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UEFA-Euro 16: Vieles neu, macht der Juni…

Es gibt wirklich einige Charakteristika bei dieser Europameisterschaft, die wir aus früheren Jahrzehnten nicht kennen: Es kommt zum Beispiel immer mal vor, dass ein zweiter Ball auf dem Spielfeld ist, weil ein Balljunge schläft oder sich mit seinem Smartphone beschäftigt. Dass aber zehn Mal während eines Spiels, wie in der letzten Woche gesehen, ein zweiter Ball auf das Spielfeld fliegt, darf getrost als Rekord fürs Guiness-Buch angemeldet werden. Ebenso das massenhafte Zerreißen der Schweizer Trikots im Spiel gegen Frankreich. Es war ja schon eine oft geäußerte Idee, die Trikots genau so herzustellen, um das Trikotziehen besser erkennen zu können. Zu verbessern wäre noch, dass sich der Fetzen ganz löst und dem Sünder auch an der Hand kleben bleibt, um die Gelbe Karte auch zielgerichtet verteilen zu können. Gestern erhielt jedenfalls kein Franzose Gelb wegen Trikotzerrens, obwohl vier, nach Fußball-Woche-Recherche sogar sieben Trikots an die Forschungsabteilung von Puma geschickt werden müssen.

Eine weitere Besonderheit der EM ist der absurde Zustand des Rasens in einigen Stadien. Das Geläuf sieht teilweise aus wie die Grundlinie in Wimbledon am Ende des 14-tägigen Turniers nach wochenlanger Trockenheit. Vielleicht handelte es sich beim ausgelegten Rasen um die Sorte „Savanne-Outback“, mit der Namibia- oder Australienfreunde im heimischen Kleingarten die Illusion verbrannter Erde am Ende der Trockenzeit simulieren wollen. Zum Glück laufen keine Giraffen und Zebras in den Stadien herum!

Rein fußballerisch ist die Häufung der spät erzielten Tore auffällig. Schade einerseits, aus Sicht der Underdogs, dass ihre aufopferungsvolle Verteidigungsarbeit nicht belohnt wird (u.a. Rumänien gegen Frankreich, Wales gegen England, Tschechien gegen Spanien), schön andererseits, dass die Gerechtigkeit im Fußball eben doch, wenn auch selten, siegt.

Extrem unschön ist das in jedem Spiel mehrfach beobachtete treten auf den Spann des Gegners, das nur in Ausnahmefällen die zwingend gebotene Gelbe Karte nach sich zog. Entweder handelt es sich um eine neue Unart, den Gegner zu demoralisieren, oder es ist durch die Schnelligkeit und das enge Pressing in Hochgeschwindigkeit zu erklären, dass diese Foulart Hochkonjunktur hat. Eine andere Erklärung wäre die früher in dieser Form nicht so häufig eingesetzte Superzeitlupe, die uns jetzt zeigt, was es schon immer gab, wir aber als dumme Fernsehzuschauer oder Stadionbesucher nur nicht gesehen haben.

Auch zu Beginn des dritten Spieltages sieht es nicht nach einer großen Überraschungs-EM aus: England, Spanien, Italien, Kroatien, Frankreich heißen die Favoriten, eventuell Deutschland, das man ja angeblich immer so lange auf der Rechnung haben muss, bis der Mannschaftsbus das Stadion verlassen hat. Aber, trotz alledem: Island und Ungarn dürfen nicht vergessen werden…

