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Holland und die aufgeblähte EM

Was wurden Michel Platini und Konsorten kritisiert: Nicht wegen Korruption oder unangemessener Millionengehälter, nein, wegen der privatfernsehorientierten Aufblähung der EM 2016 in Frankreich. Wenn von 54 Verbänden 24, d.h. fast die Hälfte, teilnehmen, wird natürlich die Qualität verwässert. Auf die FIFA-WM übertragen hieße das, dass in Quatar ca. 100 Mannschaften teilnehmen müssten, da die FIFA momentan 209 Mitglieder zählt. Zwar wären die Einschaltquoten des Fernsehens bei Spielen wie Äthiopien – Guatemala oder Brunei – Lettland überschaubar, Hauptsache ist aber, so ein Spiel findet überhaupt statt, wird übertragen und mit Werbung in halbstündigem Vor- und einstündigem Nachlauf zugekleistert.

Und jetzt? Albanien ist für die EM qualifiziert, Island auch und Wales, Nordirland (George Best wird sich im Grabe umdrehen) und vielleicht sogar nach Jahrzehnten unsere ungarischen Freunde können an der EM teilnehmen. Nur Holland darf nicht mitspielen. So ungerecht, so gemein! Wo sollen wir Deutschen dann mit unserer Häme hin, wenn Oranje wieder mal knapp am Titel vorbeigeschrammt ist?

Vorschlag zur Güte, um derartige Ungereimtheiten in Zukunft zu verhindern: Von 54 Verbänden nehmen ab der kommenden EM 53 teil. Den Nichtstartplatz spielen Gibraltar, die Färöer, San Marino, Andorra, Armenien und Holland in drei Doppelrunden mit Relegation für die vier Letzten (eventuell den HSV zur Relegation einladen) aus. Auf jeden Fall hätte Holland dann eine realistische Chance bei der nächsten EM, die ja in mehreren Ländern Europas stattfindet, dabei zu sein…

Thomas Tuchel und sein Spaghetti-Trauma

Urlaub soll normalerweise der Erholung dienen, was sich meist durch zwei bis drei Kilo unerwünschte Gewichtszunahme bemerkbar macht. Als Thomas Tuchel aus seinem immerhin einjährigen Urlaub auf die Bühne der Bundesligashow zurückkehrte, dachte man im besten Falle, dass er das Jahr bei Wassersuppe und Brot 18 Stunden täglich steineklopfend in einem chinesischen Provinzgefängnis verbracht habe. Im ungünstigeren Falle kam einem eine fortgeschrittene Krebserkrankung in den Sinn. So harmlos ist es aber offenbar nicht. Herr Tuchel scheint ein frühkindliches Spaghetti-und-Tomatensoße-Trauma bei einem indischen Yogi oder esoterisch angehauchtem Ernährungs“experten“ aufgearbeitet zu haben, mit dem Ergebnis, Kohlenhydrate als Gift zu betrachten.

Nun ist es sicher so, dass die abendliche Tüte Chips, bzw. die nachmittäglichen Schokoriegel für nicht sportaffine Menschen mit überwiegend sitzender Bürotätigkeit, dem Idealgewicht und der Gesundheit im Allgemeinen nicht unbedingt förderlich sind. Und auch für dauerhaft verletzte Fußballspieler (Gündogan), die sich zwangsweise nur wenig bewegen können, ist eine kohlenhydratarme Ernährung durchaus richtig und wichtig.

Aber Erstligafußballer sind in der Regel Leistungssportler! Auch wenn diese meist nur ein Trainingspensum absolvieren, das z.B. Leichtathleten, Turner, Gewichtheber, Radfahrer oder Ruderer eher zum Warmmachen vor dem eigentlichen Training durchführen und auch der Wettkampf bei aller Verausgabung nicht im Entferntesten mit einer Tour de France-Etappe von 250 km Länge zu vergleichen ist, verbrauchen selbst Fußballspieler ein gewisses Maß an Energie. Diese Energie hat die Form von Kohlenhydraten; wenn keine mehr im Körper abrufbar sind, schlägt das Gehirn, das auf ständige Kohlenhydratzufuhr angewiesen ist, Alarm und wandelt Fett in Zucker um.

