Das ist schon Irrsinn: Hertha BSC hat trotz teilweise recht ansehnlicher Spiele (gegen Dortmund, Wolfsburg und in Bremen) seit Ende der Winterpause eichhörnchenartig nur vier Pünktchen gesammelt und nimmt damit in der Rückrundentabelle vor Hannover (null Punkte) einen unangemessenen 17. Platz ein! Trotzdem liegt die Mannschaft auch nach fast einem Drittel der Rückrunde und insgesamt zwei Dritteln der Saison nach wie vor (oder: schon wieder) auf dem sensationellen dritten Platz! Wie das geht? Ganz einfach: Außer Bayern und Dortmund gibt es momentan keine andere Mannschaft, die zu konstanten Leistungen in der Lage wäre, egal ob es sich um Wolfsburg, Schalke, Leverkusen oder Mönchengladbach handelt. Wenn das so weitergeht, ist ein Europapokal-Startplatz (darf man eigentlich noch „Europapokal“ sagen?) nicht ausgeschlossen. Dafür müsste aber in Köln endlich mal wieder ein Sieg her. Ausgeschlossen ist das nicht. Insgesamt haben die Kölner von 30 Heimspielen gegen Hertha zwar 19 gewonnen (3 Unentschieden, 8 Hertha-Siege), in den letzten Jahren gab es aber fünf Hertha-Siege bei nur einem Sieg für Köln. Diese Serie sollte man ruhig ausbauen…
Hertha und der VfL Wolfsburg – ein Vergleich
Am Sonnabend versucht man bei Hertha die Frage zu beantworten, wo man steht: Kann man sich mit dem ersten Sieg im neuen Jahr in der Spitzengruppe festsetzen oder geht die Reise in Richtung Niemandsland der Tabelle (an drohende Abstiegsgefahr will man angesichts der schon erwirtschafteten 35 Punkte nicht so recht glauben).
Was sagt die Statistik? Wolfsburg ist die schwächste Auswärtsmannschaft der Bundesliga, aber: Wolfsburg hat gestern die heimstarken Genter in der Championsleague 80 Minuten lang vorgeführt. Andererseits haben sie ein Spiel mehr in den Knochen. Das bringt alles nichts für einen soliden Tototipp.
Vergleichen wir doch mal Wolfsburg mit Berlin. Im Einwohnerzahlranking deutscher Städte liegt Wolfsburg auf einem deprimierenden 56. Platz (123.000 E.) zwischen Gera und Würzburg, während Berlin wenigstens in diesem Bereich Spitzenreiter ist. Dafür verfügt Wolfsburg über das höchste Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner aller deutschen Städte, was für eine Vorhersage des Endergebnisses am Sonnabend auch eher unbedeutend ist (abgesehen davon, dass dieses BIP natürlich durch den VW-Konzern generiert wird, der wiederum in den letzten Jahren einige hundert Millionen Euro in den VfL gesteckt hat).
Es gibt aber auch eine Gemeinsamkeit von Hertha und dem VfL: Beide stiegen 1997 in die Bundesliga auf und schreiten seitdem Seit’ an Seit’ durch die Liga, zwei Zweitligajahre der Berliner mal ausgeklammert. Die Wolfsburger haben seitdem (Stand vor der Saison 15/16) in 612 Spielen 870 Punkte gesammelt, was 1,42 Punkte pro Spiel bedeutet. Hertha hat in 544 Spielen 753 Punkte erreicht, was 1,38 Punkte bedeutet. Wenn man jedoch die durchschnittliche Platzierung am Ende der Saison betrachtet, ist Wolfsburg mit seien 1,42 Punkten auf Platz 8,78 gelandet, Hertha hingegen mit den 1,38 Punkten auf Durchschnittstabellenplatz 8,75!
Das heißt? Hertha ist über die letzten 18 Jahre gesehen einen Hauch effektiver als die Wolfsburger!
Da das alles überhaupt nichts mit dem Spiel am Sonnabend zu tun hat, bleibt als Fazit: Wird ´ne enge Kiste, wahrscheinlich gibt’s ein Unentschieden…oder Hertha gewinnt…oder doch Wolfsburg…?
