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Bundesliga 14/15: Was macht eigentlich Hertha?

Auch Hertha ist Weltmeister, wie wir alle! Oder sind nur die momentan 16 deutschen Spieler Weltmeister, während die 13 ausländischen Herthaner mit demütig niedergeschlagenen Augen trainieren? Wir wissen es nicht, können uns aber vorstellen, dass der WM-Dritte Jos Luhukay eine praktikable Lösung finden wird.
Hertha war nach der Hinrunde der vorigen Saison sensationell Sechster, in der Rückrundentabelle reichte es nur zu einem Abstiegsplatz. Gründe für den Abfall? Ramos traf kaum noch, Lustenbergers (und z.T. Cigercis) Verletzung, Spannungsabfall nach dem (fast) sicheren Klassenerhalt schon zu Weihnachten.
Wie sind die Aussichten für die neue Saison? Ramos hat den Verein verlassen, Lasogga kehrt nicht zurück: Eine Schwächung des Angriffs, die auch durch die Zugänge Schieber, Beerens, Haraguchi und Stocker kaum zu kompensieren ist. Im Mittelfeld geht Skjelbred zum HSV zurück, dafür kommt Hegeler, eventuell hat Baumjohann seinen Kreuzbandriss überwunden (was nicht sicher ist) und vielleicht, ganz vielleicht, platzt bei Ronny doch noch der Erstligaknoten. Die Abwehr dürfte mit Heitinga, wenn er sich nicht als müder Abzocker herausstellt, und Plattenhardt sicherer werden, vor allem falls Lustenberger mal wieder genesen sollte. Im Tor stehen die vier bewährten Kräfte zur Verfügung. Wenn die Chemie innerhalb der Mannschaft weiterhin stimmt, kann auch ohne Torjäger eine ordentliche (einstellige) Platzierung erreicht werden, wenn es jedoch einige Ausfälle gibt (Form oder Verletzung), ist eine Fortsetzung der Rückrunde mit Abstiegssorgen aber auch im Bereich des Möglichen.
Grundsätzlich ist die Transferpolitik von Manager Preetz meines Erachtens wieder ein Rückfall in überwunden geglaubte Zeiten: Es wird nicht auf dem eingespielten Kader aufgebaut, der mit zwei oder drei hochkarätigen Zugängen und einigen Talenten aus der erfolgreichen Jugend des Vereins ergänzt wird, sondern es wird mit acht Zugängen (einschließlich Bastians) bei sieben Abgängen gekleckert (Sahar nicht mitgezählt). In der gesamten Liga gab es bisher 84 Zugänge, d.h., 4 bis 5 im Durchschnitt pro Verein. Es ist nicht nachzuvollziehen, warum Hertha hier mit unrühmlichem Beispiel vorangeht. Eine eingespielte Mannschaft und die Identifikation der Zuschauer mit dieser ist eine Grundlage für den Erfolg. Dass von den Neuzugängen vier deutsche Spieler vier Ausländern gegenüberstehen ist zwar nicht dramatisch, die Einkaufspolitik sollte aber eigentlich eine andere Richtung einschlagen, nämlich mehr berliner, mehr deutsche Spieler und ausländische Spieler als Sahnehäubchen wie Pantelic, Marcelinho, Dardai …
Im Erfolgsfall hat Preetz wieder alles richtig gemacht. Nur: Wehe, wenn’s nicht klappt…

54-74-90-14: Erkenntnisse vom 22.7.2014: Was bleibt in Erinnerung?

Welche Erkenntnisse bleiben denn nun vom brasilianischen Turnier, mit dem Abstand von einer Woche und 192 Ruderkilometern?

1. Der Sieger-Flieger über dem Brandenburger Tor mit dem Handyphon unscharf und wackelig, wie die Raketeneinschläge in syrischen Städten, aufgenommen und bei youtube zu sehen, zeigt der Welt: Sind wir alle locker…

2. Holland kann nicht Fußballweltmeister werden und das ist auch gut so.

3. Messi darf noch so mittelmäßig spielen, er wird trotzdem zum Spieler des Turniers gewählt. Robben war eine Klasse besser, leider (für ihn, zum Glück für den Rest der Welt) war er gegen Turnierende nicht mehr effektiv genug.

