Die nächste Übergangssaison

Pressekonferenzen zählen mit Sicherheit zu den langweiligsten Medienereignissen, wenn man von den Ergüssen eines Mister Trump, der den Anwesenden stets das eine oder andere Schmunzeln gestattet, mal absieht. Bei Hertha hat in den vergangenen Jahrzehnten nur Pal Dardai die Journalisten und anderen Zuhörer mit einigen Ausfällen unterschiedlicher Art vor dem Wegnicken bewahrt. Wenn man Otto Rehhagels unfreiwillige Lacher nicht berücksichtigt.

In der Pressekonferenz zum Auswärtsspiel in Braunschweig ließ Trainer Leitl aber doch ein Mal aufhorchen, als er mitteilte, dass Vorstand Peter Görlich von einem großen Kaderumbruch zur nächsten Saison sprach. Natürlich weiß man, dass Hertha Transfererlöse erwirtschaften muss, dass aber das gesamte Team zur Disposition stehen soll, überraschte doch etwas. Eine weitere Übergangssaison steht also an, was nicht nur den Kabarettisten und Hertha-Fan Lüdecke sicher verzweifeln lässt.

Als ein Journalist dem Trainer die Frage stellte, ob er denn auch mit einem Kader mit weniger Qualität arbeiten wolle, verpasste Leitl eine große Chance. Er sagte nur, dass Qualität ein großes Wort sei, nicht aber, dass man auch mit einem Kader angeblich minderer Qualität selbstverständlich großes erreichen könne, da ja, wie wir alle wissen (gähn) „Mentalität“ die „Qualität“ oft schlägt, was der Hertha-Anhänger auch in diesem Jahr wieder oft leidvoll erleben musste. Denn sicher hat Hertha in dieser Saison einen Kader höchster Qualität, der allerdings nichts nützt, wenn man die entscheidenden Spiele z.B. gegen Magdeburg, Paderborn, Hannover und Kaiserslautern, um nur vier von mindestens zehn Beispielen zu nennen, verliert.

Dies im Hinterkopf muss der Herthaner den Kopf nicht in den Sand stecken. Natürlich ist eingetroffen, was Pal Dardai vor drei Jahren sagte, nämlich dass es Jahre dauern wird, bis Hertha wieder aufsteigen kann. Vielleicht gelingt es in der vierten Zweitligasaison in Folge (so viel wie seit den achtziger Jahren nicht mehr) mit einem auf dem Papier weniger qualitätvollen, dafür aber mental stärkerem Kader einen Platz unter den ersten drei der Tabelle zu erreichen. Unmöglich ist das nicht. Vor Jahren hat es Leitl mit den Nonames aus Fürth selber vorgemacht.

Und dass er wirklich ernst macht fügte Leitl noch wie nebenbei an, als er mitteilte, dass er mit dem U 19-Talent Niklas Hildebrandt in der neuen Saison plant. Schauen wir mal, ob nach Maza und Eichhorn der nächste Transfer-Erlösbringer aufgebaut wird oder ob ein kleiner Baustein für den Aufstieg gefunden wird.

Warum nicht, wenn`s mit Reese, Cuisance, Sessa und Demme nicht klappt?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert