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Der neue Besen

Auf der Hertha-Website wollte man uns neulich weismachen, dass Pal Dardai der erste als neuer Besen eingestellte Hertha-Übungsleiter sei, der nach einer Trainerentlassung mit einem Sieg startete. Was soll uns das sagen? Wenn’s so gut anfängt, geht es automatisch noch besser weiter? Unsinn! Es gibt keinen Automatismus und schon gegen Freiburg kann alles wieder kippen, wenn das Glück nicht zur Seite steht oder der Schiedsrichter etwas gegen einen Hertha-Sieg hat. Wobei es gerade die Schiedsrichter in letzter Zeit recht gut mit Hertha meinten. So wenige krasse Fehlentscheidungen gab es selten, allerdings pfeifen die Herren Rafati und Stark, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, seit geraumer Zeit keine Hertha-Spiele mehr. Um auf Pal Dardai zurückzukommen: Ich fühlte mich an die Worte von Stefan Heym am 4.11.1989 auf dem Alexanderplatz erinnert, als er sagte: “Es ist, als habe einer die Fenster aufgestoßen, nach all den Jahren der Stagnation…“ Wenn bei Hertha die Stagnation zwar auch nicht vierzig Jahre, sondern nur ein Jahr dauerte, so spürte man die veränderte Stimmung in der Mannschaft von der ersten Sekunde des Spiels in Mainz an. Und wie Jos Luhukay immer richtig sagte: „Mentalität schlägt Qualität!“, nur dass er die richtige Mentalität nicht mehr aus den Spielern herausholen konnte. Pal Dardai kann genau das, allerdings sollte sich jeder darüber im Klaren sein, dass sich das Aufpushen einer Mannschaft auch im Laufe der Zeit abschleifen wird. So etwas klappt vielleicht ein Sommermärchen oder eine Rückrunde lang, um einen Abstieg zu vermeiden, langfristig benötigt man aber eine stringente Linie, pathetisch gesagt, eine Vision, um einen Verein nach vorne (oben) zu bringen. Ob Pal Dardai dafür der richtige Mann ist, wage ich zu bezweifeln, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren…

Ende der Ära Luhukay – steigt Hertha jetzt schon wieder ab?

Nun gut, vergessen wir unser dummes Geschwätz von gestern, wird sich Michael Preetz im Angedenken an Konrad Adenauer selig gedacht haben, und legen wir Jos Luhukay nicht den Arbeitsvertrag mit unbegrenzter Laufzeit, sondern die Kündigung vor. Natürlich ist der Trainer schuld, wenn die Mannschaft in der 90. Minute einen 4:2-Vorsprung verspielt (gegen Frankfurt), wenn Peter Niemeyer die Orientierung verliert und Richtung eigenes Tor dribbelt (vorm 0:5 gegen Hoffenheim), wenn Hosogai aus 1,37 m Entfernung gegen den Pfosten statt ins Tor köpft (gegen Leverkusen)… Der Trainer ist immer schuld, also wird er entlassen. Die Fakten sind natürlich: Im gesamten Jahr 2014 und zu Anfang 2015 hat Hertha eine katastrophale Bilanz. Spielerisch geht wenig bis nichts, ständig wird gewechselt (nicht nur wenn Verletzungen dies bedingen), es gibt Lieblingsspieler (Ndjeng), die trotz überwiegend schwacher Leistungen immer wieder gebracht werden, junge Spieler werden übertrieben kritisiert (Brooks machte gegen Bremen genau einen einzigen Fehler, der zwar zu einem Tor führte, spielte sonst aber äußerst konzentriert und souverän) und fast alle der neun (!) Sommertransfers, die der Trainer ja zumindest absegnet, wenn nicht gar veranlasst, sind Flops.
Aber trotzdem: Herthas Erfahrung in der Bundesligageschichte lehrt, dass ein Trainerwechsel nur ein Mal einen Abstieg verhindert hat (2004 mit Hans Meyer). Weder Fiffi Kronsbein (1980) noch Rudi Gutendorf und Jürgen Sundermann (1986), Pal Csernai, Peter Neururer und Karsten Heine (1991), Friedhelm Funkel (2010) oder Michael Skibbe und Otto Rehhagel (2012) konnten einen Abstieg verhindern. Insofern kann man, wenn die Statistik Recht hat, Michael Preetz schon jetzt zum dritten Abstieg seiner noch jungen Managerkarriere gratulieren. Aber noch ist nicht aller Tage Abend…
Immerhin war Jos Luhukay, unter dessen Regie die Mannschaft in der Hinrunde 2013/2014 so begeisternden Fußball gespielt hat (6:1 gegen Frankfurt, 2:1 in Dortmund als Höhepunkt) zweieinhalb Jahre Hertha-Trainer, eine Zeitspanne die nicht vielen in den letzten fünfzig Jahren vergönnt war. In der ewigen Tabelle der Hertha-Trainer nimmt er nun mit 87 Punktspielen einen ehrenvollen fünften Platz ein. Länger als er waren nur Helmut Kronsbein (311 Spiele), Jürgen Röber (206), Falko Götz (105) und Sir Georg Kessler (102) im Amt. Vierundzwanzig Fußballlehrer durften die Blau-weißen für 77 bis 4 (Skibbe) Spiele betreuen.
Auch die „Luhukay-raus“-Schreihälse werden sich später gerne an den netten Herrn aus Holland erinnern…