4. Die offensichtliche FIFA-Anweisung an die Schiedsrichter, mit gelben und roten Karten sparsam umzugehen, Ellenbogenchecks und Faustschläge als internationale Härte zu legitimieren und Handspiele und Abseits nach dem Zufallsprinzip zu pfeifen, lässt die „Fair-play-Aktionen“ des Weltverbandes als das erscheinen, was sie sind: Heuchlerisches Gewäsch.

5. Löw wird sich als Weltmeistertrainer, noch mehr als bisher, an Werbespots dumm und dämlich verdienen. Sein Millionengehalt vom DFB wird, verglichen mit den Werbehonoraren, zu peanuts schrumpfen. Aber es sei ihm gegönnt. Schließlich hat er alles richtig gemacht. Merke: Man muss net Hochdeutsch könne (ssscccc), um reich zu werden.

6. Die deutsche Fußballnationalmannschaft ist trotzdem nicht auf Jahre hinaus unschlagbar…

7. Ärgerlich bleibt für alle Ordnungsfanatiker, dass die Linie „54-74-90-14“ im Jahre 1990 aus der Reihe tanzt. Das ist aber die Schuld von Matthäus, Völler, Klinsmann, Brehme und Konsorten. Ab jetzt dann wirklich alle zwanzig Jahre…

8. Wie nach jeder Weltmeisterschaft: Es gibt keine Kleinen mehr, in den USA ist soccer salonfähig, der erste afrikanische Weltmeister kommt bald…

9. Straßen können leider erst zehn Jahre nach dem Tod des zu Ehrenden benannt werden, obwohl es „Neuer Weg“ wohl schon gibt. Leider müssen wir noch lange auf das warten, was am schönsten klingt: „Schweinsteigersteig“!

54-74-90-14: Erkenntnisse vom 11.7.2014: Das Spiel um Platz drei und das Elfmeterschießen

Alle vier Jahre wieder: Vor dem Spiel um Platz 3 jammern die Beteiligten, dass sie ja eigentlich viel lieber nach Hause fahren würden, als um die goldene Ananas zu spielen. Die Spiele selber gehören meist zu den besseren und interessanteren. Das liegt natürlich daran, dass regelmäßig viele Spieler eingesetzt werden, die bis dahin noch nicht gespielt hatten und die dem Trainer nachträglich gerne beweisen wollen, dass es mit ihnen vielleicht besser gelaufen wäre. Außerdem sind die Spieler relativ frisch und die Mannschaften haben nur wenige taktische Fesseln und spielen munter drauf los. Es gibt also die realistische Hoffnung, dass Holländer und Brasilianer sich nicht gegenseitig umtreten, was sie ja auch gut können.

Eine Anmerkung zum möglichen Elfmeterschießen: Selbst das Expertenblatt „11 Freunde“ übernimmt die Unsitte vieler Zeitungen oder der alten Dame Tagesschau, das Ergebnis z.B. des Halbfinales Argentinien – Niederlande mit „4:2 n.E.“ darzustellen. „n.E.“ soll natürlich „nach Elfmeterschießen“ heißen, ist aber völlig falsch bezeichnet. Richtig würde es heißen, „0:0 (4:2 n. E.)“, weil das Elfmeterschießen nur der Ermittlung des Siegers dient und nicht zum eigentlichen Spiel gehört, wie früher das Losen mit der Münze (die 1965 im Europapokal der Meister zwischen dem 1.FC Köln und dem FC Liverpool im dritten Spiel nach Verlängerung senkrecht im Schlamm stecken blieb und sich weigerte, auf diese unfaire Weise einen Sieger zu bestimmen). In der Länderspielstatistik wird das Spiel denn auch mit 0:0 und als Unentschieden gewertet, die Torschützen des Elfmeterschießens gehen natürlich nicht als Torschützen in die Statistik ein. Bei der falschen Darstellung hätte das Spiel auch 2:2 ausgehen können und das eigentliche Elfmeterschießen nur 0:2. Das hätte es aber wahrscheinlich nur mit englischer Beteiligung gegeben…

54-74-90-14: Erkenntnisse vom 10.7.2014: Wer spielt im Finale?

