Alle Beiträge von klaus b

Braucht Hertha ein neues Stadion?

Hertha ist Dritter und keiner geht hin? Die Zuschauerresonanz ist enttäuschend: Wenn ein Verein, der im Vorjahr fast abgestiegen wäre, jetzt oben mitspielt, müsste die Hütte eigentlich regelmäßig voll sein. Früher war es so: Gewann Hertha auswärts und lag im oberen Tabellendrittel, kamen 60.000 bis 80.000 Zuschauer zum nächsten Heimspiel ins Stadion zu „ihrer“ Hertha. Verlor Hertha allerdings auswärts und bewegte sich in unteren Tabellenregionen, gingen auch mal (speziell im Winter) nur 10.000 zu „diesen Pfeifen“. Heute kommen immer, wenn nicht gerade Bayern oder Dortmund aufkreuzen, oder der HSV 15.000 Leute mitbringt, um die 40.000, was dann mit den Rausreißern einen 50.000-er Schnitt bedeutet. Mal etwas mehr, mal etwas weniger. Die Ursachen für dieses Phänomen sind bekannt:

Veränderung der Bevölkerungsstruktur („Aussterben“ des typischen Westberliners, stattdessen Zuzug von Bundesdeutschen, die aber alle ihren Lieblingsverein unter dem Herzen tragen und nicht Herthaner werden, nur weil sie statt Rundstück oder Weckle jetzt Schrippen kaufen!).

Eintrittspreise, die sich nicht jeder leisten kann und will, auch wenn, mit England oder einigen anderen Bundesligisten verglichen, die Preise noch moderat sind.

Früher musste man ins Stadion gehen, heute ist für viele die Fernsehübertragung ausreichend…

Und nun kommen Neunmalkluge, die meinen, wenn man ein neues Stadion baut und das Olympiastadion verlässt, ändert sich die Situation grundlegend und die Arena ist jedes Mal ausverkauft. Naiv! Denn die oben angesprochenen Gründe für’s Nichterscheinen der Massen bleiben ja bestehen. Natürlich würde man in einer reinen Fußballarena bessere Sicht haben und vielleicht könnte ein guter Architekt so viele Toiletten planen, dass man nicht minutenlang anstehen muss, um sich ein Urinal zu erkämpfen. Eventuell wäre sogar die Stimmung etwas besser, weil lauter und enger. Aber auf die Event-Zuschauer, die nur der Atmosphäre wegen ins Stadion gehen, oder weil es zum guten Ton gehört, kann ich gerne verzichten.

Tradition und Authentizität ist heute bei vielen echten Fußballfans zu Recht in aller Munde. Was hat mehr Tradition und was ist authentischer als das gute alte Olympiastadion? Von mir aus könnten sie auch wieder die Anzeigetafel mit Steckbuchstaben und Zahlen installieren, aber vielleicht sollte man mit der Besinnung auf alte Zeiten auch nicht übertreiben…

Marc-André ter Stegen – zweiter Mann hinter Neuer?

Dass ter Stegen in seinen bisherigen Länderspielen jedes Mal die Hütte vollgekriegt hat – geschenkt. Er war schließlich nicht alleine Schuld, ein Torwart kann nicht viel besser sein, als die vor ihm spielende Abwehr. Und dass der abgefälschte Schuss kurz vor dem Ende des Länderspiels gegen Italien ins Tor ging, war ihm wirklich nicht anzulasten. Aber warum er drei Abstöße direkt ins Aus spielte und den Ball bei Rückgaben mehrfach verstolperte (er, der angeblich „großartige Fußballer“!) und damit Gefahren für das deutsche Tor heraufbeschwor, wird sein Geheimnis bleiben. Ist ter Stegen in der Nationalelf so verunsichert, dass seine Nerven stets blankliegen? Oder ist er wirklich so arrogant, wie es rein äußerlich den Anschein hat? Versucht er krampfhaft Sicherheit auszustrahlen, die er überhaupt nicht hat? Auf der Linie ist er ja kein schlechter Torhüter, sonst hätte er nicht für Barcelona 13 Spiele in der Champions-League einschließlich Finale in Berlin gespielt. Aber nichtsdestotrotz hat man bei ihm zumindest bei Rückgaben immer ein mulmiges Gefühl in der Magengegend, so als wenn einen auf der Autobahn bei Tempo 190 plötzlich das Rad eines Lastwagens überholt.