Unschärfen im Abstiegskampf

Neulich in der Kneipe beichtete uns eine Freundin, die als vielleicht nicht fanatische aber doch jahrzehntelange, ernsthafte und aufrichtige Anhängerin des VfB Stuttgart bekannt ist (Hansi Müller, Thomas Berthold…), wozu sie als gebürtige Schwäbin auch ein moralisches Recht, wenn nicht gar eine Pflicht hat, dass sie auch dem Sport Club aus Freiburg im Abstiegskampf der kommenden Monate die Daumen drücke! Die einige Sekunden währende Sprachlosigkeit wich Ungläubigkeit, ist es doch eine nicht zu leugnende Tatsache, dass die Fußballanhänger im Dreieck Karlsruhe, Freiburg, Stuttgart sogar eine Niederlage der eigenen Mannschaft akzeptieren würden, wenn man damit eine (möglichst hohe, vielleicht sogar deprimierende, im besten Falle demütigende) Niederlage der verfeindeten Clubs forcieren könnte. Nun gut, die Freundin machte frühkindliche Fehlprägungen wegen Umzügen ins benachbarte Gebiet für ihre mentale Schieflage geltend. Und als seit ewigen Zeiten in Berlin lebende Spätzleschaberin ist sie sogar Hertha nicht offen feindlich gesonnen, was man ja sogar von den meisten Urberlinern nicht ohne weiteres sagen kann. Ja, wer soll denn nun absteigen? Nichts leichter als das: Schon beim folgenden Bier einigten wir uns auf Paderborn, den HSV und den 1. FC Köln, der wirklich lange genug reüssiert hat (österreichische Trainer wären ein anderes Kapitel). Alternativ ist Borussia Dortmund, allen Beteuerungen tatsächlicher oder vermeintlicher Experten zum Trotz, noch nicht deshalb gerettet, weil sie zur Abwechslung auswärts mal einen Punkt ergattert haben. Die sich selbst erfüllende Prophezeiung der abwärts gerichteten Spirale im Abstiegskampf darf man nicht unterschätzen. Und vielleicht gibt es ja noch einen ganz anderen Kandidaten. Drei Niederlagen hintereinander können bei dem engen Tabellenbild schon ganz herrlich katastrophale Perspektiven aufzeigen. Sind Mainz und Hannover eigentlich schon sicher…?

Der Winter kommt: Endlich wieder Fußball…

Jedes Jahr zum Frühlingsbeginn, wenn die ersten milden Tage das Leben wieder schöner machen, sieht man in den Zeitungen oder Berichten des Regionalfernsehens zwei junge Mädchen, wie sie auf einer Caféterrasse Eis essend in die Kamera lächeln. Nach jeder langen Trockenperiode im Sommer gibt es nach dem ersten Unwetter ein Fischsterben, kurz vor der Heiligabendbescherung hetzen Menschen durch die Kaufhäuser, um die letzten Weihnachtseinkäufe zu tätigen…es ist immer das Gleiche. Und natürlich: Nur naive Menschen glauben, dass diese Berichte jedes Jahr neu gedreht oder aufgenommen werden. Dafür gibt es Archive, auf die der Redakteur zurückgreifen kann und nur alle paar Jahre, wenn Mode- oder Frisurenwechsel es gebieten, wird der Quatsch neu aufgenommen. Und da der Fußball sich vom übrigen gesellschaftlichen Leben natürlich nicht abkoppelt, im Gegenteil die Rituale hier noch ausgeprägter als in anderen Lebensbereichen sind, kommt auch dieses Jahr wieder mit dem Beginn der richtig kalten Temperaturen das Ende der Winterpause. Am Mittwoch, wenn die Nachttemperatur auf minus 4 Grad absinkt (im Dezember und Januar gab es Nächte mit plus 8 Grad als Tiefsttemperatur!), muss ich ins Olympiastadion gehen und Hertha gegen Leverkusen ertragen. Mit welcher Erwartung geht man zu so einem Spiel? Hauptsache, sich nichts abfrieren, Ergebnis nebensächlich…
Aber der Fußballanhänger (Bayern-„Fans“ mal ausgenommen) lebt von der Hoffnung auf Besserung: Vielleicht geschieht ja ein Wunder und das Spiel der Blau-Weißen erwärmt uns!

