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Interessantes Mittelfeld

Da waren es nur noch drei: Nach der Aktualisierung der Kaderübersicht bei Hertha gibt es, nachdem Kevin Prince Boatengs Name nicht mehr genannt wird, noch genau drei Mittelfeldspieler, mit denen Hertha die Zweitligasaison bestreiten will. Als da wären Lucas Tousart, Tolga Cigerci und Suat Serdar. Für die 2. Liga relativ hochwertig und hochpreisig besetzt. Dumm nur, dass alle drei Spieler auf der Verkaufsliste von Hertha stehen, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Während Tolga Cigerci, der im Schnellgang den üblichen Weg eines Hertha-Profis durchlebte, nämlich stark anzufangen und dann systematisch schlechter zu werden, offenbar gerne in die Türkei zurück möchte, sieht die Sache bei Serdar und Tousart natürlich anders aus. Serdar, der genau den bei Cigerci beschriebenen Weg ging, zeigte kaum Identifikation mit Verein und Fans und wäre wahrscheinlich bei einer eventuellen Mission Aufstieg, bei der es auch um mentale Stärke und Kampfeswille (Dardai: “Männersport“) geht, fehl am Platze. Außerdem gilt bei ihm ebenfalls die alte Leier vom hohen Gehalt und einer akzeptablen Ablöse, die die finanzielle Situation Herthas verbessern könnte. Bei Tousart geht es allerdings nur ums Geld (hohes Gehalt, hohe mögliche Ablöse), da er sich doch im Laufe seiner 89 Spiele, in denen er für einen Sechser beachtliche 8 Tore in den letzten drei Spielzeiten erzielte, stetig verbesserte. Er wäre genau der Leader, den die Mannschaft bräuchte und der der Kopf einer denkbaren Achse Christensen (oder Gersbeck) – Tousart – Richter – Niederlechner wäre. Jedoch wird sein Verbleiben in Berlin wahrscheinlich nur der Traum eines unrealistisch denkenden Fans bleiben, der altmodische Ideen wie „Vereinstreue“ nicht völlig aus dem Kopf bekommt. Aber vielleicht arbeiten die Verantwortlichen ja daran, dass auch unrealistische Träume Realität werden können. Beispiele gibt`s genug. Viele Herthaner verließen den Verein auch nach dem Abstieg, zumindest in der Folgesaison, nicht, wie ganz früh Wolfgang Fahrian und viel später Raffael und Ramos. Selbst ein Gianluigi Buffon ging mit Juventus Turin in die Serie B. Warum sollte ähnliches nicht auch bei Tousart möglich sein? Vorausgesetzt, man erhält von anderen Spielern (Lukebakio…) hohe Ablösen und Tousart verzichtet auf Gehalt. Den Verzicht könnte man ja mit einer entsprechenden Aufstiegsprämie verrechnen…

Fakt jenseits aller Tagträume ist: Hertha steht ohne Mittelfeld da! Eine 5-0-5-Taktik wäre auch mal was revolutionäres. Alle Bälle lang nach vorne, wo sich fünf Stürmer um den Ball kümmern und ihn versenken…

Saisonrückblick bisserl anders

Es gibt ja Leute, die sagen, dass ein Abstieg auch reinigend wirken kann, wie ein Waldbrand, der Platz für Neues schafft. Andere sagen, dass es ja endlich Zeit wurde, nachdem man jahrelang um einen Abstieg gebettelt hatte, ob es Hertha oder vor fünf Jahren der HSV war.

Meiner Meinung nach ist nichts davon richtig, ein Abstieg ist immer blöd und wirft den Verein meist (nicht immer, siehe Werder im letzten Jahr) um Jahre zurück: viel weniger Einnahmen, völliger Neuaufbau des Kaders (was im konkreten Hertha-Fall wirklich mal ein Vorteil ist), Unsicherheit was die Zukunft angeht und und und…

Überflüssig war der Abstieg von Hertha sowieso, wenn wir die Spiele mal kurz rekapitulieren:

Am Ende fehlten genau 5 Punkte für die Relegation und sechs Punkte, um 14. zu werden, ein Tabellenplatz, den Hertha schon öfter in 40 Bundesliga-Jahren innehatte.

