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Kein Spieltag mehr – Relegation

Ein kleines Spieltäglein

es hat nicht sollen sein,

die nächste Saison steht vor der Tür

vielleicht in Liga zwei.

Wer so viele Matchbälle wie die Hertha vergibt, hat es eigentlich nicht verdient, mit dem Nichtabstieg belohnt zu werden. Auch wenn die Chancen drei Spieltage vor Schluss bei 1000:1 zugunsten Herthas standen: Stuttgart hat genau den Endspurt hingelegt, den Hertha hätte machen müssen. Der VfB schoss die Tore in der Nachspielzeit, während Hertha sie kassierte.

Es gibt zwei neue Matchbälle, aber Hertha ist auf dem absteigenden Ast, wogegen der HSV auf einer neuen Euphoriewelle surft, nachdem man im April schon alles verloren glaubte.

Hertha hat in 39 Erstligajahren 1318 Spiele absolviert. 470 Siege, 332 Unentschieden und 516 Niederlagen. Eine leicht negative Bilanz, als Optimist könnte man auch von einer fast ausgeglichenen Bilanz sprechen. Mit einem Torverhältnis von 1845 : 2033 wurden 1742 Punkte (auf die 3-Punkte-Regel umgerechnet) erreicht. Keine völlig deprimierenden, aber auch keine überragenden Zahlen, die man vorweisen kann, aber es gibt ja von den 24.000 deutschen Fußballvereinen nur 11 bessere in der „Ewigen Bundesligatabelle“ und von denen waren in der vorigen Saison mit Kaiserslautern, Werder, dem HSV und Schalke gleich vier nicht mehr im Oberhaus vertreten. Natürlich: Meister ist Hertha noch nie geworden und oft wurde gegen den Abstieg gespielt, aber dass Hertha nur und immer versagt, ist mit Zahlen nicht zu belegen, sondern entspringt eher der Gefühlswelt der Menschen, die immer schnell vergessen (siehe Wahlen: wer weiß noch, was vor vier Jahren war?) und die Gegenwart auf die Vergangenheit hoch- bzw. runterrechnen.

Eine Relegation, die über den Verbleib, bzw. Aufstieg in die 1. Liga entscheidet, gab es von 1982 bis 1991 und wieder seit 2009. Fast immer setzte sich der bisherige Erstligist durch. Der HSV war natürlich noch nie aus der 2. Liga kommend in einer Relegation (überstand sie aber zweimal mit mehr Glück als Können gegen Greuther Fürth wegen der Auswärtstorregel und gegen den KSC durch ein Freistoßtor in letzter Sekunde sich in die Verlängerung rettend), weil er immer in der ersten Liga spielte und danach dreimal nur Vierter in der 2. Liga wurde. Hertha hat zum zweiten Mal das Vergnügen die Horrorqualifikation durchlaufen zu dürfen. Beim ersten Mal 2012 gab es den Alptraum gegen Fortuna Düsseldorf. Von größerer „Erfahrung“ bei der Relegation zu sprechen erscheint also bei beiden Vereinen übertrieben, schließlich ist keiner der damaligen Aktiven noch dabei, auch Trainer und Manager haben sich längst in den (wohlverdienten?) Ruhestand verabschiedet.

Alles geht also bei Null los. Beruhigungsmittel vorher einnehmen: Man darf keine großen Flaschen mit ins Stadion nehmen. Apropos Flaschen: Den 60-er Jahre-Witz von der kleinsten Brauerei Berlins ersparen wir uns bis nach der Relegation…

Ein kleines Spieltäglein

Zwei kleine Spieltäglein

Die Chance wird immer kleiner

Null Punkte gab`s auch gegen Mainz

da war es nur noch einer!

