Mit einer in kürzester Zeit atomisierten Abwehr ( Ausfall von Plattenhardt kurz vor dem Spiel wegen Krankheit, von Stark nach 20 Minuten wegen Verletzung und von Mittelstädt noch vor der Halbzeitpause wegen Dummheit und folgender gelb-roter Karte) ist es schwer, die Kontrolle zu behalten. Aber die Ersatzspieler, auch wenn sie wie Torunarigha auf ungewohnter Position spielen müssen, sind ja keine C-Junioren, sondern haben sich alle schon in der Liga bewährt. Nein, es war die Spielauffassung insgesamt, die zum Desaster führte. Mit 10 Meter Abstand zum ballführenden Gegner verliert man heutzutage jedes Spiel. Nur mit konsequentem Pressing könnte man ein Spiel auch in Unterzahl siegreich gestalten, wie voriges Jahr von Hertha in Leipzig genial bewiesen wurde.

Jetzt steht Hertha wieder dort, womit man vor der Saison eigentlich zufrieden gewesen wäre, nämlich etwas besser als in der vorigen Spielzeit auf einem einstelligen Tabellenplatz. Wenn da nicht einige berauschende Spiele zu Saisonbeginn den Blick für die Realitäten vernebelt hätten. Die Ursachen für den Sensationsstart waren ein überragendes Mittelfeld und ein Dilrosun, dessen Leistung explodierte. Davon ist momentan nichts übrig geblieben: Duda hat die Form seiner ersten beiden Herthajahre, Maier wirkt überspielt und benötigt dringend eine Pause und Grujic ist noch verletzt. Dilrosun bekommt seit einigen Spielen keinen Ball, bei dem er seine Stärken ausspielen kann, nämlich steil an der linken Außenbahn. Im hängenden Mittelfeld ist er praktisch nicht anwesend.

Hoffen wir, dass die Länderspielpause einigen Akteuren gut tut. Im direkten Vergleich mit dem Vorjahr (Spiele gegen die gleichen Gegner) liegt Hertha noch sechs Punkte im Plus. Gegen Hoffenheim müsste demnach ein Punkt (wie im Vorjahr) geholt werden. Gar nicht so einfach, die haben jetzt vier Spiele nacheinander gewonnen. Aber warum soll nur Hertha immer schwächelnde Gegner aufbauen…

Pokalfinale adieu?

Nach der Auslosung des DFB-Pokal-Achtelfinales stellt sich für den Herthaner folgende einfache Frage: „Kann man gegen Bayern München zweimal in einer Saison gewinnen?“ Eigentlich könnte man die Frage kurz und bündig mit „Nein!“ beantworten und diesen Beitrag beenden.

So leicht machen wir es uns aber nicht!

Selbst wenn die scheinbar überirdischen Bayern bald in einer irgendwie gearteten Superliga spielen und dafür mit noch mehr Geldern zugeschüttet werden und noch bessere (teurere) Spieler kaufen können: niemand ist unschlagbar, was in der Geschichte des Fußballs tausendfach bewiesen wurde und auch in Zukunft, wenn auch immer seltener, möglich sein wird. Geld schießt zwar Tore, aber nicht immer. Wenn also die Bayern ihre Krise bis dahin nicht überwunden haben werden (wenn also weder Heynkes noch Zidane Trainer sind) und sich auf die Verfolgung der Dortmunder konzentrieren müssen, kann, „an einem besonders guten Tag“, eine Überraschung möglich sein. Auch ein zweites Mal in einer Saison.

Im Februar 2016 stand Hertha gegen Dortmund im Halbfinale und hatte Angst vor der eigenen Courage. Wenn sich die Spieler mutig ins Getümmel werfen und die beleidigten Ostkurven-Fans wieder ausgeschnappt sind, kann in einem ausverkauften Olympiastadion mit weniger Bayern-Anhängern als sonst (man ist ja nicht Tabellenerster…) eine Sensation möglich werden. We will see…