Warum Hertha gegen Werder gewinnen wird…

Hertha ist genau auf dem richtigen Weg: Mit großer Zielstrebigkeit wird in der Winterpause gearbeitet und dementsprechend werden die Ergebnisse in den Testspielen ständig besser. Einem ordentlichen 1:3 gegen den Drittligisten Hallescher FC folgte ein standesgemäßes Unentschieden im Derby gegen Energie Cottbus. Und jüngst wurde diese Bilanz durch ein geradezu sensationelles 1:1-Unentschieden im Trainingslager in Belek gegen die Young Boys aus Bern, immerhin derzeit Dritter der schweizerischen Liga (auch wenn diese eher der deutschen 2. Liga entspricht), noch einmal enorm aufgehübscht. Die „Niederlage“ im Elfmeterschießen wollen wir großzügigerweise nicht überbewerten. Also: Eine stetige Verbesserung der Ergebnisse ist zu erkennen. Vielleicht sollten noch kurzfristig Freundschaftsspiele gegen den Adlershofer BC (Landesliga, 1. Abteilung = 7. Liga) oder Eiche Köpenick II (Kreisliga C, 2. Abteilung = 11. Liga) vereinbart werden, um die aufsteigende Ergebnislinie, die ja das nötige Selbstbewusstsein zum so wichtigen Rückrundenstart beim Tabellennachbarn Werder Bremen vermitteln kann, fortzusetzen. Im Trainingslager wird jetzt übrigens in erster Linie das Angriffsspiel trainiert. Hat Luhukay die Abwehr schon kampflos aufgegeben? Im Mittelfeld soll ja auch nicht alles perfekt sein. Viele Baustellen bei Hertha, nur eine nicht: Wer es irgendwie ermöglichen kann, sollte sich Ronnys Elfmeter aus dem Elfmeterschießen gegen Bern ansehen (youtube, Hertha-Website). Ronny schmetterte den Ball mit solcher Brutalität unter die Latte, dass nur das Wunder neuester Tornetztechnologie den Ball daran hinderte, direkt in die Erdumlaufbahn einzuschwenken…Unglaublich!

Ausbildungsverein Hertha

Wieder einer weg! Wie so viele vor ihm (Kevin-Prince Boateng, Jerome Boateng, Askan Dejagah, Sejad Salihovic, Ibrahima Traoré, Chinedu Ede, Manuel Schmiedebach, Richard Strebinger und Elias Kachunga aber auch Ivica Olic….) geht jetzt auch Hany Mukhtar den Weg der Talente: Bloß weg von Hertha. Nun gut, es gibt Gründe, bei jedem Spieler sind sie individueller Natur: Die Boatengs hatte Händeleien, um nicht das grobe Wort Prügel zu benutzen, mit Trainer Götz und Arne Friedrich, Salihovic hatte in Berlin zu viel Ablenkung und falsche Freunde, was ihm in Hoffenheims dörflicher Umgebung gnadenlos entzogen wurde, so dass er sich aufs Fußballspielen konzentrieren konnte und, und, und…Wenn man nur überlegt, wie viele Millionen der Verein gespart hätte, wenn man einen Elias Kachunga, den man ja nicht aus Lust und Laune, sondern nach langwieriger Analyse seiner Fähigkeiten nach Berlin geholt hatte, gehalten hätte und keinen alternden Star namens Kalou hätte holen müssen, bekommt man unweigerlich sooo einen dicken Hals…
Mukhtars Abgang hat zwei Seiten. Einerseits hat er in den vielen Einsätzen, die er für Hertha absolvieren durfte, nie auch nur den Hauch einer überdurchschnittlichen Klasse angedeutet, andererseits handelte es sich, außer in Vorbereitungs- und Freundschaftsspielen auch meist nur um Kurzeinsätze. Immerhin wurde er mit der deutschen U 19 Europameister (obwohl es auch dort sogar dem gutwilligen Betrachter schwerfiel, so etwas wie Bundesliganiveau in Mukhtars Spielweise zu entdecken) und die DFB-Verantwortlichen haben mit Sicherheit den Überblick über sämtliche Talente, die im deutschen Fußball aus dem Meer hunderttausender Jugendspieler auftauchen. Das heißt: Bessere Mittelfeldspieler gibt es in Deutschland nicht in diesem Alter, was allerdings noch keine hundertprozentige Gewähr dafür ist, dass sich der Spieler auch weiterentwickelt.
Eine schwere Entscheidung der sportlichen Leitung, aber da abzusehen ist, dass Mukhtar auch im kommenden Halbjahr nicht viel mehr Einsatzzeiten bekommen wird, und er dann bei auslaufendem Vertrag sowieso den Verein verlässt, ist die Entscheidung, ihn jetzt für 500.000 € (plus Gehaltseinsparung) nach Lissabon ziehen zu lassen, wahrscheinlich richtig. Ärgerlich nur, wenn sich in ein paar Jahren wieder einmal herausstellen sollte (siehe die unvollständige Aufzählung oben) dass Hertha ein Juwel „verschenkt“ hat…

