Die k.o.-Runde beginnt Sonnabend!

Da hatte man eigentlich einen anderen Zeitplan im Focus: Dienstag, 3.7. oder im ungünstigsten Fall Montag, 2.7. waren die Termine, mit denen „Die Mannschaft“ geplant hatte. Nach der desaströsen Niederlage gegen Mexiko (nicht dass verloren wurde, sondern WIE verloren wurde) ist die k.o.-Runde für Deutschland auf Sonnabend 20 Uhr vorgezogen. Hoffentlich verstehen die Spieler diese komplizierte Änderung des Ablaufplans und können mit dem Druck umgehen, den sie ja in der Bundesliga oder in ihren ausländischen Ligen nie haben, weil es da ja nur um die Meisterschaft oder den nationalen Pokal geht und Bayern München sowieso immer gewinnt…

Wird gegen Schweden also verloren, ist man ausgeschieden und hat noch ein Freundschaftsspiel gegen Südkorea. Beim Sieg dürfte man sich für’s Achtelfinale qualifizieren, vorausgesetzt man verliert nicht gegen die Asiaten, was aber nach derzeitigem Leistungsvermögen nicht unmöglich wäre. Bei einem Unentschieden gegen Schweden wäre man, einen Sieg im abschließenden Spiel vorausgesetzt, weiter, wenn Mexiko Schweden schlagen würde und Deutschland das bessere Torverhältnis hätte. Auf diese Schützenhilfe würde man gerne verzichten, die Chancen, dass die Qualifikation über diese Schiene erreicht wird, liegen bei höchstens 30 %. Gut für die deutsche Mannschaft ist aber immerhin die Tatsache, dass Mexiko gegen Südkorea vorher spielen und sich gegebenenfalls bei einer Überraschung neue Konstellationen ergeben könnten. Siegt Südkorea nämlich und siegt auch Deutschland, dann hätten alle vier Mannschaften vor dem abschließenden Spiel drei Punkte. Interessanter geht es kaum. Da kann man schon mal das Regelwerk studieren, was geschieht, wenn alle punkt-und torgleich sind und jeder jeden mal geschlagen hat.

Trösten wir uns damit: Die spannende k.o.-Phase beginnt früher als gedacht und wenn Deutschland nicht gewinnt, haben wir wenigstens Historisches miterleben dürfen: Dass Deutschland bei einer WM in der Vorrunde ausscheidet.

Die geheime Arbeit der Videoschiedsrichter

Die Einführung des Videoschiedsrichters ist umstritten. Tore werden zurückgenommen, die Spieler und Zuschauer können nur unter Vorbehalt jubeln, Manfred Sangel vom Hertha-Echo betont in jeder Sendung, dass man „diese Scheiße“ so schnell wie möglich wieder abschaffen solle.

Fakt ist aber auch, dass die Zahl der krassen Fehlentscheidungen um zwei Drittel zurückgegangen ist. Und oftmals ist es auch nach intensivstem Zeitlupenstudium nicht endgültig zu entscheiden, ob es sich um ein Foul oder eine provozierte Berührung des Angreifers handelt.

Völlige Unklarheit besteht aber über die Tätigkeit der Videoschiedsrichter in den Spielen Spanien-Portugal und Argentinien-Island. Dass vor dem Ausgleich der Spanier gegen Portugal der Torschütze den Abwehrspieler mit einem Unterarmstoß gegen die Kehle außer Gefecht setzte, sah man eigentlich schon in Originalgeschwindigkeit. Die Zeitlupen waren aber so eindeutig (sogar eine dunkelgelbe Karte wäre mindestens angemessen gewesen), dass man nur vermuten konnte, dass die Videoschiedsrichter kollektiv auf der Toilette waren. Dagegen sprach aber, dass der Schiri offensichtlich Kontakt mit seinen Kollegen hatte. Diese sahen das Foul aber nicht. Also sind sie entweder Anhänger vom australischen Football oder vom irischen Hurling, einer Mischung aus Hockey und Rugby oder sie sind Praktikanten einer Einrichtung für Lese- und Sehschwache. An Bestechung will man eigentlich nicht glauben. Ebenso beim Spiel Island gegen Argentinien, wo den Südamerikanern ein zweiter Elfmeter aus absolut unerfindlichen Gründen verweigert wurde. Das Foul war so eindeutig, dass es schwer fällt, zu glauben, die Männer im Dunkelcontainer hätten es nicht gesehen. Aber was führte dann zu dieser Entscheidung bzw. Nichtentscheidung? Man gönnt den Isländern natürlich alles Gute, aber Foul bleibt Foul, auch wenn es weh tut und vielleicht hätte Messi ja auch seinen zweiten Elfmeter verschossen, weil er nach Ronaldos drei Toren unter gehörigem Psychostress steht.

Es bleibt die Unklarheit über die krassen Fehlentscheidungen der Videoschiedsrichter. Hochachtung und Respekt vor den Leistungen der Schiedsrichter. Jeder, der schon mal versucht hat auch nur ein Jugendspiel zu pfeifen, weiß, wie wenig man auf dem Platz wirklich sieht. Und bei der heutigen Geschwindigkeit im Spitzenfußball ist es sowie so nicht menschenmöglich alle Szenen korrekt zu beurteilen. Aber dass man eindeutige Bilder in Superzeitlupe nicht erkennt oder erkennen will, geht über mein Vorstellungsvermögen. Vielleicht könnte man ja 50 Schiedsrichter abstimmen lassen, wenn neun Deppen vor den Fernsehern nicht ausreichen um eindeutige Entscheidungen zu fällen…

Was ist Fortschritt?

Eins kann man mit ziemlicher Sicherheit sagen: Saudi Arabien wird auch 2018 nicht Weltmeister werden! Schon vor dem Turnier war dies keine allzu gewagte Prognose, nach dem deprimierenden 0:5 gegen Gastgeber Russland, die auf gepflegtem Zweitliganiveau spielten, müsste man schon geisteskrank sein, wenn man im Wettbüro mehr als einen alten 100-Lire-Schein auf das Königreich setzen würde.

Aber sehen wir es mal pädagogisch positiv: Während die Saudis 2002 noch 0:8 in ihrem Auftaktspiel (gegen Deutschland mit Teamchef Völler) verloren, gab es diesmal, 16 bescheidene Jahre später, nur ein 0:5. Sollte sich diese Reihe mathematisch fortsetzen, gäbe es 2034 ein 0:2 und schon 2050 könnte man mit einem Unentschieden rechnen. Das sind doch gute Aussichten. Allerdings werden in den verbleibenden 32 Jahren sicher mehr als zwei Dutzend Trainer versuchen müssen, die ungeduldigen Könige und Prinzen, die ja politisch und sportlich anstreben eine Mittel-, wenn nicht eine Weltmacht zu sein, zu beruhigen und den Saudis das Fußballspielen beizubringen. Dass es dabei auch Rückschritte geben wird, ist natürlich unvermeidlich. Schließlich war man 2006 schon soweit, einen Punkt zu ergattern, wenn auch nur gegen Tunesien. Und gegen Spanien gab es im gleichen Turnier eine ehrenwerte 0:1-Niederlage. Das 0:4 gegen die Ukraine passt da schon eher ins Bild.

Man sieht, dass das mit dem Fortschritt so eine Sache ist. Frauen dürfen jetzt in Saudi-Arabien Auto fahren, sofern sie die Führerscheinprüfung bestanden haben und sogar zu ausgesuchten Spielen ins Fußballstadion gehen, wenn auch selbstredend nur mit ausdrücklicher Erlaubnis der Ehemänner. Klar, dass der „fortschrittliche“ Prinz verlangt, dass auch der identitätsstiftende Fußball sich weiterentwickelt. Ob sich saudische Frauen ohne Schleier in der Öffentlichkeit bewegen dürfen oder die Nationalmannschaft einen Sieg im ersten Spiel schafft: Irgendwann wird es soweit sein, aber der Fortschritt ist langsamer als eine Wanderdüne. Diese bewegt sich allerdings immer in einer Richtung, was man von der Politik und dem fußballerischen Erfolg nicht gerade behaupten kann…

Wer wird eigentlich Weltmeister?

Bisher gab es 20 Weltmeisterschaften, von denen der Blogger 13 so intensiv wie möglich verfolgt hat. Gefühlsmäßig muss man leider sagen, dass Deutschland den Titel nicht verteidigen wird. Wer sind aber die üblichen Verdächtigen? Normalerweise würde man Italien und Holland ganz weit vorne sehen. Aus bekannten Gründen fallen beide Teams aus. Der Blogger legt eine Schweigeminute ein um seine Schadenfreude nicht durchscheinen zu lassen.

Nun aber im Ernst: Zuallererst werden natürlich die bisherigen Weltmeister genannt. Brasilien (5x), Deutschland (4x), Argentinien (2x), Uruguay (2x) sowie Frankreich, Spanien und England (je 1x). Mit den vier italienischen Titeln ergibt sich korrekterweise 20. Spanien hat sich gerade den Luxus eines Trainerwechsels geleistet, ist also raus. England wird sowieso nicht Weltmeister. Wenn es früher eine Torlinientechnik gegeben hätte, wären sie es auch nie geworden. Außerdem gibt es die Hürde Elfmeterschießen. Uruguay ist nicht konstant genug. Brasilien hat sein 1:7-Trauma noch nicht überwunden, wenn sie es denn jemals überwinden werden. Argentinien ist immer stark, könnte aber auch schon in der Gruppe gegen Island, Kroatien und Nigeria scheitern. Bleibt von den bisherigen Titelträgern nur Frankreich übrig, die wirklich eine bärenstarke Truppe haben. Aber will man das? Oder aber doch Portugal, immerhin amtierender Europameister. Und Christiano Ronaldo ist wahrlich nicht in schlechter Form. Dann kommen natürlich die ewigen Geheimtipps wie Belgien, Dänemark, Schweiz oder Polen. Wer will sich da festlegen? Am Besten einigen wir uns auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Und der heißt natürlich Island…

Gibt es Chancen auf eine Titelverteidigung?

Zwei Testspiele kurz vor der WM, eins davon gegen Österreich verloren, im anderen nach grenzwertigem Einsatz von Hummels in der Nachspielzeit knapp am Unentschieden gegen Saudi Arabien vorbeigeschrammt: Weltmeisterliche Form sieht anders aus. Aber man kennt das ja. Oft hat eine deutsche Nationalmannschaft schwache Vorbereitungen gehabt (2014 unentschieden gegen Polen und Kamerun, 2006 gegen Italien 1:4 und gegen Japan 2:2…) und sich später im Turnier erheblich gesteigert. So wird es auch diesmal sein. Aber ob es zur Titelverteidigung reicht? Was dafür spricht: Das Turnier findet in Europa statt, was bedeutet, dass voraussichtlich eine europäische Mannschaft gewinnen wird (es gab erst zwei Ausnahmen: 1958 in Schweden: Brasilien und 2014 in Brasilien: Deutschland). Weiterhin spielen noch viele Weltmeister in der Mannschaft, was ein eingespieltes, erfahrenes Team bedeutet. Dazu kommt, dass die Italiener nicht dabei sind, um Deutschland rauszukicken, wohl aber die Engländer, die wir im Elfmeterschießen besiegen könnten. Außerdem hat sich Reus bisher nicht verletzt (wobei unklar ist, ob man das positiv oder negativ zu bewerten hat).

Dagegen spricht allerdings, dass eine deutsche Mannschaft noch nie den Titel verteidigte. 1958 nach dem Berner Triumph wurde man Vierter, 1978 schied man in der zweiten Finalrunde aus und 1994 war gar im Viertelfinale gegen Bulgarien Endstation. Wenn man so will eine Abwärtsspirale, die eigentlich ein Aus im Achtelfinale (gegen die Schweiz??? oder gleich gegen Brasilien???) oder gar in der Gruppenphase bedeuten würde. Dafür gäbe es allerdings keine Parallele. Bisher hat sich noch jede deutsche Mannschaft für die k.o-Spiele oder eine zweite Gruppenrunde qualifiziert. Und obwohl die Schnelligkeitsdefizite der deutschen Abwehr auch gegen Saudi-Arabien erschreckend oft deutlich wurden, wird die Erfahrung die Schwächen eine zeit lang kompensieren. Nur für das Finale dürfte es diesmal nicht reichen. Aber wäre das wirklich so schlimm? Man sollte die Kölner fragen: Man muss auch jönnen können…

Der Mann des Spiels

Auch mit ein paar Tagen Abstand zum Champions-League Finale brodelt es in mir noch. Nicht dass es mir nicht völlig egal wäre, ob englische oder spanische Milliardenvernichter den Cup gewinnen, nein, aber es gibt ja schließlich so was wie Gerechtigkeitsempfinden.

Mann des Spiels war eindeutig nicht Garreth Bale mit seinen zwei Toren, auch wenn das eine soviel mehr ansehenswert war als das andere. Auch der arme Karius war nicht der Spielentscheider, obwohl dies auf den ersten Blick so ausgesehen haben mag.

Der „man of the match“, wie es so schön heißt und wofür es oftmals auch den überflüssigsten Pokal der Weltgeschichte gibt, war eindeutig Sergio Ramos! Ja, richtig, der mit dem (Nazi)-Adler –Tatoo im Genick, auch wenn der Adler kein Hakenkreuz, sondern irgendeine Erdbeere in den Klauen hält. Warum die Ehre?

Erstens schaltete er nach dreißig von Liverpool überlegen geführten Minuten mit geübtem Wrestling-Griff den gefährlichsten Mann des Gegners aus. Im Unterschied zum Wrestling, wo die Kontrahenten ihre Gegner meist respektieren und es relativ wenige Verletzungen gibt, halte ich es für nicht allzu unwahrscheinlich, dass Ramos genau das wollte, was er gemacht hat, nämlich den Kontrahenten kampfunfähig machen. Ein Witz, dass der Schiedsrichter nicht mal Freistoß gab und mindestens Gelb zeigte. Ein Foul, das in seiner ganzen Fiesheit für einen Ramos nicht untypisch ist. Getoppt im Humor nur noch von Olli Kahns Spielanalyse, in der er doch ernsthaft behauptete, dass derartige Körperverletzungen in jedem Spiel 15 Mal vorkämen. Wenn Kahn Ahnung vom Fußball und nicht nur vom Wetten hätte, wüsste er, dass kein Spiel beendet werden könnte, wenn 15 Spieler mit schweren Verletzungen ausschieden, da jede Mannschaft mindestens 7 Spieler auf dem Platz haben muss.

Noch entscheidender für die verdiente Wahl zum entscheidenden Spieler war aber vielleicht eine Szene in der zweiten Halbzeit, die im allgemeinen Medienaufruhr fast unterging und in der Spielübertragung nicht und später in der Analyse nur kurz und nebenbei zu sehen war: Nach einem Eckball, als der Ball und alle Augen schon Richtung Mittelfeld unterwegs waren, ging Ramos auf Torwart Karius zu und streckte ihn mit gezieltem Ellbogencheck zu Boden. Da saß er nun, guckte dumm aus der Wäsche, während der gute Sergio unschuldig Richtung Mittellinie trabte. Hätte Karius sich hier, wie es auch angemessen gewesen wäre, am Boden gewälzt und die Betreuer aufs Feld kommen lassen, wäre eventuell über die Aktion zu diskutieren gewesen, die in jedem Fall eine eindeutige Rote Karte war. Außerdem ist es nicht völlig ausgeschlossen, dass Torwart Karius bei dem Check, vielleicht ohne es selber zu realisieren, eine kleine Gehirnerschütterung davongetragen hat, die ursächlich für seien Fehlgriff beim 1:3 gewesen sein könnte. Auch Kramer hat im WM-Finale 2014 noch eine Weile gespielt, bis er vom Platz ging. Es wäre klug von Karius gewesen, den Schiedsrichter zu fragen, in was für einem Spiel er sich eigentlich befände…

Saison 2017/18: Gut oder schlecht für Hertha?

Fangen wir mal so an: Unter Kontinuität, oft gefordert was Trainer und Spieler angeht, stellen wir uns etwas anderes vor, als sich im letzten Heimspiel immer mit einer 2:6-Klatsche in die Sommerpause zu verabschieden. Voriges Jahr Leverkusen, diesmal Leipzig und nächstes Jahr? Zumindest nicht HSV- den schlug man früher auch schon mal mit 6:0 – schöne Zeiten, vier Tore von Bart Goor!

Die Saisonzahlen im Einzelnen:

Während im vorigen Jahr noch 49 Punkte geholt wurden, waren es diesmal nur 43. Das lag vor allem daran, dass viel häufiger Unentschieden gespielt wurde, nämlich 13 mal statt 4 mal in der vorigen Saison. Denn insgesamt ist die Bilanz auch wieder (fast) ausgeglichen: 10-13-11 (Sieg-Unent-Niederl.) im Vergleich mit 15 – 4 – 15. Ulkigerweise ist das Torverhältnis annähernd identisch: 16/17 waren es 43:47 Tore und 17/18 43:46, also sogar eine Idee besser. Man kann also auf Saisonsicht nicht sagen, dass der Sturm schlechter oder die Abwehr besser war, nein es waren die engen Spiele, die man im vorigen Jahr noch positiv, meist mit einem Tor Unterschied, beendete. Auffällig ist natürlich, dass im Vorjahr noch 12 Heimspiele gewonnen wurden, dieses Jahr nur noch 5. Als kleinen Ausgleich dafür gab es in dieser Saison keinen Auswärtsfluch mehr: nur 6 Niederlagen (viele davon äußerst unglücklich und knapp) gegenüber 11 im letzten Jahr. Aber war für Siege! 3:2 in Unterzahl in Leipzig, 2:0 in Leverkusen  und dass der HSV den verdienten Gang in die 2. Liga antreten muss, liegt auch am 2:1-Sieg vor wenigen Wochen in Hamburg! Gut gemacht, Herthaner!

Was bleibt als erstes Fazit? Eine durchschnittliche Saison, in der das Ziel des Managers Preetz, ein Platz unter den Top 10, punktgenau erreicht wurde. Andere Mannschaften, die erstmals seit langer Zeit wieder europäisch aktiv waren, sind schließlich abgestiegen. Es hätte also schlimmer kommen können. Aber in der Zukunft, die ja Herthas Werbeexperten zufolge Berlin gehört, darf’s gerne wieder ein Achtel mehr sein. Und wenn Pal Dardai, wie man in dieser Spielzeit des Öfteren den Eindruck hatte, mit seinem Latein am Ende ist und keine neuen Ideen mehr hat, darf er sich auch nach dann viereinhalb recht erfolgreichen Jahren (Kontinuität!) nach der nächsten Saison mit ein paar Millionen mehr auf dem Konto wieder aus der ersten Reihe zurückziehen und seiner geliebten Jugendarbeit zuwenden. Voraussetzung wäre aber, dass man einen sehr guten Nachfolger fände! Vielleicht Nico Kovac nach seinem Bayern-Gastspiel. Oder doch Zecke Neuendorf? Langweilig wäre es mit ihm bestimmt nicht!

Einmal Herthaner – immer Herthaner

Obwohl sich die Überschrift wie der traditionsselige Slogan von Ostkurvenultras anhört, haben wir am vergangenen Sonnabend den Wahrheitsgehalt dieses Spruches hautnah erleben dürfen:

Christoph Janker, der es in sechs Spielzeiten zwischen 2010 und 2015 auf 38 Erstliga- und 9 Zweitligaeinsätze für Hertha brachte, schaffte es, seiner großen blauweißen Ex-Liebe innerhalb von 10 Einsatzminuten (einschließlich 2 Minuten Nachspielzeit) zwei Tore auf dem Silbertablett zu servieren. Schade, denkt da der Mathematiker, dass Augsburg Trainer nicht früher auf die Idee kam, die Defensive mit Janker zu stärken, es hätte einen hohen Sieg für Hertha geben können. Aber man soll nicht undankbar sein.

Janker war stets ein zuverlässiger, solider Erstligaspieler, der sicher auf mehr Einsätze gekommen wäre, wenn er sich nicht häufig so schwer verletzt hätte. Dass sich soziales Verhalten auch auszahlen kann, zeigt jetzt Jankers Dankbarkeit, denn Herthas Geschäftsführung hatte lange an Janker festgehalten, als andere Vereine den Dauerverletzten längst nach Österreich oder Thailand abgeschoben hätten. Ein Festhalten im Strafraum gegen Selke, der wie immer mit seinem Arm nach hinten stieß und ein Angebot zum Tunneln, als Selke einen Übersteiger verstolperte und plötzlich frei vorm Tor stand. Das muss man in so kurzer Zeit auch wollen, damit es klappt. Und wenn nicht Spielverderber Heller in der 90. Minute den Hertha-Konter auf Kosten einer roten Karte unterbunden hätte, wäre Janker sicher etwas eingefallen, um den 3:2-Sieg in trockene Tücher zu wickeln.

Wenn der unerwartete (und letztlich auch unverdiente) Punkt wider Erwarten doch noch zum Erreichen des 7. Tabellenplatzes und damit zur Europa-League-Qualifikation reichen sollte, müsste man schon eine angemessene Punktprämie nach Augsburg schicken. Im Gegenzug müsste Janker aber auch verraten, an welcher Körperstelle er sein blau-weißes Fahnen-Tattoo versteckt hat…

P.S.: In der Rückrunde hat Hertha jetzt schon 19 Punkte geholt, so viel wie bisher in Dardais bester Amtszeit, im Vorjahr. Und noch ist die Saison nicht beendet. Frage: Spielen bei Hannover und Leipzig eigentlich auch irgendwelche Exherthaner?

P.P.S.: Für alle Freunde der Nationalelf: Schade, dass Gnabry und Stindl für die WM in Russland definitiv ausfallen. Die Frage aber ist: Wann verletzt sich eigentlich Marco Reus? Viel Zeit hat er nicht mehr…

 

Herthas Chance in Frankfurt und der Rückrundenfluch

Jetzt kommen doch die ersten Radioreporter tatsächlich mit der Frage heraus, ob Hertha, wenn sie denn in Frankfurt gewinnt, doch noch eine Europapokalchance hat. Gemeint ist zwar nicht der Gewinn eines Pokals, sondern lediglich die Möglichkeit einer Teilnahme an einer Qualifikation zur Europa-League, aber selbst diese Idee muss dem Hirn eines Phantasten entspringen. Wenn man in Gladbach gewonnen hätte…ja, dann sähe die Welt ganz anders aus. Bei sieben Punkten Rückstand auf den siebenten Platz, den netterweise die Frankfurter Eintracht innehat, und zwölf zu vergebenden Punkten, ein unwahrscheinliches Szenario. Nach einem Sieg in Frankfurt wären es natürlich nur noch vier Punkte Rückstand bei neun noch zu holenden Punkten. Aber eher steigt der HSV nicht ab, als dass Hertha diesen Rückstand aufholt.

Kann Hertha denn überhaupt in Frankfurt gewinnen? Je nachdem, wie lange die Hessen ihren Pokalendspieleinzug nach dem Sieg in Gelsenkirchen gefeiert haben… Und ob der „Fokus“ auf die schnöde Bundesliga überhaupt noch vorhanden ist… Und ob Kovac die Mannschaft nach seinem Abgang zu den Bayern überhaupt noch erreicht….So viele Fragen, so wenige Antworten, was ja das schöne beim Fußball ist. Herthas Auswärtsbilanz kann sich in dieser Saison auf jeden Fall sehen lassen. Mit 4 Siegen, 6 Unentschieden und 5 Niederlagen ist die Auswärtsbilanz fast so stark wie die Heimspielbilanz.

Und wie sieht’s überhaupt in der Rückrunde aus?  In 13 Spielen hat Hertha bislang 15 Punkte geholt.

In den Vorjahren sah es, seit Pal Dardai Trainer ist, folgendermaßen aus: Vom 18. bis zum 30. Spieltag der Saison 14/15 holte Hertha 16 Punkte, danach 17 Punkte, dann 19 Punkte und in dieser Saison 15 Punkte. Der Rückrundenfluch ist also auch in diesem Spieljahr Fakt, kann aber in den letzten vier Spielen noch gebrochen werden, denn in den vergangenen drei Jahren holte Hertha in den vier letzten Begegnungen nur noch 1 – 1 – 3 Punkte. Das kann diesmal gaaaanz anders werden, auch wenn es für einen Platz „in Europa“ nicht mehr reichen wird. Na und?

Die Statistik im Einzelnen:

14/15 Hinrunde: 18 P. – Rückrunde: 17 P.  Gesamt 35 P. Platz 15

Spieltag 18 bis 30: 16 P..

15/16 Hinrunde: 32 P. – Rückrunde: 18 P.  Gesamt 50 P. Platz 7

Spieltag 18 bis 30: 17 P.

16/17 Hinrunde: 30 P. – Rückrunde: 19 P.  Gesamt: 49 P. Platz 6

Spieltag 18 bis 30: 16 P.

17/18 Hinrunde: 24 P. –  Rückrunde:  ?         Gesamt:   ?    Platz ?

Spieltag 18 bis 30: 15 P.

 

Mal sehen, mit welchen Zahlen die Fragezeichen in drei Wochen ersetzt werden können…

Wer ist eigentlich Herthas Rekordtorschütze?

Natürlich, wird jeder sagen, dem blauweißes Blut durch die Adern rauscht und dem obige Frage gestellt wird, dass Michael Preetz mit 84 Treffern vor Denkmal Ete Beer mit 83 Toren in der internen Erstligatorschützenliste führt. Soweit so richtig. Dass Lorenz Horr (75), Marcelinho (65) und Marco Pantelic (45) in der Rangliste folgen, werden nicht alle wissen. Und eine lebenslang gültige Dauerkarte würde derjenige gewinnen (vorausgesetzt, es gäbe ein entsprechendes Preisrätsel), der wüsste, dass Erwin Hermandung, seines Zeichens eher kantiger Mittelfeldrecke in der Art Per Skjelbreds, 34 Tore erzielt hat und mit Karl-Heinz Granitza einen ehrenwerten 6. Platz einnimmt.

Ein anderes Bild erhält die Rangfolge, wenn man die Anzahl der erzielten Tore mit der Anzahl der Spiele in Beziehung setzt. Ein gewisser Pal Dardai ist immerhin 19. mit 17 erzielten Treffern, er benötigte dafür allerdings 276 Spiele, was einen eher unterdurchschnittlichen Koeffizienten von 0,06 ergibt.

And the winner is: Erwin Kostedde, der einen Gerd-Müller-ähnlichen Schnitt von 0,54 hat. Leider hat er aber nur 26 Spiele für Hertha absolviert; wenn er bei gleichem Torerfolg länger bei Hertha gespielt hätte, wäre eine Deutsche Meisterschaft in den Siebzigern möglich gewesen. Olle Kamellen. Wie ist die weitere Rangliste?

Zweiter ist Karl-Heinz Granitza (0,47) vor Michael Preetz (0,43), Christian Gimenez (0,43), den die Entscheidungsträger unverständlicher Weise nach einer Saison abgaben, Marcelinho (0,42), Andrej Voronin (0,41), Marco Pantelic (0,39), Vedad Ibisevic (0,38), Detlev Szymanek (0,38), Adrian Ramos (0,35) und Salomon Kalou (0,32) sowie (endlich) Ete Beer (0,32). Viele andere große Namen der Hertha-Bundesligageschichte wären noch zu nennen.  Lorenz Horr (0,31), Wolfgang „Mozart“ Gayer (0,31), Alex Alves (0,31), Kudi Müller (0,26), Helmut Faeder (0,25), Raffael (0,21) und viele andere mehr.

Ein Julian Schieber hat übrigens auch die erstaunliche Quote von 0,25. Über eine Vertragsverlängerung sollte man zumindest nachdenken…