Zwei Punkte, wenn gegen Leverkusen der eindeutige Handelfmeter gepfiffen worden wäre. Fünf Punkte, wenn in Stuttgart, Mainz und zuhause gegen Bochum nicht ein Gegentor in der späten Nachspielzeit gefallen wäre (außerdem hätten dann Stuttgart zwei Punkte und Bochum einen Punkt weniger, was schon für die Abstiegs-Vermeidung ausgereicht hätte).

Und allen Experten und solchen die es sein wollen, die nur die Ergebnisse betrachten und nicht, wie diese zustande kamen, nochmal zur Erinnerung:

Hertha machte 10 wirklich schlechte Spiele, in denen keine Erstligareife und vor allem kein Wille die Klasse zu halten, gezeigt wurden, nämlich bis zur WM-Pause nur gegen Union (A) dann allerdings gegen Bochum (A), Wolfsburg (H), Frankfurt (A), Leverkusen (A), Hoffenheim (A), Gelsenkirchen (A), Bremen (H) und Köln (A).

Ordentlich, wenn auch mit nicht immer zufriedenstellenden Ergebnissen, spielte Hertha gegen Frankfurt (H), Dortmund (H), Augsburg (A), Freiburg (H), Bremen (A), Stuttgart (A), Union (H), Dortmund (A), Augsburg (H), Mainz (H), Bayern (A), Bochum (H) und Wolfsburg (A) (13 Mal).

Und elfmal zeigte Hertha starke bis sehr starke Spiele, auch wenn davon aus unterschiedlichsten Gründen etliche verloren gingen, wie gegen Mönchengladbach (A), Leverkusen (H), Mainz (A), Leipzig (A), Gelsenkirchen (H), Bayern (H), Köln (H), Mönchengladbach (H), Freiburg (A), Leipzig (H) und Stuttgart (H).

Alles in allem eine durchwachsene Bilanz, keineswegs jedoch eine Saison, in der man zwangsläufig als Letzter absteigen muss. Dass das auch das Publikum so sah, zeigt der mit über 53.000 beste Zuschauerschnitt in der mittlerweile 131-jährigen Geschichte von Hertha BSC.

Bei Hertha wird gespart

Dass bei Hertha gespart werden muss, ist unstrittig. Der gar nicht mehr so neue Vorstand hat als Ziel ausgegeben zur Saison 2024/25 einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Wie er das erreichen will steht in den Sternen. Vielleicht kann er ja, wie es die Bundesregierung neuerdings gerne macht, ein Sondervermögen einrichten, vielleicht mit dem schönen Namen „Blau-weißer Aufstieg“ oder „Champions-League – jetzt kommen wir wirklich“ oder auch gerne „Unionjäger“. Da das momentan unrealistisch erscheint, kann man ja schon mal bei den Dingen anfangen, die wirklich viel Geld bringen, bzw., Ausgaben reduzieren, was ja auf`s Gleiche rauskommt. Spieler mit irrsinnigen Gehältern von der Gehaltsliste zu streichen, scheint eine gute Idee zu sein. Leider hat der Spargott davor die Einhaltung von Verträgen gesetzt. Und wenn man bis 2026 an unfähige oder unwillige Spieler jedes Jahr vier Millionen zahlen muss und der Spieler macht, was jeder machen würde, der den Jackpot im Lotto geknackt hat, nämlich auf Einhaltung des Vertrages bestehen, dann bleibt nur der Verkauf, was aber auch nur mit Zustimmung des Spielers funktioniert. Bisher scheint dies nur bei Maxi Mittelstädt und den schon vorher verliehenen Ascacibar und Alderete geklappt zu haben. Alle anderen Spieler scheinen noch unter Vertrag zu stehen und diesen gegebenenfalls aussitzen zu wollen. Zumindest scheint dies Fakt zu sein, wenn man auf der Hertha-Website unter der Rubrik „Teams“- „Profis“ – „Kader“ nachschaut. Da sind sie alle noch versammelt, die bei Hertha mal eine Rolle gespielt haben, sei sie gut (Rune Jarstein) oder schlecht (Ivan Sunjic) gewesen. Auch Jean-Paul Boetius, der nach dem Erhalt von 1,7 Millionen Jahresgehalt für Nichts seine Ausstiegsklausel zog, sowie Stefan Jovetic und Chidera Ejuke, die beide schon verabschiedet wurden, sind noch in der Kaderübersicht enthalten.