Die Mannschaft stellt sich eigentlich von alleine auf. Warum sollte man eine Mannschaft, die Brasilien nach den galaktischen 20 Torfestival-Minuten im Schongang besiegte, eigentlich auseinanderreißen? Taktische Erwägungen, wie eine Sonderbewachung von Messi, eine allgemeine Verstärkung der Abwehr, um es „ruhig angehen“ zu lassen, stehen doch spätestens seit dem Fiasko gegen Italien bei der EM 2012 nicht mehr zur Debatte. Wenn jemand sich taktisch etwas einfallen lassen muss, um dem deutschen Sturm und Drang widerstehen zu können, ist es doch wohl die argentinische Seite. Wenn es nicht läuft, und es deutet eigentlich wenig darauf hin, dass so ein überlegenes Spiel wie gegen Brasilien wiederholt werden kann, gibt die deutsche Bank ja noch so einiges her: Götze, Podolski, Schürrle, jeder ist für Überraschungen gut.
Nicht zur Diskussion stehen die Spieler, die bisher keine Minute in den sechs deutschen Spielen fehlten: Torhüter Neuer, Kapitän Lahm und, wer hätte das gedacht, Benedikt Höwedes, der Vielgescholtene (Kroos wurde einmal in der Nachspielzeit ausgewechselt). Obwohl einem beim Gedanken, dass ausgerechnet Höwedes Messi den Spaß am Finale nehmen soll, nicht ganz wohl ist…

54-74-90-14: Erkenntnisse vom 9.7.2014: Favorit Argentinien

Spiel 62: Niederlande – Argentinien 0:0 n.V. (2:4 im Elfmeterschießen)

Dass man, wie Argentinien 2014, mehr schlecht als recht spielen und sich durch ein Turnier bis ins Finale mogeln kann, hat die deutsche Nationalmannschaft in der Vergangenheit einige Male bewiesen.
Warum ist Argentinien trotzdem Favorit im Finale?

a) In (Süd)-Amerika ist noch nie (bei bisher sieben Turnieren) eine europäische Mannschaft Weltmeister geworden (Zeit wird’s ja).
b) Im Gegensatz zu den Brasilianern verfügen die Argentinier über eine funktionierende Abwehr.
c) Trotz aller Dementis und anderslautender Aussagen von Spielern, Trainerstab, sonstigen Mitgliedern des DFB-Trosses und aller Experten von Mehmet Scholl über Oliver Kahn bis zu Kanzlerin Merkel, gehen alle selbstverständlich von einem (klaren) Sieg der deutschen Mannschaft aus. Das schleichende Gift der Überheblichkeit merkt man zwar nicht, es wirkt aber schon…
d) Die deutsche Mannschaft hat sich in vier Spielen (Ghana, USA, Algerien und Frankreich) sehr schwer getan gegen Mannschaften, die konsequent defensiv spielen und schnell kontern. Gegen Portugal war nach Elfmeter und Platzverweis kein „normales“ Spiel mehr gegeben und Brasilien existierte zwanzig Minuten nicht als Mannschaft. Trotzdem hat Brasilien die deutsche Mannschaft in der Viertelstunde nach der Pause des öfteren in Bedrängnis gebracht.
e) Messi hat schon mehrmals bei diesem Turnier das Spiel durch eine letzte Verzweiflungstat entschieden. Ganz ist der Mann, auch wenn er meilenweit von seiner Hochform von vor zwei Jahren entfernt ist, nicht auszuschalten.
f) Seit Frau Merkel Kanzlerin ist, hat die deutsche Mannschaft kein Turnier mehr gewonnen. Dieses Argument wiegt sicher schwerer als alle vorhergehenden.

Was spricht gegen die Argentinier? Es ist von der Ansetzung und von der voraussichtlichen Stimmung her ein Heimspiel für die deutsche Mannschaft. Und wenn Neuer, Kroos, Schweinsteiger und Khedira, der gegen Brasilien in sensationeller Verfassung war, wieder gut drauf sein sollten, könnte der Favorit ins Straucheln geraten…

54-74-90-14: Erkenntnisse vom 8.7.2014: So kann man sich irren: Kein Elfmeterschießen!

