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Drei Punkte gegen Ingolstadt?

Wenn man sich die Statistik ansieht, ist alles ganz einfach: Die sehr übersichtliche Bilanz der Spiele von Hertha gegen den FC Ingolstadt 04 seit 1963 (und wahrscheinlich auch davor, denn wo sollte es da Berührungspunkte gegeben haben?) einschließlich der Vorgängervereine MTV Ingolstadt (zwei Jahre 2. Liga) und ESV Ingolstadt (d.h. „Eisenbahnsportverein“, ebenfalls zwei Jahre 2. Liga) zeigt, dass Hertha am Sonnabend gewinnen wird. Von sieben Spielen gewann Hertha vier bei drei Unentschieden, Torverhältnis 10:4. Wenn man die Durchschnittsergebnisse (laut „bulibox.de“) der Hertha-Heimspiele gegen Ingolstadt von 1,67 : 0,67 hochrechnet, müsste es also einen 2:1-Sieg für Hertha geben. Das werden wahrscheinlich auch die meisten Herthaner tippen, wenn man von den weltfremden Fans absieht, die immer vor dem Spiel die Tabellenplätze betrachten und ein „folgerichtiges“ 5:0 vorhersagen, wenn der 6. gegen den 15. spielt. Mit ansteigendem Alkoholpegel wird auch gerne mal ein 7:0 vorhergesehen, in den zweistelligen Bereich wagen sich nur die mutigsten Trinker vor.

Die letzten guten Spiele der Schanzer und die eher ernüchternden Auftritte der Hertha betrachtet, würde auch ein anderes Ergebnis nicht allzu sehr überraschen, oder, wie Freiburgs Trainer Streich vor dem Spiel behauptete, die Wahrscheinlichkeit, dass die Serie nach langer Dauer reißen wird, steige von Spiel zu Spiel. Und so kam es ja auch gegen Freiburg.

Gegen Ingolstadt sollte Hertha aber, um die gefürchtete Rückrunden-Abwärtsspirale zumindest zu verlangsamen (nächste Gegner: Gelsenkirchen und Bayern! Da muss man nicht zwingend punkten), drei Punkte einfahren, und sei es auch auf die in letzter Zeit so oft beschworene „schmutzige“ Art und Weise. Ein schönes Spiel muss niemand erwarten. Auf drei Punkte kann man aber immerhin hoffen. Lassen wir doch einfach den Mittelteil unseres geliebten Leitbildes weg: „We try – we win!“

Hat Hertha in Leverkusen eine Chance?

Um obige Frage seriös beantworten zu können, nehme man den Kaffeegrund des letzten Vollmondfrühstücks und spiegele ihn in einer Glaskugel. Wie man das Bild interpretiert, ist allerdings noch nicht mit letzter Sicherheit entschieden worden. Also schieben wir es, wie es Trainer Pal Dardai in den Abschlusspressekonferenzen meist zu tun pflegt, auf die gute alte Tagesform. Insofern ist die Frage also erst nach dem Spiel zu beantworten, genauso wie Sepp Herberger anno dazumal einen Journalisten abkanzelte, der ihn nach der Spieltaktik fragte. „Wenn Sie die Taktik während des Spiels nicht erkennen, erkläre ich sie Ihnen hinterher gerne…“

Nehmen wir zur Hilfestellung die harten Fakten: In 20 Spielen hat Hertha in Leverkusen viermal gewonnen, viermal Unentschieden gespielt und zwölfmal verloren. Deshalb sollte man nicht allzu viel erwarten, zumal die Mannschaften und ihre Fähigkeiten nach der Winterpause eher Wundertüten gleichen.

Vielleicht kann die Frage nach der Leistungskonstanz von erster zu zweiter Saisonhälfte ein bisschen zur Klärung beitragen: Wir wissen zwar, dass Hertha in letzter Zeit einige Male in der Rückrunde eingebrochen ist, aber genauso, wie man sich an das Wetter vom vorigen Jahr nicht mehr erinnern kann, ist es ja auch mit den Tabellenständen der letzten zehn Jahre. Hier die Fakten seit der Saison 2006/07:

 

Saison             Punkte Hinrunde        Punkte Rückrunde     Punkte gesamt

2006/07                      27                               17                               44

2007/08                      20                               24                               44

2008/09                      33                               30                               63

2009/10                        6                               18                               24

