Hertha und der „Europapokal“

Natürlich hat der Begriff „Europapokal“ längst ausgedient, er stammt aus einer Zeit, als man Dauerlauf betrieb und noch nicht joggte und als noch sechs Schraubstollen unter dem Fußballschuh statt einer Batterie von Plastikklötzchen Kreuzbandrisse den Skiläufern überließen. Nun gut, es kann nicht alles schlechter werden. Champions-League und Europa-League sind auch eindeutiger als EC I, II und III, wie es in der verblichenen DDR so schön buchhaltermäßig klang.

Weil Hertha am Ende der vorigen Saison etwas schwächelte, bzw. wieder im Normalmodus der letzten Jahre werkelte, muss man in die Doppelqualifikation, um in die Gruppenphase der Europa-League einzugreifen. Bröndby IF ist weiß Gott keine Altherrentruppe, sondern eine international erfahrene Mannschaft. Als Hertha 2009  im letzten Spiel beim Absteiger KSC mit einem 0:4 die Champions-League-Qualifikation verpasst hatte und in die Europa-League Quali musste, verlor Hertha in Kopenhagen 1:2. Im Rückspiel lief man im Jahn-Sportpark lange einem 0:1 hinterher, bis nach dem Ausgleich 10 Minuten vor Schluss ein gewisser Pal Dardai einen abgewehrten Eckball volley entgegen seine sonstige Gewohnheit zum 2:1 ins Netz schmetterte. Die Verlängerung blieb der zahlenden Kundschaft durch ein Tor von Gojko Kacar kurz vor Schluss erspart. Ob die Hertha des Jahres 2016 schon genug Klasse hat, diesen Gegner zu bezwingen? Viel mehr als 3,50 € würde ich nicht verwetten!

Immerhin hat sich das ruhige Zurücklehnen im Liegestuhl aus der vorigen Woche gelohnt: Mit Ondrej Duda kommt der erste Neuzugang zu Hertha und es sollte uns wundern, wenn es der Slowake nicht, wie Landsmann Pekarik und Fast-Landsmann Darida, auf Anhieb in die Startformation schaffen würde. Einen echten Zehner hat Hertha ja seit Raffaels seligen Zeiten nicht mehr, von Ronny in der zweiten Liga mal abgesehen. Das Vertrauen zu Baumjohann ist aus unbekannten Gründen trotz Vertragsverlängerung (vielleicht um eine höhere Ablösesumme zu generieren?) offensichtlich nicht vorhanden. Umso wichtiger die Verpflichtung von Duda. Da kann man sich freuen. Und eventuell hilft er ja doch, die Dänen zu besiegen und den Traum vom „Europapokal“ aufrecht zu erhalten…

Nach der Europameisterschaft ist vor der Saison

Nachdem die französische Nationalmannschaft die deutsche unverdientermaßen in den vorfristigen Sommerurlaub geschickt hat (die „Mannschaft“ hat wahrscheinlich ihr bestes Europameisterschafts-Turnier seit 1972 gespielt), hat sie das Finale gegen Portugal verloren, obwohl Payet den Befehl seines Trainers, Ronaldo in jedem Falle auszuschalten, gewissenhaft erfüllte. Was nach 1984, als Frankreich in Frankreich Europameister wurde, keiner Mannschaft mehr gelang, nämlich im eigenen Land den Titel zu holen, war, die Serie fortsetzend, auch den Franzosen nicht vergönnt. Da die nächste EM allerdings in fast ganz Europa ausgetragen werden wird, bleibt Island als einer der wenigen Favoriten für das Turnier 2020 übrig…

Während die Nationalspieler noch im Urlaub ihre Wunden lecken, schwitzen die Spieler von Hertha BSC schon bei der Saisonvorbereitung. Einziger „Neuzugang“ ist bisher der ausgeliehene Torhüter Gersbeck, der sofort weiterverliehen wurde. Was auf dem  Immobilienmarkt der Hauptstadt vorgelebt wird, übernimmt der Profifußball, als wenn es die natürlichste Sache der Welt wäre, Menschen zu mieten und zu vermieten.