Wenn Guru Tuchel den Spielern von Borussia Dortmund verbietet, Pasta zu essen, der einfachsten und leckersten Art der Kohlenhydratzufuhr, verhindert er zwar mit Sicherheit übergewichtige Spieler (wenn sie abends nicht nach Bochum fahren, um Currywurst zu essen), seine Mannschaft kann aber auf Dauer ein Kraftproblem bekommen. Mal sehen, ob Dortmund in Zukunft gegen Ende der 2. Halbzeit aufgrund fehlender Kraft und damit fehlender Konzentrationsfähigkeit mehr Tore kassiert, als der Durchschnitt der Spitzenmannschaften.

Thomas Tuchel kann sich das Aussehen eines Nagelbrettschläfers als private Marotte sicher leisten. Aus ideologischen Gründen seine Mannschaft dazu zu zwingen, wird aber im Misserfolg enden!

Hertha paradox

Mit Saisonprognosen soll man vorsichtig sein. Während die 11-Freunde Spaßredaktion Hertha im Mai 2016 vor Darmstadt auf dem 17. Tabellenplatz sieht, sind 52.637 Kicker-Leser im Durchschnitt der Meinung, dass Hertha immerhin 15. wird. Andererseits meinen 21,9%, dass Hertha in die Relegation muss. Egal: Nach dem noch nicht ganz beendeten achten Spieltag ist Hertha Tabellenvierter, spielt ansehnlichen Fußball und lockt endlich wieder mehr als die üblichen 45.000 ins Stadion. Sonderbarerweise geschieht dies alles mit einer Verletztenliste, die lang und länger wird. Nach 20 Minuten musste im Spiel gegen den HSV der fehlerlose Ersatz für Langkamp, Niklas Stark, durch den Ersatz-Ersatzspieler Hegeler vertreten werden. Dieser erledigte die Aufgabe mit einer sprachlos machenden Selbstverständlichkeit. Vielleicht war der HSV ja wirklich so schwach, aber Angreifer wie Lasogga, Müller, Holtby und später Olic sind ja kein faules Obst.

Unter dem Strich bleibt: Je mehr Spieler im Kader von Hertha wegen Verletzung fehlen (mittlerweile sind es 12 von 28), desto sicherer und erfolgreicher spielt die Mannschaft. Es wäre also gar nicht so schlecht, wenn sich noch vier, fünf Stammspieler verletzen würden. Vielleicht gäbe es dann mit einigen U23- und ein paar A-oder B-Jugendlichen einen neuen Bayern-Jäger? Die Münchener haben schließlich erst zehn Punkte Vorsprung…

Herthas Verletztenmisere und die Ersatzspieler

Nach der Saisonvorbereitung sagte Trainer Dardai, dass er vor allem hoffe, dass es diesmal nicht so viele Verletzte wie in der verflossenen Saison gebe. Die Hoffnung stirbt zwar laut Fußballerfloskel zuletzt, bei Hertha ist sie aber schon nach fünf Spieltagen wie eine Seifenblase zerplatzt: Von 28 Kaderspielern sind momentan 10 (zehn!) Spieler verletzt und zwei sind Rekonvaleszenten, die nach ihren langen Verletzungen nur teilweise einsatzfähig sind (Baumjohann, Cigerci). Nicht fit, bzw. leichter oder schwerer angeschlagen, sind Ronny, Ben-Hatira, Allagui, Schieber, Pekarik, Brooks, Beerens, Weiser (der fahrlässigerweise trotz Zehenbruchs spielt, hoffentlich hat das keine Spätfolgen) und neuerdings noch Langkamp und Kraft.

