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54-74-90-14: Erkenntnisse vom13.6.2014: Erdanziehungskraft im Strafraum

Spiel 1: Brasilien-Kroatien 3:1

Auf dem Mond hätte der Schiedsrichter vielleicht gesehen, dass es sich nicht um einen Elfmeter handelte, sondern einzig und allein die Schwerkraft Fred dazu brachte, zu Boden zu sinken, weil dort alles nur ein Sechstel wiegt und deshalb alle Bewegungen zeitlupenartig ablaufen. Aber man tue doch bitte nicht so, als wenn das Problem der japanische Schiedsrichter war, der natürlich, weil er keine Champions-League-Erfahrung besitzt, auf diese Schwalbe hereinfallen musste. Dutzendfach haben die besten deutschen und andere europäische Referees Fehler wie diesen begangen und freundschaftliches Handauflegen als strafstoßwürdiges Foul bewertet. Also: Fehlentscheidung: Ja, vielleicht sogar absichtliche Fehlentscheidung: Möglich, eventuell sogar Bestechung: Denkbar. Aber Fehlentscheidung, weil er ein ahnungsloser Japaner ist: Unsinn, mit einem Hauch von Rassismus!

Trotzdem schade, dass ein Spiel, das, vor allem in der ersten Halbzeit, so gar nicht in der unseligen Tradition langweiliger Eröffnungsspiele stand, ein derart unbefriedigendes Ende nehmen musste…

54-74-90-14: Erkenntnisse vom 12.6.2014: Das Eröffnungsspiel und das Farbfernsehen

Die Geschichte der Eröffnungsspiele bei Fußball-Weltmeisterschaften ist eine Geschichte von gnadenloser Langeweile und Pein! Die große Mehrzahl der zwölf Eröffnungsspiele, die ich bis zum heutigen Tage freiwillig über mich ergehen ließ, seit ich am 11. Juli 1966 erstmals live dabei sein durfte (England-Uruguay 0:0), bestach durch jegliches Fehlen fußballerischer Ideen, Tempo, Spiellaune und Leidenschaft und war fast ausschließlich durch ein einziges Charakteristikum gekennzeichnet: Angst, nackte Angst vor dem Verlieren! 0:0, 1:0 oder 1:1 waren die vorherrschenden Ergebnisse. Einige Spiele, wie das 2:1 von Brasilien gegen Schottland 1998 oder der Sommermärchen-Auftakt 2006, als Deutschland Costa Rica 4:2 schlug, waren rühmliche Ausnahmen dieser dunklen Serie.

Die Krone setzte allem das Eröffnungsspiel zur so hinreißenden Weltmeisterschaft 1970 auf, als sich Mexiko und die UdSSR gegenüberstanden, wobei dieser Ausdruck wörtlich zu nehmen ist, da beide Mannschaften derartig gelähmt von der Ehre und der Verantwortung waren, dass ein Tor in diesem Spiel einfach fehl am Platze gewesen wäre. Wenn dieses Spiel in den USA von mehr als zwanzig Personen verfolgt wurde, könnte man die Abneigung gegenüber dem Fußballsport der meisten US-Amerikaner endlich verstehen und nachvollziehen.

Das bei weitem Wichtigste war aber, dass dieses Spiel trotz des grausamen Niveaus entscheidend zur Verbreitung des Farbfernsehens beigetragen hat.

Beide Mannschaften spielten in weißer Hose, Mexiko in grünem Trikot und grünen Stutzen, die UdSSR in rotem Trikot und roten Stutzen, so dass auf den damals 90% Schwarzweiß-Fernsehgeräten zweiundzwanzig identisch gekleidete Spieler durchs knöcheltiefe Gras des Aztekenstadions liefen und nicht zu unterscheiden waren. Da es bei dem folgerichtigen 0:0 keinen Spielfluss gab, an dem man eventuell Spieler und Mannschaften hätte erkennen können, machte das Spiel für Millionen und Abermillionen zur grausamen Farce.