Weitere Verpflichtungen? Fehlanzeige. Aber Herthas Manager Preetz ist gut beraten, wenn er Klasse statt Masse verpflichtet und gut Ding will auch hier Weile haben. Es sind sowieso nur punktuelle Ergänzungen nötig, vielleicht auf den Außenbahnen als Alternative zu Haraguchi und Stocker. Mit Allagui und Schieber und vielleicht auch Baumjohann kommen drei Spieler, die aufgrund ihrer Verletzungen in der letzten Saison kaum zum Zuge kamen, wieder als vollwertige Kräfte in den Kader zurück. Da wenige den Verein verlassen (van den Bergh, Beerens, Ronny(?)), benötigt man auch wenige Ergänzungen. Es geht wenig über ein eingespieltes Team, besonders zum wichtigen Beginn der Saison. Insofern: Ruhe bewahren und gemütlich unterm Sonnenschirm beim eiskalten Getränk zurücklehnen und entspannen…

Hat das deutsche Rumpfteam eine Chance gegen Frankreich?

„Ein Blümchen der Ewigkeit mit zitternden Tränen – das zu seinem Gott betet und stirbt!“ Zarte und reine Poesie in der isländischen Nationalhymne. Die Franzosen hingegen wollen mit unserem unreinen Blut ihre Ackerfurchen tränken! Insofern schade, dass Horst-Dieter Höttges, Karl-Heinz Förster oder Stefan Effenberg nicht mehr spielen, die hätten ihnen gerne mal am praktischen Beispiel gezeigt, wie man Boden mit Blut tränkt, so wie es einstmals in vorbildlicher Weise Toni Schumacher gezeigt hat. In der Hoffnung, dass wir trotz der blutrünstigen Marseillaise ein faires Spiel erleben werden, sehen wir mal, wie vor dem Italien-Spiel, in der amtlichen Statistik nach: In 27 Spielen gab es 9 Siege, 6 Unentschieden und 12 Niederlagen bei 43:43 Toren. Bei Europameisterschaften gingen sich beide Mannschaften bisher brav aus dem Wege, bei Weltmeisterschaften gelang das nicht immer: 1958, im Spiel um Platz 3 gab’s ein 3:6 von Deutschlands Reserve, 1982 ein 3:3 n.V. im Halbfinale nach Schumachers Amoklauf gegen Battiston (5:4 im Elfmeterschießen), 1986 im Halbfinale ein 2:0 und 2014 im Viertelfinale ein 1:0! Wenn es drauf ankam, hat die deutsche Mannschaft also stets gewonnen, auch wenn die Franzosen meist überlegen waren. Da die deutsche Mannschaft ohne sechs Stammspieler auskommen muss (Gomez, Khedira, Schweinsteiger, Hummels sowie Gündogan und Reus), ist natürlich kluges taktisches Verhalten gefragt. Jogi Löw sollte dementsprechend vor dem Spiel auf keinen Fall versäumen, Mehmet Scholl anzurufen, der ja, wenn auch erst nach dem Spiel gegen Italien, seine 1,5 Millionen Jahresverdienst als Experte zu rechtfertigen wusste. Und als ehemaliger Drittligatrainer weiß er auch genau, wie Frankreich zu schlagen ist. Schließlich hat er selber zweimal gegen die Franzosen gespielt, wenn auch mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass beide Spiele 0:1 verloren gingen. Aber da war Scholl ja nur Spieler, konnte also nichts gegen die Niederlagen tun und außerdem kann man ja aus Fehlern lernen. Schön wär’s, wenn das auch Mehmet könnte und uns in Zukunft mit seinem besserwisserischen Geschwafel verschont…

Wird Island etwa Europameister?

Nach dem ersten Gruppenspieltag schrieb ich an dieser Stelle, dass Island vielleicht die große Überraschung des Turniers werden könne. Nach dem Stand der Dinge war das natürlich eine maßlose Untertreibung. Der unglaubliche Sieges-und Kampfeswille der Isländer, der irgendwas mit mehrtausendjährigen Genen zu tun haben muss (kein normaler Mensch würde sonst auf die Idee kommen, nach Amerika zu rudern bzw. zu segeln) hat vor den Engländern ja auch die Holländer in der Qualifikation in die Knie gezwungen. Wer Holland schlägt, kann auch England schlagen und wer England schlägt, sollte auch die Franzosen besiegen können. Schön wär’s zwar, aber ganz realistisch scheint es nicht zu sein. Die Isländer haben in allen vier bisherigen Spielen mit einem überirdischen Kraftaufwand gespielt und gegen England liefen sie in der letzten Viertelstunde auf dem Zahnfleisch ( es spricht nicht für die Three Lions, dass sie das nicht ausnutzen konnten). Gegen Frankreich einen solchen Geniestreich zu wiederholen erscheint unwahrscheinlich, es sei denn, bei den Isländern handelt es sich nicht um Menschen, sondern um eine aufgewertete Version von Robert-T-online.

Voraussage: Frankreich wird sich lange die Zähne an unseren Wikingerfreunden ausbeißen, aber wenn die Kraft im fünften Spiel ab der 60. Minute nachlässt, werden Griezmann und Co. zuschlagen. Leider…

Und wenn es anders kommen sollte, bin ich froh, dass ich keine Ahnung vom Fußball habe!

Ist im Viertelfinale Schluss?

Schön, dass Deutschland ohne Gegentor Gruppensieger bei der UEFA Euro 2016 geworden ist. Weniger schön, dass man, sollte das Achtelfinale erfolgreich absolviert werden, im Viertelfinale auf Spanien oder Italien treffen würde.

Was sagt die Statistik zu den Chancen?

Gegen Italien gibt es die vernichtende Gesamtbilanz bei Länderspielen von 8 Siegen, 10 Unentschieden und 15 Niederlagen, bei 40:49 Toren. Wesentlich schlimmer ist die Bilanz bei WM- oder EM-Spielen: 4 Unentschieden in Gruppenspielen (0:0 WM 1962, 0:0 WM 1978, 1:1 EM 1988, 0:0 EM 1996) stehen 4 Niederlagen in k.o.-Spielen gegenüber: 3:4 n.V. im Halbfinale der WM 1970, 1:3 im Finale der WM 1982,  0:2 n.V. im Halbfinale der WM 2006 und zuletzt das 1:2 im Halbfinale der EM 2012. Kein Sieg! Das verspricht nicht viel Spaß in einem möglichen Viertelfinale.

Etwas besser meint es die Statistik beim Gegner Spanien. Gesamtbilanz der Länderspiele: 9 Siege, 6 Unentschieden und 7 Niederlagen bei 28.23 Toren. 3 Siege in Gruppenspielen (2:1 WM 1966, Zwischenrunde 2:1 WM 1982, 2:0 EM 1988), ein Unentschieden (1:1 WM 1994) und drei Niederlagen (0:1 Vorrunde EM 1984, 0:1 im Finale der EM 2008 und 0:1 im Halbfinale der WM 2010) lauten die Ergebnisse, was bedeutet, dass der letzte Sieg in einem Pflichtspiel auch schon vor moderaten 28 Jahren erzielt wurde.

Insgesamt also keine besonders Mut machenden Erkenntnisse, wenn man Zahlenfetischist ist. Da jede Serie aber mal zu Ende geht (das gleiche haben wir allerdings in den letzten Jahren immer wieder vergeblich gedacht), könnte es ja sein, dass die deutsche Mannschaft, „an einem sehr, sehr guten Tag“, wie Olli Kahn formulieren würde, den Bock umstößt…

 

UEFA-Euro 16: Vieles neu, macht der Juni…

Es gibt wirklich einige Charakteristika bei dieser Europameisterschaft, die wir aus früheren Jahrzehnten nicht kennen: Es kommt zum Beispiel immer mal vor, dass ein zweiter Ball auf dem Spielfeld ist, weil ein Balljunge schläft oder sich mit seinem Smartphone beschäftigt. Dass aber zehn Mal während eines Spiels, wie in der letzten Woche gesehen, ein zweiter Ball auf das Spielfeld fliegt, darf getrost als Rekord fürs Guiness-Buch angemeldet werden. Ebenso das massenhafte Zerreißen der Schweizer Trikots im Spiel gegen Frankreich. Es war ja schon eine oft geäußerte Idee, die Trikots genau so herzustellen, um das Trikotziehen besser erkennen zu können. Zu verbessern wäre noch, dass sich der Fetzen ganz löst und dem Sünder auch an der Hand kleben bleibt, um die Gelbe Karte auch zielgerichtet verteilen zu können. Gestern erhielt jedenfalls kein Franzose Gelb wegen Trikotzerrens, obwohl vier, nach Fußball-Woche-Recherche sogar sieben Trikots an die Forschungsabteilung von Puma geschickt werden müssen.

Eine weitere Besonderheit der EM ist der absurde Zustand des Rasens in einigen Stadien. Das Geläuf sieht teilweise aus wie die Grundlinie in Wimbledon am Ende des 14-tägigen Turniers nach wochenlanger Trockenheit. Vielleicht handelte es sich beim ausgelegten Rasen um die Sorte „Savanne-Outback“, mit der Namibia- oder Australienfreunde im heimischen Kleingarten die Illusion verbrannter Erde am Ende der Trockenzeit simulieren wollen. Zum Glück laufen keine Giraffen und Zebras in den Stadien herum!

Rein fußballerisch ist die Häufung der spät erzielten Tore auffällig. Schade einerseits, aus Sicht der Underdogs, dass ihre aufopferungsvolle Verteidigungsarbeit nicht belohnt wird (u.a. Rumänien gegen Frankreich, Wales gegen England, Tschechien gegen Spanien), schön andererseits, dass die Gerechtigkeit im Fußball eben doch, wenn auch selten, siegt.

Extrem unschön ist das in jedem Spiel mehrfach beobachtete treten auf den Spann des Gegners, das nur in Ausnahmefällen die zwingend gebotene Gelbe Karte nach sich zog. Entweder handelt es sich um eine neue Unart, den Gegner zu demoralisieren, oder es ist durch die Schnelligkeit und das enge Pressing in Hochgeschwindigkeit zu erklären, dass diese Foulart Hochkonjunktur hat. Eine andere Erklärung wäre die früher in dieser Form nicht so häufig eingesetzte Superzeitlupe, die uns jetzt zeigt, was es schon immer gab, wir aber als dumme Fernsehzuschauer oder Stadionbesucher nur nicht gesehen haben.

Auch zu Beginn des dritten Spieltages sieht es nicht nach einer großen Überraschungs-EM aus: England, Spanien, Italien, Kroatien, Frankreich heißen die Favoriten, eventuell Deutschland, das man ja angeblich immer so lange auf der Rechnung haben muss, bis der Mannschaftsbus das Stadion verlassen hat. Aber, trotz alledem: Island und Ungarn dürfen nicht vergessen werden…