Dortmunder Polizei – Meister der Eskalation

Wie provoziert man einen spätpubertierenden, angetrunkenen Ultra? Indem man ihn eine dreckige Schwuchtel schimpft und behauptet, dass seine Mutter das älteste Gewebe der Welt ausübt. Und wenn das nicht reicht, reißt man die aufgehängten Vereinsbanner herunter, was so ziemlich das Schlimmste auf der Welt ist, kurz vor einem Atomkrieg. Genau diese Strategie, die in etwa so deeskalierend wirkt, wie die Aussagen von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge auf einer Pressekonferenz, wenn ihr Verein vier Pflichtspiele in Reihe nicht gewonnen hat, ergriff geschickter Weise die Dortmunder Polizei, die in voller Kampfmontur den Hertha-Block stürmte. Natürlich zündelten Hertha-Ultras im Dortmunder Stadion. Nicht schön, kostet den Verein Geld und riecht giftig, wenn auch nicht vor dem Fernsehapparat. Aber wann hat z.B. die Berliner Polizei zum letzten Mal einen Gästeblock wegen des Abbrennens von Pyrotechnik, was ungefähr in jedem zweiten Spiel vorkommt, gestürmt? Zumindest seit 1945 nicht mehr, weil man weiß, dass man durchgeknallte Hooligans aus einem Fanblock nicht identifizieren kann, und das müsste man, wenn man ihnen den wohlverdienten Prozess machen wollte, denn Sippenhaft für 4000 Fans gibt es nicht, auch wenn dies die Dortmunder Polizeiführung zu glauben scheint. Abgesehen davon sollte man mal, was die sogenannte Gewaltorgie angeht, auf dem Teppich bleiben. Die wild aussehenden „Knüppel“, die da angeblich geschwungen wurden, sind gummiähnliche Fahnenstangen, über die behelmte Polizisten nur müde lächeln und „mehr davon“ sagen können. Die amüsierten Ordner und Sanitäter im Vordergrund des kurzen Fernsehausschnitts sprachen für sich. Von Verletzten ist nichts bekannt.

Es scheint sich in Dortmund übrigens nicht um eine vorgezogene Strafaktion gegen Hertha zu handeln, die doch wirklich so frech war, nach großem Kampf einen Punkt mitzunehmen. Letztes Jahr ging man gegen die 12.000 mitgereisten Union-Fans genauso unverhältnismäßig vor, als diese Einlass begehrten und den chaotischen Organisationstalenten zeigten, dass man auch ohne sie ins Stadion kommen kann. Also eher ein Anti-Berlin-Problem, das man da in Dortmund hat. Mal sehen, was in der Woche beim neuerlichen Pokalspiel gegen Union passiert!

Ach ja, gespielt wurde trotzdem noch. Wenn Hertha zwei Tore schießt (und außerdem eine Reihe von Chancen kreiert) und Atletico Madrid keines und wenn Hertha nur zwei Tore kassiert und Atletico Madrid vier, dann sagt das schon einiges über den neuen Stellenwert von Hertha. Auch wenn Überkreuzvergleiche im Fußball streng verboten sind. Sie machen aber doch sooo viel Spaß. Hoffentlich hört die Hinrunde niemals auf…

Kann Bayern trotz Söder noch Meister werden?

Die CSU treidelt kurz vor der Landtagswahl um ein historisches Tief herum. Bayern München liegt derzeit auf dem sechsten Tabellenplatz, noch hinter den Sparkickern von Hertha BSC. Gibt es einen Zusammenhang? Man könnte sagen, dass der Niedergang des Abendlandes (CSU-Tief) eben alle Bereiche des öffentlichen Lebens umfasst: Japaner trinken Bier aus großen Gläsern im Hofbräuhaus, Radler benutzen den Englischen Garten als Cross-Piste und Dieselautos dürfen nicht mehr ungestört die mit eigenen Steuergeldern gebauten Straßen benutzen. Was bleibt da noch von bayerischer Lebensart? Nun gut: Die Spieler des FC Bayern kommen ja seit langem nicht mehr aus Bayern oder angrenzenden Staaten, z.B. Franken oder Tirol (Alaba ist immerhin Österreicher, aber auch kein ganz waschechter). Aber sie bekommen zum Einstand ihre Lederhose verpasst, die Ehefrau kauft sich vom ersten Monatsgehalt in Höhe von 200.000 bis 500.000 Euro ein fesches Dirndl , der Daimler wird gegen einen Ingolstädter oder Münchener Wagen umgetauscht und schon darf man sich zu den Einheimischen zählen. Und was passiert nach der kommenden Wahl? Gibt es eine Trotzreaktion der Bayern-Spieler, wenn die CSU gar unter 30 % landet? Kommen etwa die Grünen in die Regierung und heißt das, dass Werder Bremen dann neuer Titelkandidat wird? Eins steht fest: Jede Serie geht einmal zu Ende und wer sechsmal hintereinander Meister war, hat es schwer auch zum siebenten Mal den Titel zu erringen. Nur der BFC Dynamo konnte zehnmal Meister werden, aber da waren ja auch die Schiedsrichter mit Schuld, die auf Herrn Mielkes Weisung hin des Öfteren seltsame Entscheidungen trafen. Allerdings gab es in der Vergangenheit anrüchige Pro-Bayern-Entscheidungen auch in Hülle und Fülle. Ohne einen Herrn Mielke. Oder reicht Seehofers Arm als Innenminister (demnach auch Sportminister) bis in die Kölner Videozentrale? Aber so lange ist er ja noch nicht im Amt. Und ob er sich wirklich für eine Multi-Kulti-Truppe, deren Mitglieder aus aller Herren Länder zugewandert sind, starkmachen würde, sei mal dahingestellt.