Und was macht Hertha? Gewinnt mal eben gegen Köln und ist nach sechs Spieltagen sensationell Tabellenfünfter! Offenbar ist der Kader vom oft geschmähten Sportdirektor Preetz doch so gut zusammengestellt worden, dass er auch massenhafte Ausfälle verkraften kann: Jarstein war kein Deut schlechter als Kraft (wenn nicht sogar besser), der 20-jährige Stark ersetzte Langkamp fehlerfrei und erhielt ein Sonderlob von Dardai. Starker Auftritt! Schieber wird von Ibisevic gut vertreten, Haraguchi ist konstanter als Ben-Hatira, dass Lustenberger Brooks in der Innenverteidigung ersetzen kann, wissen wir seit langem, Weiser macht seine Sache an Pekariks Stelle gut, schlägt sogar die besseren Flanken.

Da müssen sich die jetzt außer Gefecht gesetzten Spieler ganz schon abstrampeln, um wieder in den Kader und die Startformation zu kommen. Uns Anhängern kann es recht sein, der Konkurrenzkampf, wenn er vom Trainerstab richtig genutzt wird und nicht zu Streit in der Mannschaft führt, kann die Leistung ja nur verbessern.

Obwohl: Ein fünfter Platz am Saisonende würde eigentlich reichen…

Phantom-Mannschaft der Hertha-Legionäre

Beim aufmerksamen Konsum der guten alten Sonnabend-Sportschau hat man oft den Eindruck, dass in jedem Verein mindestens drei alte Herthaner spielen. Der Eindruck täuscht, nur bei zehn Vereinen sind ein oder mehrere Ex-Herthaner unter Vertrag. Trotzdem ergäbe sich eine recht feine Mannschaft, wenn man alle diese 19 Spieler zu einem Team zusammenfassen könnte. Die Aufstellung:

Tor: Jaroslav Drobny (HSV),

Abwehr: Lukasz Piszcek (Dortmund) – Jerome Boateng (Bayern) – Christoph Janker (Augsburg) – Nico Schulz (Gladbach),

Mittelfeld: Ibrahima Traoré (Gladbach) – Gojko Kacar (HSV) – Peter Niemeyer (Darmstadt) – Raffael (Gladbach) – Manuel Schmiedebach (Hannover),

Angriff: Pierre-Michel Lasogga (HSV).

Gerade im Angriff hätte ein fiktiver Trainer durchaus die Qual der Wahl: Adrian Ramos (Dortmund), Ivica Olic (HSV), Elias Kachunga (Ingolstadt) und der unverwüstliche Sandro Wagner (Darmstadt) wären, bis auf letzteren, beachtliche Alternativen. Außerdem stünden noch Alfredo Morales (Ingolstadt), Jerome Kiesewetter (Stuttgart) und Fabian Holland (Darmstadt) bereit. Nicht zu vergessen für hauptamtliche Experten: Leon Balogun, der bei Mainz die Bank drückt und vor 2007 in Herthas Jugend spielte.

Wenn man in Abwehr und defensivem Mittelfeld noch etwas nachlegte, eine durchaus konkurrenzfähige Mannschaft. Es komme aber niemand und sage: „Wat der Preetz da wieder allet vakooft hat…“ Etliche wollten weg, einige gingen schon unter Hoeneß und bei wenigen hat man das Potenzial nicht erkannt (Olic, Kachunga…). Aber das kommt bei jedem Verein vor. Selbst die Bayern haben ja damals die Fähigkeiten von Lell und Ottl gnadenlos unterschätzt…

 

 

Hertha und die Mathematik

Nehmen wir es mal streng mathematisch: Hertha hat nach drei Spieltagen 4 Punkte, was nach Adam Riese 40 Punkte nach 30 Spieltagen ergeben würde und aus den letzten vier Runden noch vier bis fünf Pünktchen dazu. Das würde doch sogar etwas mehr sein, als das Saisonziel von Michael Preetz, der sagte, dass es nur darum gehe, dass Hertha in der Bundesliga bleibe. Nicht vergessen dürfen wir, dass Hertha bisher in allen Pokalrunden dieser Saison siegreich war, was, wenn dieser leider erst aus einem Spiel bestehende Trend anhält, der sichere Einzug in das Finale im Mai 2016 im heimischen Olympiastadion bedeuten würde.