Die Suche nach dem EM-Favoriten

Der sogenannte 1. Spieltag der Fußball-Europameisterschaft ist fast absolviert. Bis auf Österreich, Ungarn, Portugal und Island haben alle Mannschaften einen ersten Eindruck hinterlassen. Da man nicht davon ausgehen kann, dass Österreich oder Ungarn die EM gewinnen, kann man eine erste Bilanz ziehen: Die überzeugendste Leistung boten meines Erachtens die Kroaten, mit einem unermüdlichen Antreiber Modric, einem großartigen Außenspieler Perisic und einem Arbeiter im Sturmzentrum namens Mandzukic. Überraschend gut die Italiener mit dem ewigen Buffon und gewohnt effektivem, hervorragendem Konterspiel. Recht gut auch die Engländer, aber man weiß ja, dass sie keinen Titel holen werden und wer nicht mal gegen enttäuschende Russen gewinnen kann… Frankreich mit Glück, Spanien mit nervtötender Überlegenheit und Geduld, aber nicht mit der Frische früherer Tage, Belgien scheint keine Mannschaft zu sein und Polen ideenlos gegen biedere Nordiren. Die deutsche Mannschaft schließlich recht ordentlich, auch wenn es in der Abwehr noch nicht stimmt, aber es ist bekannt, dass sie sich als Turniermannschaft steigern kann und wird. Portugal wurde nicht mal im eigenen Lande Europameister und wird es trotz oder wegen CR7 schwer haben, ins Halbfinale zu kommen. Wenn Kampfkraft das Hauptmerkmal des kommenden Europameisters wäre, könnte es eigentlich nur wenige Gewinner geben: Die Einstellung der Spieler von Wales und Irland war ehrlich und aufopferungsvoll, echten Fußballfans geht das Herz auf, wenn man sie arbeiten sieht. Und vielleicht werden die Isländer, die ja ähnlich spielen, die ganz große Überraschung des Turniers…

Schlechte Chancen für Deutschland

Bei der Europameisterschaft in Frankreich stehen die Chancen für die deutsche Nationalmannschaft nicht zum Besten. Dabei geht es gar nicht um die sehr durchwachsenen Ergebnisse der letzten beiden Jahre (von den spielerischen Leistungen wollen wir gar nicht erst reden) und die Probleme mit den verletzten Stammspielern wie Gündogan, Schweinsteiger und Boateng (Reus wird sicher noch kurzfristig ausfallen). Nein, es geht in erster Linie um die statistische Tatsache, dass ein amtierender Weltmeister in der Regel nicht Europameister wird. Nur zwei Mal in der 52-jährigen Geschichte der Europameisterschaften mit bisher 14 Europameistern (1960 bis 2012) gelang es Teams im Anschluss an die WM bei der EM erfolgreich zu sein (umgekehrt übrigens auch!).  Frankreich wurde 1998 Weltmeister und 2000 Europameister, ebenso wie Spanien 2008 und 2010. Erst Europameister und dann Weltmeister wurden Deutschland (1972 und 1974) und wieder Spanien (2008 und 2010). Die Leistungen der deutschen Mannschaft geben keinen Anlass zu der Vermutung, dass es einen dritten Doppeltriumph geben könnte. Auch die Spanier sind wohl über ihren Zenit hinaus. Frankreich als Heimmannschaft, die starken Engländer (wenn es nicht zu einem Elfmeterschießen kommt), die ewigen Italiener und der genauso ewige Geheimfavorit Belgien sind wohl die Favoriten. Polen könnte eine Überraschungsmannschaft werden und vielleicht machen Österreich, die Schweiz oder Russland den Griechen die Sensation von 2004 nach. Ist Otto Rehhagel noch irgendwo als Trainer aktiv…?

Den siebenten Platz als Vorteil nutzen…

Nun gut, der siebente Platz von Hertha, mit 15 Punkten mehr als im Vorjahr, ist aller Ehren wert. In einem Jahr hat Hertha sozusagen die Steigerung für drei Jahre im Schnelldurchlauf geschafft. Was nicht heißt, dass das so weiter gehen wird. Im Gegenteil, leichte Rückschläge sind nicht ausgeschlossen, auch, bzw., gerade weil Hertha eventuell in der Europaleague spielen wird. Obwohl Hertha erst in der dritten Qualifikationsrunde ins Geschehen eingreifen wird, kommen zwei Quali-Spiele, im Siegfall zwei Play-Off-Spiele und dann eventuell sechs Gruppenspiele, also zehn Spiele auf die Mannschaft zu. Das kann für die Hinrunde schon eine Belastung darstellen, die nicht so leicht weggesteckt werden kann, obwohl ja vielleicht wieder einige Spiele im Pokal eingespart werden, wenn man in Runde 1 oder 2 ausscheidet, um eine unselige Tradition, 2015/16 kurz unterbrochen, wieder aufleben zu lassen.

