Spezialität Kaderumkrempeln

Das Umkrempeln des Kaders zum Ende einer Saison bis zum Beginn der nächsten ist modern. Mit neuem „Spielermaterial“ hofft der gutbezahlte Manager des Vereins die nicht erfüllten Ziele der Vergangenheit in der nahen Zukunft zu erreichen. Was im Eishockey und Basketball bis zum Exzess getrieben wird, ist auch im Fußball seit Jahren Normalität. Zehn bis 15 Abgänge stehen meist ebenso viele Neuzugänge bei einer Kadergröße um die 30 gegenüber. Ist das sinnvoll? Für die Spieler, die ihr Salär aufbessern können: Sicher! Für den Spielerberater, der Provision einstreicht: Natürlich! Aber für den Verein? Manchmal, teilweise, vielleicht… Eindeutige Antwort: Fehlanzeige. Für den Fußballromantiker: Pfui Teufel!

Abgänge wird es immer wieder geben: Die Altersgrenze kann mit Anfang bis Mitte 30 erreicht sein, eine Verletzung kann zur Sportinvalidität führen, ein Spieler kann durch außergewöhnliche Leistungen auf sich aufmerksam gemacht haben. Aber das Auswechseln des halben Kaders schadet einerseits der notwendigen sportlichen Kontinuität und verringert andererseits die Identifikation der Fans mit der Mannschaft.

Manager Görlich hat einen totalen Umbruch der Herthamannschaft für den Sommer angekündigt. Wenn man realisieren würde, dass die Mannschaft die zehn fehlenden Punkte zum Aufstieg in vielen guten, aber trotzdem nicht gewonnenen Spielen verschenkt hat (Heimspiele gegen Gelsenkirchen, Darmstadt, Kaiserslautern und Kiel, um nur einige aufzuzählen), wäre das berühmte Drehen an einigen Stellschrauben wahrscheinlich der sinnvollere Weg zum Erfolg. Denn es war beileibe nicht alles schlecht in dieser Saison, auch wenn das ausgegebene Saisonziel verfehlt wurde. Verantwortlich dafür war aber nicht das Große Ganze, sondern fehlende Präzision beim Torschuss und Aushalten des Drucks in entscheidenden Situationen. Wer sagt aber, dass die zehn bis 15 neuen Spieler einem möglichen Druck standhalten werden? Wenn „Hält Druck aus“ vom Mannschaftsarzt diagnostiziert werden könnte, wäre ich auch für ein Auswechseln der halben Mannschaft. Aber so?

Konkret: Niemand versteht, warum Toni Leistner oder Jeremy Dudziak nicht einen weiteren, leistungsbezogenen Einjahresvertrag erhalten. Dass Demme, der nur selten ein Faktor im Herthaspiel war oder Brooks, der fast nie spielfähig war, gehen müssen, ist klar. Und wenn ein Talent wie Tim Hoffmann den Verein verlassen will, muss man das akzeptieren.

Vielleicht kommt es am Ende gar nicht so schlimm, wie viele vermuten, nämlich dass Ernst, Reese, Eichhorn, Dardai, Winkler, Kownacki, Eitschberger, Krattenmacher und Gechter (und einige andere) den Verein verlassen. Die Transferperiode ist lang. Wahrscheinlich wird die neue Mannschaft erst wieder zusammenfinden, wenn die Saison schon läuft. Hoffentlich hat man dann nicht schon wieder entscheidende Punkte verspielt. Aber eine qualitative Schwächung, wie sie angekündigt wurde, muss nicht zwangsläufig zu schlechteren Ergebnissen führen. Elversberg, Heidenheim und andere haben es gezeigt…

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