Der Haken an der Sache ist, dass Fußball mit Mathematik leider überhaupt nichts zu tun hat, wenn man von der Tätigkeit des Schatzmeisters, wie die Bezeichnung vor Jahrzehnten lautete, mal absieht. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang die Aussage von Trainer Pal Dardai, dass Fußballergebnisse zu 35 % vom Glück bestimmt werden. Was wir immer schon ahnten, als Bastürk drei Minuten vor dem Ende im letzten Saisonspiel 2004/05 gegen Hannover 96 den Ball aus vier Metern an den Pfosten setzte, was ein 0:0 zur Folge hatte. Beim 1:0-Sieg hätte Hertha in der nächsten Saison Champions-League gespielt… Neunmalkluge behaupten zwar, dass sich Glück und Pech im Laufe einer Saison ausgleichen, können dafür aber genauso wenig einen Beweis erbringen wie Pal Dardai für die Zahl 35%. Warum nicht 17% oder 42%? Auf jeden Fall spielen Glück und Pech eine Rolle und wenn Glück nur der Tüchtige hat, wie unsere Altvorderen behaupteten, müsste Hertha in dieser Saison sorgenfrei bleiben. Denn dass die Mannschaft momentan fleißiger als unter vielen anderen Trainern arbeitet, scheint Konsens zu sein. Die ersten Spiele, einschließlich des verlorenen Spiels in Dortmund, lassen den Hertha-Anhänger jedenfalls optimistisch in die Saison sehen. Und wenn Hertha ins Pokalfinale einzieht, hätte sicher niemand was dagegen…

Der Transferirrsinn in der 1. Liga

Bisher scheinen die Manager der 1. Liga vernünftiger zu sein als ihre Kollegen aus Liga zwei: Während es dort 165 Abgänge und 170 Zugänge gab, sind es in der 1. Liga „nur“ 127 Abgänge und 142 Zugänge. Das macht im Schnitt immerhin noch 7 Abgänge und 8 Zugänge pro Verein. Aber da die Transferperiode ja noch drei Wochen dauert, ist zu erwarten, dass die Eliteliga das Unterhaus vielleicht sogar noch einholen kann. Da kann die viel gepriesene Kontinuität nur hohles Geschwätz sein, um irgendwelche senilen Fußballromantiker zu besänftigen.

Im Durchschnitt gibt es also bisher 15 Veränderungen im Kader, positiv (wenn man eine geringere Zahl von Veränderungen denn als positiv einschätzt) weichen davon der FC Ingolstadt mit 3 Abgängen und 4 Zugängen = 7 Veränderungen ab, ebenso der VfL Wolfsburg (9), FC Augsburg (10), Bayern München und Hertha BSC (11).

Den Weg nach Absurdistan eindeutig eingeschlagen haben dagegen der VfB Stuttgart (18), Werder Bremen (19), der HSV (21) und als einsamer Spitzenreiter Hannover 96 mit 24 Veränderungen im Kader. Nicht umsonst werden die 96-er von vielen Experten mit dem Abstieg in Verbindung gebracht, wofür im Übrigen auch der Abstiegsexperte unter den Trainern, Michael Fronzeck, steht.