 

2011/12                      20                               11                               31

 

2013/14                      28                               13                               41

2014/15                      18                               17                               35

2015/16                      32                               18                               50

2016/17                      30+x

 

Es ist also keine Einbildung, sondern beruht auf  eindeutigen Zahlen, wenn man feststellt, dass Hertha in den letzten acht Erstligajahren siebenmal in der Rückrunde weniger Punkte holte, als in der Vorrunde. Nur Friedhelm Funkels Aufholjäger holten 2010 dreimal so viele Punkte in der zweiten Saisonhälfte, was bei sechs Hinrundenpünktchen allerdings auch nicht allzu schwierig war. Gereicht hat’s dann ja trotzdem nicht… Viermal ist die Mannschaft in der Rückrunde regelrecht eingebrochen! Es handelt sich bei den „schwachen Rückrunden“ also keineswegs nur um ein Gefühl!

Was sagt uns das für dieses Jahr und das Spiel gegen Leverkusen? Richtig: Überhaupt nichts. Die Tagesform entscheidet…

Nun also doch…

Was vor einigen Wochen nach den ersten Verlautbarungen wie ein vorweihnachtlicher Scherz klang, ist jetzt zur bitteren Realität geworden: Nein, es ist hier nicht von Donald Trumps Wahl zum US-Präsidenten die Rede, sondern von der mindestens genauso irrwitzigen Aufstockung des FIFA-WM-Teilnehmerfeldes auf 48 Mannschaften.

Alleine die Vorrunde mit 16 Dreiergruppen könnten mich in den Wahnsinn treiben, wenn nicht Methode dahinterstecken würde. Alle, die die Gnade der frühen Geburt erfahren haben, erinnern sich noch mit Schrecken an die Dreier-Zwischenrunden bei der WM 1982 in Spanien. Dreiergruppe hieß ja auch drei Spiele, für jedes Team also zwei. Wenn man eines vergeigte, hatte man keine Chance mehr. Nun aber scheidet ja nur der Dritte und Gruppenletzte aus. Fein, denkt da der Funktionär aus dem Niger und hofft auf eine Gruppe mit Deutschland und Rumänien, bei der er, egal wie die ersten beiden Spiele auch enden mögen, im zweiten Spiel seiner Mannschaft eine schnelle Million verdienen kann. Wenn Rumänien einen hohen Sieg gegen den Niger benötigt: Bitteschön, könnse haben. Wenn Deutschland aber will (weil das erste Spiel gegen Niger in die Hose ging), dass gegen Rumänien höchstens Unentschieden gespielt wird: Gegen ein kleines Aufgeld, das Franz Beckenbauer als anwesender Privatmann, falls er nicht vorübergehend im Gefängnis sitzen sollte, diskret in der Hotelbar in einer Kiste bester kubanischer Zigarren überreichen kann, ist ein Unentschieden kein Problem. Dreiergruppe – geht gar nicht. Und genau diese Konstellation werden wir 2026 sechzehn Mal erleben. Dass es eine k.o.-Runde mehr als bisher gibt, erhöht zwar die Spannung, falls nach den lähmenden Vorrundenspielen noch jemand Interesse haben sollte, ist aber kein Ausgleich für den Unsinn davor. Dann doch gleich auf die Qualifikation verzichten und mit allen FIFA-Mitgliedsverbänden in guter alter Europapokal-Tradition nur k.o-Runden (anfangs in Hin- und Rückspielen) stattfinden lassen. Das sind 8 Runden mit 256-128-64-32-16-8-4-2 Teilnehmern, wobei es in der ersten Runde für die Weltranglistenführenden Freilose gibt und die eigentliche WM mit der 64-er Runde begänne. Sport-Spiel-Spannung. Der Phantasie der Funktionäre sind kaum Grenzen gesetzt. Schließlich gibt es ständig neue Staaten (Südsudan…), die auch eine zukünftige Ausweitung des Teilnehmerfeldes garantieren. Und jeder neue Staat hat das gleiche Stimmrecht wie Deutschland, Frankreich oder Italien. Streng nach demokratischen Regeln…

Muss Hertha in der Winterpause Spieler kaufen?