Es gibt mit Bernd Leno, Ralf Fährmann, Oliver Baumann, Kevin Trapp, Timo Horn und vor allem Ron-Robert Zieler eine Vielzahl von überragenden Torhütern in Deutschland. Warum muss man da auf den zerstreuten ter Stegen zurückgreifen?

Kiste vollhauen? Gerne!

Schalke 04 macht großflächig Reklame auf S-Bahnhöfen für die Kumpelkiste! Tolle Idee, in Berlin, der Stadt mit zweihunderttausend Arbeitslosen, Hartz IV-Empfängern und 50.000 Flüchtlingen allein im letzten Jahr, für Spenden zugunsten armer Menschen im Ruhrgebiet zu werben.

Natürlich gibt es auch in Berlin jede Menge wohlhabender oder reicher Gentrifizierer, denen eine Spende das schlechte Gewissen erleichtern würde. Nur dass diejenigen die Werbebanden nicht sehen werden, da sie kaum öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen pflegen. Und vielleicht könnten die Schalker Kumpels von Gazprom ja den einen oder anderen Rubel für soziale Zwecke rollen lassen, wenn sie das Fußball-Ballett schon mit 100 Millionen Euro (nicht Rubel!) subventionieren.

Die nette Aufforderung „Haut uns die Kiste voll!“ kann also nur so verstanden werden, dass Hertha am Freitagabend den Schalkern fünf Buden einschenkt. Könnte klappen, aber nur, wenn sie als faire Sportsmänner Ralf Fährmann zuhause beim Paketpacken lassen und zu zehnt antreten…

Neun Punkte in der englischen Woche?

Es gibt ja so allerhand überflüssige Statistiken im Fußball des gar nicht mehr so neuen Jahrtausends: Gewonnene Kopfballduelle wenn die Stollen hinten grün gefärbt sind, Anzahl der Steilpässe in der 60-80m-Zone wenn es in den letzten 17 Stunden mehr als 20 Minuten genieselt hat…Aber gibt es die wichtige Statistik, wer wie oft alle drei Spiele einer englischen Woche gewonnen hat? Bayern mal ausgenommen; wer immer gewinnt, gewinnt auch in der englischen Woche alle Spiele.

Wenn mich meine Erinnerungen aus den letzten 53 Jahren nicht täuschen, hat Hertha noch nie alle drei Spiele einer englischen Woche gewonnen. Aber ich kann mich irren.

In den ersten Bundesligajahren gab es noch keine Wochentagsspiele. Grund war, dass in den meisten Stadien noch keine Flutlichtanlagen zur Verfügung standen. Im Winter begannen die Spiele am Sonnabend um 13.30 Uhr, damit sie bei einbrechender Dämmerung kurz nach 15 Uhr beendet waren. In den späten Sechzigerjahren wurde auch im Olympiastadion eine moderne Flutlichtanlage errichtet, was wegen der speziellen Eigentumsverhältnisse nicht ganz einfach war. Der Bund zahlte, die Engländer waren durch alliierte Rechte „Besitzer“ des Reichssportfeldgeländes und Architekt Werner March sprach auch noch ein Wort mit. Einmal sah ich ein Freundschaftsspiel vor dem Bau der neuen Anlage im Dämmerlicht der Flugabwehrscheinwerfer, die im Umgang der Oberrings (ganz oben konnte man rund ums Stadion marschieren, von der Lücke im Marathontor mal abgesehen, da gab es 2000 Stehplätze der damaligen 85.000-er Kapazität) seit dem Krieg wahrscheinlich vergessen worden waren.