Die Suche nach dem EM-Favoriten

Der sogenannte 1. Spieltag der Fußball-Europameisterschaft ist fast absolviert. Bis auf Österreich, Ungarn, Portugal und Island haben alle Mannschaften einen ersten Eindruck hinterlassen. Da man nicht davon ausgehen kann, dass Österreich oder Ungarn die EM gewinnen, kann man eine erste Bilanz ziehen: Die überzeugendste Leistung boten meines Erachtens die Kroaten, mit einem unermüdlichen Antreiber Modric, einem großartigen Außenspieler Perisic und einem Arbeiter im Sturmzentrum namens Mandzukic. Überraschend gut die Italiener mit dem ewigen Buffon und gewohnt effektivem, hervorragendem Konterspiel. Recht gut auch die Engländer, aber man weiß ja, dass sie keinen Titel holen werden und wer nicht mal gegen enttäuschende Russen gewinnen kann… Frankreich mit Glück, Spanien mit nervtötender Überlegenheit und Geduld, aber nicht mit der Frische früherer Tage, Belgien scheint keine Mannschaft zu sein und Polen ideenlos gegen biedere Nordiren. Die deutsche Mannschaft schließlich recht ordentlich, auch wenn es in der Abwehr noch nicht stimmt, aber es ist bekannt, dass sie sich als Turniermannschaft steigern kann und wird. Portugal wurde nicht mal im eigenen Lande Europameister und wird es trotz oder wegen CR7 schwer haben, ins Halbfinale zu kommen. Wenn Kampfkraft das Hauptmerkmal des kommenden Europameisters wäre, könnte es eigentlich nur wenige Gewinner geben: Die Einstellung der Spieler von Wales und Irland war ehrlich und aufopferungsvoll, echten Fußballfans geht das Herz auf, wenn man sie arbeiten sieht. Und vielleicht werden die Isländer, die ja ähnlich spielen, die ganz große Überraschung des Turniers…

Schlechte Chancen für Deutschland

Bei der Europameisterschaft in Frankreich stehen die Chancen für die deutsche Nationalmannschaft nicht zum Besten. Dabei geht es gar nicht um die sehr durchwachsenen Ergebnisse der letzten beiden Jahre (von den spielerischen Leistungen wollen wir gar nicht erst reden) und die Probleme mit den verletzten Stammspielern wie Gündogan, Schweinsteiger und Boateng (Reus wird sicher noch kurzfristig ausfallen). Nein, es geht in erster Linie um die statistische Tatsache, dass ein amtierender Weltmeister in der Regel nicht Europameister wird. Nur zwei Mal in der 52-jährigen Geschichte der Europameisterschaften mit bisher 14 Europameistern (1960 bis 2012) gelang es Teams im Anschluss an die WM bei der EM erfolgreich zu sein (umgekehrt übrigens auch!).  Frankreich wurde 1998 Weltmeister und 2000 Europameister, ebenso wie Spanien 2008 und 2010. Erst Europameister und dann Weltmeister wurden Deutschland (1972 und 1974) und wieder Spanien (2008 und 2010). Die Leistungen der deutschen Mannschaft geben keinen Anlass zu der Vermutung, dass es einen dritten Doppeltriumph geben könnte. Auch die Spanier sind wohl über ihren Zenit hinaus. Frankreich als Heimmannschaft, die starken Engländer (wenn es nicht zu einem Elfmeterschießen kommt), die ewigen Italiener und der genauso ewige Geheimfavorit Belgien sind wohl die Favoriten. Polen könnte eine Überraschungsmannschaft werden und vielleicht machen Österreich, die Schweiz oder Russland den Griechen die Sensation von 2004 nach. Ist Otto Rehhagel noch irgendwo als Trainer aktiv…?

Den siebenten Platz als Vorteil nutzen…

Nun gut, der siebente Platz von Hertha, mit 15 Punkten mehr als im Vorjahr, ist aller Ehren wert. In einem Jahr hat Hertha sozusagen die Steigerung für drei Jahre im Schnelldurchlauf geschafft. Was nicht heißt, dass das so weiter gehen wird. Im Gegenteil, leichte Rückschläge sind nicht ausgeschlossen, auch, bzw., gerade weil Hertha eventuell in der Europaleague spielen wird. Obwohl Hertha erst in der dritten Qualifikationsrunde ins Geschehen eingreifen wird, kommen zwei Quali-Spiele, im Siegfall zwei Play-Off-Spiele und dann eventuell sechs Gruppenspiele, also zehn Spiele auf die Mannschaft zu. Das kann für die Hinrunde schon eine Belastung darstellen, die nicht so leicht weggesteckt werden kann, obwohl ja vielleicht wieder einige Spiele im Pokal eingespart werden, wenn man in Runde 1 oder 2 ausscheidet, um eine unselige Tradition, 2015/16 kurz unterbrochen, wieder aufleben zu lassen.