Es kann sein, dass dieser scheinbar schlecht oder gar nicht gepflegte Teil der Website aus rechtlichen Gründen diese Spieler auflistet, da die Saison offiziell bis zum 30.6. läuft. Es ist aber genauso gut möglich, dass der zuständige Mitarbeiter, wie so viele, dem Rotstift zum Opfer fiel, nach dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist“. Besser für den Verein, und damit für uns alle, wäre es, wenn in Zukunft die Anzahl der höchstbezahlten Luschen gegen Null streben würde, womit auch wieder Gelder für die notwendige Verwaltungsarbeit frei werden würden. Das Kündigen im Rundumschlag (Pablo Thiam, Mediensprecher…) scheint nicht immer zielführend zu sein, das Zerschlagen von Porzellan ist dagegen gesichert.

Am 1.7. werde ich auf der Website nachsehen, ob dann der neue Kader, soweit während der laufenden Transferperiode bereits absehbar, realistisch dargestellt wird…

Vorfreude auf die Zweitligasaison

Die Lizenz ist da! Selten hat man sich so auf eine Saison in der Zweiten Bundesliga gefreut, wie in diesem Jahr. Offenbar hat der neue Vorstand doch nicht alles falsch gemacht, wie uns besserwissende Journalisten und U-Boote des alten Vorstandes weismachen wollten. Aber vom eigenen Versagen kann man schließlich gut ablenken, wenn die Nachfolger auch (geerbte) Probleme haben.

Dass der Aufstieg kein Selbstläufer wird, ist jedem klar, der ein winziges Gespür für die Realität hat. Der „Berliner Weg“, der aufgrund der doppelten finanziellen Misere (Mindereinnahmen durch Abstieg, Schuldenberg als Hinterlassenschaft der ehemaligen Verantwortlichen) zwangsweise beschritten werden muss, ist keineswegs ein Garant für den sportlichen Erfolg. Aber da wir ja wissen, dass Mentalität (also Identifikation mit Verein und Stadt) die Qualität oft besiegt, muss man auch nicht allzu pessimistisch sein.

Und dass die Qualität in der 2. Liga so groß wie nie sein dürfte, beweist schon folgende statistische Spielerei:

Von den 16 Gründungsmitgliedern der Bundesliga 1963 spielen noch genau fünf in der ersten Liga, nämlich Dortmund, Frankfurt, Köln, Werder und der VfB Stuttgart.

In der 2. Liga hingegen spielen sieben Gründungsmitglieder: Braunschweig, Nürnberg, Kaiserslautern, Karlsruhe, HSV, Schalke und Hertha!

Die vier restlichen, als da wären Saarbrücken, 1860 München, MSV Duisburg (ex-Meidericher SV) und Preußen Münster (gerade aufgestiegen) vergnügen sich in Liga 3 und versuchen an alte Zeiten anzuknüpfen!

Der traditionsbewusste Fußballfan, und das sind erstaunlicher Weise vor allem junge Leute bei den Ultras, würde natürlich gerne die Vereine, die zur eigentlichen DNA der Bundesliga gehören, wie die Traditionsvereine Hertha, HSV, Schalke, Kaiserslautern oder Nürnberg, in der ersten Liga sehen, als RB Leipzig, Bayer Leverkusen oder VW Wolfsburg und SAP Hoffenheim. Aber man kann nicht alles haben und sechzig Jahre sind eine lange Zeit, in der auch Tastentelefone, Farbfernsehen und Telefonkarten erfunden wurden. Und ehe man zu heulen anfängt, könnte man einfach sagen:

Alles ändert sich…doch eins bleibt bestehn – die blau-weiße Hertha wird nie untergehn…

