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Arne Maier und seine Einsatzzeiten

Arne Maier, seit früher Jugend bei Hertha BSC spielend und eines der größten Talente im deutschen Fußball bittet den Verein um die vorzeitige Freigabe.

Warum?

Weil er nicht genug Einsatzzeiten bekommt.

Da fällt dem geneigten Beobachter doch die Kinnlade runter!

Arne Maier hatte in den letzten drei Spielzeiten 42 Einsätze, mit stets steigender Tendenz, in der Saison 18/19 spielte er 24 mal, davon 18 Begegnungen über die gesamte Spielzeit. Und das trotz einiger Wehwehchen und Verletzungen gegen Ende der Saison. Zu Beginn der derzeitigen Saison verletzte er sich schwer am Knie und als er gerade fit war, zog er sich in der Winterpause wieder eine Blessur zu, die zum Glück nicht allzu schwerwiegend war. Alles in allem fiel der gute Arne ein halbes Jahr verletzungsbedingt aus. Wie er unter diesen Umständen auf Einsatzzeiten kommen sollte, kann wohl nur er selber beantworten. Vielleicht beim neuen „walking-Fußball“, der aber mehr für die Generation 60+ gedacht ist. Zumindest nicht in der Bundesliga, wo manchmal so etwas wie Leistungssport betrieben wird.

Offensichtlich hat Arne Maier Angst, sich im Mittelfeld erstmal hinten anstellen zu müssen. Da gibt es Grujic, Darida, Skjelbred und neuerdings auch Ascacibar. Fünf Spieler für zwei bis drei Positionen stellen eigentlich keinen unzumutbaren Konkurrenzdruck dar, wenn man den Anspruch hat über kurz oder lang in der Nationalmannschaft zu spielen. Und auch wenn im Sommer der Franzose Lucas Tousart zum Kader stößt: Ob Grujic bleibt ist unklar, Skjelbred spielt zwar die beste Saison seines Lebens, aber er wird auch nicht jünger und ist schon über 30 und ob Duda zurückkehrt, ist überhaupt nicht sicher, außerdem ist er als Zehner eher kein Konkurrent für Maier.

Fazit: Maier wird gebraucht.

Also: Dem jungen Mann mal erklären, was das Wort „Durchsetzungsvermögen“ bedeutet und genau das machen, was Manager Preetz offenbar zeigt: „Freigabe verweigern – arbeiten gehen – ab auf den Trainingsplatz!“

Kalou und Klinsmann – mal sehen was bleibt…

Salomon Kalou kam in der Saison 2014/15 zu Hertha und fast jeder dachte, dass sich da jemand für viel gutes Geld ein, zwei Jahre aufs Altenteil legen wird. In der Mitte seiner sechsten Saison bei Hertha hat Kalou 152 Spiele für die Blauweißen absolviert, was Platz 35 von über 450 eingesetzten Spielern seit 1963 bedeutet und 48 Tore geschossen. Das ist in der Hertha-Rangliste immerhin Platz 5 hinter Preetz (84), Beer (83), Horr (75) und Marcelinho (65) und vor Pantelic (45), Hermandung und Granitza (je 34). Natürlich war Kalou nie der Schnellste, obwohl er, wenn er wollte, jeden Außenverteidiger abhängte. Zu Kopfballduellen im Mittelfeld stieg er grundsätzlich nicht hoch, aber wie er in Leipzig beim großen 3:2-Sieg in der Luft stand und eine Flanke versenkte, bleibt unvergessen. Selbst stürmende Außenverteidiger verfolgte er bis zur eigenen Eckfahne, wenn es denn unbedingt sein musste. Und wenn Hertha das seltene Glück hatte, einen Elfmeter zugesprochen zu bekommen? Man konnte seinen Puls schon mal runterfahren, wenn Salomon Kalou sich den Ball zurechtlegte: In der Nachspielzeit in Wolfsburg vom Punkt den Siegtreffer erzielt und überschäumende Euphorie entfacht, in Freiburg nach seinem einzigen Fehlschuss zehn Minuten später den Ball wieder zu fordern und dann zu versenken: Dardai bescheinigte ihm Eier. Wie wahr.

