Herthas mysteriöse Verletzungsserie

In der Pressekonferenz kündigt der Pressesprecher an, dass Duda, Plattenhart, Weiser, Lustenberger und Kurt in jedem Fall, Kalou und Brooks eventuell gegen Hoffenheim nicht spielen können. Das heißt, dass ein Viertel des Kaders zum Saisonende halb oder ganz verletzt ausfällt. Ist das Zufall? Natürlich steigt die Verletzungsanfälligkeit mit steigender Belastung und nicht mehr ausreichender Regenerierung gegen Ende der Saison an. Aber kann die Verletzungsmisere auch noch andere Gründe haben? Vor einigen Jahren hatten bei Borussia Dortmund auffällig viele Spieler Kreuzbandrisse. Neben falschem, die Bänder nicht stärkendem Training war vor allem das Schuhwerk mit den vielen Plastikköpfchen, die viel häufiger  im stumpfen Rasen hängen blieben als die sechs runden Alustollen früherer Zeiten, für die Verletzungen verantwortlich.

Wird bei Hertha auch falsch trainiert? Trainer Dardai betet litaneiartig in jeder zweiten Pressekonferenz herunter, dass er dem genesenden Spieler Zeit geben möchte, weil sich besonders kleinere Muskelverletzungen sehr schnell zu langwierigen Problemen ausweiten. Genau diese Zeit haben Duda und Weiser nach ihren langen und Kalou nach seiner kürzeren Verletzung aber nicht bekommen. Ob Herthas vielgelobte Fitnesstrainermannschaft wirklich nach den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft trainiert, wissen wir natürlich nicht. Hinterfragen sollte man den Trainingsaufbau und die Einsatzzeiten im Ernstfall, den ein Ligaspiel offensichtlich darstellt, aber schon. Vielleicht sollte man auch mal über den Tellerrand hinausschauen und erforschen, wie andere Vereine trainieren (besonders bei den Themen Kraft und Ausdauer). Es geht schließlich auch um viele Millionen Euro. Da sollte man sich für den Erfahrungsaustausch mit anderen nicht zu schade sein…

Die Vertragsverlängerung von Kalou und Herthas Transparenzoffensive…

Salomon Kalou hat seinen Vertrag mit Hertha BSC verlängert. Wer ihn im Olympiastadion gegen Borussia Dortmund zaubern und die Gegenspieler reihenweise gleich im Dreierpack vernaschen sah, kann das nur begrüßen. Kalou kann noch für ein, zwei Jahre ein wichtiger Spieler sein, wenn er immer mit dieser Motivation im Spiel ist. Dass das in den vergangenen zweieinhalb Jahren nicht immer der Fall war und er manchmal merkwürdig desinteressiert wirkte: Schwamm drüber, freuen wir uns auf…wie viele Jahre eigentlich? Merkwürdigerweise nennt Manager Preetz keine Vertragslaufzeit. Nun sind Vertragsinhalte grundsätzlich nicht für die Öffentlichkeit und das Finanzamt bestimmt und wir wollen gar nicht im Einzelnen wissen, wie viel Kalou bei Hertha verdient und welche Berater wie viel hunderttausend Euro für die Vertragsverlängerung erhalten. Aber die Laufzeit eines Vertrages dürfte es schon sein und wurde bisher eigentlich dem erwartungsvollen Fan immer  mitgeteilt. Wenn Preetz wenigstens die Gründe nennen würde, warum er zu diesem Thema nichts sagen will. Aber er sagt nicht, warum er nichts sagt. Also spekulieren wir: Kalou hat nur verlängert, wenn er jederzeit bei einem entsprechenden Angebot (aus China?) den Verein verlassen darf und die sofortige Freigabe erhält. Das ist meines Erachtens in Ordnung und könnte dem Anhänger so auch erklärt werden, denn wer kann es sich schon im fortgeschrittenen Fußballeralter, wenn das Karriere- und Geldflussende absehbar ist, leisten, zehn Milliönchen abzulehnen (die Hertha natürlich nicht zahlen kann). Die Geheimniskrämerei ist insofern völlig überflüssig und wirft kein gutes Licht auf das Verhältnis von Verein und Öffentlichkeit. Wovor hat man eigentlich Angst?