Englische Wochen waren in den Sechziger-/Siebzigerjahren auch deshalb nicht nötig, weil es viel weniger Spiele in der Saison gab, was Länderspiele und Europapokal anging. Erst mit der Aufblähung aller Wettbewerbe wegen der absurden Steigerung der Fernsehwerbung (1971 übertrug die ARD das legendäre Spiel Mönchengladbach gegen Inter Mailand (7:1) nicht, weil Werbebanden am Spielfeldrand aufgestellt wurden!) wurde der Rahmenspielplan eingeführt und dann auch immer häufiger Mittwochsspieltage.

Und? Hat Hertha schon mal alle drei Spiele einer englischen Woche gewonnen? Wenn der HSV morgen besiegt wird, haben sie es zumindest zum ersten Mal geschafft Und wir waren dabei…

 

Tabellen lügen nicht…

Das ist schon Irrsinn: Hertha BSC hat trotz teilweise recht ansehnlicher Spiele (gegen Dortmund, Wolfsburg und in Bremen) seit Ende der Winterpause eichhörnchenartig nur vier Pünktchen gesammelt und nimmt damit in der Rückrundentabelle vor Hannover (null Punkte) einen unangemessenen 17. Platz ein! Trotzdem liegt die Mannschaft auch nach fast einem Drittel der Rückrunde und insgesamt zwei Dritteln der Saison nach wie vor (oder: schon wieder) auf dem sensationellen dritten Platz! Wie das geht? Ganz einfach: Außer Bayern und Dortmund gibt es momentan keine andere Mannschaft, die zu konstanten Leistungen in der Lage wäre, egal ob es sich um Wolfsburg, Schalke, Leverkusen oder Mönchengladbach handelt. Wenn das so weitergeht, ist ein Europapokal-Startplatz (darf man eigentlich noch „Europapokal“ sagen?) nicht ausgeschlossen. Dafür müsste aber in Köln endlich mal wieder ein Sieg her. Ausgeschlossen ist das nicht. Insgesamt haben die Kölner von 30 Heimspielen gegen Hertha zwar 19 gewonnen (3 Unentschieden, 8 Hertha-Siege), in den letzten Jahren gab es aber fünf Hertha-Siege bei nur einem Sieg für Köln. Diese Serie sollte man ruhig ausbauen…

Hertha und der VfL Wolfsburg – ein Vergleich

Am Sonnabend versucht man bei Hertha die Frage zu beantworten, wo man steht: Kann man sich mit dem ersten Sieg im neuen Jahr in der Spitzengruppe festsetzen oder geht die Reise in Richtung Niemandsland der Tabelle (an drohende Abstiegsgefahr will man angesichts der schon erwirtschafteten 35 Punkte nicht so recht glauben).

Was sagt die Statistik? Wolfsburg ist die schwächste Auswärtsmannschaft der Bundesliga, aber: Wolfsburg hat gestern die heimstarken Genter in der Championsleague 80 Minuten lang vorgeführt. Andererseits haben sie ein Spiel mehr in den Knochen. Das bringt alles nichts für einen soliden Tototipp.

Vergleichen wir doch mal Wolfsburg mit Berlin. Im Einwohnerzahlranking deutscher Städte liegt Wolfsburg auf einem deprimierenden 56. Platz (123.000 E.) zwischen Gera und Würzburg, während Berlin wenigstens in diesem Bereich Spitzenreiter ist. Dafür verfügt Wolfsburg über das höchste Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner aller deutschen Städte, was für eine Vorhersage des Endergebnisses am Sonnabend auch eher unbedeutend ist (abgesehen davon, dass dieses BIP natürlich durch den VW-Konzern generiert wird, der wiederum in den letzten Jahren einige hundert Millionen Euro in den VfL gesteckt hat).