Auch in der Distanz fallen mir zu meinem Vater nicht allzu viele positive Erinnerungen ein. Aber dass er, haustechnisch meist auf einem guten Standard, bereits 1970 einen Farbfernseher gekauft hatte und uns die Quälerei des Eröffnungsspiels zumindest visuell erträglich gestaltete, werde ich ihm für immer hoch anrechnen…

54-74-90-14: Erkenntnisse vom 11.6.2014: Die Langeweile und der Alkohol

Aus der Erfahrung mehrerer Klassenfahrten mit nachpubertierenden Sechzehnjährigen, d.h. ungefähr der Altersgruppe der meisten Nationalspieler, weiß ich, dass Langeweile dazu verleitet, Blödsinn zu machen, auch wenn es einem hinterher immer leid tut. Deshalb macht man auf Klassenfahrt vor- und nachmittags Wanderungen, Ausflüge, Geländerallyes und zwar möglichst in unbewohnten Gegenden, damit es a) wenige Personenschäden gibt und b) die Gelegenheit zum Einkauf von Alkoholika zumindest erschwert wird. Nun kann der Bundestrainer, wenn er sich nicht vollends lächerlich machen will, die Nationalspieler, alles schließlich betuchte Multimillionäre, natürlich nicht zur Pflanzenbestimmungsstunde im tropischen Regenwald auffordern. Aber was machen die eigentlich den ganzen Tag? Zwei mal 90 Minuten mehr oder minder intensives Training = 3 Stunden. Acht Stunden Schlaf sollten jungen, gesunden Menschen reichen = 11 Stunden. Je eine Stunde Frühstück, Mittag, Kaffee und Erdbeerkuchen mit Sahne und Abendbrot = 15 Stunden. Eine Stunde Taktikbesprechung nach vorheriger Abgabe der Smartphones = 16 Stunden. Eine Zusatzstunde Eckbälle, Freistöße und Elfmeterschießen üben = 17 Stunden. Bleiben noch geschlagene sieben Stunden für’s Telefonieren mit der Frau/Freundin, Skat- und/oder Tischtennisspielen und daddeln an allen möglichen playstations. Sieben Stunden! Da muss man doch einfach zur Flasche greifen…

P.S.: Libuda hat sich 1970 in Mexico schon beim Zähneputzen und dann noch mehrfach im Tagesverlauf einen Tequilla genehmigt. Er wurde nicht krank und spielte göttlich. Hoffentlich verträgt Götze das Zeug schon…

54-74-90-14: Erkenntnisse vom 10.6.2014: Wie gelangt man ins Endspiel?

Manuel Neuer darf in der aktuellen Ausgabe einer Zeitschrift der Deutschen Bahn, die Reisenden dabei hilft, die Verspätungen im ICE erträglicher zu gestalten oder, wenn sie weniger als zwei Stunden betragen, gar nicht erst zu bemerken, behaupten, dass die deutsche Mannschaft, wenn sie kein Gegentor kassiere, auf jeden Fall Weltmester werde, das stehe fest. Was auf den ersten Blick logisch erscheint, ist auf den zweiten Blick falsch. Selbstverständlich kann man sich mit drei 0:0-Spielen ins Achtelfinale mogeln, was uns Italien 1982 annähernd vorgemacht hat, als es mit 0:0 und zweimal 1:1 mit weit mehr Glück als Können weiterkam und später Weltmeister wurde. Auch drei 0:0 sind möglich, wenn eine andere Mannschaft zweimal siegt und die beiden Verlierer gegeneinander unentschieden spielen oder man im Losverfahren über das nötige Glück verfügt. Dass man in den K.O.-Spielen, einschließlich des Finales, mit einem 0:0 nach Verlängerung (die Tore im Elfmeterschießen dienen ja nur der Siegerermittlung und werden nicht als Tore gewertet) gewinnen kann, sollte allgemein bekannt sein. Wie unwahrscheinlich diese Konstellation ist, kann sich jeder selbst ausrechnen. Nur keine Tore reinbekommen reicht demnach nicht, man sollte auch das eine oder andre Törchen schießen. Trotzdem hat Löw wieder einmal alles richtig gemacht, als er für den ausgefallenen Reus einen Abwehrspieler nachnominierte: Die Abwehr holt den Titel, nicht der Angriff oder das begeisternde Spiel im Mittelfeld…

P.S.: Schön wär’s trotzdem, wenn Miro Klose wenigstens noch zwei Tore erzielen könnte!

54-74-90-14: Erkenntnisse vom 9.6.2014: Spiel mit dem Feuer auf dem Wasser

Bisher dachte ich immer, dass das größte Risiko bei der deutschen Fußballnationalmannschaft der Einsatz eines falschen Neuners alternativ zum echten Zehner wäre. Nach dem genussvollen Konsumieren der Berichterstattung über die Ankunft im Ferienlager in Brasilien bin ich anderer Ansicht. Wer es wagt, Nationalspieler im Wert von mehreren hundert Millionen Euro von einer Fähre von der Art transportieren zu lassen, die regelmäßig in den „Vermischten Meldungen“ auftaucht, wenn in Indonesien mal wieder dreihundert Passagiere ertrunken sind, ist ein Zocker, der einen Uli Hoeneß glatt an die Wand spielt.