Spiel 61: Brasilien – Deutschland 1:7

Manuel Neuer wird ganz schön sauer sein: Haben ihm seine Vorderleute, wie schon gegen Algerien, in den letzten Sekunden durch Konzentrationsschwäche doch wieder ein Zu-Null-Spiel versaut. Was gegen Frankreich, die USA und Portugal gelang, verpasste die deutsche Mannschaft im Spiel gegen Brasilien um weinige Sekunden. Wenn man weiter ein paar Haare in der Gourmet-Suppe finden will, könnte man das beträchtliche Schwächeln der Abwehr in der Viertelstunde nach der Pause anführen. Da hätten gut und gerne zwei, drei Tore für Brasilien fallen können und man weiß ja nicht erst seit dem Berliner Schwedenspiel, dass, wenn eine hoch führende Mannschaft ihr Spiel ein paar Gänge hinunterschraubt, ein Spiel nach einem Anschlusstreffer auch noch kippen kann. Aber diese kleinen Anmerkungen sind natürlich Meckerei auf allerhöchstem Niveau. Schließlich durften wir Zeuge eines fußballhistorisch fast einmaligen Ereignisses werden. Ich sage fast, weil ich jetzt endlich verstehe, warum unsere Altvorderen so enthusiastisch vom 1954-er Halbfinalspiel berichteten. Deutschland schlug Österreich mit 6:1 und zog ins Berner Endspiel gegen Ungarn ein. Nun gut, denkt sich der unwissende Zeitgenosse, Österreich eben… Nein, Österreich war damals, wenn es diese unsägliche Weltrangliste der FIFA schon gegeben hätte, die Nr. 2 auf der Welt, hinter Ungarn und Deutschland befand sich vielleicht auf Rang 25. Deutschland war noch hinter der Türkei eingestuft und musste deshalb in der Vorrunde gegen die höher eingeschätzten Ungarn (3:8) und die Türkei (4:1 und 7:2) antreten, nicht aber gegen Südkorea. Sonderbarer Modus. Und genau so, wie Fritz Walter und seine Zeitgenossen von diesem Halbfinale als vielleicht bestem Spiel aller Zeiten einer deutschen Nationalmannschaft schwärmten, werden wir mit verklärtem Blick noch in Jahren und Jahrzehnten vom 7:1 gegen Brasilien am 8.7.2014 in Belo Horizonte berichten. Dieses Spiel wird keiner, der es gesehen hat, jemals in seinem Leben vergessen…

54-74-90-14: Erkenntnisse vom 7.7.2014: Endspielteilnehmer gesucht

Zum Spiel Brasilien gegen Deutschland ist mittlerweile so viel gesagt, dass es das Farbband, wenn man noch mit einer guten, alten Schreibmaschine schreiben würde, nicht wert wäre, noch ein Wort zu… Aber zum Tangotanzen benötigt man ja bekanntermaßen immer zwei. Was ist mit dem Endspielgegner Brasiliens oder Deutschlands? Argentinien und Holland haben bisher (außer Holland gegen Spanien) keinerlei Bäume ausgerissen. Insofern wäre der Sieger aus Brasilien-Deutschland sicher leichter 55:45-Favorit. Aber welche Paarung wollen wir eigentlich haben? Brasilien gegen Holland oder gegen Argentinien gab es noch nicht, hätte also den Reiz des Neuen. Holland-Deutschland gab es schon einmal, die Holländer lechzen danach, sich für 1974 zu rächen oder sagen wir freundlicher, zu revanchieren. Deutschland-Argentinien gab es schon zwei Mal, 1986 siegte Argentinien mit Maradona 3:2 und vier Jahre darauf gewann Deutschland hochverdient (10:0 Torchancen), trotz eines lächerlichen Elfmeters, 1:0. In diesem Duell steht es also unentschieden, sehr reizvolle Voraussetzung. Wenn es nach mir ginge (es fragt mich aber leider niemand), würde ich Deutschland-Holland favorisieren: Man stelle sich nur das Drama vor, wenn Holland auch sein viertes Weltmeisterschafts-Endspiel verloren hat! Und Dramen haben ja immer, besonders im Fußball, so etwas ganz besonderes, von dem man noch lange spricht…