Hertha im Halbfinale: 1981-2016
„Betulicher Aufbau, langes Ballhalten und plötzlich geschickte Steilvorstöße aus einem massierten Mittelfeld heraus.“ Was wie die Beschreibung von Pal Dardais Taktik der Saison 2015/16 anmutet, ist dem Spielbericht des Halbfinals vom April 1981 entnommen, das Hertha 0:1 bei Eintracht Frankfurt (kurz vor Saisonende Tabellenfünfter) verlor. Hat sich so wenig im Fußball der vergangenen 35 Jahre geändert? Zumindest war die Zeit der Direktübertragungen noch nicht angebrochen. Man hörte Radio oder las am nächsten Morgen die Zeitung. Kein Vergleich mit dem heutigen Hype.
Aber was für große Namen der Bundesliga-Geschichte bei den Hessen: Pezzey, Sziedat, Körbel, Neuberger, Lorant, Borchert, Nickel, Nachtweih, Tscha u.a. Hertha spielte in der ersten Zweitligasaison nach dem unglücklichen Abstieg 1980 (zwei Tore weniger bei Punktgleichheit mit Bayer Uerdingen) mit: Quasten,- Brück, Wesseler, Ziegert, Gruler,- Mohr, Dickert, Okudera, Ehrmanntraut,- Remark, Killmaier (eingewechselt wurden Pagel und Jüttner). In der 30.Minute erzielte Tscha vor 25.000 Zuschauern das Tor des Tages, Hertha war über weite Strecken gleichwertig und ließ die eine oder andere Ausgleichschance liegen.
Das war das vorerst letzte von Herthas fünf Halbfinalspielen (dreimal gegen Eintracht Frankfurt), von denen vier auswärts stattfanden. Das einzige Heimhalbfinale gewann Hertha 1979 gegen Frankfurt 2:1. Man könnte, wenn man die Statistik positiv auslegen möchte, behaupten, dass Hertha bisher alle Halbfinals im Olympiastadion gewonnen hat. Das sollte man als gutes Omen für das Spiel gegen Dortmund mitnehmen. Und wenn man an das 0:0 vor wenigen Tagen gegen diesen Gegner denkt, kommt man zu dem Schluss, dass ein Sieg nicht unmöglich ist. Die besseren Chancen hatte eindeutig Hertha! Warum also nicht ein Sieg im Halbfinale? Und im Endspiel gegen Bremen ist alles möglich…
Vereinstreue auf neudeutsch…
Auf der aktuellen Hertha-homepage werden eine ganze Reihe junger Berliner Spieler aus dem Talenteschuppen von Hertha vorgestellt bzw. erwähnt: In vorderster Kampflinie natürlich John-Anthony Brooks, dessen Manager zwar ein halbes Jahr benötigte, um die unverbrüchliche Freundschaft zwischen Verein und Spieler zu erkennen, jetzt, nach Unterzeichnung des Vertrages, passt aber kein Blatt Papier zwischen beide Seiten. Als weitere Talente werden Nils Körber, Maximilian Mittelstädt und Florian Kohls genannt, die schon einen Profi-Vertrag haben. Shawn Kauter gehört ebenfalls in diese Kategorie, wie Marius Gersbeck, der den Verein „leider“ vorübergehend verlassen musste/wollte. Und manchmal trainieren auch die jungen Ruben Aulig, Leon Schaffran und Dennis Smarsch bei den Profis mit. Alle diese Spieler beschwören, wenn sie angesprochen werden, ihre Liebe zum blauweißen Verein, zu Berlin und vor allem zu den „geilen“ Fans aus der Ostkurve.
