Ein Glück: Die beste, größte und überhaupt WM aller Zeiten („ever“) ist, von einigen Kollateralschäden wie dem frühzeitigen Ausscheiden der deutschen Mannschaft abgesehen, ohne große Besonderheiten vorüber. Fast alles wie immer: Die Spanier gewinnen, die Argentinier treten nach allem, was sich bewegt und regen sich noch über den Schiedsrichter auf, die Engländer werden nicht Weltmeister und das panini-Sammelalbum ist trotz größter Anstrengung nicht vollzukriegen. Aber ein Licht erscheint am Ende dieses langen Sommertunnels: Die ganz normale Fußballsaison beginnt bald. Bayern München wird wieder Meister werden, die Aufsteiger werden anfangs für Furore sorgen, Freiburg wird wieder positiv überraschen und in der 2. Liga wird Hertha wieder nicht aufsteigen, wie es der Fußballphilosoph Pal Dardai nach dem Abstieg 2023 vorausgesehen hatte.
Geschäftsführer Sport Görlich reitet auf der Rasierklinge. Der Grat, auf dem er sich bewegt ist extrem schmal und ein Absturz kann jederzeit erfolgen: Verkauf von fünf Leistungsträgern (Ernst, Reese, Cuisance, Karbownik, Eichhorn) und der freiwillige Verzicht auf einen sechsten (Leistner), könnte einen Absturz in Richtung Abstiegskampf bedeuten. Abgesehen davon, dass die Transferperiode noch lange nicht beendet ist, und der Abgang von Dardai, Winkler, Gechter und Kolbe noch nicht ausgeschlossen ist.
Es kann aber auch der Aufbruch zu neuen Ufern werden, wenn die noch zu verpflichtenden Neuzugänge und die aus der Akademie kommenden Jungspunde (Heide, Berner, Hildebrandt, Ndi, Gouram, Telib und andere) einen neuen Fohlenfußball kreieren könnten. Dazu kommt noch der Kapitän der deutschen U19-Nationalmannschaft, gerade Vizeeuropameister geworden, Boris Lum. Wer da auf internationaler Ebene eine solche Führungsrolle innehat, sollte doch auch in der 2. Liga eine ernstzunehmende Größe werden können. Die Frage ist nur, ob Trainer Leitl, eher als konservativ bekannt, den vielen jungen auch genug Einsatzzeiten gönnt.
Die Mannschaft könnte folgendes Gesicht haben.
Tor: Gersbeck (oder Goller oder Heide oder ein Neuzugang)
Abwehr: Eitschberger, Dardai, Gechter, Kolbe (oder Zeefuik)
Mittelfeld defensiv: Sessa, Seguin (oder Jensen)
Mittelfeld offensiv: Lum, Gouram
Angriff: Winkler, Brekalo (oder Schuler, Grönning)
Dazu kommen Pascal Klemens, Jan Dagur Thorsteinsson, Oluwaseum Adewumi (bisher einziger Neuzugang), Niklas Hildebrandt, Jelani Ndi, Kian Todurovic und Gustav Christensen.
Mit zwei weiteren möglichen guten Neuzugängen braucht man bei diesem Kader trotz des großen Aderlasses eigentlich keine Angst zu haben. Wenn die Chemie innerhalb der Mannschaft stimmt und ein neuer Standardtrainer mehr Ideen hat als Patrick Ebert (wozu wenig gehört, weil Ebert überhaupt keine Ideen hatte) und Trainer Leitl etwas flexibler in der taktischen Ausrichtung sein könnte, dann kann auch diese Mannschaft vorne mitspielen. Der Aufstieg muss ja nicht unbedingt als Ziel hinausposaunt werden. Und selbst das übliche 0:4 in Bochum muss nicht der Anfang vom Ende sein.