Bei der fast erfolgreichsten Hinrunde in Herthas Bundesligageschichte erübrigt sich obige Frage eigentlich. Außerdem hat Hertha bis jetzt auch die Ausfälle der besten Spieler, Darida und Weiser, sowie zum Schluss Langkamp und Brooks, problemlos weggesteckt, was die Ergebnisse angeht. Dass die Spielkultur gelitten hat und Hertha oft mit Mühe, also „schmutzig“, gewann, interessiert nur am Rande.

Jetzt wurde Jens Hegeler verkauft, was immerhin 300.000 € Ablöse und ca. 500.000 € Gehaltsersparnis einbringt. Hegeler hat die hohen Erwartungen nie erfüllen können, die man von ihm als Mittelfeldspieler hatte. Zu phlegmatisch, mit technischen Mängeln behaftet, war er im Mittelfeld meist eine Enttäuschung. Er hatte allerdings einige gute Spiele als Innenverteidiger, wo er mit gutem Stellungs- und sehr gutem Kopfballspiel zuletzt gegen Darmstadt sogar glänzte. Schade, dass er gerade jetzt gehen muss/will. Andererseits drängen die jungen Wilden aus Herthas Nachwuchs mit Macht nach vorne. Hoffentlich bereut man aber den Wechsel nicht in der Rückrunde, wenn wieder einige Innenverteidiger ausfallen.

Eventuell wird auch noch Baumjohann abgegeben, der, für uns Außenstehende völlig unverständlich, keine Rolle mehr bei Hertha zu spielen scheint. Besonders nach Daridas Ausfall hätte Baumjohann erste Wahl sein müssen. Aber nach seinen beiden Kreuzbandrissen war wohl seine Leistungsfähigkeit eingeschränkt und der Trainer weiß sowieso alles besser, wofür die 30 erreichten Punkte eine eindeutige Sprache sprechen.

Vielleicht sollte man sich bei Hertha mit den freiwerdenden Geldern um den Ex-Hannoveraner Kiyotake bemühen, der in England, wie man hört, nicht so ganz zufrieden sein soll. Kiyotake stand angeblich schon zu Saisonbeginn auf Manager Preetz’ Einkaufszettel. Schaden könnte seine Verpflichtung nicht, ob sie nötig ist, steht auf einem anderen Blatt…

Herthas beste Hinrunde aller Zeiten?

Die Datenbanken der Fußball-Bundesliga quellen über. Jeder noch so unwichtige Fakt wird gesammelt, statistisch aufbereitet und mit den Vorjahren oder auch nur Novembertagen mit Schneefall und Vollmond in der ersten Monatshälfte verglichen, dass uns Hören und Sehen vergeht. Und wenn behauptet wird, dass noch nie ein Ersatzspieler in den ersten 20 Sekunden nach seiner Einwechslung drei Eigentore geschossen hat, so glauben wir das ungeprüft. Auch wenn alle 16.230 bisher ausgetragenen Bundesligaspiele in alle ihre Facetten zerlegt, zerhackt und abgespeichert sind, bleibt ein Restzweifel, ob nicht hier und da ein kleiner Fehlerteufel sein Unwesen treibt (abgesehen davon, dass die Daten aus den ersten 40 Jahren Bundesliga nur äußerst bruchstückhaft vorliegen, oder behauptet jemand zu wissen, wie häufig in der Rückrunde der Saison 82/83 gegen die Heimmannschaften von südwestdeutschen Schiedsrichtern in der zweiten Halbzeit Abseits gepfiffen wurden?).

Hertha spielt eine zwar nicht immer hochklassige aber doch äußerst erfolgreiche Hinrunde! Ungeprüft wird seit einiger Zeit behauptet, dass dies die beste Hinrunde aller Zeiten für Hertha ist. Also recherchieren wir auf die gute alte Art und Weise, indem wir den Staub von den Zeitungsartikeln vergangener Jahrzehnte wegpusten und uns anschließend auf die Suche nach Tabellen des 16. Spieltags machen. Und siehe da:

