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Hertha und die Mathematik

Nehmen wir es mal streng mathematisch: Hertha hat nach drei Spieltagen 4 Punkte, was nach Adam Riese 40 Punkte nach 30 Spieltagen ergeben würde und aus den letzten vier Runden noch vier bis fünf Pünktchen dazu. Das würde doch sogar etwas mehr sein, als das Saisonziel von Michael Preetz, der sagte, dass es nur darum gehe, dass Hertha in der Bundesliga bleibe. Nicht vergessen dürfen wir, dass Hertha bisher in allen Pokalrunden dieser Saison siegreich war, was, wenn dieser leider erst aus einem Spiel bestehende Trend anhält, der sichere Einzug in das Finale im Mai 2016 im heimischen Olympiastadion bedeuten würde.

Der Haken an der Sache ist, dass Fußball mit Mathematik leider überhaupt nichts zu tun hat, wenn man von der Tätigkeit des Schatzmeisters, wie die Bezeichnung vor Jahrzehnten lautete, mal absieht. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang die Aussage von Trainer Pal Dardai, dass Fußballergebnisse zu 35 % vom Glück bestimmt werden. Was wir immer schon ahnten, als Bastürk drei Minuten vor dem Ende im letzten Saisonspiel 2004/05 gegen Hannover 96 den Ball aus vier Metern an den Pfosten setzte, was ein 0:0 zur Folge hatte. Beim 1:0-Sieg hätte Hertha in der nächsten Saison Champions-League gespielt… Neunmalkluge behaupten zwar, dass sich Glück und Pech im Laufe einer Saison ausgleichen, können dafür aber genauso wenig einen Beweis erbringen wie Pal Dardai für die Zahl 35%. Warum nicht 17% oder 42%? Auf jeden Fall spielen Glück und Pech eine Rolle und wenn Glück nur der Tüchtige hat, wie unsere Altvorderen behaupteten, müsste Hertha in dieser Saison sorgenfrei bleiben. Denn dass die Mannschaft momentan fleißiger als unter vielen anderen Trainern arbeitet, scheint Konsens zu sein. Die ersten Spiele, einschließlich des verlorenen Spiels in Dortmund, lassen den Hertha-Anhänger jedenfalls optimistisch in die Saison sehen. Und wenn Hertha ins Pokalfinale einzieht, hätte sicher niemand was dagegen…

Der Transferirrsinn in der 1. Liga

Bisher scheinen die Manager der 1. Liga vernünftiger zu sein als ihre Kollegen aus Liga zwei: Während es dort 165 Abgänge und 170 Zugänge gab, sind es in der 1. Liga „nur“ 127 Abgänge und 142 Zugänge. Das macht im Schnitt immerhin noch 7 Abgänge und 8 Zugänge pro Verein. Aber da die Transferperiode ja noch drei Wochen dauert, ist zu erwarten, dass die Eliteliga das Unterhaus vielleicht sogar noch einholen kann. Da kann die viel gepriesene Kontinuität nur hohles Geschwätz sein, um irgendwelche senilen Fußballromantiker zu besänftigen.

Im Durchschnitt gibt es also bisher 15 Veränderungen im Kader, positiv (wenn man eine geringere Zahl von Veränderungen denn als positiv einschätzt) weichen davon der FC Ingolstadt mit 3 Abgängen und 4 Zugängen = 7 Veränderungen ab, ebenso der VfL Wolfsburg (9), FC Augsburg (10), Bayern München und Hertha BSC (11).

Den Weg nach Absurdistan eindeutig eingeschlagen haben dagegen der VfB Stuttgart (18), Werder Bremen (19), der HSV (21) und als einsamer Spitzenreiter Hannover 96 mit 24 Veränderungen im Kader. Nicht umsonst werden die 96-er von vielen Experten mit dem Abstieg in Verbindung gebracht, wofür im Übrigen auch der Abstiegsexperte unter den Trainern, Michael Fronzeck, steht.