Christiano Ronaldo, menschlich gesehen…

Man muss es ihm lassen: Christiano Ronaldo ist mit Sicherheit der beste Fußballspieler der Welt, zumindest aber der am besten aussehende. Die geballte Sachkompetenz aller amerikanischen, asiatischen und afrikanischen Nationaltrainer, Mannschaftskapitäne und Journalisten (Europäer durften übrigens auch mitwählen) hat wieder einmal festgestellt, dass Christiano „Wayne“ Ronaldo alle anderen überragt, sowohl den Vizeweltmeister Messi, der im letzten Jahr offensichtlich seine Pubertät mit Auflehnung gegen alle seine Trainer nachzuholen schien und sich nicht sonderlich aufs Fußballspielen konzentrieren konnte, als auch Arjen Robben, der nur eine Chance hätte, wenn er sich einer Kopfhaartransplantation unterziehen würde. Figürlich kann er mit Ronaldo in seien ärmellosen Unterleibchen durchaus mithalten und fußballerisch sowieso. Und Neuer ist eben „nur“ Torhüter, auch wenn er meist außerhalb seines Strafraums spielt.
Aber zurück zu Ronaldo. Besonders hat ihm sicherlich auch seine gefestigte Charakterstärke zum Sieg bei der Weltfußballerwahl verholfen: Keine verlogenen Tränen der Rührung, wie im vorigen Jahr, sondern ehrliches und offenes Tarzangeheul. Da versteckt einer seine wahren Emotionen nicht mehr. Und wir haben im vergangenen Jahr auch den Menschen Ronaldo gesehen, der Fehler machen kann und dazu auch steht: Wie er im WM-Spiel gegen Deutschland einen Freistoß in der neutralen Zone, wo sich normalerweise Zehner und Sechser beharken, aus purer Verzweiflung direkt auf Neuers Tor schießen wollte, dann aber zumindest einen großen Lacherfolg erzielte, als er an der übermächtigen, 12m entfernt aufgebauten Ein-Mann-Mauer (Lahm?) scheiterte, hatte tragische Züge. Dass er auch nach diesem Ausrutscher leider wieder zum Videowürfel hochschielte, ist die einzige Unart, die er sich noch abgewöhnen muss, wenn er sein Ziel, noch zweimal Weltfußballer zu werden und damit an seinem Erzrivalen Messi vorbeizuziehen, erreichen will.
Ronaldo ist jetzt 30 und spielt vielleicht noch ein paar Jahre. Wenn dann seine große Karriere beendet sein wird, darf er alles, nur eines nicht: So viel zunehmen, wie sein großer Namensvetter, der ehemalige brasilianische WM-Torschützenkönig Ronaldo…