1969/70, als Hertha am Saisonende unter Fiffi Kronsbein Dritter wurde, lag die Mannschaft auf dem 4. Tabellenplatz mit 9 Siegen, 3 Unentschieden und 4 Niederlagen (genau wir in dieser Saison) und 25:17 Toren, d.h. minimal besser als dieses Jahr, bei gleicher Punktzahl und 24:16 Toren. Auch 2008/09, in der Fast-Meister-Saison unter Lucien Favre, gab es 30 Punkte nach 16 Spielen (bei etwas schlechterer Tordifferenz mit 23:20 Toren). Einmal gab es noch 29 und zweimal 28 Punkte, aber das nur nebenbei. Die Journalisten, die die Aussage von der besten Hertha-Hinrunde unters Fußballervolk werfen, haben entweder keine zuverlässige Datenbank oder es handelt sich einfach um eine Behauptung, weil man davon ausgeht, dass sich niemand die Mühe macht, die Aussage zu überprüfen. Wahrscheinlich gibt es gar keine Möglichkeit, abzurufen, wie viele Punkte eine Mannschaft jeweils (in 54 Bundesligajahren) an einem bestimmten Spieltag hatte.

Fassen wir es so zusammen: Auch in früheren Zeiten gab es erfolgreiche Hertha-Mannschaften (und wenn Hertha nicht in Leverkusen gewinnt, war die 08/09-er Hinrunde mit 33 Punkten sowieso besser) und es ist sehr beruhigend zu wissen, dass Skepsis gegenüber dem unsäglichen Zahlenwust, der uns Woche für Woche um die Ohren fliegt, durchaus angebracht ist…

Ralf Rangnick und der Burnout

Ralf Rangnick ist ein brillianter Trainer und Sportdirektor. Er hat, seit er im großen Fußball tätig ist, jeden Verein mit modernem Fußball geprägt und sein Konzept immer systematisch durchgesetzt. Ein intelligenter Mensch, der wegen seiner Brille und den Gedichten, die er früher in der Kabine anpinnte, natürlich mit dem Beinamen „Professor“ leben musste. Es gibt sicher schlimmere Formen des Mobbings.

Aber Rangnick ist auch als jemand bekannt, der für Geld seine Mutter hinter ihrem Rücken fürs Dschungelcamp anmelden und dies als Projekt zur eiweißhaltigen Ernährung von Senioren verkaufen würde. Die Vereine Hoffenheim und RB Leipzig passen deshalb bestens zu seinem Ego, denn dass Herr Mateschitz, Erfinder und Gründer der Werbeveranstaltung namens RB Leipzig, ein Fußballfan ist, der laut Rangnick mit Herzblut dabei ist, ist schon jetzt der Lacher der Saison. Wenn Mateschitz seinen Verein gegen Hertha zum fünften Mal im Stadion sah, wohlgemerkt nicht in dieser Saison, sondern seit der Gründung im Jahre 2009, trifft der Begriff „Fan“ die Sache genau so, als wenn ein Dartspieler behauptete, er trinke kein Bier.

Rangnick und Mateschitz: Ein Team, zu dem Fußballtrditionalisten sicher keine zwei Meinungen haben können. Völlig unabhängig davon ist der Fußball, den Leipzig spielt, denn der ist ehrlich, geradlinig und modern. Hertha erstarrte vor Ehrfurcht, wie sonst nur vor den Bayern. Mit 5 bis 15 m Abstand zum gegnerischen Spieler kann man selbst gegen technisch weniger beschlagene Fußballer keinen Blumentopf gewinnen. Hertha schlecht, Leipzig gut, das Ergebnis ist folgerichtig und hätte eigentlich höher ausfallen müssen. Kein Grund, Ralf Rangnick eine Krankheit an den Hals zaubern zu wollen. Wenn man jemanden, berechtigt oder unberechtigt, unsympathisch findet, gibt es eine schöne Berliner Redewendung: „Bloß nich ignoriern…“

Neues vom Stadionbauprojekt in Absurdistan

Herthas Sportvorstand hat eine Machbarkeitsstudie für ein neues Stadion in Auftrag gegeben. Interessanterweise nicht an unabhängige Gutachter, sondern an Architekten, welche mit Sicherheit nicht zu dem Ergebnis kommen werden, dass ein Neubau überflüssig, teuer und auch nicht machbar sei, weil sie mit einem denkbaren Auftrag schließlich viel Geld verdienen könnten. Insofern steht das Ergebnis der sagenumwobenen Studie schon fest.

Dass der Senat kein (billiges) Bauland zur Verfügung stellen wird, ist ebenso klar, denn wer ist schon so blöd und enteignet sich quasi selber, was ja der Fall wäre, wenn das Olympiastadion nicht mehr von Hertha genutzt werden würde. Andererseits könnte man darüber nachdenken, das Olympiastadion relativ schnell verfallen zu lassen und es als Filmkulisse oder modernes Colosseum zu vermarkten. In Rom kommen sicher mehr als die derzeitigen 300.000 Besucher des Olympiastadions pro Jahr ins Colosseum. Für andere Nutzungszwecke könnte man auch in München recherchieren (Motocross) oder das ganze abdichten und voll Wasser laufen lassen um ein weiteres Glied in der Grunewaldseenkette zu generieren. Mit exotischen Wassertieren bestücken (whalewatching!!!) oder eine Karpfenzucht für den silvesterlichen Festtagsschmaus wären ebenfalls denkbare Möglichkeiten. Die Politik muss entscheiden, was ihr mehr Geld in die Kasse und Anerkennung bringt: Kreativ mit dem Erbe der Vorväter umgehen oder alles beim guten Alten lassen.

In Wolfsburg waren rund 3000 Herthafans, die 53 Minuten mit dem ICE von Spandau aus benötigten und im engen, modernen Fußballstadion eine euphorisierende Atmosphäre herstellten. Wenn das neue Stadion in Ludwigsfelde oder Oranienburg mit einer Zuschauerkapazität von ca. 6000 errichtet wird, hat man immer eine geniale Stimmung im Laden, braucht die Bahnanschlüsse nicht zu verändern (3 S-Bahnen oder 2 Regionalzüge übernehmen den Transport aus Berlin in 20-30 Minuten), man hat immer 100 % Stadionauslastung und es dürfen maximal 600 Gästefans zusehen (10 % der Zuschauerkapazität). Außerdem schließt man Randalierer über den Eintrittspreis aus, Saisonkarten für 100 € gehören dann der Vergangenheit an. Der Topzuschlag (94 € für ein Ticket gegen Bayern München) ist dann Normalität. Im Idealfall kaufen Sponsoren alle Eintrittskarten vorher auf und verteilen sie an Geschäftsfreunde. In Rio hat das bei den Olympischen Spielen gut funktioniert: Alle Veranstaltungen waren ausverkauft und die Stadien wurden nicht so stark belastet, da kaum jemand zusehen konnte.

Es gibt viele Möglichkeiten, seine Anhängerschaft zu verprellen. Wenn es um ein neues Stadion geht, sollte es, wie bei wichtigen und unwichtigen Fragen (SPD-Kanzlerkandidat!) heute fast schon die Regel, eine Urabstimmung der Vereinsmitglieder geben. Mal sehen, was dabei herauskommt…

Nach wie vielen Jahren beginnt Tradition?

Jetzt ist es endlich soweit: Die Bayern sind nicht mehr Tabellenführer! Und trotzdem ist es einigen Zeitgenossen wieder nicht recht. Zur derzeitigen Situation an der Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga wurden extra eine Reihe von Redensarten oder Sprichwörtern erfunden: „Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben“, „Vom Regen in die Traufe kommen“, „Die Wahl zwischen Pest und Cholera haben“ und was es dergleichen noch so gibt. „Die dümmsten Bauern ernten die größten Kartoffeln“ passt hier wohl nur bedingt, und trifft auch die derzeitige Platzierung des HSV nur ansatzweise.

Letztlich kann es uns als Fußballanhänger egal sein, ob die Privatmannschaft eines Brausefabrikanten oder der Verein, der Hertha BSC 1932 als Deutschen Meister entthronte, die Liga dominiert. Gegen einen Verein Hass zu entwickeln und manchmal auch in Form von Angriffen umzusetzen, erscheint mir so unsinnig, wie gegen zu starken Regen zu demonstrieren. Das Klagen gegen Unabänderliches ist genauso überflüssig wie gegen eine entsprechende Empfindung („Wann wird es endlich wieder Sommer…“).

Natürlich ist eine Liga mit Werks- oder Werbevereinen nicht schön. Aber vermisst jemand ernsthaft „Traditionsvereine“ wie Arminia Bielefeld, den 1.FC Saarbrücken, Kickers Offenbach oder gar den 1. FC Kaiserslautern? Immerhin würde bei letzterem Verein die Redewendung vom Teufel und dem Beelzebub einen gewissen Sinn ergeben…

Hertha auf St. Pauli – „irgendwie“?