Das soll natürlich nicht heißen, dass Ingolstadt, als Verein mit den wenigsten Veränderungen, Meister wird (und Hertha schon gar nicht Fünfter), und andersherum wissen ja alle, dass der HSV nicht absteigen kann. Schade eigentlich…

P.S.: Am Ende der Saison müsste man mal den Zusammenhang von der Anzahl der Neuverpflichtungen und dem erreichten Tabellenplatz untersuchen.

Eine schwere Saison für Hertha?

Bisher kam es ja meistens anders, als gedacht. Wenn man Hertha eine ruhige Saison im Mittelfeld zutraute, waren die Abstiegsränge nicht weit (z.B. Saison 14/15) und wenn man dachte, dass es eng werden könnte, spielte die Mannschaft eine solide Saison (z.B. 13/14). So war es oft in Herthas Bundesligahistorie. Nach dem Erleiden des Vorbereitungsspiels gegen Genua, ist man eher geneigt, Hertha eine schwere Saison vorherzusagen: weitgehend ideenfreies Spiel im Mittelfeld, einige Stellungs- und Konzentrationsfehler (Plattenhardt, Brooks) in der Abwehr und ein abschlussschwacher Sturm, in dem Kalou total blockiert ist und selbst aus besten Positionen nicht aufs Tor schießt.
Aber wer weiß, ob nicht alles doch ganz anders wird: Vielleicht kommt ja Baumjohann doch zurück und überwindet seine Verletzungsmisere, eventuell steht sogar ein dynamischer Cigerci wieder zur Verfügung, unter Umständen schafft ein Mitchell Weiser nach überstandener Pause seinen Durchbruch als Erstligaspieler, es könnte ja sein, dass Schieber, wenn er wieder spielen kann, regelmäßig trifft und/oder Kalou ebenso und außerdem gibt es ja noch Allagui, Ben-Hatira und Hosogai, der vielleicht an seine Form aus der Saison 2013/14 abknüpfen kann. Zusätzlich zu all dem ist der Vorteil einer eingespielten Mannschaft auch nicht zu unterschätzen! Und zu guter Letzt könnte es ja sein, dass Sportchef Preetz noch einen weitern hochkarätigen Neuzugang präsentieren kann.
Ein bisschen viel vielleicht und eventuell, aber möglich ist schließlich alles. Hertha ist immer wieder mal für eine Überraschung gut. Außer im Pokal: Nachdem in Bielefeld Revanche für das Vorjahresaus genommen werden wird, ist in der zweiten Runde gegen den Viertligisten Viktoria Köln aber endgültig Schluss…

Der Wahnsinn geht weiter…

Man glaubt es eigentlich nicht, aber es ist wahr: Die Zu- und Abgänge der Spieler in der 2. Liga füllen kleingedruckt fast eine ganze Seite der Fußball-Woche. Und die Transferperiode ist ja noch lange nicht beendet, der Wahnsinn wird also weitergehen: Bei den 18 Vereinen gab es zum 20.7. 163 Abgänge und 170 Zugänge, d.h., im Durchschnitt 9,0 Abgänge und 9,4 Zugänge pro Verein! Geschönt werden die Zahlen durch den KSC, der erst 3 Abgänge und 5 Zugänge verzeichnet und den FC St. Pauli, der zwar 9 Abgänge aber auch nur 3 Zugänge meldet. Wenn man die in den nächsten fünf Wochen noch stattfindenden Veränderungen berücksichtigt, heißt das nicht mehr und nicht weniger, als dass die meisten Vereine fast die Hälfte ihres Kaders auswechseln. Aus dem Gejammere der letzten Spielzeiten (bei Vereinen, bei denen es nicht wie gewünscht lief), dass sich die Mannschaft ja erst finden müsse, wurde offensichtlich nichts gelernt. Kontinuität ist zwar ein Fremdwort, sollte aber von einem Manager auch in der 2. Liga, verstanden werden. Identifikation der Fans mit ihrem Verein und den Spielern ist ja kaum noch möglich, wenn man die Namen von Spielern, kaum gelernt, schon wieder aus dem Gedächtnis streichen soll. Was bisher vom Basketball oder Eishockey schon bekannt war, scheint jetzt auch im Fußball der Normalfall, und nicht wie beim „Fall“ Magath in Wolfsburg und Schalke, die Ausnahme zu sein. In der 1. Bundesliga dürften die Zahlen ähnliche Ausmaße annehmen. Natürlich sind die Gründe klar: Zu viel TV- und Werbegeld ist im Spiel, seit dem Bosman-Urteil gilt die Vertragsfreiheit für die Spieler. Unseriösen Spielerberatern, den Spielern und selbst den Vereinen geht es nicht in erster Linie um (attraktiven) Fußball, sondern um Geld. Je höher der Umsatz, desto höher der Verdienst. Spaß macht das alles nicht mehr.