Das soll natürlich nicht heißen, dass Ingolstadt, als Verein mit den wenigsten Veränderungen, Meister wird (und Hertha schon gar nicht Fünfter), und andersherum wissen ja alle, dass der HSV nicht absteigen kann. Schade eigentlich…

P.S.: Am Ende der Saison müsste man mal den Zusammenhang von der Anzahl der Neuverpflichtungen und dem erreichten Tabellenplatz untersuchen.

Eine schwere Saison für Hertha?

Bisher kam es ja meistens anders, als gedacht. Wenn man Hertha eine ruhige Saison im Mittelfeld zutraute, waren die Abstiegsränge nicht weit (z.B. Saison 14/15) und wenn man dachte, dass es eng werden könnte, spielte die Mannschaft eine solide Saison (z.B. 13/14). So war es oft in Herthas Bundesligahistorie. Nach dem Erleiden des Vorbereitungsspiels gegen Genua, ist man eher geneigt, Hertha eine schwere Saison vorherzusagen: weitgehend ideenfreies Spiel im Mittelfeld, einige Stellungs- und Konzentrationsfehler (Plattenhardt, Brooks) in der Abwehr und ein abschlussschwacher Sturm, in dem Kalou total blockiert ist und selbst aus besten Positionen nicht aufs Tor schießt.
Aber wer weiß, ob nicht alles doch ganz anders wird: Vielleicht kommt ja Baumjohann doch zurück und überwindet seine Verletzungsmisere, eventuell steht sogar ein dynamischer Cigerci wieder zur Verfügung, unter Umständen schafft ein Mitchell Weiser nach überstandener Pause seinen Durchbruch als Erstligaspieler, es könnte ja sein, dass Schieber, wenn er wieder spielen kann, regelmäßig trifft und/oder Kalou ebenso und außerdem gibt es ja noch Allagui, Ben-Hatira und Hosogai, der vielleicht an seine Form aus der Saison 2013/14 abknüpfen kann. Zusätzlich zu all dem ist der Vorteil einer eingespielten Mannschaft auch nicht zu unterschätzen! Und zu guter Letzt könnte es ja sein, dass Sportchef Preetz noch einen weitern hochkarätigen Neuzugang präsentieren kann.
Ein bisschen viel vielleicht und eventuell, aber möglich ist schließlich alles. Hertha ist immer wieder mal für eine Überraschung gut. Außer im Pokal: Nachdem in Bielefeld Revanche für das Vorjahresaus genommen werden wird, ist in der zweiten Runde gegen den Viertligisten Viktoria Köln aber endgültig Schluss…

Der Wahnsinn geht weiter…

Man glaubt es eigentlich nicht, aber es ist wahr: Die Zu- und Abgänge der Spieler in der 2. Liga füllen kleingedruckt fast eine ganze Seite der Fußball-Woche. Und die Transferperiode ist ja noch lange nicht beendet, der Wahnsinn wird also weitergehen: Bei den 18 Vereinen gab es zum 20.7. 163 Abgänge und 170 Zugänge, d.h., im Durchschnitt 9,0 Abgänge und 9,4 Zugänge pro Verein! Geschönt werden die Zahlen durch den KSC, der erst 3 Abgänge und 5 Zugänge verzeichnet und den FC St. Pauli, der zwar 9 Abgänge aber auch nur 3 Zugänge meldet. Wenn man die in den nächsten fünf Wochen noch stattfindenden Veränderungen berücksichtigt, heißt das nicht mehr und nicht weniger, als dass die meisten Vereine fast die Hälfte ihres Kaders auswechseln. Aus dem Gejammere der letzten Spielzeiten (bei Vereinen, bei denen es nicht wie gewünscht lief), dass sich die Mannschaft ja erst finden müsse, wurde offensichtlich nichts gelernt. Kontinuität ist zwar ein Fremdwort, sollte aber von einem Manager auch in der 2. Liga, verstanden werden. Identifikation der Fans mit ihrem Verein und den Spielern ist ja kaum noch möglich, wenn man die Namen von Spielern, kaum gelernt, schon wieder aus dem Gedächtnis streichen soll. Was bisher vom Basketball oder Eishockey schon bekannt war, scheint jetzt auch im Fußball der Normalfall, und nicht wie beim „Fall“ Magath in Wolfsburg und Schalke, die Ausnahme zu sein. In der 1. Bundesliga dürften die Zahlen ähnliche Ausmaße annehmen. Natürlich sind die Gründe klar: Zu viel TV- und Werbegeld ist im Spiel, seit dem Bosman-Urteil gilt die Vertragsfreiheit für die Spieler. Unseriösen Spielerberatern, den Spielern und selbst den Vereinen geht es nicht in erster Linie um (attraktiven) Fußball, sondern um Geld. Je höher der Umsatz, desto höher der Verdienst. Spaß macht das alles nicht mehr.