Sportdirektor Preetz hat schon eine moderate Aufstockung des Kaders angekündigt, jedoch klugerweise betont, dass die Mannschaft in großen Teilen zusammenbleiben wird. Vielleicht gelingt es ja wieder, ein oder zwei Spieler zu verpflichten, die den Verein voranbringen können, z.B. den Hannoveraner Kiyotake. Ansonsten ist Kontinuität das Gebot der Stunde, Weiterentwicklung der jungen Spieler (Weiser, Stark, Brooks, Plattenhardt, Mittelstädt…), intelligente Vorbereitung, indem aus der Not eine Tugend gemacht wird und die Euro-League Qualifikations-Spiele in das Aufbautraining einbezogen werden. D.h., dass eine nicht ganz so harte körperliche Vorbereitung notwendig ist, um zum Bundesligastart, im Gegensatz zu vielen anderen Mannschaften, schon über Spielpraxis zu verfügen und topfit zu sein. Dann muss der siebente Platz gar kein Nachteil sein…

Herthas übliche Rückrunde

Wie neulich, Mitte April, von mir vorausgeahnt, scheint Hertha wirklich die letzten fünf Saisonspiele am Stück zu verlieren. Um diese Leistung zu erreichen ist nur noch eine Niederlage in Mainz nötig, was nach dem Stand der Dinge ja machbar sein müsste. Alle suchen, rätseln, fragen jetzt, warum Hertha die Champions-League-Teilnahme verspielt hat und vielleicht sogar in der Vorbereitungszeit gegen einen montenegrischen Meister (Rudar Pljevlja?) oder slowenischen Vizemeister (NK Celje?) in der Europa-League-Qualifikation nachsitzen muss. Die Fußball-Woche versucht es psychologisch und meint, dass die Leistungen in den Keller gingen, „…als das Denken anfing!“ Der Trainer spricht der Mannschaft neuerdings sogar die bisher immer hochgelobte Mentalität ab und vermisst die bei ihm selbst damals übliche Aggressivität. Dabei ist die Lösung doch ganz einfach und die Wahrheit liegt, wie immer seit Otto I., auf dem Platz: Hertha ist schlichtweg nicht so gut, wie es der Tabellenplatz ein halbes Jahr lang suggerierte. Man blieb trotz mittelmäßigster Rückrunde nur deshalb so lange Dritter, weil die anderen auch patzten. Ein gutes Spiel gegen Dortmund, ein überragendes gegen Schalke, eine gute erste Halbzeit gegen Bayern und eine starke zweite in Leverkusen. Der Rest riss nicht von den Sitzen, war nicht immer schlecht aber nur selten überdurchschnittlich. Insgesamt holte Herta in der Rückrunde in 16 Spielen 17 Punkte: Das ist die Ausbeute eines Absteigers! Die neuen Leistungsträger Darida und Weiser sind am Ende ihrer Kräfte (vielleicht war die Vorbereitung doch einen Tick ZU hart?), die Abwehr ist nicht mehr stets souverän (Langkamp, Stark und Brooks haben zwar größtes Potenzial, sind aber nicht mehr, wie in der Hinrunde, fehlerfrei) und Kalou läuft wieder im Modus des Vorjahres uninspiriert über den Platz. Allerdings, und das ist anders als in der letzten Saison: Er läuft wenigstens…

Immerhin: Mit einem unerwarteten Sieg in Mainz wird man Fünfter, bei einer Niederlage eher Siebenter. Bei der kicker-Fan-Umfrage vor der Saison erhielt Hertha bei der Frage nach den direkten Absteigern die viertmeisten Nennungen (hinter Darmstadt, Ingolstadt und dem HSV) und auch bei der Relegations-Prognose lag Hertha nach dem HSV an zweiter Stelle. So viel zum Thema Prognose und Realität.

Nur der siebente Platz in der Saison 2015/16? Nein! Großartige, weil gänzlich unerwartete Leistung!!!