Nur Hertha BSC scheint die Lektion des Vorjahres gelernt zu haben, als massenhaft Neuzugänge die Leistungsfähigkeit gegenüber der Vorsaison eher verwässerten. Nur zwei Spielerverpflichtungen stehen vier Abgänge gegenüber. Wenn es doch so bliebe! Aber wir ahnen schon, dass sich die Geschäftsführung Sport bis Ende August durch Panikkäufe mittelmäßiger Spieler und Abgabe einiger Talente oder bewährter Kräfte bald in die Gemeinschaft der Groß-Händler einreihen wird…

Die neue Saison und das offizielle Mannschaftsfoto

Emir Spahic ist nicht darauf, weil er zu dem Verein wechselt, der ihn verdient, aber 26 Spieler (neben einer Unzahl von zur Mannschaft gehörenden Trainern, Betreuern, Ärzten etc.), darunter nicht weniger als fünf Torhüter, sind darauf verewigt: Dem offiziellen Mannschaftsfoto von Hertha BSC für die Saison 2015/16. Es fehlen nur Nico Schulz und John Antony Brooks, die ja noch in ihrer Nationalmannschaft spielen, bzw. noch im Urlaub sind, die später „eingeklinkt“ werden, wie es im Fachjargon heißt.
Natürlich geht das wahrscheinlich nicht anders, der Termindruck durch das unbarmherzig näherrückende Erscheinungsdatum des Kicker-Sonderheftes zur neuen Saison gebietet das frühzeitige Aufnehmen. Das Foto allerdings, dass später in allen Sportzeitungen durch die Saison geistern und das Pannini-Album zieren wird, wird nur annähernd das wiedergeben, was es eigentlich darstellen soll: den Kader von Hertha der Saison 15/16. Mindestens drei bis fünf Spieler werden den Verein noch verlassen (müssen) und ähnlich viele werden, wie man Sportchef Preetz kennt, kommen, d.h., dass es ca. zehn Änderungen geben wird. Schon fünf Torhüter auf dem Foto sind eigentlich ein Witz, es sei denn, Kraft und Burchert sollen wirklich, wie neulich im Testspiel ausprobiert, zum Verteidiger umgeschult werden. So gut wie van den Bergh dürfte Burchert allemal sein.

Aber vielleicht sollte man sich doch mal wieder an den guten alten Spruch erinnern: „Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen.“: Der Genosse Stalin ließ, nachdem er mal wieder einen Widersacher hatte liquidieren lassen, die Gruppenfotos des Politbüros für die Nachwelt gnadenlos retuschieren. Warum nicht auch die Mannschaftsfotos der Bundesligisten, zumal Spieler heute nur verkauft und nicht umgebracht werden, wenn man ihre Dienste nicht mehr benötigt. Und schlimm wäre es nicht, wenn man kurzfristig die Köpfe von Wagner, van den Bergh und Niemeyer (leider!), durch X, Y und Z ersetzen würde. Fotoshop vereinfacht die Sache erheblich. Nur bei Ronny müsste man etwas genauer aufpassen…

Wer ist eigentlich Emir Spahic?