Es gibt aber auch eine Gemeinsamkeit von Hertha und dem VfL: Beide stiegen 1997 in die Bundesliga auf und schreiten seitdem Seit’ an Seit’ durch die Liga, zwei Zweitligajahre der Berliner mal ausgeklammert. Die Wolfsburger haben seitdem (Stand vor der Saison 15/16) in 612 Spielen 870 Punkte gesammelt, was 1,42 Punkte pro Spiel bedeutet. Hertha hat in 544 Spielen 753 Punkte erreicht, was 1,38 Punkte bedeutet. Wenn man jedoch die durchschnittliche Platzierung am Ende der Saison betrachtet, ist Wolfsburg mit seien 1,42 Punkten auf Platz 8,78 gelandet, Hertha hingegen mit den 1,38 Punkten auf Durchschnittstabellenplatz 8,75!

Das heißt? Hertha ist über die letzten 18 Jahre gesehen einen Hauch effektiver als die Wolfsburger!

Da das alles überhaupt nichts mit dem Spiel am Sonnabend zu tun hat, bleibt als Fazit: Wird ´ne enge Kiste, wahrscheinlich gibt’s ein Unentschieden…oder Hertha gewinnt…oder doch Wolfsburg…?

Hertha im Halbfinale: 1981-2016

„Betulicher Aufbau, langes Ballhalten und plötzlich geschickte Steilvorstöße aus einem massierten Mittelfeld heraus.“ Was wie die Beschreibung von Pal Dardais Taktik der Saison 2015/16 anmutet, ist dem Spielbericht des Halbfinals vom April 1981 entnommen, das Hertha 0:1 bei Eintracht Frankfurt (kurz vor Saisonende Tabellenfünfter) verlor. Hat sich so wenig im Fußball der vergangenen 35 Jahre geändert? Zumindest war die Zeit der Direktübertragungen noch nicht angebrochen. Man hörte Radio oder las am nächsten Morgen die Zeitung. Kein Vergleich mit dem heutigen Hype.

Aber was für große Namen der Bundesliga-Geschichte bei den Hessen: Pezzey, Sziedat, Körbel, Neuberger, Lorant, Borchert, Nickel, Nachtweih, Tscha u.a. Hertha spielte in der ersten Zweitligasaison nach dem unglücklichen Abstieg 1980 (zwei Tore weniger bei Punktgleichheit mit Bayer Uerdingen) mit: Quasten,- Brück, Wesseler, Ziegert, Gruler,- Mohr, Dickert, Okudera, Ehrmanntraut,- Remark, Killmaier (eingewechselt wurden Pagel und Jüttner). In der 30.Minute erzielte Tscha vor 25.000 Zuschauern das Tor des Tages, Hertha war über weite Strecken gleichwertig und ließ die eine oder andere Ausgleichschance liegen.

Das war das vorerst letzte von Herthas fünf Halbfinalspielen (dreimal gegen Eintracht Frankfurt), von denen vier auswärts stattfanden. Das einzige Heimhalbfinale gewann Hertha 1979 gegen Frankfurt 2:1. Man könnte, wenn man die Statistik positiv auslegen möchte, behaupten, dass Hertha bisher alle Halbfinals im Olympiastadion gewonnen hat. Das sollte man als gutes Omen für das Spiel gegen Dortmund mitnehmen. Und wenn man an das 0:0 vor wenigen Tagen gegen diesen Gegner denkt, kommt man zu dem Schluss, dass ein Sieg nicht unmöglich ist. Die besseren Chancen hatte eindeutig Hertha! Warum also nicht ein Sieg im Halbfinale? Und im Endspiel gegen Bremen ist alles möglich…