Die Halbwertszeit dieser Aussagen ist manchmal in Stunden, teilweise auch in Tagen, Wochen, Monaten zu messen: Ein Yanni Regäsel, der alle obengenannten Schwüre noch vor wenigen Wochen in der Öffentlichkeit ablegte, wird in dem Artikel nicht mehr erwähnt…
Merke: Glaube an die Sprüche der Spieler erst, wenn sie ihre Karriere beendet haben. Fritz Walter, Uwe Seeler, Charly Körbel, Pal Dardai! Oder aus Herthas aktuellem Kader: Fabian Lustenberger – alles keine Schwätzer, sondern Spieler, für die Vereinstreue nicht nur eine hingerotzte Momentaufnahme darstellt, sondern eine Lebensmaxime. Und bei Johnny Brooks würde es mich überhaupt nicht wundern, wenn sein neuer dreieinhalb-Jahre-Vertrag eher zum Hochtreiben der Ablösesumme gedacht ist, als Ausdruck eines Bekenntnisses zu Berlin zu sein…
Innenverteidiger verzweifelt gesucht!
Eigentlich sollte im Jahre 2016 die Sportwissenschaft so weit sein, dass es über Trainingsmethoden und -intensität keine zwei Meinungen mehr gibt. Dass das offensichtlich nicht so ist, hat uns am Sonnabend Pal Dardai im Aktuellen Sportstudio erklärt, als er sagte, dass ihn sein Athletiktrainer Kuchno entgeistert ansah, als er ihm in der Sommerpause seine Pläne für die Saisonvorbereitung zeigte. In der Hinrunde hat die hervorragende Fitness den Herthanern geholfen, ob sie in der Rückrunde unter fehlender Substanz leiden werden, wird man sehen.
Außerdem scheint die Trainingslehre keine Gewähr für richtig dosierte körperliche Belastung zu geben. Trainieren die Bayern zu viel oder zu wenig oder falsch, was die Abstimmung von Krafttraining (Muskulatur), Dehnungsübungen (Bänder, Sehnen) und Schnellkraft (Gelenke) betrifft. Es wäre zu untersuchen, welche Übungen Pep Guardiola bevorzugt bzw. vernachlässigt, um diese überdurchschnittliche Anzahl von Verletzungen zu produzieren. Hat Müller-Wohlfahrt doch recht? An der Europapokalbelastung liegt es in jedem Fall nicht, die kennen die Bayern seit Maier, Müller, Beckenbauer… Jüngstes Opfer der bayerischen Muskelschwäche wurde Jerome Boateng. Der Bundestrainer hisste die Flagge der Nationalmannschaft auf Halbmast, denn bei mindestens dreimonatiger Verletzungspause Boatengs ist der Frühling schon fast vorbei (Mitte April!!), wenn Boateng mit dem Training beginnen kann. Da dürfte er bis Anfang Juni kaum auch nur annähernd Normalform erreichen.
Und in ganz Fußballdeutschland gibt es keine Alternativen? Welch Armutszeugnis, so zu denken!
Was ist denn mit Robert Huth, der in der Premier League mit Leicester City an der Tabellenspitze herumkickt. Vielleicht könnte ein Bastian Scheinsteiger zum Ende seiner Karriere seinen Weg aus dem Angriff über das defensive Mittelfeld weiter nach hinten in die Innenverteidigung fortsetzen. Oder der Bundestrainer sieht mal weiter als 200 km von Freiburg aus nach Berlin, wo ein Sebastian Langkamp seit zweieinhalb Jahren mit hervorragendem Stellungs- und Kopfballspiel wesentlich mit dazu beigetragen hat, dass Herthas Deckung eine der besten der Bundesliga geworden ist. Das Manko fehlender internationaler Erfahrung muss nicht zwangsläufig entscheidend sein. Ein Norbert Eder hat genau neun Länderspiele absolviert. Die letzten sieben übrigens bei der Fußballweltmeisterschaft 1986. Mit seinem neunten Länderspiel stand er im Finale gegen Maradonas Argentinien…
Kommt jetzt Herthas üblicher Einbruch?
Sehen wir uns mal die letzten drei Erstligaspielzeiten der Hertha an:
Saison 11/12 unter Trainer Babbel Platz 10 mit 20 Punkten in der Hinrunde. In der Rückrunde kamen unter den Trainern Skibbe, Covic/Tretschok und Rehhagel noch 11 Punkte dazu, was bei 31 Punkten Relegationsplatz 16 mit dem berüchtigten Düsseldorfer Chaosspiel unter der Leitung des wie immer großartigen Schiedsrichters Stark bedeutete.