Wenn Hertha in Dortmund verliert, was ja nach menschlichem Ermessen sehr wahrscheinlich ist, und Stuttgart zuhause Köln schlägt, was nicht sicher, aber sehr gut möglich ist, muss Hertha in die Relegation. Auf den möglichen Gegner HSV bereitet sich Felix Magath laut eigener Aussage auf einer der letzten Pressekonferenzen schon vor. Besser wäre es vielleicht gewesen, sich auf die Gegner Bielefeld und Mainz zu fokussieren und die nötigen Punkte ohne den Umweg Relegation zu holen.

Das ganze Herzkasper-Finale einschließlich zweier Trainerwechsel wäre auch gar nicht nötig gewesen, wenn Hertha nicht sechs (!) Mal in dieser Saison Punkte in der Schlussphase oder Schlussminute oder gar der Nachspielzeit verschenkt hätte. Gegen Wolfsburg verlor man einen Punkt in der 88. Minute, gegen Leverkusen gar zwei in der 90., gegen Augsburg zwei in der 90.+7. Minute. Dazu kamen jeweils ein Punkt gegen Freiburg (78. Minute, Petersen!!!) und Mainz (81. Minute). Negativer Höhepunkt war allerdings die Schlussphase in Bielefeld am 32. Spieltag. Die vielleicht entscheidende Szene der Saison könnte das Verdaddeln des 2:0 von Wollschläger und Mittelstädt gewesen sein, mit dem folgenden negativen Höhepunkt des Ausgleichs in der 90.+1. Minute, was ja die zwei rettenden Punkte kostete. Das sind sieben Punkte, die Hertha in der Schlussminute leichtfertig verschenkte, die einen nicht schönen, aber doch sicheren 14. Platz bedeutet hätten.

In der Relegation, egal ob gegen den HSV, Werder Bremen oder Darmstadt 98 (gerade gegen die als vermeintlicher Außenseiter!), liegen Herthas Chancen auf den Klassenerhalt bei deutlich unter 50 %. Man erinnere sich an die unsäglichen Spiele gegen Düsseldorf vor zehn Jahren. Und weil Hertha in den entscheidenden Momenten gefühlt immer versagt, sollte die Minimalchance gegen Dortmund genutzt werden. Realistischer ist aber, dass Köln einen Punkt in Stuttgart holt. Dann feiern wir auch alle brav Karneval im nächsten Frühjahr und trinken ein Jahr lang Kölsch statt Bier! Versprochen…

Zwei kleine Spieltäglein

Drei kleine Spieltäglein

das läuft nicht nebenbei,

In Bielefeld wird nicht gewonn`

da warens nur noch zwei.

Nun gut, im vorigen Jahr wurden Pal Dardai auch erst am vorletzten Spieltag die Nichtabstiegs-Zigarren überreicht. Der sich wie ein kleines Kind freuende Cunha tanzte mit Cheftrainer Dardai über den Rasen. Jetzt sind beide nicht mehr da und trotzdem ist Hertha in selbiger Situation. Mit einem Sieg hätte man die nächste Erstligasaison ohne Stornierungsmöglichkeit fest gebucht. Ein Punkt gegen Mainz würde gegenüber Bielefeld schon reichen, um den direkten Abstieg zu verhindern. Und wenn Bielefeld nicht gewinnt und die Bayern sich gegen Stuttgart nicht hängen lassen, wovon man ausgehen kann, reichen Hertha auch zwei Niederlagen zum Klassenerhalt.

Es wäre dann der 15. Tabellenplatz, den Hertha in bisher 38 Jahren 1. Liga nur einmal erreichte. Noch nie waren die Blauweißen Meister, 9. oder 17. Je einmal Vizemeister, 7., 8., 12., 13. und eben (s.o.) 15. Zwei Mal erreichte Hertha als 5. und 16. das Ziel, drei Mal wurde man 4. und ( leider, leider) 18., vier Mal wurden der 3., 6. und 11. Platz belegt und fünf Mal war Hertha 10. oder 14. Das ergibt im Durchschnitt einen Tabellenplatz 9,6, obwohl Hertha in der „Ewigen Tabelle“ einen soliden 12. Platz belegt. Sonderbare Macken der Mathematik!

