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Messi oder Ronaldo – wie langweilig…

Gibt es eigentlich eine langweiligere Frage, als diejenige nach dem Gewinner der lächerlicherweise „Ballon d’Or“ (Verzeihung: „FIFA Ballon d’Or“ muss es natürlich heißen) genannten Auszeichnung als bester Fußballer des Planeten? Wen interessiert es denn wirklich, ob Messi oder Cristiano „Unterhose“ Ronaldo sogenannter Weltfußballer wird? Und das, obwohl der Fußball Winterpause macht und die Vierschanzentournee zum Glück auch schon wieder beendet ist. Lieber Winterloch als diese Wahl.

Früher, als ja bekanntermaßen alles besser war, gab es diese Dominanz zweier Spieler, die sich streiten und kein Dritter freut sich, nicht. Die Auszeichnung, die es seit 1982 gibt und seit 1991 offizielle FIFA-Auszeichnung ist, wurde z.B. zweimal von einem Herrn Platini gewonnen. Auch ein gewisser Lothar Matthäus gewann zweimal, ebenso wie Ruud Gullit, Marco van Basten und Ronaldinho. Dreimal gewannen diese Trophäe der Brasilianer Ronaldo (von Klose abgelöster WM-Rekordtorschütze), Zinedine Zidane und eben jener Cristiano Ronaldo, während hoch über allen Messi mit sechs Siegen thront.

Und in früheren Jahrzehnten? Gewiss hätten auch Pelé, Diego Maradona (der nur 1986, wohl wegen seines genialen Handspiels, gewann, obwohl der Preis damals noch nicht von der FIFA vergeben wurde, die schon immer ein Faible für’s Illegale hatte), Ferenc Puskas, Franz Beckenbauer, Alfredo di Stefano, Gerd Müller, Johan Cruyff oder Fritz Walter den Preis mehrmals gewinnen können, niemand hätte aber wahrscheinlich so dominiert, wie die beiden Zeitgenossen, die sich den Preis seit neun Jahren unbrüderlich teilen. Zweifellos sind sowohl Messi als auch Ronaldo überragende Fußballer. Aber erst wenn man die Namen der früheren Stars liest, wird einem bewusst, dass zur Persönlichkeit doch etwas mehr gehört, als nur mit dem Ball umgehen zu können…

Die Gemeinsamkeit von Managerworten und Wetterprognosen

Zum Abschluss der grandiosen Hinserie von Hertha BSC sagte Manager Preetz, dass er auf dem Transfermarkt nicht mehr tätig werden würde. Das erschien angesichts des gut besetzten Kaders und mehrerer aus dem Verletzungsurlaub zurückkehrender Spieler auch logisch. Schließlich wissen wir nicht erst seit Felix Magaths absurden 45-Mann-Kadern in Gelsenkirchen und Wolfsburg, dass mehr nicht nur manchmal weniger sondern oftmals zuviel ist.

Preetz’ Aussage gilt jetzt, kaum zwei Wochen, eine Weihnachtsgans und ein paar Böller später, nicht mehr. Hertha kauft mal eben für eine Million einen jungen Bayern-Hüpfer und will gleichzeitig Ronny, Ben-Hatira und Beerens (galt der nicht in der vorigen Saison lange als bester Einkauf des Jahres?) verhökern. So stelle ich mir „keine Aktivitäten auf dem Transfermarkt“ eigentlich nicht vor. Was sind denn dann „Aktivitäten“?

Als im Dezember der Frühling ausbrach und in Berlin Temperaturen des Neapel-Niveaus herrschten, fiel es mir nicht schwer, auf diesbezügliche Fragen zu antworten, dass der Winter genau um den 20. Januar herum beginnen werde. Warum? Weil dann die Winterpause der Bundesliga beendet sei und dieser Termin in den letzten Jahren fast punktgenau mit dem Beginn der Unbespielbarkeit von Plätzen, vereisten Zuschauerrängen und Zufahrtswegen und eisigen Temperaturen zusammenfiel.

Ich gebe zu, ich habe mich geirrt, der Winter ist schon fast 20 Tage früher wie aus dem Nichts aufgetaucht und hat selbst die so zuverlässige S-Bahn völlig überrascht. Was soll’s: Wetterprognosen und Managerworte soll man einfach nicht ernst nehmen…

„Jetzt muss ein Heimspiel her“

Unter dieser Überschrift schreibt der verehrte Günter Weise, der Silvester seinen 90. Geburtstag feiert, in der FuWo vom 28.12., dass Hertha jetzt endlich mal Losglück haben solle und für das Halbfinale (ein Weiterkommen in Heidenheim vorausgesetzt) ein Heimspiel beschert werden müsse.