Lesen wir die Tabelle also mit Genuss: Zwei Wochen lang sind die Bayern Jäger und nicht Gejagter, was Ihnen historisch als Bergvolkangehörige auch eher liegen müsste. Und bald kann das wieder anders aussehen, selbst wenn Jupp diesmal dem Ruf seines Freundes Uli nicht nachgeben wird. Taifun Korkut ist gerade auf dem Trainermarkt preiswert zu haben und Zinedin Zidane ebenfalls, aber nicht preiswert…

Herthas Saisonstart macht Appetit auf mehr

Nach sechs Spieltagen in der Fußball-Bundesliga kann man getrost von einem gelungenen Saisonstart von Hertha BSC sprechen. Zwei mitreißende Spiele gegen Gladbach und Bayern, zwei gute Partien in Gelsenkirchen und Wolfsburg und zwei mittelmäßige Leistungen gegen Nürnberg und in Bremen ergeben immerhin 13 Punkte und den dritten Tabellenplatz.

Die Leistungsexplosion bei Duda, die Zuverlässigkeit und Abgeklärtheit eines alten Hasen beim 19-jährigen Maier und die Ballsicherheit und körperliche Robustheit eines Grujic (obwohl auf diese seit Hermanns Körperverletzung eine ganze Weile verzichtet werden muss) ergeben erstmals seit Jahren oder gar Jahrzehnten (Championleague-Saison 1999/2000 mit Wosz, Beinlich und Deisler) ein Mittelfeld, das sich spielerisch hinter keinem in der gesamten Liga verstecken muss. Dazu kommt das rasante Tempo und die Durchsetzungsfähigkeit eines Dilrosun, der schon fast erschreckend an Superstar Mbappé erinnert. Zusätzlich gibt es mit Jarstein einen der besten Torhüter der Liga und mit Rekik einen der sichersten Innenverteidiger. Und fällt der aus, tritt Torunarigha an seine Stelle. Und muss auch der pausieren, ersetzt ihn Lustenberger mit einer 100 %-Zweikampfquote gegen Mönchengladbach. Alles passt momentan zusammen und der verletzte Darida ist noch eine weitere Option für die Zukunft.

Wie vor der Saison prognostiziert, ist die eingespielte Elf ein großer Vorteil und sicher wird die Mannschaft nicht, wie ein Nürnberger Anhänger nach dem etwas holprigen ersten Saisonspiel voraussagte, um den Ligaverbleib zu kämpfen haben. Ob es aber für die Europapokalplätze, Championsleague oder gar Pokalsieg oder Meisterschaft reichen könnte, wird die Zukunft zeigen und hängt natürlich auch von Glück (laut Dardai ein 30%-Faktor), der Verletztensituation und dem möglichen Schwächeln eigentlicher Favoriten ab.

Gegen Mainz, dem schwersten Spiel der Saison, weil jeder nach einem Sieg gegen die Bayern drei Punkte gegen Mainz voraussetzt, wird man sehen, ob Hertha Konstanz in die Leistung bekommt. Das Potenzial, das haben die ersten sechs Spiele gezeigt, hat Hertha in diesem Jahr auf jeden Fall. Also: Wann, wenn nicht jetzt…