Eine besondere Spezies: der Bayern-Fan

Wenn man zum Olympiastadion fährt, wohlgemerkt dem Berliner, nicht dem Münchener, und gefühlte 80 % der sich im S-Bahn-Waggon drängelnden Menschen offensichtlich Bayern-Fans sind, und dies auch arrogant den Gegner verunglimpfend herausposaunen, kommt man schon ins Grübeln. Wo kommen all’ diese Roten her? Die reisen doch nicht aus München an, schon aus Sorge, nach überqueren des Weißwurscht-Äquators nur unangemessene Speisen und Getränke angeboten zu bekommen. Aber überall in Deutschland scheint sich in den letzten Jahrzehnten der weiß-rote Bayern-Bazillus ausgebreitet zu haben, wie die Zika-Mücke in Brasiliens Abwasserkanälen. Offensichtlich handelt es sich bei diesen Menschen um entwurzelte arme Seelen, die abgesehen vom wochenendlichen Bayern-Sieg, nicht viel Freude am Leben haben.

Natürlich habe ich als kleiner Junge auch die Sechziger auf ihrem Europapokaltriumphzug 1964/65 fasziniert vor dem Fernsehgerät begleitet, genauso wie 1966 die Dortmunder Borussen und ein Jahr später die Bayern. Aber man wird doch nicht Fan einer Mannschaft, dessen Heimstätte 600 km entfernt liegt, nur weil diese Mannschaft immer gewinnt! Oberflächlichkeit in Zeiten der Globalisierung (Chinesen als Fans von Manchester United!), der Drang, stets auf der Seite der Gewinner der Geschichte zu sein, unabhängig von Herkunft und Beziehung zum Verein (niemand der nicht Hannoveraner ist, würde auf die absurde Idee kommen, Hannover 96 auf ein Auswärtsspiel nach Ingolstadt zu begleiten) und die Unfähigkeit vieler Menschen auch mal durch ein vierzig Jahre dauerndes Tal der Tränen zu gehen und trotzdem seinem Verein treu zu bleiben, sind wohl die Ursachen für die Event-Fan-Unkultur der europäischen Spitzenvereine. Seit Nick Hornby wissen wir, dass ein echter Fan auch leiden können muss. Ich würde gerne wissen, wie viele der Bayern-Schreihälse vom letzten Sonnabend noch „Fans“ wären, wenn Bayern drei Jahre hintereinander nur Dritter bis Fünfter werden würde. Wahrscheinlich würden sich viele Rot-weiße Atletico Madrid anschließen, weil sie da die Farben nicht wechseln müssten.

Apropos Atletico Madrid: Erstmals in fünfzig Jahren Europapokal am Fernseher drücke ich einer deutschen Mannschaft nicht bedingungslos die Daumen. Klammheimliche Freude im Gedenken an die Schmähgesänge in der S-Bahn könnte ich bei einem Ausscheiden der Bayern im Halbfinale nicht ausschließen…

Herthas logisches Pokal-Aus

Hinterher ist man natürlich immer schlauer. Aber hätten Pal Dardai und Rainer Widmeyer, die sicher mehr Ahnung vom Fußball im Allgemeinen und Hertha im Speziellen haben als der Schreiber dieser Zeilen, nicht wissen müssen, dass es eine Schnapsidee ist, einen Jens Hegeler (in gewissen Fußball-Kneipen auch „das Hegerle“ genannt) hinter den Spitzen als „Spielmacher“ fungieren zu lassen? Hegeler hat gute Spiele für Hertha als Sechser, besonders aber als Innenverteidiger abgeliefert, aber als Zehner? Hegeler war ungefähr so kreativ im Spiel wie sich eine Drahtbürste zum Brillenputzen eignet. Er joggte im Altherrentempo über den Platz und war beim ballführenden Dortmunder erst angelangt, als der Ball schon zwei Stationen weiter gewandert war. Auch das Festhalten am seit Wochen schwächelnden Haraguchi erscheint nicht der Weisheit letzter Schluss zu sein.