Jetzt darf er sich einen neuen Verein suchen und auch wenn er in dieser Saison nur noch selten zum Einsatz kam, ist jeder Herthaner doch auch ein bisschen traurig. Ist dieser Abgang der neue Stil bei Hertha?

Natürlich zählt in der Bundesliga, in der selbst durchschnittliche Kicker im Laufe ihrer Karriere Millionen verdienen, nur das Gesetz der Leistung. Und Jürgen Klinsmann, der selber mal eine Tonne zertrat, weil er das Leistungsprinzip nicht akzeptieren wollte, setzt dieses gnadenlos durch. Betonung auf gnadenlos. Um die Ziele seines Herrn und Meisters zu erreichen, nämlich mittelfristig in der Champions League zu spielen (und Meister zu werden), wobei die Frage erlaubt sei, wie lang mittelfristig ist, werden in kürzester Zeit alle Tugenden und Leitlinien des Vereins über den Haufen geworfen: Die eigene Jugend in die Bundesligamannschaft einzubauen und Kontinuität im Spielerkader als wichtiges Element der Identifikation von Fan und Verein zu wahren. Davon kann momentan keine Rede mehr sein. Wenn Klinsmann in einigen Jahren als Trainer oder Aufsichtsratsmitglied mit der Schale durch das Brandenburger Tor fährt oder läuft, hat er alles richtig gemacht. Wenn die Windhorst-Millionen in zwei Jahren aber verbrannt sind (siehe HSV, Stuttgart…) und der Verein mit einer Truppe von Söldnern (das sind zwar auch jetzt schon alle Spieler, aber nicht alle fühlen sich so) den Abstieg nicht verhindern kann, weil die Spieler das Kämpfen verlernt haben…dann hat Klinsmann alles falsch gemacht. Wir verfolgen die Sache gespannt und nehmen keine Wetten an, wie sie ausgeht…

Das dardaische Entlassungsaxiom

Drei Punkte gegen Freiburg sind im Abstiegskampf unbedingte Pflicht. Und wenn nicht? Klinsmann würde auch im Falle einer Niederlage (und auch eventuell folgender Niederlagen gegen Leverkusen, Mönchengladbach und Bayern München) nicht entlassen werden, weil erstens kein anderer Trainer zur Verfügung steht, zweitens der Investor nicht zustimmen würde und drittens es erst vier Niederlagen in Reihe wären und nach dem dardaischen Entlassungsaxiom wird man erst nach der fünften Niederlage in Serie gefeuert. Außer Ante Covic, der nach vier Pleiten gehen musste.

Warum steht Hertha eigentlich am südlichen Ende der Tabelle, obwohl man doch zu Beginn der Saison das Ziel Europaliga ausgegeben hatte?

Es ist, wie so oft im Fußball, dass Erfolg auch Erfolg nach sich zieht und Misserfolg neuen Misserfolg schafft. Ein unglücklich verlorenes Spiel setzt die Mannschaft unter Zugzwang, dann vereitelt der Pfosten oder ein indisponierter Schiedsrichter einen Sieg und schon befindet man sich in der Abwärtsspirale.

Hertha hat in München, gegen Wolfsburg, in Köln, gegen Düsseldorf, in Bremen, gegen Hoffenheim, gegen Dortmund und auch in Frankfurt zumindest phasenweise gut gespielt, aber trotzdem drei dieser Spiele verloren und in zweien nur ein Unentschieden erreicht. Unglücklich mit zwei Eigentoren auch die Niederlage gegen Schalke, die Niederlage in letzter Minute gegen Mainz. Glücklich eigentlich nur der Sieg gegen Paderborn. Und indiskutabel vom Einsatz her die Niederlagen gegen Union und Augsburg. Gegen überlegene Leipziger hätte man auch ein Unentschieden erreichen können, wenn der klare Elfmeter nicht verweigert worden wäre. Aber das ist es natürlich, was einen Verein ausmacht, der um den Abstieg, oder positiv formuliert um den Nicht-Abstieg spielt: Enge oder teilweise überlegen geführte Spiele werden in der Regel verloren. Um aus dieser Spirale herauszukommen benötigt man, wie jeder weiß, Siege. Z.B. gegen Freiburg! Die Statistik weist eher auf ein Unentschieden hin, das es elf mal im Olympiastadion gab, bei fünf Hertha-Siegen und vier Erfolgen für Freiburg. Die beiden letzten Partien endeten jeweils auch Remis, vor drei Jahren gewann Hertha in der Nachspielzeit durch Schiebers Tor mit 2:1.