54-74-90-14: Erkenntnisse vom 6.7.2014: Brasilien und das faire Spiel

In der Fußball Woche (Nr. 28/2014) findet man eine interessante Statistik. Demnach begingen die brasilianischen Spieler gegen Kroatien 5 Fouls (kommt mir merkwürdig wenig vor), gegen Mexiko 13 (gefühlt waren es 130), 19 gegen Kamerun, 28 gegen Chile und 31 gegen Kolumbien. Würde man das als grafische Darstellung aufzeichnen, ergäbe sich eine erst stark und dann langsam ansteigende Kurve, die bei 33-35 ihr Maximum erreicht haben dürfte. Allerdings darf man den Fußball nicht mathematisch betrachten, auch wenn Ottmar Hitzfeld und Volker Finke Mathelehrer waren, bevor sie ihr Geld einfacher, wenn auch mit weniger Urlaub, in der Fußballtrainerbranche verdienten. Denn gegen Deutschland wird wahrscheinlich ein gewisser Dante bei Brasilien spielen, was die Foulquote leicht auf 50 bis 70 ansteigen lassen könnte. Allerdings sehen die Schiedsrichter aufgrund der ausladenden Frisur und des alles überstrahlenden Lächelns nur einen Bruchteil seiner Nicklichkeiten. Die deutschen Spieler, die ja mit sehr wenigen Fouls auskommen (auch wenn Schweinsteiger im Spiel gegen Frankreich den armen Valbuena mit einem Foul der Marke „Schumacher light“ zu Boden streckte), sollten entweder das zweikampflose Spiel (also Bayerns langatmiges Kurzpassspiel, dass im überfallartigen Vertikalpass, gerne auch mit Doppelpass, endet) oder das hohe Springen über die zur Sense ausgefahrenen diversen Körperteile des Gegners trainieren. Sich auf eine Knüppelei einzulassen, wie Mexiko oder Kolumbien, scheint nicht ratsam zu sein; der Schiedsrichter wird doch, besonders nach Neymars Schicksal, die Brasilianer als Heimmannschaft bevorzugen. Vor allem, wenn wirklich Herr Rodriguez aus Mexiko das Spiel zu leiten versucht, der ja auch die Treterei zwischen Italien und Uruguay nicht ganz problemlos über die Bühne brachte, um es äußerst freundlich zu formulieren. Aber Dante beißt ja wahrscheinlich nicht.
Wie auch immer: Es würde mich wundern, wenn es kein Elfmeterschießen gäbe…

54-74-90-14: Erkenntnisse vom 5.7.2014: Immer wieder Deutschland…

Spiel 59: Niederlande – Costa Rica 0:0 n.V. (4:3 Elfmeterschießen)
Spiel 60: Argentinien – Belgien 1:0

Was soll man davon halten? Was die Argentinier gegen Belgien nicht auf den Rasen zauberten, entsprach genau dem Schema der vorherigen vier Spiele: Ein paar Dribblings von Messi, viel Kampf, viel Krampf, wenig Ideen, wenig Lust am Fußballspiel. Und am Ende gewinnen sie doch. Argentinien im Stil der deutschen Mannschaft der achtziger Jahre. Und Holland? Außer einigen Dutzend meist brotlosen Antritten von Robben auf der rechten Seite (vier der ihn aufzuhalten versuchenden Spieler erhielten eine gelbe Karte, obwohl das Spiel, verglichen mit Brasilien gegen Kolumbien, die Härte eines Lillifee-Abenteuers hatte) war da gar nichts, was einen Einzug ins Endspiel rechtfertigen würde. In der 117. Minute trennte Costa Rica nur das linke Bein des holländischen Torhüters vom Halbfinale. Großer Kampf der Mittelamerikaner, aber irgendwann reicht es auch mit dem Glück.
Bleibt Deutschland. Bei 18 Turnierteilnahmen erreichte Deutschland dreizehn Mal das Halbfinale. Brasilien schaffte das bei 20 Teilnahmen z.B. nur elf Mal. Gegen Brasilien ist Deutschland nach Neymars tragischem Aus wohl oder übel Favorit. Man könnte, um Waffengleichheit herzustellen, den Brasilianern anbieten, ebenfalls den stärksten Spieler auf der Bank zu lassen. Also Großkreutz für Hummels oder Zieler für Neuer. Das würde zwar vielleicht nicht den WM-Titel, wohl aber den Gewinn jedes Fair-play-Pokals von der UNO über den Landesverband Westfalen-Lippe der Grünen bis zum Internationalen Roten Kreuz bedeuten. Aber haben die Brasilianer 2002 Ronaldo draußen gelassen, als unser Ballack mit zweiter gelber Karte für’s Finale gesperrt war? Mitnichten. Andererseits: Irgendwer muss ja mal mit fairen Gesten anfangen. Vielleicht reicht es ja, wenn Klose darauf verzichtet, sein 16. Tor zu schießen, um Ronaldo nicht vom gemeinsamen Torjägerthron zu stürzen…