Nur Hertha BSC scheint die Lektion des Vorjahres gelernt zu haben, als massenhaft Neuzugänge die Leistungsfähigkeit gegenüber der Vorsaison eher verwässerten. Nur zwei Spielerverpflichtungen stehen vier Abgänge gegenüber. Wenn es doch so bliebe! Aber wir ahnen schon, dass sich die Geschäftsführung Sport bis Ende August durch Panikkäufe mittelmäßiger Spieler und Abgabe einiger Talente oder bewährter Kräfte bald in die Gemeinschaft der Groß-Händler einreihen wird…

Die neue Saison und das offizielle Mannschaftsfoto

Emir Spahic ist nicht darauf, weil er zu dem Verein wechselt, der ihn verdient, aber 26 Spieler (neben einer Unzahl von zur Mannschaft gehörenden Trainern, Betreuern, Ärzten etc.), darunter nicht weniger als fünf Torhüter, sind darauf verewigt: Dem offiziellen Mannschaftsfoto von Hertha BSC für die Saison 2015/16. Es fehlen nur Nico Schulz und John Antony Brooks, die ja noch in ihrer Nationalmannschaft spielen, bzw. noch im Urlaub sind, die später „eingeklinkt“ werden, wie es im Fachjargon heißt.
Natürlich geht das wahrscheinlich nicht anders, der Termindruck durch das unbarmherzig näherrückende Erscheinungsdatum des Kicker-Sonderheftes zur neuen Saison gebietet das frühzeitige Aufnehmen. Das Foto allerdings, dass später in allen Sportzeitungen durch die Saison geistern und das Pannini-Album zieren wird, wird nur annähernd das wiedergeben, was es eigentlich darstellen soll: den Kader von Hertha der Saison 15/16. Mindestens drei bis fünf Spieler werden den Verein noch verlassen (müssen) und ähnlich viele werden, wie man Sportchef Preetz kennt, kommen, d.h., dass es ca. zehn Änderungen geben wird. Schon fünf Torhüter auf dem Foto sind eigentlich ein Witz, es sei denn, Kraft und Burchert sollen wirklich, wie neulich im Testspiel ausprobiert, zum Verteidiger umgeschult werden. So gut wie van den Bergh dürfte Burchert allemal sein.

Aber vielleicht sollte man sich doch mal wieder an den guten alten Spruch erinnern: „Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen.“: Der Genosse Stalin ließ, nachdem er mal wieder einen Widersacher hatte liquidieren lassen, die Gruppenfotos des Politbüros für die Nachwelt gnadenlos retuschieren. Warum nicht auch die Mannschaftsfotos der Bundesligisten, zumal Spieler heute nur verkauft und nicht umgebracht werden, wenn man ihre Dienste nicht mehr benötigt. Und schlimm wäre es nicht, wenn man kurzfristig die Köpfe von Wagner, van den Bergh und Niemeyer (leider!), durch X, Y und Z ersetzen würde. Fotoshop vereinfacht die Sache erheblich. Nur bei Ronny müsste man etwas genauer aufpassen…