Ein Unentschieden käme in diesem Jahr aber einer Niederlage gleich. Hoffentlich hat Klinsmann die Mannschaft so motivieren können, dass es für „einen Dreier“ reicht. Aber es gibt ja noch die traditionell „starke“ Rückrunde von Hertha. Noch kann also, so oder so, gehofft werden…

Soll Preetz aus Uerdingen lernen?

Die Ultras zeigten im Spiel gegen Dortmund viele schöne Spruchbänder. Das schönste lautete zweifellos: „10 Jahre – 12 Trainer – 1 Verantwortlicher“

Abgesehen davon, dass es nicht zwölf Trainer sondern nur neun waren, sollten die Verfasser mal nach Uerdingen schauen: in 19 Monaten gab es dort acht verschiedene Trainer, weil der russische Investor offenbar etwas mehr Speed braucht als der grundsolide Preetz. Vielleicht sollte der Hertha-Manager noch ein bisschen am Geschwindigkeitshebel des Trainerkarussells drehen, damit die Ultras sehen, dass noch viel mehr geht. Das Blöde ist nur, dass das ständige Auswechseln des Trainers ja nicht im Entferntesten Erfolg hat, wie Uerdingen, der HSV oder auch Stuttgart oder Köln glanzvoll beweisen. Andererseits sind neun Trainer in 10 Jahren auch kein Pappenstiel, auch wenn, außer Freiburg, wohl jeder Bundesligist eine ähnliche Traineraustauschbilanz aufweist. Und viereinhalb Jahre Konstanz, wie zuletzt bei Dardai, zeigen ja, dass Trainer nicht aus Jux und Dollerei gewechselt werden, sondern dass es meist zwingend nötig war. Eine kleine Chronologie gefällig?

Favre war nach der verpassten Meisterschaft 2009 ausgebrannt und mental und körperlich am Ende.

Funkel wurde nach etlichen Niederlagen nicht entlassen, sondern durfte mit Hertha absteigen (nach teilweise großartigen Spielen in der „Aufholjäger-Rückrunde). Es waren vor allem die Fans der Ostkurve, die Funkel nicht in der zweiten Liga sehen wollten (wie sie ja überhaupt immer die ersten sind, die „Trainer raus“ schreien).

Babbel musste nach eineinhalb Jahren gehen, weil es Probleme außerhalb des Fußballgeschehens gab, wie alle wissen.

Skibbe war der einzige Fehlgriff des Managers, wer kann aber schon sagen, ob es mit ein bisschen Geduld nicht doch besser gelaufen wäre. Nach vier Niederlagen und einem unglücklichen Pokal-Aus durfte Skibbe zum Arbeitsamt.

Das Ein-Spiel–Gespann Widmayer/Covic überspringen wir der Einfachheit halber.

Rehhagel war von vorneherein nur als Kurzzeit-Retter vorgesehen, was er auch fast geschafft hätte, wenn Herr Stark in der Düsseldorfer Relegation nach offiziellen Fußball-Regeln gepfiffen hätte und nicht nach Provinz-Stammtisch-Regelauslegung.

Luhukay durfte aufsteigen, nicht absteigen und noch 19 Spiele lang langweiligen Fußball zelebrieren lassen und auch die Ostkurve war damals nicht unzufrieden, als er gehen musste.

Dardai stabilisierte die Mannschaft, sein Fußball war nicht immer schön, aber im Rahmen der Möglichkeiten viereinhalb Jahre lang erfolgreich.

Covic sollte ein Nachfolger mit Hertha-Gen werden, der aber das nötige Glück nicht auf seiner Seite hatte. Der einzige Vorwurf, den man ihm machen kann: Fünf Punkte zu wenig und ein hergeschenktes Derby.

Klinsmann, der neunte in der Preetzschen Trainergalerie, soll mit seinem neuen Stab diese Punkte holen, Union im Rückspiel schlagen und nach der Saison Platz machen für Nico Kovac. Es gibt keine Garantie, dass das gelingt. Wenn doch, hat Preetz insgesamt nicht so viel falsch gemacht, was die Trainerfrage angeht. Dazulernen ist natürlich nicht verboten. Aber bitte nicht von Uerdingen…

Schiedsrichter oder Scharfrichter?

Versuch einer Annäherung: Wie kann es eigentlich dazu kommen, dass ein Schiedsrichter, auch Unparteiischer genannt, einen am Boden liegenden, blutenden Spieler sieht und kein Interesse daran hat, zu erfahren, wie es zu der Verletzung kam? Denkt er insgeheim, vor einer Kamera würde er es sich wohl nicht zu sagen trauen, an zu intensives Popeln? Hält er den Blutenden für so durchtrieben, dass er an Selbstverstümmelung zur Erlangung eines Strafstoßes glaubt? Dann wäre eine gelbe oder gar rote Karte fällig gewesen. Die hat er vielleicht nur vergessen. Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, wie der Schiedsrichter, der Sören Storks heißt, das Problem hätte lösen können! Ein kurzer Gang zum Monitor hätte ihn darüber aufgeklärt, dass der Leipziger Verteidiger mit seinen ausschwingenden Armen nicht nur den Ball weggepritscht sondern dem armen Niklas Stark auch das Nasenbein gebrochen hat. Ergo zwei Elfmeter für Hertha, was leider nicht möglich ist, einer würde auch reichen, und die gelbe oder rote Karte für den Leipziger Abwehrmann.

Warum? Warum macht es der Storks nicht? Man kann nur vermuten.

Storks kommt aus Velen, einem Nichts von Ort zwischen Münster (östlich), Enschede (nördlich), Bocholt (westlich) und Essen (südlich) im nördlichen Münsterland. Ist es zu psychologisierend, wenn wir Komplexe wegen der Herkunft unterstellen, und dass man es als Schiri den Millionenstädtern mal so richtig zeigen kann?

Von Beruf ist Herr Storks Zimmerermeister, ein ehrenwerter Beruf, vielleicht etwas altmodisch, aber Nichts, was auf Charakterschwäche und Hang zu Rache und Gewaltphantasien deuten würde.

Dass Storks seit 2017, also in mehr als zwei Jahren, nur zehnmal in der ersten Liga pfeifen durfte, spricht nicht unbedingt für herausragende Leistungen, andererseits zwingt diese mangelnde Erfahrung auch nicht zu absurden Entscheidungen.

Geboren ist Sören Storks übrigens am 8.November 1986, also ist er 33 Jahre alt, im besten Schiedsrichteralter. Wie bitte?  Am 8. November? Und wann war das Spiel Hertha gegen Leipzig? Doch, wirklich, am 9. November!!! Könnte es sein, dass der gute Sören Storks am Vorabend seines zu leitenden Spiels in der Hauptstadt um die Häuser gezogen ist, man hat ja nur einmal im Jahr Geburtstag und in der Hauptstadt plus Geburtstag ist man vielleicht nie wieder und Mauerfalljubiläum war ja auch noch. Doping- und Alkoholproben werden von Schiedsrichtern nicht erhoben. Beweise gibt es nicht. Restalkohol in größeren Dimensionen wäre aber mal eine hinreichende Erklärung für Storks katastrophale Leistung, die ihm nur die Note 5 in der Fußball Woche eingebracht hat, Hertha aber einen möglichen Punkt, der vor der Länderspielpause gegen einen so hochkarätigen Gegner so wichtig für den weiteren Verlauf der Saison hätte sein können, gekostet hat.

Ansonsten bleibt nur eine Erklärung. Herr Storks WOLLTE, dass Hertha verliert, aus welchen Sympathien für andere Vereine auch immer. Wenn es beim DFB so etwas wie eine Aufsicht über Schiedsrichter gibt (und die gibt es wirklich) gehört dieser Mann aus dem Verkehr gezogen!