Hertha und die Lizenz

Ein sogenannter rbb-Recherche-Reporter brachte mich heute Morgen an den Rand des Wahnsinns. Er legte erst sachlich die Probleme dar, die Hertha bei der diesjährigen Lizenz-Erteilungs-Spielrunde hat. Der Vorstand ist wohl optimistisch, das Hauptproblem, die im November fällige Rückzahlung der 40-Millionen-Anleihe um zwei Jahre zu verschieben, zu lösen. Hinweis darauf, dass das nicht völlig unrealistisch ist, ist auch die Vertragsverlängerung mit Trainer Pal Dardai. Zum Ende seines Vortrags verstieg sich der Journalist jedoch wahrhaftig zu der Behauptung, dass der derzeitige Vorstand „überfordert“ mit den Gegebenheiten der Lizenzierung sei. Natürlich, eine geordnete Übergabe von Gegenbauer-Schiller hat es nicht gegeben. Und Ex-Finanzchef Schiller, der in den letzten zwanzig Jahren die Lizenzerteilung stets mehr oder weniger problemlos durchsetzte, wird schon gewusst haben, weshalb er vor einem Jahr die Flucht ergriff. Er war es doch schließlich, der die 375 Windhorst-Millionen verbrannt, bzw. kein Veto dagegen eingelegt hatte. Ein seriöser Finanzchef hätte damals seinen Rücktritt erklärt, oder diesen angedroht und nicht als alles Porzellan, das im weiten Umkreis zu finden war, zerschlagen war. Er, der immer schon durch Intransparenz auf Mitgliederversammlungen glänzte, der nie genau darlegte, wofür die Millionen ausgegeben wurden, der immer alte Schulden durch neue abdeckte, der nie einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen konnte: Ausgerechnet Schiller unterschwellig als fähigen Finanzmann darzustellen und den jetzigen, alleingelassenen Vorstand als unfähig zu diskreditieren, ist einfach nur schäbig. Der jetzige Vorstand unter Bernstein tut alles, soweit man das als einfaches Mitglied aus der Distanz beurteilen kann, um die Fehler der Vergangenheit ( die ehrlich gesagt schon mindestens 60 Jahre währt) langsam aber sicher auf- und abzuarbeiten. Dazu gehört zuerst natürlich die gewaltige Senkung der Ausgaben, die nach dem Abstieg in Liga 2 sowieso durchgeführt worden wäre. Zusätzlich aber müssen die Ausgaben gesenkt werden, um, wie geplant, in zwei Jahren endlich und eigentlich erstmals seit Menschengedenken einen ausgeglichenen Haushalt zu präsentieren. Ob das gelingt steht in den Sternen. Dass man sich finanztechnische Expertise ins Boot holen muss, ist unvermeidlich. Aber bitte keine Trickser und Täuscher. Davon gab es in Herthas Vergangenheit schon genug…

P.S.: Wenn Hertha die Lizenz nicht erhalten sollte, hielte sich die Überraschung in Grenzen. DFB, DFL: Alles eine Soße! Bei Hertha darf man schon mal ein Exempel statuieren. Da könnte ja jeder kommen! Und Schalke 04? Denen könnte man als Trost für Herthas Absturz in Klasse 4 doch durch Aufstockung der Liga auf 20 Vereine einen Erstligastartplatz als Wildcard-Gewinner schenken…

Herthas Bundesliga-Jahrzehnte

Sechzig satte Jahre ist es her, dass die Bundesliga in ihre erste Saison ging. Bayern München hat seither 58 Jahre im Oberhaus bestritten. Nur 58, weil sie im ersten Jahr 1860 München den Vortritt lassen mussten und im zweiten Jahr in der Aufstiegsrunde an ihrer Arroganz gescheitert sind, und, schon scheinbar in der Liga angekommen, sich von Tasmania Berlin mit 3:0 das Fell über die Ohren ziehen ließen.

Ebenso war Werder Bremen 58 Jahre dabei, während es die gute alte Tante Hertha auf 40 Erstligajahre brachte. Das ergibt einen schönen 12 Platz in der ewigen Tabelle, bedeutet aber auch, dass der geplagte Hertha-Anhänger 20 Jahre in den Niederungen der Zweit- oder gar Drittklassigkeit durchhalten musste. Auffällig ist, dass es Hertha nie schaffte, „endgültig“ in der Liga zu bleiben, sondern nach 12 Jahren (1968 – 1980), 13 Jahren (1997 – 2010) oder 10 Jahren (2013 – 2023) die Liga in Richtung Süden verlassen musste. Letztgenannte Zahl ist zwar streng wissenschaftlich noch nicht gesichert, kann aber als gegeben vorausgesetzt werden.

Nachdem Hertha in den beiden ersten Bundesliga-Jahren den Abstieg vermeiden konnte und Strafversetzt wurde, verbrachte man 18 Jahre in der zweiten Liga, die zuerst Regionalliga Berlin hieß (1965 – 1968), dann 2. Liga Nord (1980 /81), (Eingleisige) 2. Liga (1981/82, 1983 – 1986, 1988 – 1990, 1991 – 1997, 2010/11 und 2012/13) und sogar zwei Jahre in der dritten Spielklasse (Amateuroberliga Berlin) 1986 – 1988. Dazwischen gab es immer wieder einjährige, äußerst frustrierende Gastspiele im Oberhaus.