Vereinstreue auf neudeutsch…

Auf der aktuellen Hertha-homepage werden eine ganze Reihe junger Berliner Spieler aus dem Talenteschuppen von Hertha vorgestellt bzw. erwähnt: In vorderster Kampflinie natürlich John-Anthony Brooks, dessen Manager zwar ein halbes Jahr benötigte, um die unverbrüchliche Freundschaft zwischen Verein und Spieler zu erkennen, jetzt, nach Unterzeichnung des Vertrages, passt aber kein Blatt Papier zwischen beide Seiten. Als weitere Talente werden Nils Körber, Maximilian Mittelstädt und Florian Kohls genannt, die schon einen Profi-Vertrag haben. Shawn Kauter gehört ebenfalls in diese Kategorie, wie Marius Gersbeck, der den Verein „leider“ vorübergehend verlassen musste/wollte. Und manchmal trainieren auch die jungen Ruben Aulig, Leon Schaffran und Dennis Smarsch bei den Profis mit. Alle diese Spieler beschwören, wenn sie angesprochen werden, ihre Liebe zum blauweißen Verein, zu Berlin und vor allem zu den „geilen“ Fans aus der Ostkurve.

Die Halbwertszeit dieser Aussagen ist manchmal in Stunden, teilweise auch in Tagen, Wochen, Monaten zu messen: Ein Yanni Regäsel, der alle obengenannten Schwüre noch vor wenigen Wochen in der Öffentlichkeit ablegte, wird in dem Artikel nicht mehr erwähnt…

Merke: Glaube an die Sprüche der Spieler erst, wenn sie ihre Karriere beendet haben. Fritz Walter, Uwe Seeler, Charly Körbel, Pal Dardai! Oder aus Herthas aktuellem Kader: Fabian Lustenberger – alles keine Schwätzer, sondern Spieler, für die Vereinstreue nicht nur eine hingerotzte Momentaufnahme darstellt, sondern eine Lebensmaxime. Und bei Johnny Brooks würde es mich überhaupt nicht wundern, wenn sein neuer dreieinhalb-Jahre-Vertrag eher zum Hochtreiben der Ablösesumme gedacht ist, als Ausdruck eines Bekenntnisses zu Berlin zu sein…

Innenverteidiger verzweifelt gesucht!

Eigentlich sollte im Jahre 2016 die Sportwissenschaft so weit sein, dass es über Trainingsmethoden und -intensität keine zwei Meinungen mehr gibt. Dass das offensichtlich nicht so ist, hat uns am Sonnabend Pal Dardai im Aktuellen Sportstudio erklärt, als er sagte, dass ihn sein Athletiktrainer Kuchno entgeistert ansah, als er ihm in der Sommerpause seine Pläne für die Saisonvorbereitung zeigte. In der Hinrunde hat die hervorragende Fitness den Herthanern geholfen, ob sie in der Rückrunde unter fehlender Substanz leiden werden, wird man sehen.

Außerdem scheint die Trainingslehre keine Gewähr für richtig dosierte körperliche Belastung zu geben. Trainieren die Bayern zu viel oder zu wenig oder falsch, was die Abstimmung von Krafttraining (Muskulatur), Dehnungsübungen (Bänder, Sehnen) und Schnellkraft (Gelenke) betrifft. Es wäre zu untersuchen, welche Übungen Pep Guardiola bevorzugt bzw. vernachlässigt, um diese überdurchschnittliche Anzahl von Verletzungen zu produzieren. Hat Müller-Wohlfahrt doch recht? An der Europapokalbelastung liegt es in jedem Fall nicht, die kennen die Bayern seit Maier, Müller, Beckenbauer… Jüngstes Opfer der bayerischen Muskelschwäche wurde Jerome Boateng. Der Bundestrainer hisste die Flagge der Nationalmannschaft auf Halbmast, denn bei mindestens dreimonatiger Verletzungspause Boatengs ist der Frühling schon fast vorbei (Mitte April!!), wenn Boateng mit dem Training beginnen kann. Da dürfte er bis Anfang Juni kaum auch nur annähernd Normalform erreichen.