Man sollte nur Statistiken glauben, die man selber nicht gefälscht hat…

Die Amerikaner sind total statistikvernarrt. Ob Baseball oder Football, die Anzahl der ausgespuckten Kaugummis pro Inning oder der Schnürsenkelverbrauch der Quaterbacks pro Saison: alles wird statistisch aufbereitet. Dieser Trend ist seit einiger Zeit auch in unserer vergleichsweise biederen Fußball-Bundesliga zu beobachten: Anzahl der Kopfbälle aus dem eigenen Strafraum in den ersten zehn Spielminuten, am häufigsten links oben verschossene Elfmeter und was nicht alles von Firmen, die damit tatsächlich Geld zu verdienen scheinen, an unnützem Zahlenbeiwerk aufbereitet wird.
Aber Statistik ist natürlich nicht nur unsinnig. Wenn in der Bundesliga nach der Hinrunde die Vereine durchschnittlich 1,41 Tore pro Spiel kassiert haben, Hertha aber 2,06 Tore/Spiel, dann weiß man (was man aber auch ohne diese Werte wüsste), dass es in der Abwehr der Berliner nicht stimmt. Nebenbei: Bayern Münchens Fußballern wurden 0,24 Tore pro Spiel eingeschenkt, aber das wäre ein anderes Thema.
Die Abwehr von Hertha ist instabil, weil kein Spieler die ganze Saison über in der Abwehrformation stand. Wenn man nur 10 Mal (Lustenberger) , 9 Mal (Pekarik rechts, Heitinga, Brooks und Schulz), 8 Mal (Ndjeng rechts), 6 Mal (Hegeler), 4 Mal (Pekarik links) oder 3 Mal (van den Bergh) spielt, kann eine Abwehr nicht eingespielt sein. Gründe für den häufigen Wechsel sind Verletzungen, Sperren, Formschwankungen oder Versuche des Trainers, etwas auszuprobieren.
Aufschlussreich im Hinblick auf die Rückrunde wird die Sache erst, wenn man untersucht, wie viele Punkte geholt, bzw. umgekehrt, wie viele Tore kassiert wurden, wenn ein Spieler eine bestimmte Position besetzt hatte. Den besten Wert hat Nico Schulz als linker Verteidiger: Durchschnittlich bekam Hertha nur 1,56 Tore pro Spiel (und holte 1,66 Punkte), wenn Schulz auf dieser Position spielte. Überraschenderweise folgt der vielgescholtene Heitinga mit 1,78 Toren/Spiel und 1,11 Punkten/Spiel, dann Pekarik als rechter Verteidiger (1,89 Tore/Spiel, 1,33 Punkte/Spiel, während er links verschenkt ist, wie die Zahlen 2,25 Tore/Spiel und 0,75 Punkte/Spiel beweisen). Schlechtere Werte als der Durchschnitt haben Ndjeng rechts hinten (2,25 Tore/Spiel und 0,75 Punkte/Spiel), Hegeler (2,33 Tore/Spiel aber immerhin 1,16 Punkte/Spiel) und Brooks (2,56 Tore/Spiel und 0,88 Punkte/Spiel). Bei den letztgenannten verfälschen natürlich die beiden letzten Spiele mit 9 kassierten Toren die Bilanz, aber man kann auch wegen des schlechteren Torverhältnisses absteigen, wie Hertha 1980 leidvoll erfahren musste. Aus der Wertung sei hier van den Bergh links hinten, der nur dreimal spielte und mit 3,33 Toren/Spiel und 0 Punkten die schlechteste Bilanz hat.
Da die beste Abwehr ohne Sechser hilflos ist, seien noch die beiden hauptsächlich agierenden Duos bewertet: Hosogai/Niemeyer: bei 5 Einsätzen gab es 3,6 Tore/Spiel und 0,4 Punkte/Spiel. Im Vergleich dazu Hosogai/Skjelbred: bei 7 Einsätzen wurden 1,14 Tore/Spiel und 1,71 Punkte/Spiel erreicht. Eindeutiger geht es nicht.
Fazit: Wenn Pekarik gesund ist, darf er keinesfalls auf die linke Seite gestellt werden. Ndjeng sollte auf keinen Fall rechter Verteidiger spielen. Skjelbred ist der wichtigste Mann im Team und in defensiver Position wertvoller als hinter den Spitzen. Schulz, der seine bisher beste Saison spielt, könnte ein Mann für Löw werden, wenn er sich weiter entwickelt. In der Innenverteidigung sollte man Kontinuität anstreben, am besten mit Lustenberger/Heitinga, bzw., wenn er wieder fit ist Langkamp.
So einfach ist das…

Positiv denken! Was ist gut am 0:5?