Hertha und die DFB-Justiz

Selber Schuld: Wer in einem Stadtderby so desinteressiert spielt wie Hertha am Sonnabend in der Alten Försterei, muss sich nicht wundern, wenn er plötzlich statt der erhofften Europapokalplätze einen Abstiegsplatz in unmittelbarer Reichweite verspürt. Ob der Elfmeter nun berechtigt war oder nicht, Union hatte sich den Sieg als etwas bessere von zwei schlechten Mannschaften redlich verdient. Wie man mit dieser Einstellung auch nur ansatzweise eine Chance gegen RB Leipzig haben will, können nicht mal die Fußballgötter wissen.

Jeder weiß aber, dass es von Seiten des DFB Strafen gegen Union und vor allem gegen Hertha geben wird. Dabei geht es weniger um die Unterstützung des trüben Flutlichts im Köpenicker Stadion durch bunte Leuchtfeuer auf den Tribünen (sonderbarer Weise machten die Unioner mit bei diesem Unsinn der Selbstdarstellung, eigentlich zündelt man als korrekter Ultra nur Auswärts), als um das Schießen mit Signalmunition auf den Rasen und in die Zuschauerblöcke von Hertha-Seite und den vom großartigen Union-Torwart Gikiewicz fast im Alleingang zurückgeschlagenen Platzsturm etlicher vermummter Union-Ultras. Als es den letzten Platzsturm von 50 Chaoten im Olympiastadion 2010 nach dem verlorenen Abstiegsduell gegen Nürnberg gab (keine Verletzten, 50 € Sachschaden) musste Hertha im nächsten Heimspiel auf die Unterstützung der gesamten Ostkurve verzichten. Sippenhaft also, in der normalen Rechtsprechung verboten, vom DFB kalt lächelnd verhängt: Es ging ja gegen Hertha und nicht etwa gegen Schalke. Mal sehen, wie die Strafe gegen Union ausfällt. Eine Wette, dass es keinen Zuschauerausschluss gibt, nehme ich ab sofort an.

Und die Strafe für Hertha? Den Verein für die Verbrecher, die auf Menschen geschossen haben, verantwortlich zu machen, ist rechtlich sicher problematisch. Es handelt sich ja wahrscheinlich nur um zwei bis drei verrückte oder nichtzurechnungsfähige Menschen, die aus der Gruppe der 2500 heraus die zehn bis zwanzig Schüsse abgegeben haben. Zweifellos ein Fall für Polizei und Staatsanwaltschaft und weniger für die Amateurjuristen des DFB. Und für die große Anzahl der Anhänger einschließlich der Ultras, die erkennen müssen, dass es keine Denunziation ist, die Schützen zu benennen, sondern die Aufklärung einer Straftat, einer extrem vereinsschädigenden noch dazu. Das wäre doch mal was, wenn die Täter von den Herthanern selber ausgeliefert werden würden. Wahrscheinlich ist das aber nur naives Wunschdenken.

Eine Geldstrafe kommt in jedem Fall auf beide Vereine zu. Schade um das schöne Geld…Und bei Hertha, weil es eben Hertha ist, wird es noch ordentlich was obendrauf geben…

Alles neu bei Hertha

Spielt Hertha neuerdings Eishockey? Das fragt man sich doch unwillkürlich, wenn man das Ergebnis im Pokalspiel gegen Dresden liest, nämlich 8:7. Aber natürlich waren mal wieder die Ahnungslosen am Werk, die auch Jahrzehnte nach der Einführung des Elfmeterschießens (vorher wurde gelost!) nicht verstanden haben, dass die Elfmetertore nicht zum Spiel gehören, auch in keiner Torschützenstatistik auftauchen und NUR der Ermittlung des Siegers dienen (weil man in K.o.-Spielen eine Mannschaft feststellen muss, die die nächste Runde erreicht). Sogar in Statistiken wird so ein Spiel als Unentschieden gewertet! Also muss es korrekterweise heißen:

Hertha BSC – Dynamo Dresden 3:3 n.V. (5:4 im Elfmeterschießen).

