Das eigene Gesetz

Die Rede vom eigenen Gesetz, das in Pokalspielen gelte, ist natürlich Quatsch. Genauso, wie der Sieg eines Tabellenletzten beim Tabellenersten, kann auch ein Regionalligist einen Zweitligisten schlagen. Man nennt das Überraschung und genau davon lebt der Fußball. Sepp Herberger formulierte, dass man zum Fußball gehe, weil man nicht wisse, wie das Spiel ausgehe. Das gilt zwar streng genommen für alle Sportarten, aber beim Formel 1-Rennen oder im Tennis sind Überraschungen der Art, dass Jeddeloh II dem ungeschlagenen Spitzenreiter der 2. Liga die erste Saisonniederlage zufügt, relativ selten.

Hertha hat den Pokal noch nie gewonnen, und als man kurz davor stand, hatte entweder der Schiedsrichter etwas dagegen (1977 gegen Köln) oder man machte in der Verlängerung ein 99-%-Selbsttor (1979 gegen Düsseldorf) oder man verlor durch einen irregulären Treffer (1993 die Hertha-Bubis gegen Leverkusen).

Herthas Pokalgeschichte mit dem häufigen Aus in der ersten oder zweiten Pokalrunde, gerne auch gegen unterklassige Mannschaften, ist kein Ruhmesblatt für den Verein. In der vorigen Saison besiegte man den 1. FC Kaiserslautern mit einem rauschhaften 6:1 im Achtelfinale, um dann äußerst unglücklich im Viertelfinale gegen Freiburg zu scheitern. Nach dem ungeschriebenen Gesetz der Serie wäre eigentlich wieder einmal ein vorzeitiges Ausscheiden an der Reihe. Und Jeddeloh II, das Heidenheim in der ersten Rund fünf Tore einschenkte, wäre dafür genau der richtige Gegner. Dagegen sprechen nur zwei Tatsachen: Erstens ist die Mannschaft in dieser Saison von erstaunlicher Unbekümmertheit, obwohl gar nicht so viele Nachwuchsspieler wie anfangs erwartet und erhofft mitspielen und zweitens wird Hertha fast ein Heimspiel haben, weil sich 5500 Anhänger auf den Weg nach Oldenburg gemacht haben. Solche Zahlen gab es früher in den Siebzigerjahren nur bei Spielen in Braunschweig, als die Transitautobahn fest in blauweißer Hand war.

So, wie sich die Mannschaft derzeit präsentiert, kann man ihr nicht nur in der Meisterschaft, sondern auch im Pokal alles zutrauen. Aber Pokal wäre nicht Pokal und Hertha wäre nicht Hertha, wenn es auch genau andersherum kommt…

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