Ein Auf und Ab, dass dem Charakter des Vereins, nie zur Ruhe zu kommen, voll und ganz entspricht. Und wenn man sich konsolidiert hatte (Champions-League-Teilnahme!!!) gab es mit Sicherheit interne Querelen oder finanzielle Wahnsinnsaktionen, die im Nachklang zu Sparzwängen, Spielerverkäufen und Leistungsabfall führten.

Und als man im Geld schwamm, nachdem Windhorst 375 Millionen in den Verein pumpte, vervielfachte man die Fehler und verbrannte das Geld, um hinterher wieder als arme Kirchenmaus dazustehen.

Wie viel einfacher wäre doch das Leben, wenn man Bayern-München-Anhänger wäre. Aber allein der Gedanke daran, lässt einen erschauern. Dann doch lieber Herthaner…

Zwei Spiele – Zwei Siege

Die auf der Reise in der Papenburger Kirche entzündete Kerze, verbunden mit der Bitte um göttlichen Beistand im Spiel gegen Köln, hat sich als katastrophaler Fehlschlag erwiesen. Pal Dardais Parole „Vier Spiele – Vier Siege“ ist nach dem zweiten Versuch nichts als Makulatur. Die neue Devise kann also nur noch „Zwei Spiel – Zwei Siege“ lauten, auch wenn die Wahrscheinlichkeit, ob ihre Erfüllung reichen würde, gegen Null strebt.

Es gibt noch acht Spiele, die für den Tabellenkeller relevant sind:

Stuttgart – Leverkusen

Schalke – Frankfurt

Hertha – Bochum

Mainz – Stuttgart

Wolfsburg – Hertha

Bochum – Leverkusen

Stuttgart – Hoffenheim

Leipzig – Schalke

Voraussetzung für ein Erreichen der Relegation oder gar des 15. Platzes wäre, dass Hertha beide Spiele gewönne und dann 31 Punkte hätte. Stuttgart dürfte dann nur noch zwei Punkte (aus drei Spielen) holen, da sie das klar bessere und nicht aufholbare Torverhältnis gegenüber Hertha haben (-15 zu -28). Schalke dürfte noch einen Punkt und Bochum gar keinen Punkt mehr holen, wären dann auch bei 31 Punkten, Hertha hat aber mit Sicherheit das bessere Torverhältnis (momentan: Schalke -34 und Bochum -35).

Leverkusen muss also Stuttgart und Bochum schlagen (erscheint möglich), Bochum müsste bei Hertha (sowieso) und gegen Leverkusen (siehe oben) verlieren (nicht unmöglich) und Schalke kann durchaus in Leipzig verlieren und die launische Diva aus Frankfurt müsste endlich mal wieder (gegen Schalke) gewinnen. Auch das ist nicht ausgeschlossen. Wenn Stuttgart noch in den Derbys gegen Mainz und Hoffenheim verlöre, wäre Hertha gerettet.

Aber dass ALLE acht Spiele wie von Zecke Neuendorf gemalt ausgehen, erscheint so unglaubwürdig, wie ein ausgeglichener Hertha-Haushalt im nächsten Jahr. Apropos: Selbst wenn der Fußball-Gott doch noch ein Einsehen hat, und alle Spiele „korrekt“ enden, ist die Lizenz für die 1. Bundesliga wegen der desaströsen Finanzlage bei Hertha noch längst nicht in trockenen Tüchern…

Zahlen lügen doch!

Es ist unfassbar, wie dreist Zahlen lügen können: Im Spiel gegen Werder Bremen, das Hertha sang- und klanglos mit 2:4 verloren hat (es hätte auch deutlich negativer ausgehen können, andererseits wäre auch ein Unentschieden möglich gewesen, wenn Rogel und Christensen nicht das Kacktor zum 0:4 zelebriert hätten) war Hertha in allen zahlenmäßig darstellbaren Belangen überlegen. Und das völlig entgegen dem optischen Eindruck im Stadion. Beispiele gefällig?