Herthas neues Stadion und der Flughafen BER…

„Was lange währt, wird endlich gut“ sagt uns ein bekanntes Sprichwort. Ob das bei Herthas geplantem Neubauprojekt auch so sein wird, steht noch in den Sternen. Michael Preetz` genervte Reaktion auf eine Tagesspiegel-Wasserstandsmeldung lässt aber nichts Gutes befürchten. Seit Monaten sind es ungefähr vier Wochen, nach denen Herthas Entscheidungsträger Endgültiges zum Stadion-Projekt sagen wollten. Es müsse nur noch das Ergebnis der ominösen Machbarkeitsstudie abgewartet werden. Dass das nur vorgeschobenes Zeitspiel ist, erkennt man daran, dass Preetz den Neubau im sonnabendlichen Interview als beschlossene Sache verkündete („Wir wollen bauen…“), während es bislang immer hieß, dass die Studie klären solle, ob überhaupt gebaut werden kann. Außerdem sollte die Studie klären, wo denn nun ein Stadionbau realisiert werden könne. Nachdem vor Wochen die Wogen der Entrüstung über einen Neubau in Brandenburg über dem Vorstand zusammenschlugen, hat man offensichtlich zurückgerudert und legt sich, wieder vor Veröffentlichung der Studie, die genau dies eigentlich klären sollte, auf Berlin fest. Nur das Olympiastadiongelände wird es nicht sein („Quatsch…“), was sowieso logisch ist (Denkmalschutz, Senatseigentum…).

Man darf gespannt sein, was die Studie, die laut Preetz jetzt Ende März, Anfang April veröffentlicht werden soll, für Baugelände in Berlin aus dem Hut zaubert, das nach allen Recherchen sämtlicher Fans und Journalisten nicht vorhanden ist, zumindest nicht mit akzeptabler Verkehrsanbindung, denn dass diese nicht erst gebaut werden darf, ist wegen der Kosten, die den Preis des Stadions mindestens verdoppeln würde, völlig klar. Die beauftragte Agentur will also die Quadratur des Kreises schaffen. Damit sind bekanntlich schon andere, die den Rauch im Brandfalle entgegen allen physikalischen Gesetzen nach unten ableiten wollten, grandios gescheitert.

Als Herthaner, der dem Stehplatzalter schon seit ein paar Dutzend Saisons entwachsen ist, sehe ich dem Neubau mit großer Gelassenheit entgegen: Selbst wenn ich mich in ferner Zukunft noch mit Krückstock (ist der eigentlich als Waffe verboten?) ins Stadion schleppe, wird der im Berliner Tempo zu errichtende Neubau nicht fertig sein. Es sei denn, die Architekten verzichten entgegen den Vorschriften des DFB aus Brandschutzgründen auch auf die Rasenheizung…

 

Herthas Zuschauerzahlen – heute und gestern

Gegen die Bayern war das Stadion zum ersten Mal in dieser Saison ausverkauft. Da schätzungsweise 20.000 Münchener bzw. deren sächsische oder Berliner Event-Fans das Unentschieden bejubeln konnten, waren etwa 55.000 Herthaner dabei. Das passt in die Zuschauerstatistik der letzten Jahre, die besagt, dass, unabhängig von Wetter, Tabellenstand, vorherigem Auswärtsergebnis, Ferienzeit oder Adventsshoppingtag, zwischen 40.000 und 50.000 Zuschauer ins Stadion kommen, mal etwas mehr, mal etwas weniger. Die Gründe sind bekannt und nicht zu ändern, weshalb alle Diskussionen um Stadionneubau, englischsprachige Website und Leitbilder und das „Mitnehmen“ der jungen Generation letztlich bedeutungslos sind: Gegen Live-Übertragungen, für viele unbezahlbare Preise (trotz attraktiven Dauerkartenangeboten), langsamem Aussterben der alten „Westberliner“ und den zeitrafferartigen Bevölkerungsaustausch ist kein Kraut gewachsen.

Trotz allem ist der Zuschauerschnitt Herthas mit ca. 48.000 nicht schlecht, es sei denn, man stellt den Vergleich mit Dortmund, München und Gelsenkirchen in den Vordergrund.