Was geschieht eigentlich im Falle einer nicht unwahrscheinlichen Havarie des Gefährts? Gibt es Rettungsschwimmer im Alarmzustand? Sind die Alligatoren, die zwischen Fußballerfleisch und „normalen“ Menschen sicher nicht zu unterscheiden gelernt haben, für die Dauer der Fifa-WM in entfernte Gewässer umgesetzt worden? Was sagt das Reglement über zu spät am Spielort erscheinende Teams? Wird das Spiel mit 0:6 als verloren gewertet oder später nachgeholt? Zählt ein Fährunfall als höhere Gewalt, wie eine Demonstration oder ein tropischer Gewitterguss oder einfach nur als Dummheit des Organisationsteams? Fragen, die man angesichts der Fernsehbilder stellen darf!

Oder ist das alles nur eine geniale, nicht als solche erkennbare, Teambuildingmaßnahme unseres Oliver Bierhoff, auf die man eigentlich diesmal verzichten wollte…

54-74-90-14: Erkenntnisse vom 8.6.2014: Fußballwetter: Alles relativ

Wer im Sommer Sport treiben möchte, sollte dies in den goldenen Morgenstunden oder kurz vor Sonnenuntergang tun. Also bin ich heute als vernunftgeleitetes Individuum um 5.30 Uhr aufgestanden und zum Rudern gegangen.

Jetzt um 12 Uhr zeigt das Thermometer gediegene 32°C im Schatten an und lädt demnach zum Mittagsschlaf, keinesfalls aber zum Fußballspielen ein. Viele Amateurspiele finden jedoch gerade zu dieser unsäglichen Mittagszeit, bzw. am noch wärmeren frühen Nachmittag statt. Unsere Fußballprofis haben es da, entgegen allen Unkenrufen, besser. Salvador, Austragungsort des ersten Spiels der deutschen Mannschaft gegen Portugal, meldet solide 27° Höchsttemperatur, ein Wert, bei dem der Ruf nach Arzt und Defibrillator absolut überflüssig erscheint. Angenehmstes Fußballwetter. Und dat bissken Luftfeuchtigkeit werden die Jungs schon wegstecken, man kann ja nach dem Spiel duschen, falls die Duschen noch rechtzeitig fertig geworden sind (und wenn das warme Wasser noch nicht läuft: Auch nicht so schlimm, kaltduschen regt den Kreislauf an. Das könnte nach einem langweiligen 0:0 gegen Portugal nötig sein).

Übrigens: In Katar (Doha), dem mit Freude erwarteten Austragungsort der übernächsten Fifa-WM, werden heute 43°C (im nicht vorhandenen Schatten) gemessen. Das wird wahrlich nichts für Weicheier! Schweini, Poldi und Lahm werden das nur noch aus dem klimatisierten Studio erleben, aber Marco Reus kann sich schon drauf freuen, wenn er denn dann fit sein sollte…

54-74-90-14: Erkenntnisse vom 7.6.2014: „febre…“

Langsam steigt das Fieber, ich sehe mir sogar einen Film von und mit Reinhold Beckmann an, in dem er mit Ex-Bayern-Spieler Elber locker am Tresen hängt und Drinks nimmt und uns Brasilien erklärt. Natürlich: Das Trauma von 1950, Favelas, Straßenrevolte und so weiter. Langweilig.

Auch die ewige Frage nach dem Favoriten. Kann Deutschland Weltmeister werden, wo doch noch nie eine europäische Mannschaft in Südamerika…? Gähn! Und was ist mit Italien? 1:1 gegen Luxemburg! Toll. Wahrscheinlich werden sie sich trotzdem mit drei Unentschieden durch die Vorrunde mogeln und uns später aus dem Wettbewerb kegeln. Oder auch nicht. Und die Engländer , die wieder im Elfmeterschießen versagen werden…

Noch fünf Tage ordentlich schlafen und dann um 18, 22 und null Uhr Fußball sehen. Vielleicht schaffe ich es diesmal, alle 64 minus acht = 56 Spiele live zu sehen. Wahrscheinlich aber werde ich spätestens beim Spiel 26, dem Knaller zwischen Honduras und Ecuador, gegen 1 Uhr frustriert das Handtuch werfen und mein Ziel auf die Fifa-WM 2018 verschieben. Dann finden die Spiele in Russland nur zwei Stunden früher statt, abgesehen von Begegnungen in Wladiwostok, da muss man den Wecker auch auf 4 Uhr morgens stellen. Also vorerst doch auf Katar 2022 hoffen…

Abstiegskampf: Siegt die Vernunft?