Hertha tat sich also schwer, im Pyroabgasgeschwängerten Olympiastadion. Wenn es stimmt, dass ein Beobachter die Anzahl der Pyrofeuer zählt und der entsprechende Verein Geldstrafen pro Einzelfeuer zahlen muss, ist Dynamo Dresden ab sofort insolvent.

Hertha hingegen ist alles andere als pleite, sportlich hat man sich nach den Startschwierigkeiten berappelt und das Derby gegen Union wird richtungweisend für den weiteren Verlauf der Saison sein. Ob Hertha an der Alten Försterei gewinnen kann, steht in den Sternen, ein Unentschieden ist, auch wenn man die vier Zweitligapartien zwischen beiden Teams betrachtet, das wahrscheinlichste Ergebnis. Herthas Sturm ist mit 15 Toren nach neun Partien im Soll, die Abwehr schwächelt allerdings mit bereits 16 erhaltenen Toren. Im vorigen Jahr hatte Hertha zum gleichen Zeitpunkt auch 15 Tore erzielt, aber nur 10 bekommen! Mal sehen, ob Ante Covic seinen taktischen Schachzug der letzten Spiele, einen Sechser (Skjelbred, Grujic) als zentralen „Innenverteidiger“ spielen zu lassen, beibehält. Diese interessante Maßnahme bringt zwar mehr Kompaktheit im Mittelfeld, überfordert aber die entsprechenden Sechser, die lange Laufwege haben und dadurch nicht immer rechtzeitig eingreifen können. Sowohl gegen Hoffenheim als auch gegen Dresden war vor dem jeweiligen 0:1 die Mitte nicht geschlossen und der Weg für einen Konter gähnend weit geöffnet. Jetzt, da Stark wieder fit ist und außerdem Torunarigha bereit ist, sollten, wenn mit einer Dreierkette gespielt wird, auch drei gelernte Innenverteidiger auflaufen. Aber vielleicht muss das Ganze nur besser geübt und eingespielt sein, bevor es richtig funktioniert und die Abwehr stabil steht. Wie auch immer, der Derbytipp bleibt bei einem soliden 1:1.

Lügt die Tabelle wirklich?

Zeigt die Tabelle nach dem ersten Spieltag schon eine gewisse Wahrheit oder lügt sie, wie immer wieder unreflektiert übernommen wird? Hertha auf Platz 9, Union am Tabellenende und Dortmund auf dem Schalenplatz. Könnte sein, dass es wirklich so kommt, aber wer will darauf wetten? Am wenigsten wahrscheinlich scheint mir der 18. Platz von Union, obwohl die Köpenicker ja gerade abgewatscht wurden. Aber wurde das Hertha von Leipzig nicht auch regelmäßig ohne deshalb an Abstieg zu denken? Leipzig ist wahrlich nicht der Maßstab, an dem man Union messen sollte. Im Auswärtsspiel gegen Augsburg können die Rot-weißen zeigen, ob sie in der Liga ernst genommen werden müssen. Tennis Borussia startete einst mit einem 0:5 in Braunschweig, um am zweiten Spieltag Werder Bremen mit 4:0 nach Hause zu schicken. Allerdings stiegen die Veilchen damals am Ende trotz Karl-Heinz Schnellinger ab. Das muss kein Vorbild sein.