Dass früher alles anders und weiß Gott nicht immer besser war, zeigt eine kleine Rückblende ins Jahr 1977. Wie die FuWo in ihrer Rubrik “Vor 40 Jahren“ jüngst berichtete, verlor Hertha im 2. Spiel der Rückrunde als Tabellenvierter in Gladbach mit 1:2. Zum darauffolgenden Heimspiel gegen Duisburg erschienen deshalb gerade 12.600 Zahlende, die eine 2:4 Niederlage der Herthaner ansehen mussten. Im wenige Tage später stattfindenden Nachholspiel gegen den KSC kamen sage und schreibe nur noch 5.150 Zuschauer, um Herthas 1:1 zu sehen. Heute unvorstellbar! Es war, wie Lutz Rosenzweig, auch ohne damals vorhandenes Internet, wie immer statistisch voll auf der Höhe, recherchierte, im 177. Bundesligaheimspiel Herthas die 7. Begegnung mit weniger als 10.000 Zuschauern. Da damals Merchandising und TV-Einnahmen keine Rolle spielten und sich die Vereine fast ausschließlich über die Eintrittsgelder finanzierten, verschärfte sich Herthas wie immer prekäre finanzielle Lage erheblich. Nicht zuletzt deshalb mussten in den nächsten Jahren wichtige Spieler verkauft werden (Beer, Weiner, Sziedat…) was 1980 folgerichtig zum Abstieg führte.

Allerdings sei gesagt: Auch beim folgenden Hertha-Spiel bei Bayern München, das sehr ehrenwert mit 0:1 verloren wurde, verliefen sich nur 15.000 Zuschauer im zugigen Münchener Olympiastadion unter dem formschönen Zeltdach…

Herthas Chancen gegen Bayern

Wenn man sich kurz fassen wollte, würde man einfach schreiben „Keine“ und könnte etwas Lebenszeit für das Verfassen dieser Zeilen einsparen (obwohl meine Frau behauptet, man könne Lebenszeit nicht einsparen – ich bin seit Jahren am Grübeln, inwieweit sie recht hat).

Die Heimbilanz von Hertha gegen die Bayern ist zwar gar nicht so vernichtend negativ (8 Siege – 10 Unentschieden -13 Niederlagen) wie man denkt und der letzte Heimsieg datiert vom 14.2.2009 mit 2:1, ist also in Bayern-Dimensionen gedacht nicht sehr lange her, aber eine ermutigende Statistik sieht anders aus. Nun haben aber die Überbayern in der Bundesliga geschwächelt (auf höherem Niveau, zugegebenermaßen), um in der Champions League so richtig aufzutrumpfen. Es gibt demnach zwei Möglichkeiten: Entweder die Bayern haben jetzt Fuß gefasst und schlagen Hertha (mal wieder) hoch oder sie fokussieren sich unterbewusst auf ihren wichtigsten Wettbewerb. Dann hat Hertha eine zwar mikroskopisch kleine, aber doch immerhin eine Chance. Allerdings nur, wenn sie der Münchener Weltauswahl die Lust am Fußballspielen nehmen, indem sie sich 90 bzw. 94 Minuten lang immer zu zweit, bzw. (bei Robben) zu dritt auf den ballführenden Spieler stürzen. Wenn man ihnen Platz lässt, wie Hertha den Gelsenkirchenern oder wie Arsenal gegen Bayern endet es mit einem Ergebnis, das für’s Torverhältnis gar nicht gut ist. Bei wem also Trost suchen? Im Zweifelsfall immer beim weisen Sepp Herberger, der ja schon zu sagen pflegte: „Die Leute gehen zum Fußball, weil sie nicht wissen, wie’s ausgeht.“ Und der olle Herberger hatte ja eigentlich immer recht…

Unentschieden in Dortmund und Gelsenkirchen?