Hertha fährt in der zweiten Pokalrunde als Tabellenzweiter der Bundesliga zum Tabellenletzten der 2. Liga. Wenn dem anreisenden Herthafan und dem Leser der Boulevardpresse das Spiel wie ein Vergnügungsausflug vorkommt, bei dem nur die Höhe des Ergebnisses strittig ist, gruselt es den Anhänger mit jahrzehntelanger Erfahrung schon fünf Stunden vor Anpfiff. Erfolgstrainer Pal Dardai sagte, dass sie früher, also als er selbst noch Spieler war, „irgendwie“ zu den Pokalspielen gefahren sind, d.h., ohne spezielle Vorbereitung nach dem Motto: “Spuilts halt Fußball…“ Wenn das wirklich stimmt, und die Ergebnisse der meisten Pokalrunden der letzten zwanzig Jahre sprechen durchaus dafür, hätte der geneigte Anhänger noch im Nachhinein ein Anrecht auf Schadensersatz und Schmerzensgeld. Dieses wird nicht einklagbar sein, und so müssen wir unser Bier heute Abend schon selber bezahlen, auch wenn es eins mehr wird, weil es eine Verlängerung gibt und auch, wenn es noch ein Schnaps mehr wird, weil es Elfmeterschießen gibt. Aber, und das wird wirklich anders sein als früher: Die Herthaner haben bestimmt Elferschießen geübt, weil sie nicht „irgendwie“ ans Millerntor fahren, sondern gut vorbereitet sind und wissen, dass man gegen St.Pauli auch verlieren kann, weshalb eine Niederlage schon etwas weniger wahrscheinlich als früher ist…

WM-Qualifikation: Richtung Russland nichts Neues

Richtige Überraschungen blieben am dritten Spieltag der neudeutsch sogenannten „european qualifiers“ aus, denn die Heimniederlage Hollands gegen Frankreich und das Auswärtsunentschieden Englands in Slowenien sind ja angesichts der Unbeständigkeit beider Nationalteams nicht außergewöhnlich zu nennen. Das beliebte deutsche Fußballlied „Ohne Holland – fahr’n wir nach Russland“ muss übrigens, damit Takt- und Versmaß stimmen, auf der letzten Silbe betont werden, was sich zwar sonderbar anhört, des übergeordneten Ziels wegen aber leider nicht zu ändern ist. Herr Blind (wenn er Schiedsrichter wäre, böten sich wunderbare Scherze mit seinem Namen an) wird wohl nicht mehr lange Bondscoach bleiben und in England müsste wohl Jürgen Klopp die Three Lions übernehmen, um auch nur in die Nähe von Erfolg zu kommen, aber der will ja irgendwann Jogi Löw ablösen, der spätestens nach einer eventuellen Titelverteidigung 2018 beifall- und tränenumrauscht abtreten wird (und im wesentlich wahrscheinlicheren Falle der Nicht-Titelverteidigung sowieso).

Ansonsten gilt das Gegenteil vom früheren Postulat des Kaisers, der ja die „Kleinen“ eine Vorqualifikation spielen lassen wollte: Es gibt kaum noch „Kleine“, fast alle Ergebnisse sind äußerst knapp, wie z.B. Mazedonien – Italien 2:3 (in der Nachspielzeit!), Israel- Liechtenstein 2:1, Andorra – Schweiz 1:2, Tschechien – Aserbaidschan gar 0:0, Polen – Armenien 2:1. Über Island – Türkei 2:0 wundern wir uns nach der EM sowieso nicht mehr. Einzig die Färöer und Gibraltar fallen mit jeweils 0:6 gegen Portugal bzw. Belgien etwas aus der Rolle. In den Tabellen spiegeln sich die knappen Ergebnisse natürlich nicht wider, und Aserbaidschans zweiter Platz in der deutschen Gruppe C dürfte auch nicht von allzu langer Dauer sein. Mal abwarten, wie sich Löws Truppe in Baku schlagen wird. Bisher gab es dort ein 2:0 und ein 3:1. Zumindest im nächsten Spiel, in San Marino, dürfte es keine Probleme geben. Dort gab es 2006 ein 13:0 mit 4 Toren von Lukas Podolski. Aber damals war die Chancenverwertung auch nicht das Problem der Nationalmannschaft. Rekordsieg ist übrigens immer noch das 16:0 gegen das im vorrevolutionären Koma liegende Russland am 1.7.1912. Ob die Russen dieses Spiel auch in ihrer Länderspielstatistik führen…?