Schade, dass sich der Verstand durchgesetzt hat und alle Spiele an den beiden letzten Bundesliga-Spieltagen zeitgleich zur traditionellen Anstoßzeit um 15.30 Uhr beginnen. Und wer denkt an unsere asiatischen Freunde, die jetzt bis Mitternacht und länger warten müssen, bevor Hunderte von Millionen Fußballanhänger zwischen Malaysia und Papua-Neuguinea ihre geliebten Bayern spielen sehen können?

Wesentlich interessanter wäre eine Abfolge der Spiele von Freitag bis Montag, wobei kein einziges Spiel parallel stattfindet, sondern der Tabellenletzte zur Strafe vorlegen muss, bis als letztes und neuntes Spiel im Idealfall die Partie des Tabellenführers ausgetragen wird. Da wird der Fleißige belohnt, wie es in unserer Gesellschaft eigentlich sein sollte. Maßgeblich ist der Tabellenstand der Heimmannschaft. Es ist wie im täglichen Leben: Der Obenstehende wird bevorzugt, wer unten steht, kriegt noch eine Watschn zusätzlich.

Apropos: Noch steht Braunschweig unten, aber nicht mehr lange! Gegen Augsburg gewinnt die Eintracht im Heimspiel, während der HSV das Ausscheiden der Bayern auf tragische Art wird büßen müssen. Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, müssten die Hamburger nach dem 33. Spieltag eigentlich Letzter sein. Ein unsicherer Kandidat ist der Club aus Nürnberg. Ein Trainerwechsel wenige Minuten vor Saisonende darf eigentlich nicht belohnt werden. Vielleicht holt man einen Punkt gegen 96. Am letzten Spieltag reicht der Braunschweiger Eintracht dann eventuell schon ein Punkt in Hoffenheim, wenn Nürnberg in Schalke verliert (Aber Vorsicht: Vereinsfreundschaft!!) und der HSV in Mainz erwartungsgemäß nicht gewinnt.

Also: Nürnberg und HSV steigen ab, Braunschweig erreicht die Relegation. Wenn’s wirklich so kommt, wäre es der ganz große Triumph der Moral und der Vernunft (Vertragsverlängerung mit dem Trainer trotz Abstiegsplatzes, Kontinuität im Mannschaftsaufbau) über die Möchtegernexperten in vielen Vereinen, die denken, dass ein Bundesligaverein nur ein kapitalistischer Dienstleistungsbetrieb ist, mit den Fans als Kunden.

Wir sind keine Kunden und wollen keine gut geölten Servicemaschinen sondern Emotionen. Niederlagen sind da auch mal erlaubt!

Ihr seid’s ihr!

Was hatte er sich nur dabei gedacht? Am Tag nach dem wenig grandiosen 3:1 bei Hertha BSC, als die 23. Meisterschaft unter Dach und Fach war, erklärte Wundertrainer Pep Guardiola die Saison für beendet. Natürlich meinte er nur die Meisterschaft; Pokal und Champions League waren davon natürlich ausgenommen. Aber erkläre das mal jemand der Mannschaft, noch dazu, wenn die Hälfte, einschließlich des Trainers, eher gewisse Defizite, was die Nuancen der deutschen Sprache betrifft, an den Tag legt. Nun gut, der Bayer im Spanier denkt sich, wenn man gegen Augsburg in der Nachsaison 0:1 verliert, ist das kein Beinbruch; selbst wenn man zu Zeiten, als die Bundesliga für die Bayern noch eine Rolle spielte, gegen einen Aufsteiger wie Hertha in zwei Spielen drei Tore kassierte, konnte man sagen, dass man immerhin sechs geschossen hatte. Aber wer gegen Hertha drei Tore kassiert, bekommt von Real Madrid vielleicht auch vier eingeschenkt und sechs gegen Hertha bedeutet vielleicht nur drei oder zwei oder eins oder gar keins gegen Madrid. Hochmut kommt meistens vor dem Fall und erstaunlich am grandiosen Scheitern der Roten ist eigentlich nur, dass Oberunke Sammer, dessen einzige Berechtigung für sein Millionengehalt eben das ständige Unken ist, nicht an die Decke und durch sie hindurch gefahren ist, als Pep seine verhängnisvollen Worte sprach. Vielleicht wollte er seinem Trainer aber das Recht, das bessere HB-Männchen zu sein, nicht versauen…

P.S.: Sollten wider Erwarten die Bayern die Dortmunder im Pokalendspiel nicht gewaltig vom Platz fegen, könnte die geheime Trainersuche bei Bayern eigentlich beginnen. Klopp hat seinen Vertrag zwar gerade verlängert, aber ein paar Millionen mehr, sicher bei der Volksbank angelegt, könnten eventuell den Weg frei machen.