Hertha hat in Dortmund nicht 4:3 verloren, wie unwissende Journalisten schreiben und auch ARD-Reporter Simon uns bei der Schilderung des Elfmeterschießens Glauben machen wollte, sondern 1:1 Unentschieden gespielt. Das Elfmeterschießen dient nur der Ermittlung des Siegers und geht in keine Statistik (z.B. der Torschützen) ein. Natürlich war Dortmund – in der zweiten Hälfte – besser, aber bis auf 15 Minuten nach der Pause stand die Hertha-Abwehr äußerst sicher: Ob Pekarik, Langkamp, der großartige Brooks, auch Mittelstädt (bis auf seinen Fehlschlag vor dem 1:1) und natürlich Skjelbred, sie alle machten ein taktisch hervorragendes und diszipliniertes Spiel. Allein die Tatsache, dass Dortmund in der Verlängerung nichts mehr zustande brachte und auf dem Zahnfleisch lief, sagt genug über Herthas Zermürbungstaktik. Und das alles, trotz vieler gelber Karten, weitgehend fair und sauber gespielt. Die Karten des hervorragenden Schiedsrichters Aytekin, der sich in den letzten Jahren vom unsicheren, oft falsch liegenden Spielzerstörer zum souveränen, meist fehlerfrei leitenden, die Spieler beruhigenden Referee gewandelt hat, wurden allein viermal wegen Trikothaltens gegeben. Korrekt, aber eben kein brutales Getrete.

Was bedeutet das gute Spiel, aber auch das unglückliche Ausscheiden, für das Match gegen Gelsenkirchen am Sonnabend? Wenig bis gar nichts! Nach der Statistik hat Hertha sowieso keine Chance: Die letzten acht Begegnungen in der „Arena“ wurden alle verloren, den letzten Sieg gab es mit 3:1 in der Saison 2004/05. Bei Hertha spielten damals Fiedler – Fahti, Madlung, Schröder, Simunic – Bastürk, Gilberto, Kovac – Christian Müller, Marcelinho, Nando Rafael. Ein gewisser Pal Dardai wurde neben Zecke Neuendorf und Fredi Bobic eingewechselt. So schnell vergeht die Zeit! Bei den Gelsenkirchenern spielten u.a. Frank Rost, Kobiashwili, Ailton, Asamoah und Ebbe Sand, alles klangvolle Namen…

Im letzten Jahr wurde beim 1:2 immerhin zum ersten Mal seit dem genannten Sieg wieder ein Tor erzielt. Wenn dies wieder gelingt und die 120 Pokalminuten nicht zuviel Substanz gekostet haben, ist ja vielleicht mal wieder ein Pünktchen drin. Und gegen einen Sieg hätte bestimmt auch kein Herthaner etwas…

Drei Punkte gegen Ingolstadt?

Wenn man sich die Statistik ansieht, ist alles ganz einfach: Die sehr übersichtliche Bilanz der Spiele von Hertha gegen den FC Ingolstadt 04 seit 1963 (und wahrscheinlich auch davor, denn wo sollte es da Berührungspunkte gegeben haben?) einschließlich der Vorgängervereine MTV Ingolstadt (zwei Jahre 2. Liga) und ESV Ingolstadt (d.h. „Eisenbahnsportverein“, ebenfalls zwei Jahre 2. Liga) zeigt, dass Hertha am Sonnabend gewinnen wird. Von sieben Spielen gewann Hertha vier bei drei Unentschieden, Torverhältnis 10:4. Wenn man die Durchschnittsergebnisse (laut „bulibox.de“) der Hertha-Heimspiele gegen Ingolstadt von 1,67 : 0,67 hochrechnet, müsste es also einen 2:1-Sieg für Hertha geben. Das werden wahrscheinlich auch die meisten Herthaner tippen, wenn man von den weltfremden Fans absieht, die immer vor dem Spiel die Tabellenplätze betrachten und ein „folgerichtiges“ 5:0 vorhersagen, wenn der 6. gegen den 15. spielt. Mit ansteigendem Alkoholpegel wird auch gerne mal ein 7:0 vorhergesehen, in den zweistelligen Bereich wagen sich nur die mutigsten Trinker vor.

Die letzten guten Spiele der Schanzer und die eher ernüchternden Auftritte der Hertha betrachtet, würde auch ein anderes Ergebnis nicht allzu sehr überraschen, oder, wie Freiburgs Trainer Streich vor dem Spiel behauptete, die Wahrscheinlichkeit, dass die Serie nach langer Dauer reißen wird, steige von Spiel zu Spiel. Und so kam es ja auch gegen Freiburg.

Gegen Ingolstadt sollte Hertha aber, um die gefürchtete Rückrunden-Abwärtsspirale zumindest zu verlangsamen (nächste Gegner: Gelsenkirchen und Bayern! Da muss man nicht zwingend punkten), drei Punkte einfahren, und sei es auch auf die in letzter Zeit so oft beschworene „schmutzige“ Art und Weise. Ein schönes Spiel muss niemand erwarten. Auf drei Punkte kann man aber immerhin hoffen. Lassen wir doch einfach den Mittelteil unseres geliebten Leitbildes weg: „We try – we win!“

Hat Hertha in Leverkusen eine Chance?

Um obige Frage seriös beantworten zu können, nehme man den Kaffeegrund des letzten Vollmondfrühstücks und spiegele ihn in einer Glaskugel. Wie man das Bild interpretiert, ist allerdings noch nicht mit letzter Sicherheit entschieden worden. Also schieben wir es, wie es Trainer Pal Dardai in den Abschlusspressekonferenzen meist zu tun pflegt, auf die gute alte Tagesform. Insofern ist die Frage also erst nach dem Spiel zu beantworten, genauso wie Sepp Herberger anno dazumal einen Journalisten abkanzelte, der ihn nach der Spieltaktik fragte. „Wenn Sie die Taktik während des Spiels nicht erkennen, erkläre ich sie Ihnen hinterher gerne…“

Nehmen wir zur Hilfestellung die harten Fakten: In 20 Spielen hat Hertha in Leverkusen viermal gewonnen, viermal Unentschieden gespielt und zwölfmal verloren. Deshalb sollte man nicht allzu viel erwarten, zumal die Mannschaften und ihre Fähigkeiten nach der Winterpause eher Wundertüten gleichen.

Vielleicht kann die Frage nach der Leistungskonstanz von erster zu zweiter Saisonhälfte ein bisschen zur Klärung beitragen: Wir wissen zwar, dass Hertha in letzter Zeit einige Male in der Rückrunde eingebrochen ist, aber genauso, wie man sich an das Wetter vom vorigen Jahr nicht mehr erinnern kann, ist es ja auch mit den Tabellenständen der letzten zehn Jahre. Hier die Fakten seit der Saison 2006/07:

 

Saison             Punkte Hinrunde        Punkte Rückrunde     Punkte gesamt

2006/07                      27                               17                               44

2007/08                      20                               24                               44

2008/09                      33                               30                               63

2009/10                        6                               18                               24

 

2011/12                      20                               11                               31

 

2013/14                      28                               13                               41

2014/15                      18                               17                               35

2015/16                      32                               18                               50

2016/17                      30+x

 

Es ist also keine Einbildung, sondern beruht auf  eindeutigen Zahlen, wenn man feststellt, dass Hertha in den letzten acht Erstligajahren siebenmal in der Rückrunde weniger Punkte holte, als in der Vorrunde. Nur Friedhelm Funkels Aufholjäger holten 2010 dreimal so viele Punkte in der zweiten Saisonhälfte, was bei sechs Hinrundenpünktchen allerdings auch nicht allzu schwierig war. Gereicht hat’s dann ja trotzdem nicht… Viermal ist die Mannschaft in der Rückrunde regelrecht eingebrochen! Es handelt sich bei den „schwachen Rückrunden“ also keineswegs nur um ein Gefühl!

Was sagt uns das für dieses Jahr und das Spiel gegen Leverkusen? Richtig: Überhaupt nichts. Die Tagesform entscheidet…

Nun also doch…

Was vor einigen Wochen nach den ersten Verlautbarungen wie ein vorweihnachtlicher Scherz klang, ist jetzt zur bitteren Realität geworden: Nein, es ist hier nicht von Donald Trumps Wahl zum US-Präsidenten die Rede, sondern von der mindestens genauso irrwitzigen Aufstockung des FIFA-WM-Teilnehmerfeldes auf 48 Mannschaften.