Alles das ist natürlich nicht der Grund für Herthas deprimierende Niederlage. Dortmund war einfach atemberaubend präsent. Fakt ist außerdem, dass die Mannschaft gegen Schalke das letzte gute (überragende!) Spiel gemacht hat. Seitdem ist die Abwehr unsicher, das defensive Mittelfeld nicht mehr nah genug am Mann, nach vorne ist Darida offenbar überspielt und mit seinen Kräften am Ende und Kalou hat sich wieder an sein mäßiges Niveau des Vorjahres angenähert. Ursache: Unbekannt. Vielleicht rächt sich jetzt die (über-)harte Vorbereitung und das laufintensive Spiel der Mannschaft. Vielleicht ist es nur eine normale Phase in der Saison. Wahrscheinlich kennen die Trainer die Gründe für den Leistungsabfall auch nicht. Hertha spielte ängstlich und der angekündigte Kampf war nur in kurzen Phasen des Spiels auszumachen. Es wäre kein Wunder, wenn Hertha auch die letzten vier Saisonspiele verlieren würde! Trotzdem, und das ist die Pointe dieses Witzes, würde Hertha höchstwahrscheinlich Siebenter werden, da Wolfsburg kaum zehn Punkte bei zwölf zu vergebenden aufholen wird.

Und das könnte einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde bedeuten: Hat sich jemals eine Mannschaft für einen Europapokal qualifiziert, die in den letzten sieben Saisonspielen nicht mehr gewonnen hat? Wohl kaum…

Will denn außer Hertha niemand Dritter werden?

Hertha erlebt in der Rückrunde den erwarteten Leistungseinbruch. Zwar wurden immerhin 17 Punkte in zwölf Spielen erkämpft (gegenüber 20 in den ersten 12 Spielen der Hinrunde), aber das ganze Gefüge stimmt nicht mehr (wenn man vom Spiel gegen unsere Gelsenkirchener Freunde, der besten Saisonleistung, absieht). Die Herthaner können verlieren wie sie wollen, die Konkurrenz will den dritten Tabellenplatz nicht übernehmen. Selbst nach der Niederlage in Gladbach mit folgendem Unentschieden gegen den Tabellenletzten zieren sich die anderen. Alle verlieren netterweise auch oder holen einen dürftigen Punkt (Ausnahme Leverkusen, aber die patzen bestimmt zuhause gegen Frankfurt, so dass Hertha auch nach einer möglichen Niederlage in Sinsheim weiter Dritter bleiben würde).

Mit 49 Punkten aus 29 Spielen Dritter zu sein, ist übrigens schon eine Leistung der besonderen Art: In den letzen acht Jahren hatte der Dritte nach dem 29. Spieltag zwischen 50 (Leverkusen in 12/13) und 57 Punkten (Schalke in 11/12). Ansonsten hatte der Dritte 51, zweimal 53, zweimal 54 und einmal 55 Punkte. Dreimal war Schalke Dritter, dreimal Leverkusen, einmal Hannover (!) in 10/11 und einmal Bayern (hinter Hertha in 08/09!!!).

Immerhin wäre man mit 49 Punkten dreimal Vierter, viermal Fünfter und einmal 6.-8. gewesen, je nach Torverhältnis. Also: sooo schlecht sind 49 Punkte nicht, für die Qualifikation zur Europa League hätte es stets gereicht.

Selbst wenn Hertha alle fünf restlichen Spiele verliert, werden sie mit größter Sicherheit noch Siebenter, da Wolfsburg nicht 10 Punkte bei 15 zu vergebenden aufholen wird. Und außerdem kommt ja noch Bayern nach Berlin, da wird wenigstens ein Sieg in jedem Fall drin sein…

Braucht Hertha ein neues Stadion?