Als ich neulich im U-Bahn-Fernsehen auf einem Foto einige Berater von Emir Spahic vor der Hertha-Geschäftsstelle sah, hatte ich sofort Verschwörungstheorien im Kopf: Da will jemand, der dem armen Michael Preetz nicht wohlgesonnen ist, dem Hertha-Manager, der nach der verunglückten Saison und der Schelte auf der Mitgliederversammlung angezählt ist, den letzten Rest von Reputation nehmen. Denn nur ein dem Irrsinn Nahestehender kann doch auf die Idee kommen, einen Emir Spahic nach den Vorkommnissen in Leverkusen zu verpflichten. Auch wenn es schwerfällt: Versuchen wir doch mal frei von allen Emotionen Für und Wider einer Verpflichtung gegeneinander abzuwägen.
Dafür spricht erstens die Erfahrung einer langen Karriere mit über sechzig Länderspielen für Bosnien-Herzegowina. Zweitens dürfte die Ablösesumme nach dem Rauswurf bei Leverkusen ca. null Euro betragen und das Gehalt sollte drittens bei einem Spieler, der vielleicht woanders nie wieder einen Vertrag bekommen würde, auch nicht im Millionenbereich, wie etwa bei (dem meines Erachtens zu schlecht beurteilten) John Heitinga, liegen. Viertens könnte Hertha einen guten Spieler im Abwehrzentrum durchaus gebrauchen, denn wenn sich Langkamp oder Brooks, die wohl unbestritten erste Wahl sind, verletzen, ist adäquater Ersatz nicht in Sicht. Und fünftens sollte man nicht außer Acht lassen, dass jeder, selbst ein Mörder (und ganz so schlimm ist es ja glücklicherweise bei Spahics Kopfstoß nicht gekommen), eine zweite Chance im Leben verdient hat.
Was spräche nun aber gegen eine Verpflichtung von Emir Spahic? Als erstes muss natürlich die Körperverletzung gegen einen Ordner berücksichtigt werden. Fabian Lustenberger würde so etwas nicht tun. Wer solche Handlung auch nur als Option in Erwägung zieht, und sei er noch so ungerecht behandelt worden, ist charakterlich nicht geeignet bei Hertha zu spielen. Vorbildfunktion Fehlanzeige. Zweitens ist Spahic wohl noch zu Saisonbeginn gesperrt und was geschieht eigentlich, wenn er in der laufenden Saison wegen Körperverletzung verurteilt wird? In den Knast kommt man ja bei uns nicht so schnell, aber unmöglich ist es auch nicht… Wichtigstes Argument gegen eine Verpflichtung scheint drittens das gesetzte Alter von 35 Jahren zu sein, das der gute Emir im August erreicht. Andere Profis seines Alters haben sich längst nach einer Schaf- oder Ziegenrasse umgeschaut, die sie auf einem Biobauernhof in der bosnischen Heimat züchten können. Und schließlich scheint viertens seine Vita darauf hinzudeuten, dass sich Herr Spahic nirgendwo lange Freunde gemacht hat: Dubrovnik, Zagreb, Jaroslawl, Moskau (Torpedo und Lokomotive), Montpellier, Sevilla und Leverkusen lauten seine Stationen auf dem europäischen Kontinent. Was allerdings besonders zu denken gibt, ist die Lücke, die 2009 in seinem fußballerischen Lebenslauf auftaucht. So schnell ist man als guter Profi eigentlich nicht „vereinslos“.
Lange Rede kurzer Sinn: Da Hertha keine Anstalt zur Reintegration Gestrauchelter in die Gesellschaft ist, sollte von einer Verpflichtung abgesehen werden, es sei denn, Emir Spahic bringt noch ein paar hunderttausend Euro mit, um wieder spielen zu dürfen…