Sportdirektor Preetz hat schon eine moderate Aufstockung des Kaders angekündigt, jedoch klugerweise betont, dass die Mannschaft in großen Teilen zusammenbleiben wird. Vielleicht gelingt es ja wieder, ein oder zwei Spieler zu verpflichten, die den Verein voranbringen können, z.B. den Hannoveraner Kiyotake. Ansonsten ist Kontinuität das Gebot der Stunde, Weiterentwicklung der jungen Spieler (Weiser, Stark, Brooks, Plattenhardt, Mittelstädt…), intelligente Vorbereitung, indem aus der Not eine Tugend gemacht wird und die Euro-League Qualifikations-Spiele in das Aufbautraining einbezogen werden. D.h., dass eine nicht ganz so harte körperliche Vorbereitung notwendig ist, um zum Bundesligastart, im Gegensatz zu vielen anderen Mannschaften, schon über Spielpraxis zu verfügen und topfit zu sein. Dann muss der siebente Platz gar kein Nachteil sein…

Herthas übliche Rückrunde

Wie neulich, Mitte April, von mir vorausgeahnt, scheint Hertha wirklich die letzten fünf Saisonspiele am Stück zu verlieren. Um diese Leistung zu erreichen ist nur noch eine Niederlage in Mainz nötig, was nach dem Stand der Dinge ja machbar sein müsste. Alle suchen, rätseln, fragen jetzt, warum Hertha die Champions-League-Teilnahme verspielt hat und vielleicht sogar in der Vorbereitungszeit gegen einen montenegrischen Meister (Rudar Pljevlja?) oder slowenischen Vizemeister (NK Celje?) in der Europa-League-Qualifikation nachsitzen muss. Die Fußball-Woche versucht es psychologisch und meint, dass die Leistungen in den Keller gingen, „…als das Denken anfing!“ Der Trainer spricht der Mannschaft neuerdings sogar die bisher immer hochgelobte Mentalität ab und vermisst die bei ihm selbst damals übliche Aggressivität. Dabei ist die Lösung doch ganz einfach und die Wahrheit liegt, wie immer seit Otto I., auf dem Platz: Hertha ist schlichtweg nicht so gut, wie es der Tabellenplatz ein halbes Jahr lang suggerierte. Man blieb trotz mittelmäßigster Rückrunde nur deshalb so lange Dritter, weil die anderen auch patzten. Ein gutes Spiel gegen Dortmund, ein überragendes gegen Schalke, eine gute erste Halbzeit gegen Bayern und eine starke zweite in Leverkusen. Der Rest riss nicht von den Sitzen, war nicht immer schlecht aber nur selten überdurchschnittlich. Insgesamt holte Herta in der Rückrunde in 16 Spielen 17 Punkte: Das ist die Ausbeute eines Absteigers! Die neuen Leistungsträger Darida und Weiser sind am Ende ihrer Kräfte (vielleicht war die Vorbereitung doch einen Tick ZU hart?), die Abwehr ist nicht mehr stets souverän (Langkamp, Stark und Brooks haben zwar größtes Potenzial, sind aber nicht mehr, wie in der Hinrunde, fehlerfrei) und Kalou läuft wieder im Modus des Vorjahres uninspiriert über den Platz. Allerdings, und das ist anders als in der letzten Saison: Er läuft wenigstens…

Immerhin: Mit einem unerwarteten Sieg in Mainz wird man Fünfter, bei einer Niederlage eher Siebenter. Bei der kicker-Fan-Umfrage vor der Saison erhielt Hertha bei der Frage nach den direkten Absteigern die viertmeisten Nennungen (hinter Darmstadt, Ingolstadt und dem HSV) und auch bei der Relegations-Prognose lag Hertha nach dem HSV an zweiter Stelle. So viel zum Thema Prognose und Realität.

Nur der siebente Platz in der Saison 2015/16? Nein! Großartige, weil gänzlich unerwartete Leistung!!!