P.P.S.: Wenn die Bayern von Real nicht langfristig in ihre Bestandteile zerlegt worden sind, müssten sie vor Wut eigentlich alles kurz und klein spielen, was ihnen demnächst vor die Flinte kommt. Wenn es denn noch geht, nach der Saison…

Das neue Auswärtstrikot der Nationalmannschaft und die Aussichten für Brasilien

Fußballer, das wissen alle, die einmal gegen einen runden Gegenstand getreten haben, sind abergläubig! Aus den nebensächlichsten Kleinigkeiten werden Voraussagen über Siege und Niederlagen herausgelesen und ursächliche Zusammenhänge hergestellt, wo es, realistisch betrachtet, keine geben kann. Zum Beispiel verliert Hertha jedes Auswärtsspiel, wenn ich mit meinen beiden Brüdern gemeinsam in Schönwalde vor dem Fernseher sitze. Woher wissen die Spieler, dass wir wieder zu dritt versammelt sind? Und selbst wenn es ihnen die NSA per Geheimmail mitgeteilt hätte, warum fangen sie dann an, das Fußballspielen zu verlernen und einen grausamen Kick hinzulegen? Völlig unklar, aber so sind nun mal die Tatsachen.

Selbstverständlich spielt die Trikotfarbe bei der psychischen Stabilität der Fußballspieler eine herausragende Rolle. Nicht überraschend schickten die Mannen um Fritz Walter 1954 im WM-Halbfinale die damals Weltklasse darstellenden Österreicher mit 6:1 gedemütigt nach Hause: Man hatte ja in den geliebten grünen Ausweichtrikots gespielt. Genau wie 18 Jahre später im Viertelfinale der EM 1972 unter Günter Netzers genialer Regie die Engländer erstmals in Wembley (mit 3:1) besiegt wurden. Nicht Glück, Bobby Moores halbes Selbsttor oder Netzers Sturmläufe über das halbe Feld waren ausschlaggebend für eines der besten Spiele einer deutschen Nationalmannschaft, sondern das Blassgrün des Trikots.

 Wundert sich noch jemand über das 1:0 gegen Chile, das zwar gegen eine starke Mitfavoritenmannschaft ein hervorragendes Ergebnis ist, aber nur mit viel Glück und einer unterirdischen Leistung erreicht wurde? Wenn man traditionsferne Leverkusen-/Frankfurttrikots anzieht (nicht zufällig verlieren beide Mannschaften derzeit in der Bundesliga, was das Zeug hält), muss man sich über eine schlechte Leistung nicht wundern.

Vielleicht ist das aber nur ein geschickter Schachzug von erfahrenen Beobachtern des Wegs der Nationalmannschaft: Noch immer gab es nach Niederlagen oder schwachen Leistungen zu Beginn eines WM- (Verzeihung: „FIFA-WM“) Jahres gute Turniere, nach guten Leistungen zu Jahresbeginn folgte meist eine frühzeitige Heimreise.

Hier die Fakten:

 

1954: Saarland (!!!)   3:1 (mit Mühe) – Weltmeister

1958: Belgien             2:0       – 4.Platz

1962: Uruguay           3:0       – Viertelfinale ausgeschieden

1966: England            0:1       – 2. Platz

1970: Spanien             0:2       – 3. Platz

1974: Spanien             0:1       – Weltmeister

1978: England            2:1       – 2.Finalrunde ausgeschieden (Cordoba!!!)

1982: Portugal            3:1       – Vizeweltmeister (mit furchtbarem Gewürge)

1986: Italien               2:1       – Vizeweltmeister (mit furchtbarem Gewürge)

1990: Frankreich        1:2       – Weltmeister

1994: Italien               2:1       – Viertelfinale ausgeschieden

1998: Oman (!!!)        2:0       – Viertelfinale ausgeschieden

2002: Israel                 7:1       – Vizeweltmeister

2006: Italien               1:4       – 3. Platz

2010: Argentinien      0:1       – 3. Platz

2014: Chile                 1:0       – ?????

Wie man sieht, bestätigen einige wenige Ausnahmen nur die Regel. Werten wir also nicht das Ergebnis, sondern den Spielverlauf und freuen uns auf eine erfolgreiche WM (Verzeihung: „FIFA-WM“) in Brasilien.