Hertha und der Transfermarkt…

Erfreulich , erfreulich: Endlich wird man bei Hertha schlau und hält sich mit den Transfers für die neue Spielzeit dezent zurück. Während einige der solventen Bundesligisten kurz nach der Winterpause ihre ersten Neuzugänge meldeten und der Stadtrivale Union zum Saisonende fast täglich eine Neuverpflichtung bekanntgab, herrscht bei Hertha vornehme Funkstille. Vielleicht ist Sportdirektor Michael Preetz nach dem Transferwahn der letzten Saison, als es neun neue Spieler zu integrieren galt, woran Trainer Luhukay letztlich scheiterte, zur Besinnung gekommen und kauft nicht, was dubiose Spielerberater wie Sauerbier anbieten, sondern was charakterlich und spielphilosophisch zum Team passt. Und wenn nachher nur zwei Neue kommen: Auch gut. Wenn jeder vorhandene Spieler zusätzlich nur drei Prozent besser gemacht wird (wie auch immer man so etwas messen will) und durch die dann klug ausgewählten Neuen ein paar weitere Prozent dazukommen, ist es laut dem einstigen Hertha-Trainer Favre so, als ob die Mannschaft einen Spieler mehr auf dem Platz hat.
Schaun wir mal, was der Preetz macht. Mich beunruhigt es auf jeden Fall überhaupt nicht, wenn ich im U-Bahn-Fernsehen zwar täglich die Transfers der Konkurrenz zur Kenntnis nehmen muss, von Hertha aber weit und breit nichts zu hören ist.
Vielleicht ist Herthas Sportdirektor aber vom Saisonfinale und der folgenden Mitgliederversammlung noch so erschöpft, dass er erstmal auf einer einsamen Insel neue Kräfte sammelt, um dann umso stärker zuzuschlagen. Hoffentlich erholt er sich nicht so schnell…