Ballbesitz 54 %: 46 %,

Zweikampfverhalten: 54 % : 46 %,

Torschüsse: 14 : 13,

Laufleistung: 114,5 km : 112,4 km,

Passquote: 78 % – 71 %,

gespielte Pässe: 432 : 366,

angekommene Pässe: 335 : 260,

Eckbälle: 8 : 4

Dass man mit diesen Daten ein Spiel nicht gewinnt, ist unglaublich, zeigt andererseits genau Herthas Probleme zumindest seit der Winterpause auf: Individuelle Aussetzer führen regelmäßig zu gegnerischen Toren, völlig unabhängig vom sonstigen Spielverlauf. Bleiben diese Fehler sonderbarer Weise mal aus, wie z.B. in Freiburg, ist Hertha sofort erfolgreich. Gegen Leipzig reichte ein einziger Fehler (vom Torwart), um ein ordentliches Spiel als Verlierer zu beenden.

Ein Klassenerhalt von Hertha käme einem mittleren Fußballwunder gleich. Seit es die 3-Punkte-Regel gibt, seit 1996, reichten für den Relegationsplatz (und um nichts anderes kann es mehr gehen) zwischen 22 und 37 Punkten. Genau aufgeschlüsselt: 1×22, 1×27, 2×29, 4×30, 8×31, 2×32, 3×33, 1×34, 3×35, 1×36, 1×37 Punkte hätten jeweils für das Erreichen des 16. Tabellenplatzes ausgereicht. Das ergibt einen Durchschnitt von 31,48 Punkten, und genauso wird es höchstwahrscheinlich auch in dieser Saison sein, auch wenn es sich nur um eine kleine mathematische Spielerei handelt.

Um auf 31 Punkte zu kommen müsste Hertha die beiden Heimspiele gegen Stuttgart und Bochum gewinnen und auswärts in Köln oder Wolfsburg einen Dreier mitnehmen. Von einer Sensation in München auch nur zu träumen verbietet sich, gerade angesichts der momentanen Münchener Wut, von selbst, eine knappe Niederlage wäre schon ein Gewinn!

Ist das alles möglich? Natürlich!

Ist das alles realistisch? Natürlich nicht!!!

“Fußball ist ein Fehlerspiel”

Dass Fußball ein Fehlerspiel sei, sagte der Trainer des HSV, Tim Walter, nachdem seine Mannschaft gemeiner Weise mit 0:2 verloren hatte und auf den ach so beliebten Relegationsplatz 3 zurückfiel.

Wenn dem so ist, müsste Hertha BSC eigentlich Meister werden, da die blauweißen das Fehlermachen so gut beherrschen, wie keine andere Mannschaft der Bundesliga. Auf Schalke haben sie sich dabei noch übertroffen: Die Fehler im Abwehrverhalten, beim einfachen Passspiel ohne Bedrängnis, im Spielaufbau, bei der Ausführung von Standardsituationen (selbst von Einwürfen!) und auch beim Versuch, das Tor zu treffen, waren so unglaublich überzeugend, dass selbst ein vormaliger Tabellenletzter nicht anders konnte, als fünf Tore zu erzielen. Dass Hertha trotz des teilweise desolaten Auftretens zumindest in der ersten Halbzeit auch hätte führen können (zwei Pfostentreffer von Jovetic), sagt eigentlich alles über Schalkes (Nicht-)Stärke. In der zweiten Hälfte, in der die Mängel einfach überhand nahmen, ging dann kaum noch etwas, wobei man den meisten Spielern mangelnden Willen und Einsatz nicht absprechen möchte. Ein nimmermüder Kämpfer wie Richter, der ausschließlich Fehlpässe produzierte, versuchte viel, erzielte auch ein Tor und ging blutend mit unter. Apropos Blut. Warum Schiedsrichter Dr. Brych den Schalker Spieler, der nach dem 2:4 Richter einen Cut verpasste, nach dem auch ein Schwergewichts-Boxkampf abgebrochen worden wäre, nicht vom Platz stellte, ja sich nicht einmal entblödete die Situation nachzuvollziehen (es soll die Möglichkeit einer Videoüberprüfung geben!) kann nur als absichtliche Benachteiligung interpretiert werden. Dass zwei Minuten später ein Schalker Spieler dem am Boden liegenden Lukebakio direkt vor dem 4.Offiziellen mit dem Knie im Gesicht traf, ohne Gelb oder Rot zu erhalten, passt in dieses Bild. Es hätte ja in den (mit Nachspielzeit) verbleibenden fast 15 Minuten noch etwas passieren können, nämlich dass Hertha trotz unterirdischer Teilleistungen einen Punkt aus Gelsenkirchen mitnimmt. Da sei Dr. Brych vor!