Und in ganz Fußballdeutschland gibt es keine Alternativen? Welch Armutszeugnis, so zu denken!

Was ist denn mit Robert Huth, der in der Premier League mit Leicester City an der Tabellenspitze herumkickt. Vielleicht könnte ein Bastian Scheinsteiger zum Ende seiner Karriere seinen Weg aus dem Angriff über das defensive Mittelfeld weiter nach hinten in die Innenverteidigung fortsetzen. Oder der Bundestrainer sieht mal weiter als 200 km von Freiburg aus nach Berlin, wo ein Sebastian Langkamp seit zweieinhalb Jahren mit hervorragendem Stellungs- und Kopfballspiel wesentlich mit dazu beigetragen hat, dass Herthas Deckung eine der besten der Bundesliga geworden ist. Das Manko fehlender internationaler Erfahrung muss nicht zwangsläufig entscheidend sein. Ein Norbert Eder hat genau neun Länderspiele absolviert. Die letzten sieben übrigens bei der Fußballweltmeisterschaft 1986. Mit seinem neunten Länderspiel stand er im Finale gegen Maradonas Argentinien…

Kommt jetzt Herthas üblicher Einbruch?

Sehen wir uns mal die letzten drei Erstligaspielzeiten der Hertha an:

Saison 11/12 unter Trainer Babbel Platz 10 mit 20 Punkten in der Hinrunde. In der Rückrunde kamen unter den Trainern Skibbe, Covic/Tretschok und Rehhagel noch 11 Punkte dazu, was bei 31 Punkten Relegationsplatz 16 mit dem berüchtigten Düsseldorfer Chaosspiel unter der Leitung des wie immer großartigen Schiedsrichters Stark bedeutete.

Nach dem erneuten Aufstieg hatte man unter Jos Luhukay im Winter 2013 sensationelle 28 Punkte und lag auf Platz 6. 13 Pünktchen kamen noch dazu, sodass es am Ende mit 41 Punkten zu einem soliden 11. Platz reichte.

In der vorigen Saison 14/15, als Luhukays Zaubermittel nicht mehr wirkten, holten die Blauweißen nur noch 18 Punkte in der Hinserie (Platz 13). In der Rückrunde erkämpfte sich die Mannschaft mit gefestigter Defensive (vorne half der liebe Gott nicht!) noch mal 17 Punkte, was immerhin bei 35 Punkten zu Platz 15 reichte und den HSV ins Relegationsglücksspiel zwang.

Ein derartiges Einbrechen ist diesmal weit und breit nicht in Sicht, obwohl ich fast um meinen Hertha-Schal wetten würde, dass erneute 32 Punkte nicht möglich sind, was ja in jedem Fall einen Champions-League-Platz bedeuten würde.

11/12 war es die unselige Auseinandersetzung zwischen Babbel und Preetz, die die Stimmung auch innerhalb der Mannschaft versaute und 13/14 war Luhukays penible Art bei den Spielern als Diktatur angekommen, was nicht eben leistungsfördernd war. Im vorigen Jahr war schließlich nur noch Schadensbegrenzung mit dem Duo Dardai/Widmayer gefragt, was ja auch gelungen ist.

Wenn nicht völlig Unvorhersehbares geschieht oder eine unglaubliche Verletzungsserie die Mannschaft schwächt, müsste es doch möglich sein, mindestens 18 Punkte zu holen, was zwar auch deutlich weniger als in der Hinrunde wäre, jedoch immer noch Platz 5 bis 8 bedeutete. Solch ein Saisonergebnis hätte vor Beginn der Spielzeit 15/16 jeder nicht Größenwahnsinnige liebend gern unterschrieben. Und wenn es doch schlechter kommen sollte, müsste man sich in der Vereinsführung mal Gedanken über ein anderes Winterquartier machen…