Michael Preetz und die Finalisierung …

Michael Preetz hatte es auf der Mitgliederversammlung von Hertha BSC am 26.5.2015, drei Tage nach dem souveränen Nichtabstieg und dem Vermeiden der Relegation durch das bessere Torverhältnis im Vergleich zum HSV, nicht leicht. Es ist aber nicht so, dass sich die Wogen der Enttäuschung der Hertha-Mitglieder über das dürftige Abschneiden der Mannschaft noch nicht geglättet hätten, nein – die Chemie zwischen einem großen Teil der (anwesenden) Herthaner und dem Sportchef Michael Preetz stimmt einfach nicht, auch wenn dies im Protokoll der Mitgliederversammlung auf der offiziellen Hertha-Website mit keinem Wort erwähnt wird.
Im Mittelalter wurden die Juden als Sündenbock für angebliche Brunnenvergiftung ermordet. Viele Herthaner haben da einen Quantensprung in Sachen Zivilisation gemacht: Sie fordern den Kopf von Preetz nur noch symbolisch, weil sie ihn für alles verantwortlich machen, was nicht nach den genehmen Wünschen des blau-weißen Anhängers läuft. Steigt die Mannschaft ab: Preetz ist schuld (steigt das Team auf, sind es die Fans, die die Mannschaft in die erste Liga gebrüllt haben). Wird ein Trainer entlassen (oder nicht entlassen oder zu spät oder zu früh entlassen): Preetz ist schuld. Erfüllt der neue Spieler die Erwartungen nicht: Richtig – Preetz ist schuld! Scheidet die Mannschaft wieder mal in der ersten oder zweiten Pokalrunde, und sei es im Elfmeterschießen, aus: Natürlich, der Preetzer…
Selbstverständlich: Verantwortlich ist Preetz, aber ist deshalb alles schlecht, was er macht? Der jetzige Kader, in dem ja nicht nur Pfeifen spielen, auch wenn die Saison unbefriedigend verlief (aber Hinrunde 2013/14: 28 Punkte als Aufsteiger!!!), wurde bis auf Lustenberger, vollständig von Preetz zusammengestellt. Dass es da einige Spieler gibt, die nicht der Brüller sind, ist klar, aber man zeige mir den Manager, der noch nie einen Fehleinkauf getätigt hat. Natürlich hat es ein Klaus Allofs leichter, konnte er doch für De Bruyne, Gustavo und Schürrle schlappe 70 Millionen Euro aus der VW-Kasse ausgeben. So viel wird Preetz wahrscheinlich in seiner gesamten Laufbahn als Sportdirektor, und wenn sie noch zwanzig Jahre dauern sollte, nicht ausgeben können.
Preetz` Problem ist in erster Linie, dass er diese Fakten dem Volk nicht erklären kann. Er könnte doch einfach sagen, dass er nicht, wie sein Vorgänger (der den Verein mit 50 Millionen Schulden fast in die Pleite getrieben hat), verantwortungslos Geld verbrennen will, das gar nicht vorhanden ist. Er könnte doch sagen, dass er mit Pal Dardai über dessen Weiterbeschäftigung verhandelt, und dass es dabei einiges zu besprechen gibt. Stattdessen spricht er von „Finalisierung“ der Zusammenarbeit. Da denken viele Fans doch gleich wieder an das Pokalfinale. Michael Preetz muss nicht dem Volk nach dem Munde reden, aber verständlich sollten seine Ausführungen schon sein. Wer dreimal das Wort „finalisieren“ benutzt, wenn er meint, dass Gespräche zu einem guten Ende geführt werden sollen, muss sich nicht wundern, wenn er als arrogant bezeichnet wird.
Ergo: Weiter für Hertha arbeiten, Kontinuität als oberstes Prinzip walten lassen, nicht neun, sondern nur drei neue, charakterstarke Spieler (also kleine Dardais) pro Saison verpflichten und die anderen besser machen, jedes Jahr einen Spieler aus der Jugend in den Kader einbauen, nicht auf das Geschwätz der Leute hören, wohl aber ihnen die Handlungen so erklären, dass sie es verstehen.
Und wenn Hertha in der kommenden Saison einen einstelligen Tabellenplatz erreicht (was aus jetziger Sicht zwar utopisch erscheint, aber nicht völlig unmöglich ist) hört der Berliner sowieso auf zu meckern: „Ha ick doch schon imma jesacht…“

Neuer Trainer bei Schalke und Nichtabstieg bei Hertha

Wie so oft im Leben habe ich mich total geirrt: Am 8.10.2014 schrieb ich in dieser Rubrik, dass Schalkes neuer Trainer di Matteo wohl in einem halben Jahr das sinkende Schiff werde verlassen müssen. Völlig falsch! Jetzt ist di Matteo schon über sieben Monate im Amt und wird es sicher noch eine Woche bleiben. Dann dürfte aber nun wirklich Schluss sein, nachdem die Schalker Fans die Mannschaft nach dem Spiel gegen Paderborn wegen ihres desaströsen Gekickes wutschnaubend in die Sommerpause verabschiedeten. Vereinzelt sollen im Fanblock schwarz-gelbe Schals gesichtet worden sein. Trotzdem hat Schalke mit himmlischem Beistand (der Papst ist ja wohl mit seiner Wahl automatisch Mitglied bei Schalke) die Europa-Liga erreicht, was wahrlich einem Wunder gleichkommt.
Ein Wunder wäre es auch, wenn Hertha nach durchwachsener Saison noch absteigen müsste. Direkt geht es zwar nur, wenn der HSV gegen Schalke zweistellig gewinnt, was trotz des Trainers Matteo kaum möglich sein dürfte, oder Hertha zweistellig verliert, was nach dem 0:5 im Hinspiel zwar nicht völlig ausgeschlossen ist, mit Hilfe der stabilisierten Abwehr jedoch verhindert werden sollte. Insofern ist der Punkt aus dem Frankfurt-Spiel vielleicht noch Gold wert, denn wer glaubt denn ernsthaft, dass Stuttgart in Paderborn gewinnt (Chancen 50:50) UND Freiburg gegen Hannover unentschieden spielt (Chance 1:3) UND Hertha mit mehr als einem Tor Differenz in Hoffenheim verliert (Chance 40:60). Insgesamt also eine 11-%- Chance (!) für die Relegation. Nun gut, man kennt ja Hertha, könnte man sagen, aber vertrauen wir mal auf Paderborn. Die werden bis zum letzten Tropfen Paderborner Pils kämpfen und gegen Stuttgart nicht verlieren…
Interessant übrigens: Wenn das Spiel Hannover gegen Freiburg 0:0 endet und Hertha in Hoffenheim 3:5 verliert, sind Hertha und Hannover punkt- und torgleich. Leider spräche dann der direkte Vergleich für Hannover. Aber soweit wird`s nicht kommen.