Nach dem erneuten Aufstieg hatte man unter Jos Luhukay im Winter 2013 sensationelle 28 Punkte und lag auf Platz 6. 13 Pünktchen kamen noch dazu, sodass es am Ende mit 41 Punkten zu einem soliden 11. Platz reichte.
In der vorigen Saison 14/15, als Luhukays Zaubermittel nicht mehr wirkten, holten die Blauweißen nur noch 18 Punkte in der Hinserie (Platz 13). In der Rückrunde erkämpfte sich die Mannschaft mit gefestigter Defensive (vorne half der liebe Gott nicht!) noch mal 17 Punkte, was immerhin bei 35 Punkten zu Platz 15 reichte und den HSV ins Relegationsglücksspiel zwang.
Ein derartiges Einbrechen ist diesmal weit und breit nicht in Sicht, obwohl ich fast um meinen Hertha-Schal wetten würde, dass erneute 32 Punkte nicht möglich sind, was ja in jedem Fall einen Champions-League-Platz bedeuten würde.
11/12 war es die unselige Auseinandersetzung zwischen Babbel und Preetz, die die Stimmung auch innerhalb der Mannschaft versaute und 13/14 war Luhukays penible Art bei den Spielern als Diktatur angekommen, was nicht eben leistungsfördernd war. Im vorigen Jahr war schließlich nur noch Schadensbegrenzung mit dem Duo Dardai/Widmayer gefragt, was ja auch gelungen ist.
Wenn nicht völlig Unvorhersehbares geschieht oder eine unglaubliche Verletzungsserie die Mannschaft schwächt, müsste es doch möglich sein, mindestens 18 Punkte zu holen, was zwar auch deutlich weniger als in der Hinrunde wäre, jedoch immer noch Platz 5 bis 8 bedeutete. Solch ein Saisonergebnis hätte vor Beginn der Spielzeit 15/16 jeder nicht Größenwahnsinnige liebend gern unterschrieben. Und wenn es doch schlechter kommen sollte, müsste man sich in der Vereinsführung mal Gedanken über ein anderes Winterquartier machen…
Messi oder Ronaldo – wie langweilig…
Gibt es eigentlich eine langweiligere Frage, als diejenige nach dem Gewinner der lächerlicherweise „Ballon d’Or“ (Verzeihung: „FIFA Ballon d’Or“ muss es natürlich heißen) genannten Auszeichnung als bester Fußballer des Planeten? Wen interessiert es denn wirklich, ob Messi oder Cristiano „Unterhose“ Ronaldo sogenannter Weltfußballer wird? Und das, obwohl der Fußball Winterpause macht und die Vierschanzentournee zum Glück auch schon wieder beendet ist. Lieber Winterloch als diese Wahl.
Früher, als ja bekanntermaßen alles besser war, gab es diese Dominanz zweier Spieler, die sich streiten und kein Dritter freut sich, nicht. Die Auszeichnung, die es seit 1982 gibt und seit 1991 offizielle FIFA-Auszeichnung ist, wurde z.B. zweimal von einem Herrn Platini gewonnen. Auch ein gewisser Lothar Matthäus gewann zweimal, ebenso wie Ruud Gullit, Marco van Basten und Ronaldinho. Dreimal gewannen diese Trophäe der Brasilianer Ronaldo (von Klose abgelöster WM-Rekordtorschütze), Zinedine Zidane und eben jener Cristiano Ronaldo, während hoch über allen Messi mit sechs Siegen thront.