Wenn wir gerade bei Zahlenspielen sind:

Die Nuller Jahre waren Herthas erfolgreichstes Jahrzehnt. In 10 Spieljahren war man im Durchschnitt 6,6-ter. Knapp dahinter die seligen 70-er Jahre mit Durchschnittsrang 7,3 in 10 Jahren. In den 90-ern war man in drei Jahren im Schnitt 10,7-ter, In den 10-er Jahren des jetzigen Jahrtausends in acht Jahren belegte man Platz 11,75, in den frühen 60-er Jahren wurde man dreimal 14., was logischer Weise auch der Durchschnitt ist, und ganz düster sah es in den 80-er Jahren aus, als man nur zwei Spielzeiten dabei war und das auch noch mit dem kaum negativ zu toppenden Platz 17 im Schnitt.

Seit den beiden Jahren der Europapokal-Qualifikation unter Pal Dardai, der mit nicht vorhandenen finanziellen Mitteln ganz viel erreichte, dümpelt Hertha, auch mit enormem finanziellen Aufwand, im unteren Tabellendrittel herum. Das bedeutet nicht, dass Geld eben doch keine Tore schießt, sondern dass man Geld auch so einsetzen muss, dass auf dem Platz etwas ankommt und nicht im Kaufrausch Geld verbrennen darf, als ob es kein Morgen gäbe. Viel wurde falsch gemacht, aber hinterher sind natürlich alle schlauer. Wenn der Abstieg vermieden wird, kann man vielleicht mit soliderer, handwerklich sauberer Arbeit ans Aufbauen gehen und nach und nach in höhere Tabellenregionen schielen. Ob Bobic dann mal mit der Schale durchs Brandenburger Tor ziehen wird? Es muss ja nicht gleich die Meisterschale sein, ein Schälchen Sekt zum Pokalfinaleinzug wäre ja auch nicht schlecht…

Drei kleine Spieltäglein

Vier kleine Spieltäglein

die Hertha spielt sich frei

der VfB wird abgewatscht

da warens nur noch drei.

Die Stimmung im Olympiastadion war während des gesamten Spiels gegen den VfB Stuttgart so euphorisch, dass man sich ernsthaft fragen musste, wer auf die Schnapsidee vom Bau eines neuen Stadions gekommen war. Nun gut, es gibt ihn nicht so oft, den Schulterschluss aller Zuschauer mit den blauweißen Spielern. Mal sind die egozentrischen Ultras beleidigt, weil die Mannschaft nicht so gespielt hat, wie sie es gerne möchten (und da sie sich als Herthaner ansehen, müssen sie sich nicht an eines der Union-Axiome halten, das da lautet:“Pfeife nie die eigene Mannschaft aus!“), mal schweigen die gelangweilten Tribünenbesucher wegen der dürftigen Darbietungen auf dem Rasen. Diesmal war alles anders: Neunzig Minuten bedingungsloser Einsatz wurden entsprechend gewürdigt, der Schlusspunkt mit Belfodils frechem Tanz vor dem Stuttgarter Tor mit erfolgreichem Abschluss war das Sahnehäubchen, das zu standing ovations animierte, zum ersten Mal nach zwanzig Jahren, seit dem Sieg in der Champions League gegen Chelsea.

Jetzt hat es die Mannschaft von Magath und Fotheringham selbst in der Hand: Mit einem Sieg in Bielefeld könnte man nicht mehr direkt absteigen, sollte gleichzeitig der VfB gegen Wolfsburg verlieren, wäre man endgültig gerettet. Zum wievielten Male eigentlich? Im 39. Erstligajahr spielt Hertha momentan zum 15. Mal gegen den Abstieg (bei bisher fünf verlorenen Abstiegskämpfen). Ein sechstes Mal muss nicht dazukommen. Magaths Bilanz mit mittlerweile neun Punkten aus fünf Spielen kann sich sehen lassen und selbst wenn in Bielefeld verloren werden sollte, wäre die Chance mit einem Heimsieg gegen Mainz und /oder einer möglichen Überraschung in Dortmund, für die es um gar nichts mehr geht, noch bis zur letzten Minute der Saison gegeben. Der Herzgesundheit zuliebe sollte es allerdings zu diesem Szenario möglichst nicht kommen.