Hertha ist Dritter und keiner geht hin? Die Zuschauerresonanz ist enttäuschend: Wenn ein Verein, der im Vorjahr fast abgestiegen wäre, jetzt oben mitspielt, müsste die Hütte eigentlich regelmäßig voll sein. Früher war es so: Gewann Hertha auswärts und lag im oberen Tabellendrittel, kamen 60.000 bis 80.000 Zuschauer zum nächsten Heimspiel ins Stadion zu „ihrer“ Hertha. Verlor Hertha allerdings auswärts und bewegte sich in unteren Tabellenregionen, gingen auch mal (speziell im Winter) nur 10.000 zu „diesen Pfeifen“. Heute kommen immer, wenn nicht gerade Bayern oder Dortmund aufkreuzen, oder der HSV 15.000 Leute mitbringt, um die 40.000, was dann mit den Rausreißern einen 50.000-er Schnitt bedeutet. Mal etwas mehr, mal etwas weniger. Die Ursachen für dieses Phänomen sind bekannt:

Veränderung der Bevölkerungsstruktur („Aussterben“ des typischen Westberliners, stattdessen Zuzug von Bundesdeutschen, die aber alle ihren Lieblingsverein unter dem Herzen tragen und nicht Herthaner werden, nur weil sie statt Rundstück oder Weckle jetzt Schrippen kaufen!).

Eintrittspreise, die sich nicht jeder leisten kann und will, auch wenn, mit England oder einigen anderen Bundesligisten verglichen, die Preise noch moderat sind.

Früher musste man ins Stadion gehen, heute ist für viele die Fernsehübertragung ausreichend…

Und nun kommen Neunmalkluge, die meinen, wenn man ein neues Stadion baut und das Olympiastadion verlässt, ändert sich die Situation grundlegend und die Arena ist jedes Mal ausverkauft. Naiv! Denn die oben angesprochenen Gründe für’s Nichterscheinen der Massen bleiben ja bestehen. Natürlich würde man in einer reinen Fußballarena bessere Sicht haben und vielleicht könnte ein guter Architekt so viele Toiletten planen, dass man nicht minutenlang anstehen muss, um sich ein Urinal zu erkämpfen. Eventuell wäre sogar die Stimmung etwas besser, weil lauter und enger. Aber auf die Event-Zuschauer, die nur der Atmosphäre wegen ins Stadion gehen, oder weil es zum guten Ton gehört, kann ich gerne verzichten.

Tradition und Authentizität ist heute bei vielen echten Fußballfans zu Recht in aller Munde. Was hat mehr Tradition und was ist authentischer als das gute alte Olympiastadion? Von mir aus könnten sie auch wieder die Anzeigetafel mit Steckbuchstaben und Zahlen installieren, aber vielleicht sollte man mit der Besinnung auf alte Zeiten auch nicht übertreiben…

Marc-André ter Stegen – zweiter Mann hinter Neuer?

Dass ter Stegen in seinen bisherigen Länderspielen jedes Mal die Hütte vollgekriegt hat – geschenkt. Er war schließlich nicht alleine Schuld, ein Torwart kann nicht viel besser sein, als die vor ihm spielende Abwehr. Und dass der abgefälschte Schuss kurz vor dem Ende des Länderspiels gegen Italien ins Tor ging, war ihm wirklich nicht anzulasten. Aber warum er drei Abstöße direkt ins Aus spielte und den Ball bei Rückgaben mehrfach verstolperte (er, der angeblich „großartige Fußballer“!) und damit Gefahren für das deutsche Tor heraufbeschwor, wird sein Geheimnis bleiben. Ist ter Stegen in der Nationalelf so verunsichert, dass seine Nerven stets blankliegen? Oder ist er wirklich so arrogant, wie es rein äußerlich den Anschein hat? Versucht er krampfhaft Sicherheit auszustrahlen, die er überhaupt nicht hat? Auf der Linie ist er ja kein schlechter Torhüter, sonst hätte er nicht für Barcelona 13 Spiele in der Champions-League einschließlich Finale in Berlin gespielt. Aber nichtsdestotrotz hat man bei ihm zumindest bei Rückgaben immer ein mulmiges Gefühl in der Magengegend, so als wenn einen auf der Autobahn bei Tempo 190 plötzlich das Rad eines Lastwagens überholt.

Es gibt mit Bernd Leno, Ralf Fährmann, Oliver Baumann, Kevin Trapp, Timo Horn und vor allem Ron-Robert Zieler eine Vielzahl von überragenden Torhütern in Deutschland. Warum muss man da auf den zerstreuten ter Stegen zurückgreifen?