Na gut, ich bin bereit, die Schuld für das desaströse 0:5 gegen Hoffenheim auf meine schwachen Schultern zu laden, denn schon nach dem Türeschließen auf dem Weg ins Olympiastadion merkte ich, dass ich vergessen hatte sie anzuziehen: Die Socken mit der aufgestickten „Fahne pur“, die gegen Dortmund noch den Sieg gebracht hatten. Natürlich könnten oberschlaue Dummschwätzer jetzt sagen: „Woher sollten denn die Spieler wissen, dass du…?“, was aber nur deren völlige Ahnungslosigkeit den Fußball im Allgemeinen und dessen Rituale im Besonderen betreffend beweisen würde.
Ich könnte allerdings auch behaupten, dass ich die Siegsocken mit Absicht vergessen hätte, denn entsprechend Klopps Taktik, absichtlich Fehlpässe zu spielen, weil die Mannschaft dann ihr großartiges Gegenpressing ausspielen kann, was ihr immerhin Rang 17 eingebracht hat, finde ich es gut, dass die Mannschaft von Hertha BSC sich vor der Winterpause nicht zu sicher fühlt. Was wäre bei einem Sieg passiert? Der scheinbar beruhigende Rang 10, ganz knapp unter dem Saisonziel „einstelliger Tabellenplatz“ mit soliden 21 „Punten“, wie Herr Luhukay zu sagen pflegt, stünde zu Buche. Dass es nur vier Punkte mehr als die Abstiegsränge wären, würde allenthalben verdrängt werden, die mallorcinische Wintersonne samt angemessenen Quanten Sangria, bzw. schwarze Bohnen mit Bier (Ronny) würden im seligen Taumel des Erreichten genossen werden. Dasselbe Procedere werden die Spieler zwar jetzt auch durchziehen, aber wenigstens mit schlechtem Gewissen und Micha Preetz wird vielleicht darüber nachdenken, ob es sinnvoll ist, jedes Jahr acht bis zehn neue Spieler zu verpflichten… Also: Jetzt mit dem Abstiegsgespenst im Rücken feiern und ab Februar 24 „Punte in die Rückrunde“ holen! Aber nur mit einer stabileren Abwehr, in der Langkamp und Lustenberger an die vorige Hinrunde anknüpfen können!

Hertha und Bayern München

Von allen Hertha-Kneipen, in denen man auf preiswerte und bequeme Art die Auswärtsspiele live verfolgen kann, ist der „Feuchte Graf“ in der Reinickendorfer Graf-Haeseler-Straße sicher die mit Abstand bizarrste. Das Schultheiß-0,4-Liter Pils zu 2,20 € wird in traumhaft geschmacklosen Kugeln ausgeschenkt und alle Anwesenden sind fachkompetente Experten. Insofern wissen sie auch die vielen Schuldigen an Herthas verschenktem Sieg nach 3:0- und 4:2-Führung in Frankfurt zu benennen. Zuerst natürlich der Schiedsrichter, der ist ja immer Schuld (obwohl er vor dem 1:0 einen Freistoß für Hertha pfiff, bei dem nur er ein Foul gesehen hat und obwohl er Frankfurt einen Hand-Elfmeter verweigerte). Herr Winkmann, die Flasche! Dann natürlich der Sky-Kommentator, der wohl eingetragenes Mitglied bei Eintracht Frankfurt ist. Aber alle Sky-Sprecher, die Flaschen, sind ja immer gegen Hertha, insofern nichts Besonderes. Aber man muss es ja mal sagen dürfen. Außerdem der Luhukay! Wie der ausgewechselt hat! Bringt beim Stande von 4:2 für Hertha zehn Minuten vor Schluss einen Abwehrspieler für einen Stürmer. Das muss ja schief gehen! Keine Ahnung, die Flasche! Und auch die Spieler: Fangen sich vier Tore! In Frankfurt! Die Flaschen!
Diese kompetenten Anmerkungen werden stets und ständig wiederholt, bis sie auch der letzte Ahnungslose kapiert hat. Die Stimmlage der Experten, zwischen arabischen Trauerweibern, die den Tod des geliebten Schwiegersohns beklagen und Bauarbeitern, die ihre fünfzig Roth Händle am Tag konsumieren, muss man sich dazu denken. Ein Erlebnis, auch wenn das Spiel mal ausnahmsweise nicht so spektakulär wie beim 4:4 verlaufen sollte.
Was das alles mit Bayern München zu tun hat? Am 26. Mai 1999 kassierten die Bayern auch mal zwei Tore innerhalb einer Minute. Hertha hat trotz dieses Kunststücks aber im Gegensatz zu den geliebten Bayern wenigstens Unentschieden gespielt…