Herbergers Weisheiten

Sepp Herbergers scheinbar unumstößliche Weisheiten sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Dass ein Fußballspiel 90 Minuten dauere, weiß jeder fußballaffine Mensch allerspätestens seit seinem ersten Stadionbesuch im zarten Alter von sieben Jahren. Am Sonnabend im Dortmunder Westfalenstadion, oder wie der Fußballtempel auch gerade heißen mag, war diese Grundregel mitteleuropäischer Zivilisation nach neun Minuten außer Kraft gesetzt, weil das Spiel da praktisch vorbei war: Ausgerechnet der zuverlässigste und intelligenteste Spieler, den Hertha hat, und der seit seiner Rückkehr ins Team maßgeblich zur Stabilisierung der Abwehr in der Rückrunde beigetragen hat, Sebastian Langkamp, leistete sich einen folgenschweren Dreifachfehler. 1) Er hörte auf zu spielen und reklamierte, weil er einen Schiedsrichterpfiff erwartete. Anfängerfehler! 2) Nachdem er den Ball trotzdem vor dem ihn verfolgenden Dortmunder erreicht hatte, drosch er ihn unmotiviert zur Ecke, anstatt wenigstens zu versuchen, ihn ins Seitenaus zu schießen. 3) Die Zuordnung beim folgenden Eckball war nicht gegeben, obwohl man weiß, dass Hummels oder Subotic zum Kopfball ansetzen werden. Vielleicht tue ich Langkamp zumindest beim dritten Punkt Unrecht, eventuell war ja auch Stürmer Kalou für Subotics Bewachung vorgesehen, der es aber für unter seiner Würde hielt, durch die weiten Savannen des Stadions wenigstens in die Richtung des eigenen Strafraums zu traben!
Was danach folgte, war abzusehen und nicht Herthas relativ erfolgreiches Spiel der letzten Monate. Bei eigenem Ballbesitz konnte man sich in der Abwehr nicht so geordnet und diszipliniert aufstellen, wie gewohnt und lud den Gegner bei den häufigen Ballverlusten immer wieder zu Kontern und Torchancen ein. Das hätte auch höher werden können. Insofern: Noch mal Glück gehabt, denn vielleicht spielt das Torverhältnis noch eine Rolle, wenn Hertha mit ein oder zwei anderen Mannschaften am Ende punktgleich sein sollte.
Jetzt ist genau die Situation gegeben, die alle Herz-Kreislauf-Ärzte Berlins in jedem Fall vermeiden wollten: Hertha muss gegen Frankfurt gewinnen, dann kann man nur noch theoretisch absteigen. Verliert Hertha oder erreicht nur ein Unentschieden, heißt es zu beten oder für Atheisten, zu hoffen, dass die anderen auch verlieren. Denn wenn man am letzten Spieltag nach Hoffenheim fährt und gewinnen muss…Bloß nicht dran denken!