Und auch wenn man das Bärenfell (russisches Bärenfell?) erst verteilen soll, wenn der Bär erlegt ist, kann man ja mal einen kleinen Ausblick wagen: Wenn Bobic sein Versprechen nach Kontinuität einhält, holt er zwei oder drei der ausgeliehenen Spieler zurück (Ngangkam, Meier (?), Torunarigha, auf keinen Fall aber Zeefuik…) und ergänzt vorsichtig mit höchstens zwei guten Neuerwerbungen. Ablösefreie, hungrige Spieler, die es noch mal wissen wollen, auf der rechten Außenverteidigerposition und auf der Zehn, mehr ist nicht nötig, wenn ein guter Trainer die Jungs mitreißen kann. Vielleicht sollte man mal an ein Gespann Fotheringham-Ibisevic denken, falls Magath seine Aufgabe als erfüllt ansieht.

Aber wie gesagt: Erst mal den Bielefelder Bären erlegen. Drei Spiele nacheinander hat Hertha seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr gewonnen. Dann wird`s ja Zeit…

Vier kleine Spieltäglein

Fünf kleine Spieltäglein

In Augsburg zeigt man Gier

Die Hertha holt drei Punkte dort

Da warens nur noch vier.

Na bitte: Felix Magath hat mit seiner Mannschaftsaufstellung maßgeblich zur Derbypleite beigetragen. In Augsburg hat er mit dem Einsatz von Boateng in der Startelf alles richtig gemacht, weshalb er sich den Sieg ruhigen Gewissens auch auf seine Fahne schreiben kann. Allerdings hat er nur das gemacht, was zu Beginn der Saison genau der Plan war: Boateng als Leader der Mannschaft einzusetzen. Warum das nicht vorher viel öfter geschehen ist, wissen wir nicht. Boateng war sicher nicht die gesamte Zeit über verletzt, konditionsschwach oder an Corona erkrankt. Und dass es einem 34-jährigen nicht möglich sein soll neunzig Minuten durchzuhalten, entzieht sich sowieso der Vorstellungskraft jeden Beobachters. Fritz Walter war beim WM-Gewinn 1954 ebenfalls mit 34 Jahren der Stratege, der alle sechs Spiele über 90 Minuten spielte, Lothar Matthäus bestritt sein 150. Länderspiel im zarten Alter von 39 Jahren. Nun gut, es ist möglich, dass Kevin-Prince etwas intensiver lebte, als es bei Leistungssportlern gewöhnlich der Fall sein sollte, aber auch mit einigen Zigaretten nebst dem einen oder anderen Bier am Tag bringen englische Fußballer Höchstleistungen bis in biblisches Alter. Im Gegenteil: Bei Entzug könnte es Probleme geben.

Hertha hat nach dem Sieg in Augsburg alles wieder in der Hand. Selbst ein Unentschieden gegen Stuttgart könnte reichen, vorausgesetzt man gewinnt in Bielefeld. Und auch gegen Mainz, in den letzten Jahren so etwas wie ein Angstgegner im Olympiastadion, ist zählbares möglich, da die Mainzer mit acht Punkten die zweitschlechteste Auswärtsbilanz aller Bundesligateams haben.

Unter Felix Magath hat Hertha in vier Spielen sechs Punkte geholt, was einen Schnitt von 1,5 Punkte pro Spiel ergibt. Auf die Saison hochgerechnet wären das 51 Zähler, also ein Platz in Europapokal-Nähe. Respekt. Wenn aus den letzten vier Spielen ebenfalls sechs Punkte eingefahren werden, dürfte Hertha mit 35 Punkten eigentlich nicht absteigen.

Apropos Abstieg. Jetzt geistern wieder viele falsche Zahlen durch die Medien. Wäre es, wenn Hertha am Saisonende abstiege, der sechste, siebente oder gar der achte Abstieg?