Und jetzt ist an allem mal wieder der Trainer Schuld? Sandro Schwarz hatte Hertha in der Hinrunde nach (gefühlt) langen Jahren so etwas wie Spielkultur beigebracht. Außer dem Spiel gegen Union gab es bis zur Katar-Pause nur gute bis sehr gute Auftritte, auch auswärts, mit einem Manko: Es wurden zu wenig Punkte gesammelt. Ob der Schiedsrichter Schuld war (Handspiel von Leverkusen auf der Torlinie nicht geahndet = zwei Punkte weg), Unkonzentriertheit dazu kam (in Stuttgart und Mainz in der Nachspielzeit Tore zu Niederlage bzw. Unentschieden kassiert = 3 Punkte weg) oder Pech (Nachspielzeit in Leipzig: Pfostenschuss = 1 Punkt weg) und, und und…: Viele Punkte wurden verschenkt oder gestohlen. Und nach der WM-Pause? Alles wie nie dagewesen: Schwankende Leistungen und ganz wenige Erfolgserlebnisse. Der Trainer erreicht die Mannschaft nicht mehr? Kann sein, wir stecken nicht drin. Schuld ist er an den oben beschriebenen individuellen Aussetzern jedenfalls nicht. Schade. Vielleicht hätte man sich ein Beispiel an Freiburg nehmen und mit Schwarz in die Zweite Liga gehen sollen. Aber das ist wohl nur in Freiburg möglich.

Nun also der ewige Pal. Aber ob er in sechs Spielen das Abwehrverhalten einiger Akteure wirklich verändern kann? Da sind Zweifel angebracht. Ein richtiger Schritt auf dem langen „Berliner Weg“, der ja alle nur erdenkliche Unterstützung verdient, ist es allemal…

Entscheidung erst am letzten Spieltag

Nein, die Bayern sind dieses Jahr noch nicht vor Ostern zum Meister gekürt worden. Das wird wahrscheinlich relativ eng bleiben zwischen Bayern und den Dortmundern, aber so richtig spannend ist es für den Rest der Welt auch nicht.

Der Abstiegskampf hingegen könnte einer der aufregendsten in der Geschichte der Bundesliga werden. Natürlich wurde schon öfter der Abstieg durch ein Tor, teilweise in allerletzter Minute entschieden. Auch bei Herthas vorletztem Abstieg 2010 stand das Aus in der „Aufholjäger“-Rückrunde erst am vorletzten Spieltag nach einem Unentschieden in Leverkusen fest, als Jupp Heynkes den Berlinern eine europapokalreife Leistung attestierte.

Nach Sicht der Dinge sind noch einige Mannschaften am Abstiegsdrama beteiligt. In erster Linie Stuttgart, Schalke und Hertha, in scheinbarer Sicherheit Bochum sowie Hoffenheim und Augsburg. Bochum liegt drei Punkte vor dem Relegationsplatz, die sind aber nach zwei Niederlagen schnell in drei Punkte Rückstand verwandelt. Wer am Ende die besseren Nerven hat, wird sich erst Ende Mai gezeigt haben. Für Hertha ist sicher: Wenn man am letzten Spieltag nicht von einem Sieg in Wolfsburg abhängig sein will, muss man vier Punkte Rückstand auf (nach jetzigem Stand) Bochum in vier Punkte Vorsprung verwandeln. Eventuell drei Punkte wegen des besseren Torverhältnisses. D.h., ein Sieg gegen Bochum am vorletzten Spieltag und vorher vier Punkte in fünf Spielen aufholen. Nicht unmöglich, aber ein Sieg am Freitagabend in Gelsenkirchen gehört zwingend dazu. Bochum und Gelsenkirchen hatten ihre niederschlagslosen Serien, vielleicht haben sie ihr Pulver zu früh verschossen. Und Stuttgart? Der Wechsel zu Hoeneß könnte sich als Rettung erweisen, aber Hertha hat mit einem Heimspiel gegen Stuttgart alles in der Hand! Und vielleicht fällt das Siegtor gegen die Schwaben ja auch erst in der 97. Minute, wie im Hinspiel. Nur dass damals die Stuttgarter trafen. Und diesmal müssten es die blauweißen sein…