Wenn man sich Herthas Pokalhistorie der letzten 30 Jahre ansieht, stellt man allerdings fest, dass Hertha seit 1985 dreimal bis ins Viertelfinale gekommen ist und dabei zweimal Heimrecht hatte. Beide Male, 2002 gegen Köln (1:2 n.V.) und 2012 gegen Mönchengladbach (0:2 n.V.) konnte Hertha die Gunst der Stunde nicht nutzen und schied trotzdem aus. 2007 verlor man in Stuttgart 0:2. Wenn jetzt in Heidenheim wieder ein Auswärtsspiel ansteht, ist das sozusagen der Ausgleich, was die letzten 30 Jahre, das Viertelfinale betreffend, angeht.

Die beste Zeit im Pokal hatte Hertha zweifellos zwischen 1973 und 1984, in der man 60 der mittlerweile 165 Spiele austrug. Zweimal Finale, zweimal Halbfinale, viermal Viertelfinale waren die Ergebnisse in dieser Zeit und nur einmal kam das Aus in der ersten Runde, gegen Eintracht Braunschweig mit 1:4 n.V. im Jahre 1975, wobei man wissen muss, dass Braunschweig damals in der Bundesliga eine große Nummer war.

In den fünf Halbfinalteilnahmen seit 1935 musste Hertha viermal auswärts antreten (und gewann folgerichtig nur ein Mal), das einzige Heimspiel gewann man 1979 gegen Eintracht Frankfurt 2:1. Von den fünf Spielen war übrigens dreimal die Frankfurter Eintracht der Gegner.

Es bleibt die Erkenntnis, dass Heimspiele im Viertelfinale nicht unbedingt ein Garant für’s Weiterkommen sind, dass Hertha seit 35 Jahren nicht mehr im Halbfinale stand (von den Hertha-Bubis 1993 abgesehen) und dort ein Defizit an Heimrecht hat. Sollte also im Viertelfinale in Heidenheim gewonnen werden, ist ein Heimlos fällig und statistisch gesehen auch recht wahrscheinlich. Und wenn dann nicht die Bayern kommen, ist sowieso alles möglich. Und wenn die Bayern kommen: Warum eigentlich nicht auch dann?

Herthas überraschende Pokal-Historie

Normalerweise müsste Hertha heute Abend im Pokal-Achtelfinale in Nürnberg ausscheiden, weil a) Nürnberg Zweitligist ist, b) Hertha in der Liga so gut spielt, c) Finanzvorstand Schiller nur (!) drei Runden einkalkuliert hat und über Weihnachten keinen Nachtragshaushalt erstellen will und d) Hertha vorsichtshalber Elfmeterschießen geübt hat. Und da im Pokal weder BGB noch das Grundgesetz, sondern bekanntermaßen eigene Gesetze gelten, kehren sich die Dinge, die sonst für ein Weiterkommen sprächen, ins Gegenteil um. Der kurzfristig denkende Hertha-Fan schiebt die eventuelle Niederlage natürlich auf das Lospech, das schon wieder („immer“) ein Auswärtsspiel ergeben hat. Stimmt das mit dem Lospech eigentlich oder handelt es sich nur um eine vorübergehende Erscheinung?

Mit Hilfe des guten alten Kicker-Almanachs sehen wir uns mal Herthas Pokal-Geschichte an:

Seit dem ersten Spiel 1935 („Tschammer-Pokal“), das 2:1 in Bitterfeld gegen den örtlichen VfL gewonnen wurde (auswärts!!!), hat Hertha bis zum Sieg gegen den FSV Frankfurt 164 Spiele bestritten (einschließlich Wiederholungs- oder Rückspielen), wobei es 58 Heimspiele, 103 Auswärtsspiele und 3 Finalspiele in Hannover gab. Gemein! Allerdings relativiert sich die Ungerechtigkeit, wenn man bedenkt, dass seit geraumer Zeit die Mannschaften ab der dritten Liga Heimrecht haben und wenn Hertha dann gleich mal ausscheidet, es quasi unmöglich ist, ein Heimspiel zu haben. Trotzdem gibt es ein Übergewicht an Auswärtsspielen, das sich statistisch in hundert oder zweihundert Jahren den Regeln der Wahrscheinlichkeit entsprechend sicher ausgleichen wird. Nützt uns natürlich momentan nichts, wenn das dritte Spiel hintereinander gegen einen Zweitligisten als Auswärtsspiel gelost wird.