Tatsache ist: Hertha stieg 1980, 1983, 1991, 2010 und 2012 ab. Fälschlicherweise wird oft die skandalöse Strafversetzung in die Regionalliga Berlin 1965, als Hertha wie ALLE anderen Bundesligavereine auch, überhöhte Handgelder und Gehälter zahlte, als Abstieg gezählt, der es aber nicht war. Also: Bisher fünf Abstiege. Fünf zu viel. Da sollte keiner mehr hinzukommen…

Fünf kleine Spieltäglein

Sechs kleine Spieltäglein

Union gibt auf die Strümpf

Die Hoffnung ist viel kleiner jetzt

Da waren`s nur noch fünf

Nun ist es tatsächlich eingetreten: Hertha ist dazu verdammt, die nächsten drei Spiele zu gewinnen, wenn man nicht absteigen will. Die Chancen auf den Klassenerhalt haben sich nach der schlechtesten halben Stunde der Weltgeschichte, wie der weise Otto Rehhagel wahrscheinlich formulieren würde, als Hertha nach 0:7 Ecken und 1:8 Torchancen gegen Union im Hintertreffen lag, auf 20 : 80 verringert.

Positiv daran ist, dass es noch nicht 0 : 100 heißt, aber wie tief ist man gesunken, wenn man so etwas schon positiv nennt? Die erste halbe Stunde gegen Union war so erschütternd, weil der Gegner ja eine Mannschaft war, die seit dem Weggang Kruses Ende Januar zwar einige Spiele gewonnen, aber kaum ein vernünftiges Spiel abgeliefert hatte. Und dann wurde Hertha an die Wand gespielt, dass allen blauweißen Hören und Sehen verging. Wenn man dieses Spiel zum Maßstab nimmt, kann man sich beim allerbesten Willen nicht vorstellen, dass es in den folgenden drei Spielen von Erfolgserlebnissen nur so wimmelt.

Nun gut, die Bielefelder müssen noch gegen Bayern, Leipzig, Köln, Bochum und eben Hertha antreten. Da kann es schon passieren, dass sie einen Punkt weniger als Hertha erbeuten, was bedeuten würde, dass Hertha den Relegationsplatz erreichen würde. Was andererseits hieße, dass Hertha (wir kennen das aus den Spielen gegen Düsseldorf) gegen Schalke, Bremen oder gar St. Pauli eher geringe Chancen hätte.

Wie dem auch sei: Nur durch einen Sieg in Augsburg würde etwas Hoffnung auf den Klassenerhalt aufkeimen. Voraussetzung wäre dafür aber, dass der Trainer nicht wieder extravagante Aufstellungsideen hätte. Wie er einen Maolida aufstellte, der bisher jegliche Bundesligareife vermissen ließ und einen Eitschberger in sein erstes Profispiel warf, wie einen Gladiator vor die Löwen, ist unverständlich, um es harmlos auszudrücken, schwachsinnig, um es beim Namen zu nennen.

Wahrscheinlich gibt es frühestens am vorletzten Spieltag eine Entscheidung, eventuell gar erst am letzten. Und da möglicherweise auch erst in den letzten Minuten der Saison. Man sollte schon mal Herzpillen bereitlegen…

Sechs kleine Spieltäglein

Sieben kleine Spieltäglein

zwei Tore über rechts

schon wieder gab`s null Punkte nur

da waren`s nur noch sechs.

Wie immer: Wenn man dachte, Hertha hat den Bock endlich umgestoßen, die Mannschaft hat begriffen, worum es geht, ist ein Team geworden und besteht nicht mehr nur aus 25 Ich-AG´s, die in ihrer Laufbahn optimalen Profit einspielen wollen, dann kommt der Rückschlag. So auch in Leverkusen, wo es zwar nicht mehr, wie noch vor ein paar Wochen wahrscheinlich, eine Klatsche gegeben hat, aber doch eine Mannschaft spielte, die vielleicht wollte, aber nicht so richtig konnte. Kein ganz schlechtes Spiel, aber eben auch nicht der bedingungslose Kampf. Beispielhaft Tousard, gegen Hoffenheim noch mit überragendem Einsatz, diesmal wieder nur der Mitläufer, der sich bemüht. Aber: Mühe allein genügt nicht, wie wir ja aus der Kaffeewerbung kennen.