Alleine die Vorrunde mit 16 Dreiergruppen könnten mich in den Wahnsinn treiben, wenn nicht Methode dahinterstecken würde. Alle, die die Gnade der frühen Geburt erfahren haben, erinnern sich noch mit Schrecken an die Dreier-Zwischenrunden bei der WM 1982 in Spanien. Dreiergruppe hieß ja auch drei Spiele, für jedes Team also zwei. Wenn man eines vergeigte, hatte man keine Chance mehr. Nun aber scheidet ja nur der Dritte und Gruppenletzte aus. Fein, denkt da der Funktionär aus dem Niger und hofft auf eine Gruppe mit Deutschland und Rumänien, bei der er, egal wie die ersten beiden Spiele auch enden mögen, im zweiten Spiel seiner Mannschaft eine schnelle Million verdienen kann. Wenn Rumänien einen hohen Sieg gegen den Niger benötigt: Bitteschön, könnse haben. Wenn Deutschland aber will (weil das erste Spiel gegen Niger in die Hose ging), dass gegen Rumänien höchstens Unentschieden gespielt wird: Gegen ein kleines Aufgeld, das Franz Beckenbauer als anwesender Privatmann, falls er nicht vorübergehend im Gefängnis sitzen sollte, diskret in der Hotelbar in einer Kiste bester kubanischer Zigarren überreichen kann, ist ein Unentschieden kein Problem. Dreiergruppe – geht gar nicht. Und genau diese Konstellation werden wir 2026 sechzehn Mal erleben. Dass es eine k.o.-Runde mehr als bisher gibt, erhöht zwar die Spannung, falls nach den lähmenden Vorrundenspielen noch jemand Interesse haben sollte, ist aber kein Ausgleich für den Unsinn davor. Dann doch gleich auf die Qualifikation verzichten und mit allen FIFA-Mitgliedsverbänden in guter alter Europapokal-Tradition nur k.o-Runden (anfangs in Hin- und Rückspielen) stattfinden lassen. Das sind 8 Runden mit 256-128-64-32-16-8-4-2 Teilnehmern, wobei es in der ersten Runde für die Weltranglistenführenden Freilose gibt und die eigentliche WM mit der 64-er Runde begänne. Sport-Spiel-Spannung. Der Phantasie der Funktionäre sind kaum Grenzen gesetzt. Schließlich gibt es ständig neue Staaten (Südsudan…), die auch eine zukünftige Ausweitung des Teilnehmerfeldes garantieren. Und jeder neue Staat hat das gleiche Stimmrecht wie Deutschland, Frankreich oder Italien. Streng nach demokratischen Regeln…

Muss Hertha in der Winterpause Spieler kaufen?

Bei der fast erfolgreichsten Hinrunde in Herthas Bundesligageschichte erübrigt sich obige Frage eigentlich. Außerdem hat Hertha bis jetzt auch die Ausfälle der besten Spieler, Darida und Weiser, sowie zum Schluss Langkamp und Brooks, problemlos weggesteckt, was die Ergebnisse angeht. Dass die Spielkultur gelitten hat und Hertha oft mit Mühe, also „schmutzig“, gewann, interessiert nur am Rande.

Jetzt wurde Jens Hegeler verkauft, was immerhin 300.000 € Ablöse und ca. 500.000 € Gehaltsersparnis einbringt. Hegeler hat die hohen Erwartungen nie erfüllen können, die man von ihm als Mittelfeldspieler hatte. Zu phlegmatisch, mit technischen Mängeln behaftet, war er im Mittelfeld meist eine Enttäuschung. Er hatte allerdings einige gute Spiele als Innenverteidiger, wo er mit gutem Stellungs- und sehr gutem Kopfballspiel zuletzt gegen Darmstadt sogar glänzte. Schade, dass er gerade jetzt gehen muss/will. Andererseits drängen die jungen Wilden aus Herthas Nachwuchs mit Macht nach vorne. Hoffentlich bereut man aber den Wechsel nicht in der Rückrunde, wenn wieder einige Innenverteidiger ausfallen.

Eventuell wird auch noch Baumjohann abgegeben, der, für uns Außenstehende völlig unverständlich, keine Rolle mehr bei Hertha zu spielen scheint. Besonders nach Daridas Ausfall hätte Baumjohann erste Wahl sein müssen. Aber nach seinen beiden Kreuzbandrissen war wohl seine Leistungsfähigkeit eingeschränkt und der Trainer weiß sowieso alles besser, wofür die 30 erreichten Punkte eine eindeutige Sprache sprechen.

Vielleicht sollte man sich bei Hertha mit den freiwerdenden Geldern um den Ex-Hannoveraner Kiyotake bemühen, der in England, wie man hört, nicht so ganz zufrieden sein soll. Kiyotake stand angeblich schon zu Saisonbeginn auf Manager Preetz’ Einkaufszettel. Schaden könnte seine Verpflichtung nicht, ob sie nötig ist, steht auf einem anderen Blatt…