Wenn über Herthas Pokalkomplex philosophiert wird, kann es sich nur um die letzten zwanzig Jahre handeln, da die meisten Anhänger sowieso nicht weiter zurückdenken (können). Insgesamt hat Hertha nämlich 92 Siege errungen, bei 11 Unentschieden (es gab ja zeitweise Hin- und Rückspiele und kein Elfmeterschießen, sondern Wiederholungsspiele, wenn es nach 120 Minuten Unentschieden stand) und 60 Niederlagen (wobei hier, entgegen sonstigen Statistiken, Spiele, die erst im Elfmeterschießen entschieden wurden, als Sieg oder Niederlage gewertet wurden). Ein Spiel fehlt: 1938 verzichtete Hindenburg Allenstein in der zweiten Runde und Hertha war kampflos weiter. Vorbildlich faire Einstellung der Ostpreußen!

Im Ligaalltag wäre dieses Sieg-Unentschieden-Niederlage-Verhältnis ein 4. – 7. Platz. Also sooo schlecht ist Herthas Pokalbilanz gar nicht.

Herthas beste Pokaljahre und die Pokalspiele seit 1990 sehen wir uns im nächsten Blog mal genauer an.

Überkreuzvergleiche im Fußball

Überkreuzvergleiche gehen im Fußball gar nicht, es sei denn, sie machen die eigene Mannschaft besser, als sie ist.

Was geht: Bayer Leverkusen spielt den FC Barcelona an die Wand und ereicht mit viel Pech nur ein Unentschieden. Hertha schlägt ein paar Tage davor Leverkusen, demnach ist Hertha besser als Barcelona. Toll!

Was gar nicht geht: Hertha spielte in Frankfurt unentschieden, Darmstadt gewann in Frankfurt, demnach gewinnt Darmstadt am Wochenende gegen Hertha! So nicht! Obwohl: Wenn der Co-Trainer Widmaier Teile der Mannschaft öffentlich herunterputzt, weil sie im Training am Mittwoch keine Lust hatten (es hat ja auch genieselt) und sagt, dass sie gegen Darmstadt so keine Chance hätten, muss man wohl mit dem Schlimmsten rechnen. Außerdem: Hertha ist schließlich die Mannschaft, die immer dann verliert, wenn man es nach Form und Tabellenstand nie und nimmer erwartet hätte (selten übrigens auch umgekehrt). Wir sollten uns auf eine gerechte Punkteteilung einigen. Und wenn Sandra Wagner-„Fußballgöttin“ für Darmstadt trifft, ist man ihm auch nicht böse, hat er sich in den wenigen Minuten, die er für Hertha jeweils spielen durfte, doch immer voll reingekniet. Wie in Stuttgart: Spät eingewechselt – Siegtor geschossen – vom Platz geflogen!

P.S.: Leider haben uns die Leverkusener wegen ihrer Abschlussunfähigkeit ein schönes Weihnachtsgeschenk versaut: Ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Champions-League-Sieger-Besieger-Besieger“ wäre sicher gut gegangen. Oder in Darmstadt gar: „Champions-League-Sieger-Besieger-Besieger-Besieger“.…

Manfred Lunk und Otto Rehhagel

Woran merkt man, dass man alt wird? Wenn man offensichtlich der Einzige ist, der einen Sachverhalt aus dem vorigen Jahrtausend korrekt darstellen kann. Nun ist das alte Jahrtausend zwar erst 15 Jahre alt (oder 16, je nach Spitzfindigkeit), reicht aber immerhin bis ins finstere Mittelalter des Jahres 1000. Keine Angst, soweit wollen wir nicht zurückblicken, sondern wir betrachten nur den Urschleim der kürzlich ein Jahr lang sich selbst feiernden Fußball-Bundesliga.

Auf der Mitgliederversammlung von Hertha BSC am 30.11.2015 wurde Manfred Lunk für stolze 60 Jahre Vereinsmitgliedschaft geehrt. Ehre wem Ehre gebührt. Unwidersprochen wurde behauptet (und diese Behauptung wird im Protokoll auf der offiziellen Homepage des Vereins wiederholt), dass er noch mit der kürzlich verstorbenen Hertha-Ikone Helmut Faeder und Otto Rehhagel zusammen auf Torejagd gegangen sei. Hoppla, denkt da der alte Herthaner, der seit dem ersten Spieltag immer im Stadion ist! Den kenne ich ja gar nicht! Und wenn ich ihn nicht kenne…Aber man kann sich ja irren (in diesem Falle eigentlich nicht, aber man will schließlich nicht arrogant erscheinen…). Also nachgegoogelt: Kein Eintrag für Manfred Lunk. Eine Seite mit allen Bundesligaspielern aufgerufen: Es gibt zwar einen Michael Lumb (spielt jetzt beim VfL Bochum) oder auch einen Lars Lunde (in den Achtzigerjahren beim beliebten FC Bayern) aber keinen Manfred Lunk. Puuuh…nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt.

Also, um die Weltgeschichte vom Kopf auf die Füße zu stellen: Es gibt Manfred Lunk (sonst wäre er nicht geehrt worden), vielleicht hat er auch für Hertha gespielt, die Stadtligazeiten der Fünfziger kenne ich aus biologischen Gründen nicht. Eventuell hat er auch mit Helmut Faeder zusammengespielt, definitiv nicht aber mit Otto Rehhagel, der ja erst zum Bundesligastart 1963 bei Hertha anheuerte.

Völlig unwichtig? Stimmt! Aber bin ich wirklich der Einzige, dem das auffällt?

Das leichteste Spiel des Jahres

In die Partie von Hertha gegen die Bayern können auch Herzkranke völlig entspannt hineingehen: Die Statistik, die, wie wir alle wissen, niemals lügt, spricht eine eindeutige Sprache: Die Bayern haben mittlerweile in 50 Jahren und 13 Spielen 1002 mal gewonnen und dabei 3.688 Tore geschossen. Die arme Tante Hertha kommt in 32 Jahren plus 13 Spielen auf 399 Siege bei 1560 Toren. In den Spielen gegeneinander konnte Bayern von 60 Spielen 35 gewinnen, bei 17 Unentschieden und 8 Hertha-Siegen. In München gab es aber nur einen einzigen Sieg für die Blau-weißen, nämlich im vorigen Jahrtausend, am 29.10.1977. Vor 19.000 Zuschauern (!) im wahrscheinlich zugigen und verregneten Olympiastadion siegte Hertha nach Toren von Grau (29.) und Gersdorff (89.) mit 2:0. Man kann grob geschätzt sagen, dass die Hälfte der lebenden deutschen Fußballfans noch nie einen Hertha-Sieg in München erleben durfte. Zeit genug, das zu ändern.

Andere Kennzahlen gefällig? Bei Bayern absolvierten 25 Spieler 2906 Bundesligaspiele und 20 Spieler haben 851 Länderspiele absolviert. Die Erfahrungswerte bei Hertha: 28 Spieler haben 1844 mal in der Bundesliga gespielt und 13 Spieler bestritten 355 Länderspiele (vor Beginn der Saison). Egal, ob wir uns die Anzahl der Eckbälle pro Dekade, nationale und internationale Erfolge, Umsätze für verkaufte Spielertrikots oder die Menge der eingefleischten Lederhosenträger ansehen: Bayern wird in allen Bereichen manchmal mehr, manchmal weniger weit von den Zahlen der Herthaner entfernt liegen. Nicht umsonst liegt die Wettquote bei Herthas neuem Sponsor bei 19:1 für einem Hertha-Sieg. Aber…wenn man sich die letzten beiden Spiele in München ansieht, war Hertha beim 2:3 sehr nah und beim 0:1 im vorigen Jahr auch nicht weit weg von einer Überraschung. Warum sollte es diesmal nicht soweit sein? Und es ist ja so einfach: Mit allem, was besser als ein 0:4 ist, kann man gut leben…

Reisen bildet oder Eine Auswärtsfahrt mit den Ultras

Dass Reisen bildet, ist allgemein bekannt. Dass eine simple Auswärtsfahrt nach Hannover mit einer Gruppe Hertha-Ultras aber so viele neue und interessante Erkenntnisse auf den verschiedensten Gebieten des Lebens vermitteln würde, konnte man vorher beim besten Willen nicht erwarten. Sehen wir uns die Sparten der Erkenntnisgewinnung an:

Genussmittel:

Natürlich wird auf Auswärtsfahrten bei Fußballern (wahrscheinlich auch bei Volleyballern, in jedem Fall auch bei Eishockeyfans) mal ein Bier getrunken. Und seien wir ehrlich: Meist wird ziemlich viel gesoffen. Und zwar so viel, dass bei etwas intensiverer Kontrolle kein einziger Fan ins Stadion gelassen werden dürfte, wenn die Vereine ihre Hausordnungen ernst nehmen würden. Überraschend war aber, dass noch mehr, schneller und intensiver getrunken wurde, als es nach den althergebrachten bürgerlichen Sitten und Gebräuchen überhaupt vorstellbar ist. Schon in Dreilinden wurde die erste Pinkelpause gefordert, denn was rein fließt muss auch irgendwann wieder raus fließen. Die Kurve der Druckbetankungsgeschwindigkeit flachte aber mit fortdauernder Zeit nicht etwa ab, sondern blieb auf hohem Level, wenn sie nicht sogar langsam anstieg. Das wirklich Überraschende war aber, dass mehr als ein Mitreisender den Alkoholkonsum bei weitem für nicht ausreichend ansah und sich, sowohl vor der Abfahrt als auch auf dem ersten Rastplatz, für eine interessante Assamblage aus Bier, Schnaps und THC-haltigen rauchbaren Genussmitteln entschied. Die Wirkung dieser Zusammenballung von Drogen verschiedenen Kalibers ist wissenschaftlich zwar noch nicht beschrieben, geschweige denn erforscht, konnte aber auf der Busfahrt recht gut empirisch wahrgenommen werden. Besonders der Gesang wurde in allen seinen Facetten nachhaltig gefördert.

Musik:

Die oben genannte Stimulation hatte zur Folge, dass das Liedgut („Niedersachsen-hässlich und verwachsen“ oder auch das beliebte „Wir sind die Hauptstädter-asoziale Hauptstädter“) zwar mit äußerster Intensität und Ausdauer (4 Stunden Hinfahrt, 2 Stunden Stadionaufenthalt, 4 Stunden Rückfahrt) dargeboten wurde, durch die leichten Koordinationsmängel des gesamten limbischen Systems aber nicht eine einzige Note auf den Punkt getroffen wurde und zwar was sowohl die Tonhöhe als auch rhythmische Genauigkeit angeht. In einiger Entfernung im Stadion selber relativierten sich die Ungenauigkeiten in der Darbietung des Liedguts im übrigen und schätzungsweise in einer Entfernung Erde-Mond würden die Lieder als Gesang durchzugehen eine gewisse Chance haben.

Neurologie:

Dass Menschen, die alle ihre Sinne durch Zufügung externer Präparate intensiv unter Spannung setzen, in ihrer Wahrnehmungsfähigkeit gewisse Ausfälle haben, ist verständlich. Erstaunlich, dass die meisten Probanden trotzdem verstanden, dass sie ein Fußballspiel gesehen hatten, bzw. im Stadion, in dem ein Fußballspiel stattgefunden hatte, anwesend gewesen waren. Außerdem wussten viele, wer gegen wen gespielt hatte und einige der Härtesten hatten sogar das Ergebnis in seiner ganzen Pracht mitbekommen. Einzelheiten konnte man natürlich nicht erwarten. Dass die Nachwirkungen der sich zugefügten Betäubungen dazu führten, Zeit und Raum zu vergessen, ist auch jedem Nichtwissenschaftler klar. Einige Mitreisende waren insofern auf der Rückfahrt nicht mehr Mitreisende, da sie vergaßen, dass eine Rückfahrt auch irgendwann einmal einen Anfang haben muss. Und da dieser Anfang zu einer Zeit stattfand, als sie noch im Stadion feierten, wobei hier unklar bleiben muss, was dieses harmlose Wort in diesem Falle wohl bedeuten mag, mussten sie sich eine andere Möglichkeit der Heimfahrt ausdenken.

Politik:

Spät in der Nacht, gegen zwei Uhr, waren zwar die meisten naturwissenschaftlichen Experimente mit dem eigenen Körper abgeschlossen, die sozialwissenschaftliche Komponente sollte aber auch nicht zu kurz kommen: Eine interessante Diskussion über Freundschaften im Milieu der Jugendlichen mit Migrationshintergrund, gipfelte in der Feststellung, dass man RTL-Fernsehen doch nicht ansehen dürfe. Allerdings habe dies nichts mit der Qualität der angebotenen Sendungen zu tun, sondern mit den Besitzverhältnissen des Senders. RTL gehöre doch Bertelsmann, sei also ein Judensender. Ob dies allein ein Qualitätsmaßstab sei und ob die Behauptung überhaupt stimme und wenn ja, welche Bedeutung dies habe, wurde in der Kleingruppe des Seminars nicht mehr diskutiert. Es sei hier betont, dass nicht behauptet werden soll, dass dies die Meinung aller Mitreisenden sei. Sie schien aber auch nicht gerade Widerspruch der wenigen noch wachen Zuhörer herauszufordern.

Fazit: Der Erkenntnisgewinn der Reise auf naturwissenschaftlichem und sozialpolitischem Gebiet erwies sich als außerordentlich hoch. Außerdem hat Hertha 3:1 gewonnen und ist nach dem 12. Spieltag Vierter! Alles andere ist eigentlich zweitrangig…

Karneval und Strafe für Andreasen: Der liebe Gott muss Kölner sein…

Die Kölner selber wissen es ja schon lange, aber dem unbedeutenden Rest der Welt ist es erst jetzt klargeworden: Der liebe Gott muss wirklich ein Kölner sein. Relativ pünktlich zum Beginn der närrischen Zeit zeigt Gott (vielleicht auch nur sein kleiner Bruder, der Fußballgott), dass es noch so etwas wie Gerechtigkeit in der ungerechtesten aller Sportarten, dem Fußball, gibt.

Leon Andreasen, dänischer Profi in Diensten von Hannover 96, erzielte vor einigen Wochen das unverschämteste Handtor seit Maradonas Geniestreich 1986 gegen unsere englischen Freunde. Und was tut der Fußballgott? Sieht sich das eine Weile an, tut so, als wenn alles in Ordnung wäre, und schlägt dann hart aber gerecht zu: Leon Andreasen kann an den entscheidenden Play-off-Spielen zwischen Dänemark und Schweden nicht teilnehmen, weil er sich an eben jener bösen Hand, die den Kölnern eine bittere Niederlage bescherte, eine „erhebliche Schnittverletzung“ zwischen Daumen und Zeigefinger, die operativ versorgt werden musste, selbst zugefügt hat!

Selber Schuld, wer nicht an göttliche Fügung glaubt. Und obwohl „Ira“ = Zorn (Wut, Rachsucht) bei Katholiken zu den sieben Todsünden gehört, feiern die Kölner ihren Karneval jetzt noch ein bisschen ausgelassener…

Ibisevic und der gnädige DFB…

Das ist ja mal eine gute Nachricht: Der Sportgerichtsvorsitzende Hans E. Lorenz sperrt Ibisevic nur für vier Spiele und setzt nach Herthas Einspruch nicht noch einen drauf! Das aber freundlicherweise nur deshalb, weil Ibisevics Foul als „rohes Spiel“ gewertet wurde.

„Rohes Spiel“? Es gab in der Bundesligageschichte so einige Male „rohes Spiel“: Siegmann gegen Lienen, Augenthaler gegen Völler, Kölns Springer gegen Rehmer, alles brutale Fouls, die halbjährliche Verletzungen der Gegner zur Folge hatten. Und zuletzt die Kniezertrümmerung des Schalkers Johannes Geis an André Hahn, die mit einer lächerlichen 5-Spiele-Sperre belohnt wurde.

Aber Ibisevics Foul soll „rohes Spiel“ gewesen sein? Es war zweifellos ein Foul, sogar ein schweres Foul, das mit gelb bis dunkelgelb korrekt bestraft worden wäre. Auch glatt Rot ist keine Fehlentscheidung, obwohl Ibisevic zwar schnell, aber von der Seite und nicht mit offener Sohle angriff. Nach anfänglichem Schmerzensschrei, der das Dach der Arena ins Wanken brachte, spielte der Gefoulte problemlos weiter. Ergo: zwei Spiele Sperre für Ibisevic und niemand würde ein Wort darüber verlieren. Wenn aber ein Geis fünf Spiele und ein Ibisevic vier Spiele Sperre erhält, obwohl ihre Vergehen soweit auseinander liegen wie eine Backpfeife und ein Atomkrieg, muss man achselzuckend erkennen, dass der ewigen Geschichte von der Schalker Bevorzugung und der Hertha-Benachteiligung durch den DFB ein weiteres Kapitel hinzugefügt wurde…