Die Möglichkeiten Spiele zu gewinnen, reduzieren sich von Woche zu Woche. Natürlich ist Hertha noch nicht abgestiegen, auch wenn die Mannschaft jetzt auf dem 17. Platz liegt. Natürlich hat Hertha alles in der eigenen Hand, weil sie in den Spielen gegen Stuttgart, Augsburg und Bielefeld ja gewinnen und die direkten Gegner hinter sich lassen kann. Aber glaubt auch nur ein einziger Realist, dass Hertha wirklich alle diese drei Spiele gewinnt, um mit dann 35 Punkten es wahrscheinlich geschafft zu haben, zumindest in die Relegation? Natürlich kann man auch gegen Union gewinnen, die seit dem Abgang Kruses zwar immer noch regelmäßig punkten, aber kaum noch eine überzeugende Leistung geboten haben. Natürlich kann man auch am vorletzten Spieltag gegen Mainz gewinnen, die auswärts die drittschlechteste Bilanz aller 18 Vereine haben (vor Fürth und Hertha). Und außerdem bleibt noch am letzten Spieltag das Auswärtsspiel beim wahrscheinlichen Vizemeister Dortmund. Aber sollte man da drei Punkte einkalkulieren?

Die Zeichen stehen auf Abstieg, die Chancen auf den Klassenerhalt liegen bei 30:70. Immerhin: Es gab auch schon Mannschaften, die zwei Spieltage vor Schluss sechs Punkte Rückstand hatten und es trotzdem geschafft hatten. In solcher Situation würde dann aber nur noch beten helfen. Und wie schon BAP einstmals sangen: „Ja, wenn das beten sich lohnen tät…“

Wenn das Beten sich wirklich lohnen täte, sollte man lieber für Frieden in der Ukraine beten! Die Herthaner müssen das auch ohne höheres Wesen schaffen…

Sieben kleine Spieltäglein

Acht kleine Spieltäglein

Zum Abstieg war`n verblieben

Der Felix legt die Hände auf

Da waren`s nur noch sieben.

Das gibt es doch nicht. Da kommt ein neuer Trainer, der krankheitshalber noch nicht mal bei der Mannschaft ist, sondern auf der hoteleigenen Couch sitzt, grünen Tee schlürft und wahrscheinlich nicht so rumtobt wie Steffen Baumgart, und plötzlich spielt die Mannschaft so, dass auch der Investor Lars Windhorst seine helle Freude daran haben könnte, wenn er denn dieses Spiel mit den 22 Männern in kurzen Hosen, die einem Ball hinterher jagen, verstehen würde. Auf jeden Fall stieg der Wert seines Investments von zuletzt 10 Millionen Euro (beim geringfügig höheren Einstandskurs von 375 Millionen) auf gut und gern 15 Millionen nach dem überragenden Sieg gegen Hoffenheim. Im Laufe von 90 Minuten satte fünf Millionen verdient, da lacht das Herz eines jeden Zockers, denn nichts anderes ist ja Herr Windhorst. Dass er kein seriöser Geschäftsmann ist, wussten wir schon vor seinem Reingrätschen in die Vorstandsarbeit, zu der ihm aber auch jegliche Kompetenz fehlt, bei aller Kritik, die man eventuell an dem einen oder anderen Vorstandsmitglied haben könnte. Nur kann Herr Windhorst das nicht beurteilen, sondern nur die Mitglieder von Hertha BSC und selbst von diesen nur ein Teil.

