Gegen Ecuador zeigt die deutsche Nationalmannschaft mal wieder ihr dreckiges Gesicht. Alle Mannschaftsteil haben versagt oder waren zumindest nicht in WM-Form. Neuer im Tor war nicht der Gigant, gegen den sich Stürmer gar nicht zu schießen trauen, wie ein ZDF-Experte in der Vorschau verlauten ließ. Von wegen. Nicht nur, dass ein nicht unhaltbar scheinender Fernschuss („An einem besonders guten Tage…!) zum Ausgleich einschlug, nein, beim zweiten Tor, das zwar zum überwiegenden Teil auf Stellungsfehler der Feldspieler zurückzuführen war, hatte er den Überblick verloren und den hinter ihm stehenden Gegner nicht auf dem Schirm.
In der Abwehr war Tah noch der Beste, erst gegen Ende machte er auch Fehler, spitzelte Neuer den Ball aus der aufnahmebereiten Hand. Rüdiger war unauffällig, was schon einiges heißt. Kimmich glaubte auch als letzter Mann dribbeln zu können, weil er sich sowieso zur Weltklasse zählt. Und Raum auf der linken Abwehrseite machte alles falsch, was man falsch machen kann: Abspielfehler beim Aufbau, verlorene Zweikämpfe, schlechte Flanken, stets falsche Positionierung. Note 6. Entscheidend für die Niederlage war aber die Indisponierung der Mittelfeldspieler. Nmetcha, bisher der Fixpunkt der Mannschaft, stand völlig neben sich, Musiala und Wirtz waren, wie in den beiden Spielen zuvor, eigentlich nicht auf dem Platz (Musiala wurde allerdings mindestens zehn mal gefoult). Pavlovic ließ sich von seinen verunsicherten Mitspielern anstecken. Havertz konnte eigentlich nicht bewertet werden, weil er völlig in der Luft hing und Sané machte zwar das erste Tor, dem ein klares Foul voranging, und arbeitete viel nach hinten, konnte dem Spiel alleine aber auch keine Impulse geben.
Völlig falsch liegen allerdings die vielen Millionen Bundestrainer (laut BILD ja 84 Millionen, d.h. Frauen sind auch Trainer und nicht Trainerinnen und alle Menschen mit Migrationshintergrund trainieren auch die deutsche und nicht die türkische oder sonstige Nationalmannschaft), wenn sie die deutsche Mannschaft jetzt schon abschreiben. Das Sechzehntelfinale gegen (wahrscheinlich) Paraguay kann man durchaus überstehen, denn zwei Katastrophenspiele hintereinander gab es selbst bei den beiden letzten erfolglosen Weltmeisterschaften nicht (2018: gutes Spiel gegen Schweden, 2022: starkes Unentschieden gegen Spanien). Und im möglichen Achtelfinale gegen (wahrscheinlich) Frankreich muss nicht zwangsläufig Schluss sein. So gut der französische Angriff auch ist, so wackelig wirkte doch selbst gegen Norwegens B-Mannschaft die Abwehr. Ein Unentschieden und anschließender Sieg im Elfmeterschießen ist nicht völlig undenkbar. Nagelsmann kann ja die deutschen Tugenden offenbar ganz gut herauskitzeln (6:0 in der Quali gegen die Slowakei). Wie immer ist alles möglich. Die deutsche Mannschaft hat erst verloren, wenn der Bus den Parkplatz verlassen hat. Sagte wohl Gary Lineker. Und der hatte eigentlich immer recht…