54-74-90-14: Erkenntnisse vom 4.7.2014: 54 Fouls, ein Wirbelbruch und ein strenger Schiedsrichter…

Spiel 57: Brasilien – Kolumbien 2:1

Neymar hat Glück gehabt: Es ist „nur“ der Lendenwirbel gebrochen. Beim Sprung von Balotelli gegen seinen uruguayischen Gegenspieler fehlte nicht viel und ein Halswirbel hätte durch sein können. Der Unterschied? Im schlimmsten aller denkbaren Fälle, der Querschnittslähmung, kann ein „Lendenwirbel“ seinen Rollstuhl noch selber fahren…

Ganz so schlimm wird die tierische Attacke des Kolumbianers nicht ausgehen, übel genug ist sie trotzdem für Neymar im Speziellen und für den Sport im Allgemeinen. Wenn Brasilien gegen Deutschland verliert, heißt es natürlich: „Mit Neymar wäre das ganz anders gekommen..“. Schuldig ist zwar in erster Linie der Spieler Juan Zuniga, der nicht nur aussieht, als ob er alle Erziehungsanstalten der kolumbianischen Drogenmafia erfolgreich durchlaufen hätte, sondern sich auch so benahm. Toni Schumachers legendärer Sprung gegen Battiston 1982 kam wenigstens noch von vorne, Auge in Auge mit dem Feind. Der Angriff auf Neymar erfolgte ohne Verteidigungschance von hinten und wird im Ranking der brutalsten Fouls der Fußballgeschichte mit Sicherheit einen Ehrenplatz erhalten. Schuldig ist aber auch der Schiedsrichter, Senor Carballo, aus dem ehemals führenden Fußballland Spanien. Wie mehrfach bei dieser WM gesehen (z.B. Brasilien-Mexiko, Holland-Spanien, Frankreich-Honduras, Italien-Uruguay u.a.) treten die Jungs wie die Kesselflicker (treten die?) und der Referee ermahnt nur. Wohlgemerkt, entgegen der Regel, die eine gelbe Karte nicht erst beim zweiten oder dritten schweren Foul verlangt, sondern schon beim ersten. Ansonsten könnte es, bei gerechter Verteilung der Treterei auf alle Mannschaftsmitglieder, 20 harte Fouls pro Spiel geben, bevor die erste Karte… So geht es nicht, und die Anweisung an die Schiedsrichter ist auch eine völlig andere. Es geht wohlgemerkt nicht darum, ob der Schiedsrichter einen Regelverstoß bemerkt. Senor Carballo hat 54 Fouls gepfiffen und er lag damit meist richtig. Außerdem ist es extrem schwierig, wenn man mittendrin statt nur dabei ist, jede Situation richtig zu bewerten. Alles geht wahnsinnig schnell, es stehen andere im Weg, der Blickwinkel verhindert die richtige Beurteilung. Jeder von uns musste sich schon im Stadion oder am Fernseher nach Ansehen einer Superzeitlupe eines besseren belehren lassen. Nein, es geht nicht um das Erkennen von Regelverstößen, das machen die Schiedsrichter meist gut und wenn sie mal danebenliegen, ist es menschlich. Es geht um die Schlussfolgerung: Die Fußballer sind wie Kindergartenkinder, wenn man nicht eindeutig handelt, bricht Chaos aus. Deshalb bringt es nichts, einen Fußballspieler energisch anzuschnauzen und ihm nach weiteren achtzehn Fouls vielleicht eine gelbe Karte anzudrohen. Der lacht sich krank. Ein schweres Foul, und sei es in der ersten Minute, eine Karte. Ich wette, dass es dann keine 54 Fouls gibt!
P.S.: Die erste gelbe Karte des Spiels gab Senor Carballo nach einem kaum zu spürenden Rempler gegen den kolumbianischen Torwart. Guter Witz! Wäre es nicht schön, wenn jemand als Erziehungsmaßnahme einen shitstorm organisieren würde, woraufhin Fußballfreunde aus aller Welt Herrn Carballo zur genehmen Erinnerung ein paar Millionen rote Karten an die Heimatadresse schicken würden?