Zum Sportlichen: Hertha spielte so, wie man als Abstiegskandidat zu spielen hat: Bedingungslos kämpfen, alles andere kommt dann von selbst. Sinnbildlich für das Engagement der gesamten Mannschaft steht ein Lucas Tousard, der endlich so spielt, wie man es sich von einem 20-Millionen-Mann wünscht. Sein erstes Tor für Hertha war folgerichtig, auch wenn es ihm aus unerfindlichen Gründen von Offiziellen gestohlen und als Eigentor gewertet wurde. Vielleicht wird das ja noch was mit ihm, der bisher immer nur durchschnittlicher Mitläufer war. Gegen Hoffenheim war er der Anführer einer intakten Mannschaft.

Nicht, dass die Abstiegsgefahr gebannt sei, aber man kann als Blauweißer jetzt wieder Hoffnung haben, dass alles gut wird. Selbst wenn in Leverkusen nichts Zählbares mitgebracht wird. Aber möglich erscheint selbst das nach der Leistung gegen Hoffenheim. Oder ist das alles nur ein Strohfeuer? Man darf gespannt sein. Und wenn nach Magaths Genesung der schottische Assistent weiter das Training leitet und die Spieler so erfolgreich pusht, darf es statt eines grünen Tees auch gerne mal ein Scotch sein…

Acht kleine Spieltäglein

Man kann Warzen bei Kindern besprechen lassen oder sie den Betroffenen abkaufen. Das klappt wirklich! Manchmal ist bei Krankheiten auch einfaches Handauflegen ausreichend. Wenn`s hilft, ist es ja auch egal, warum! Ob Herthatrainer Magath die Spieler bespricht oder durch Handauflegen Fehlpässe und Elfmeterverursachen den Garaus macht: Egal, Hauptsache die Fehler werden gegen Hoffenheim vermieden. Dass der Neue wegen einer Corona-Infektion das alles nur virtuell machen kann, stört da schon gar nicht mehr. Vielleicht ist es sogar besser, den direkten Kontakt zu vermeiden. Letztlich spielt nicht der Trainer den Fehlpass, sondern der Spieler. Wie dem auch sei, vier Siege aus den letzten acht Spielen müssen schon her, wenn der direkte Abstieg vermieden werden soll, obwohl das bei dann 35 Punkten noch keinesfalls sicher wäre. Selbst die Unionen haben am vergangenen Wochenende mit „nur“ 38 erreichten Punkten noch nicht feiern wollen, als sie Hertha-Konkurrent Stuttgart großzügig einen Punkt schenkten. Erst bei 40 Zählern gibt es Sekt. Da sind die Eisernen ganz eisern.

Schön wäre es, wenn gegen Hoffenheim, gegen das Hertha auf dem Papier nicht die Spur einer Chance hat, mit dem Punkte holen begonnen werden würde, denn je mehr die Restsaison zusammenschmilzt, desto schwieriger wird das Unterfangen. Zwölf Pünktchen aus den letzten beiden Spielen zu holen dürfte schwer werden, zumal mit Dortmund dann am 34. Spieltag ein Gegner wartet, der momentan geringfügig über Herthas Leistungshorizont hinausragt.

Noch ist nichts verloren, aber die Zeit drängt.

Neun kleine Spieltäglein…

Das hat ja schon mal nicht geklappt, mit dem keinesfalls erwarteten, aber umso mehr erwünschten Heimsieg gegen Frankfurt. Im Gegenteil. Hertha wurde vorgeführt und auch wenn man beim Stande von 0:1 vielleicht einen Elfmeter hätte bekommen müssen und auch wenn das dritte Tor ein Geschenk des Torwarts war (Sascha-Burkhardt-Gedächtnistor) und auch…Man kann viel lamentieren, Tatsache ist, dass der Verein und die „Mannschaft“ momentan ein Bild des Jammers darstellen, wie selten in der Geschichte des Vereins seit 1963, und das will schon was heißen:

Dem Vorsitzenden Gegenbauer sind vielleicht noch die geringsten Vorwürfe zu machen, aber immerhin stellt er weder den sportlichen Leiter (Fredi Bobic) noch den Finanzvorstand (Ingo Schiller) in Frage. Gerade hinter Schiller müsste ein großes Fragezeichen stehen, ist er doch der Hauptverantwortliche für die Affäre Windhorst. Die Schönrechnerei der katastrophalen finanziellen Lage des Vereins und jegliche fehlende Transparenz, die sich hinter bunten graphischen Darstellungen verbirgt, können neben dem sportlichen auch schnell den wirtschaftlichen Ruin herbeiführen. Wenn ein Kader 90 Millionen im Jahr kostet und gleichzeitig (natürlich auch, aber nicht nur wegen Corona) 90 Millionen Jahresdefizit anfallen, stimmt offensichtlich etwas nicht. Der Deal mit Lars Windhorst, einem der windigsten Geschäftsleute der Republik, hätte niemals begonnen werden dürfen. Pakte mit dem Teufel gehen nur kurzfristig gut und bei Hertha war nicht einmal das der Fall.

Der als Retter gepriesene Fredi Bobic, der in Frankfurt durchaus Erfolge hatte und dort eine gute Mannschaft zusammenstellte, hat bisher nur Misserfolg zu verantworten. Die Entlassung von Dardai, trotz aller Lippenbekenntnisse zu Kontinuität, war ein katastrophaler Fehler. Es stimmt, dass die Saison unter Dardai nicht gut lief, es stimmt auch, dass eine spielerische Entwicklung nicht zu erkennen war, aber lag dies nicht zuerst an den vorhandenen Spielern und nicht am Trainer. Trotzdem hätte man eine Trennung von Dardai rechtfertigen können, wenn ein Trainer „auf dem Markt“ gewesen wäre, dem man nach seinen Erfolgen in der Vergangenheit Großes zutrauen könnte. Jürgen Klopp, Thomas Tuchel, selbst Lucien Favre wären Namen, die den Verein hätten weiterbringen könnten. Sie standen aber natürlich nicht mal ansatzweise zur Debatte. Statt dessen einen zwar äußerst sympathischen, nicht von ungefähr aber seit drei Jahren beschäftigungslosen Trainer zu verpflichten, grenzt schon daran, russisches Roulette zu spielen.

Und schließlich die Spieler. Natürlich verlieren sie nicht absichtlich. Natürlich haben sie auch unter Korkut gute Spiele und zumindest einige recht ordentliche Halbzeiten gespielt. Aber es fehlt der Zusammenhalt, der Spirit, das System. Wie auch bei zwölf Zugängen und siebzehn Abgängen (!) ?Jeder Spieler wird im Laufe der Zeit bei Hertha schlechter. Ob Serdar, Richter, Boyata oder Jovetic: Alle bringen nur noch Teilleistungen im Vergleich zum Saisonbeginn. Man lässt einen Kämpfer wie Torunarigha in der Winterpause gehen und verpflichtet einen Lee, der absolut jegliche Bundesligatauglichkeit vermissen lässt. Und der Trainer setzt diesen Lee gegen Frankfurt in einem entscheidenden Spiel fast 60 Minuten lang ein, in denen er keinen einzigen Zweikampf gewinnt und verweist einen Belfodil, der in den letzten Wochen der mit Abstand beste Hertha-Angreifer war (was immer das objektiv heißen mag) auf der Bank. Unverständlich.

Fassen wir kurz zusammen:

Bei Hertha stimmt es in dieser Saison weder in der sportlichen und finanziellen Leitung des Vereins, noch in der Besetzung des Trainers, noch in der mentalen Verfassung der Mannschaft. Wenn man unter diesen Voraussetzungen die Klasse halten und nicht absteigen würde, müsste man nach Santiago de Compostella pilgern, eine Kerze anzünden und Gott für ein Wunder danken…

P.S.: Mönchengladbach am kommenden Sonnabend ist eine der fünf Mannschaften, gegen die man nach menschlichem Ermessen noch punkten kann. Realistisch ist das zwar nicht, aber …