Das kann Hertha nicht schaffen! Oder doch?

Die DFL hat sich einen tollen Trick ausgedacht: Da der Spielplan wegen Herthas Nachholspielen bei 14 Tagen Quarantäne und einer Woche Vorbereitung nicht zu halten gewesen wäre, streicht man einfach die Vorbereitungszeit auf drei Tage zusammen. Freitag, Sonnabend und Sonntag dürfen die Herthaner gemeinsam für den Abstiegskampf trainieren, um am Montag in Mainz das erste von sechs Spielen zu bestreiten. Für so flexibel hätte man die DFL gar nicht gehalten.

Im Tagesspiegel war neulich zu lesen, dass die Situation für Hertha auch positiv gewendet werden könnte. Leider wurden außer psychologischen Floskeln keine konkreten Maßnahmen genannt, wie das laufen soll. Arne Friedrich und CEO Schmidt haben immerhin schon von der „Jetzt-erst-recht-Mentalität“ gesprochen. Darauf könnte man wirklich aufbauen. Sich im virtuellen Kreis aufzustellen und dreimal ganz laut „Wir sind ein – TEAM“ zu brüllen (selbstverständlich unter Einhaltung aller Hygiene- und Abstandsregeln) könnte auch hilfreich sein. Dass sich am Sonnabend um 15.30 Uhr 80.000 potenzielle Abstiegskampf-Stadionbesucher auf den Balkon stellen und ganz lange applaudieren, ist nicht zu erwarten, ein bisschen Pyrotechnik a la Union würde wenigstens das eine oder andere Kamerateam aktivieren.

Klar ist natürlich: Solange die anderen Abstiegskandidaten, also Köln, Bielefeld, Mainz und neuerdings auch Bremen und Augsburg, keine Punkte holen, steigt Herthas Chance, das Feld von hinten in der Jägerrolle ein-und überholen zu können, wie einstmals Nikita Sergejewitsch Chrustschow mit der Sowjetunion an den USA vorbeiziehen wollte. Leider sind aber Köln (Siege gegen Leipzig und Augsburg), Bielefeld (Siege gegen Freiburg und Schalke) und Mainz (Siege gegen Hoffenheim, Köln und Bremen) gemeine Spielverderber. Und je größer der nicht virtuelle sondern ganz konkrete Punkteabstand auf den Relegationsplatz oder gar den ersten Nichtabstiegsplatz 15 wird, desto mehr verschlechtert sich das psychologische Moment einer dann fast aussichtslosen Aufholjagd für Hertha.

Wenn das erste Spiel gegen Mainz am 3. Mai gewonnen werden kann, könnte es einen befreienden Schub geben, zumal die Mannschaft zwar einerseits Trainingsrückstand hat, andererseits aber auch zwei Wochen Kraft schöpfen und aktive Regeneration betreiben konnte.

Die maximal erreichbare Punktzahl von Herthas Mitkonkurrenten liegt bei 43 (Mainz), 42 (Augsburg, Bremen und Bielefeld) sowie 38 (Köln). Hertha kann theoretisch noch auf 44 Punkte kommen. Eine Spielerei, natürlich, aber ein Hinweis darauf, dass noch alle Chancen auf den Klassenerhalt bestehen. Manchmal hilft lautes Rufen im dunklen Wald ein bisschen. Vielleicht…

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