Und in früheren Jahrzehnten? Gewiss hätten auch Pelé, Diego Maradona (der nur 1986, wohl wegen seines genialen Handspiels, gewann, obwohl der Preis damals noch nicht von der FIFA vergeben wurde, die schon immer ein Faible für’s Illegale hatte), Ferenc Puskas, Franz Beckenbauer, Alfredo di Stefano, Gerd Müller, Johan Cruyff oder Fritz Walter den Preis mehrmals gewinnen können, niemand hätte aber wahrscheinlich so dominiert, wie die beiden Zeitgenossen, die sich den Preis seit neun Jahren unbrüderlich teilen. Zweifellos sind sowohl Messi als auch Ronaldo überragende Fußballer. Aber erst wenn man die Namen der früheren Stars liest, wird einem bewusst, dass zur Persönlichkeit doch etwas mehr gehört, als nur mit dem Ball umgehen zu können…
Die Gemeinsamkeit von Managerworten und Wetterprognosen
Zum Abschluss der grandiosen Hinserie von Hertha BSC sagte Manager Preetz, dass er auf dem Transfermarkt nicht mehr tätig werden würde. Das erschien angesichts des gut besetzten Kaders und mehrerer aus dem Verletzungsurlaub zurückkehrender Spieler auch logisch. Schließlich wissen wir nicht erst seit Felix Magaths absurden 45-Mann-Kadern in Gelsenkirchen und Wolfsburg, dass mehr nicht nur manchmal weniger sondern oftmals zuviel ist.
Preetz’ Aussage gilt jetzt, kaum zwei Wochen, eine Weihnachtsgans und ein paar Böller später, nicht mehr. Hertha kauft mal eben für eine Million einen jungen Bayern-Hüpfer und will gleichzeitig Ronny, Ben-Hatira und Beerens (galt der nicht in der vorigen Saison lange als bester Einkauf des Jahres?) verhökern. So stelle ich mir „keine Aktivitäten auf dem Transfermarkt“ eigentlich nicht vor. Was sind denn dann „Aktivitäten“?
Als im Dezember der Frühling ausbrach und in Berlin Temperaturen des Neapel-Niveaus herrschten, fiel es mir nicht schwer, auf diesbezügliche Fragen zu antworten, dass der Winter genau um den 20. Januar herum beginnen werde. Warum? Weil dann die Winterpause der Bundesliga beendet sei und dieser Termin in den letzten Jahren fast punktgenau mit dem Beginn der Unbespielbarkeit von Plätzen, vereisten Zuschauerrängen und Zufahrtswegen und eisigen Temperaturen zusammenfiel.
Ich gebe zu, ich habe mich geirrt, der Winter ist schon fast 20 Tage früher wie aus dem Nichts aufgetaucht und hat selbst die so zuverlässige S-Bahn völlig überrascht. Was soll’s: Wetterprognosen und Managerworte soll man einfach nicht ernst nehmen…
„Jetzt muss ein Heimspiel her“
Unter dieser Überschrift schreibt der verehrte Günter Weise, der Silvester seinen 90. Geburtstag feiert, in der FuWo vom 28.12., dass Hertha jetzt endlich mal Losglück haben solle und für das Halbfinale (ein Weiterkommen in Heidenheim vorausgesetzt) ein Heimspiel beschert werden müsse.
Wenn man sich Herthas Pokalhistorie der letzten 30 Jahre ansieht, stellt man allerdings fest, dass Hertha seit 1985 dreimal bis ins Viertelfinale gekommen ist und dabei zweimal Heimrecht hatte. Beide Male, 2002 gegen Köln (1:2 n.V.) und 2012 gegen Mönchengladbach (0:2 n.V.) konnte Hertha die Gunst der Stunde nicht nutzen und schied trotzdem aus. 2007 verlor man in Stuttgart 0:2. Wenn jetzt in Heidenheim wieder ein Auswärtsspiel ansteht, ist das sozusagen der Ausgleich, was die letzten 30 Jahre, das Viertelfinale betreffend, angeht.
Die beste Zeit im Pokal hatte Hertha zweifellos zwischen 1973 und 1984, in der man 60 der mittlerweile 165 Spiele austrug. Zweimal Finale, zweimal Halbfinale, viermal Viertelfinale waren die Ergebnisse in dieser Zeit und nur einmal kam das Aus in der ersten Runde, gegen Eintracht Braunschweig mit 1:4 n.V. im Jahre 1975, wobei man wissen muss, dass Braunschweig damals in der Bundesliga eine große Nummer war.
In den fünf Halbfinalteilnahmen seit 1935 musste Hertha viermal auswärts antreten (und gewann folgerichtig nur ein Mal), das einzige Heimspiel gewann man 1979 gegen Eintracht Frankfurt 2:1. Von den fünf Spielen war übrigens dreimal die Frankfurter Eintracht der Gegner.
Es bleibt die Erkenntnis, dass Heimspiele im Viertelfinale nicht unbedingt ein Garant für’s Weiterkommen sind, dass Hertha seit 35 Jahren nicht mehr im Halbfinale stand (von den Hertha-Bubis 1993 abgesehen) und dort ein Defizit an Heimrecht hat. Sollte also im Viertelfinale in Heidenheim gewonnen werden, ist ein Heimlos fällig und statistisch gesehen auch recht wahrscheinlich. Und wenn dann nicht die Bayern kommen, ist sowieso alles möglich. Und wenn die Bayern kommen: Warum eigentlich nicht auch dann?
Herthas überraschende Pokal-Historie
Normalerweise müsste Hertha heute Abend im Pokal-Achtelfinale in Nürnberg ausscheiden, weil a) Nürnberg Zweitligist ist, b) Hertha in der Liga so gut spielt, c) Finanzvorstand Schiller nur (!) drei Runden einkalkuliert hat und über Weihnachten keinen Nachtragshaushalt erstellen will und d) Hertha vorsichtshalber Elfmeterschießen geübt hat. Und da im Pokal weder BGB noch das Grundgesetz, sondern bekanntermaßen eigene Gesetze gelten, kehren sich die Dinge, die sonst für ein Weiterkommen sprächen, ins Gegenteil um. Der kurzfristig denkende Hertha-Fan schiebt die eventuelle Niederlage natürlich auf das Lospech, das schon wieder („immer“) ein Auswärtsspiel ergeben hat. Stimmt das mit dem Lospech eigentlich oder handelt es sich nur um eine vorübergehende Erscheinung?
Mit Hilfe des guten alten Kicker-Almanachs sehen wir uns mal Herthas Pokal-Geschichte an:
Seit dem ersten Spiel 1935 („Tschammer-Pokal“), das 2:1 in Bitterfeld gegen den örtlichen VfL gewonnen wurde (auswärts!!!), hat Hertha bis zum Sieg gegen den FSV Frankfurt 164 Spiele bestritten (einschließlich Wiederholungs- oder Rückspielen), wobei es 58 Heimspiele, 103 Auswärtsspiele und 3 Finalspiele in Hannover gab. Gemein! Allerdings relativiert sich die Ungerechtigkeit, wenn man bedenkt, dass seit geraumer Zeit die Mannschaften ab der dritten Liga Heimrecht haben und wenn Hertha dann gleich mal ausscheidet, es quasi unmöglich ist, ein Heimspiel zu haben. Trotzdem gibt es ein Übergewicht an Auswärtsspielen, das sich statistisch in hundert oder zweihundert Jahren den Regeln der Wahrscheinlichkeit entsprechend sicher ausgleichen wird. Nützt uns natürlich momentan nichts, wenn das dritte Spiel hintereinander gegen einen Zweitligisten als Auswärtsspiel gelost wird.
Wenn über Herthas Pokalkomplex philosophiert wird, kann es sich nur um die letzten zwanzig Jahre handeln, da die meisten Anhänger sowieso nicht weiter zurückdenken (können). Insgesamt hat Hertha nämlich 92 Siege errungen, bei 11 Unentschieden (es gab ja zeitweise Hin- und Rückspiele und kein Elfmeterschießen, sondern Wiederholungsspiele, wenn es nach 120 Minuten Unentschieden stand) und 60 Niederlagen (wobei hier, entgegen sonstigen Statistiken, Spiele, die erst im Elfmeterschießen entschieden wurden, als Sieg oder Niederlage gewertet wurden). Ein Spiel fehlt: 1938 verzichtete Hindenburg Allenstein in der zweiten Runde und Hertha war kampflos weiter. Vorbildlich faire Einstellung der Ostpreußen!
Im Ligaalltag wäre dieses Sieg-Unentschieden-Niederlage-Verhältnis ein 4. – 7. Platz. Also sooo schlecht ist Herthas Pokalbilanz gar nicht.
Herthas beste Pokaljahre und die Pokalspiele seit 1990 sehen wir uns im nächsten Blog mal genauer an.