Vorbildlich in der Einstellung ist Hertha in München aufgetreten. Die Herthaner haben  zwar Glück gehabt, ganz unverdient war der Punkt aber nicht. Interessant, und in der heutigen Zeit eigentlich gar nicht mehr möglich, ist die Tatsache, dass in der Anfangsformation kein einziger neuer Spieler stand. Das zeigt den seit Jahren festzustellenden Trend zur Kontinuität bei Hertha, was ja den großen Vorteil einer eingespielten Mannschaft zur Folge hat. Andererseits ist die Handschrift des neuen Trainers schon in Ansätzen sichtbar: Zumindest im Pokal wurde wirklich schnell nach vorne gespielt und dies nicht nur angekündigt. Bei den Bayern gibt es leider nicht so viele Möglichkeiten dem Willen auch Taten folgen zu lassen. Lustig übrigens die taktische Anweisung aus dem Herberger-Fundus der Fünfzigerjahre an Stark, dem Gegenspieler zu folgen, „auch wenn er auf die Toilette geht“. Lewandowski musste zwar leider nicht auf den Pott, aber wenn er sich in die eigene Hälfte zurückfallen ließ, ging Stark hinterher. Dass er vor dem 0:1 der Gelackmeierte war, weil er Lewandowski beim 60-Meter-Rückweg aus den Augen verlor, schmälert seine großartige Leistung ein wenig, lässt aber auf weitere lustige Experimente von Ante Covic hoffen. Vielleicht wird gegen Wolfsburg der gute alte Doppelstopper, mit dem Hertha 1963 in der Bundesliga begann (der Mittelstürmer Harald Beyer verfügte sich nach dem Anstoß Richtung eigenes Tor und spielte dort eine Art Libero-Vorläufer) aus der Versenkung geholt. Ibisevic gäbe sicher einen interessanten Abwehrspieler ab, andererseits hat er schon vier Platzverweise auf seinem Konto, das er in diesem Falle sicher alsbald aufstocken würde. Also lassen wir ihn lieber weiter Tore schießen, notfalls wieder mit dem Rücken.

Wenn gegen Wolfsburg gewonnen wird, was keineswegs sicher ist, kann die Saison einen ungeahnt positiven Verlauf nehmen, aber wie oft haben wir das bei Hertha schon gedacht…

Ende der Sommerpause – der Stress geht wieder los

Ante Covic beklagte sich nicht, er stellte nur fest: Ungünstig, dass von den ersten vier Spielen drei auswärts stattfinden werden. Um dann sofort hinterherzuschieben, dass es dementsprechend in der Rückrunde drei Heimspiele geben wird. Ob da der Ansetzer ein sogenanntes Näschen hatte, um Herthas Rückrundenfluch auf diese Weise vielleicht den Garaus zu machen?  Aber wer weiß: Es kann durchaus sein, dass die neue Hertha in dieser Saison, in der ja alles neu sein wird, auswärts stärker als im Olympiastadion, das seit einiger Zeit systematisch schlechtgeredet wird, ist und demnach wieder einen Nachteil im neuen Jahr haben wird. Man weiß es nicht, wie man überhaupt nichts weiß. Wir kennen die Stammformation nicht, wir kennen die Taktik nicht, wir kennen die Spielphilosophie nicht (na ja, nicht ganz, Covic sagte mal nebenbei, er wolle mit den jungen Wilden schnell spielen lassen, was immer das bedeutet. Hat schon mal ein Trainer behauptet, er wolle langsam spielen lassen?). Also müssen wir abwarten und sehen, ob Hertha im Pokal gegen Eichstätt, einen Gegner, gegen den man früher auch gerne mal gestolpert wäre, einen sauberen Sieg hinlegt, um dann in Bayern eine Woche später Fußballdeutschland im Saisoneröffnungsspiel zu verzücken…Immerhin gibt es deutschlandweit vielleicht zum ersten Mal eine ganze Menge Daumendrücker für die Alte Dame. Da heißt es, die Situation ausnutzen und Sympathiepunkte sammeln. Am Besten, indem man einen oder drei Punkte aus München mitbringt. Und wenn nicht? Das wäre der Normalfall, weshalb es ja auch nicht, wie Covic sagte, das schwerste, sondern das leichteste Saisonspiel ist. Eine Niederlage würde einem niemand übelnehmen. Nur allzu heftig sollte es nicht werden, junge Wilde hin oder her. Wenn nämlich dann im ersten Heimspiel nicht gewonnen werden sollte, ginge sofort die „Trainerdiskussion“ los. Wette gefällig?

Eisern Union – Urlaub von Liga 2?

Tatsächlich haben die „Eisernen“, die sich so nennen dürfen, auch wenn von den Spielern kein einziger jemals eine Schlosserwerkstatt von innen gesehen hat, den VfB Stuttgart in die 2. Liga geschickt. Sie selber haben jetzt, wie Präsident Dirk Zingler unlängst anmerkte, ein Jahr Urlaub von der 2. Liga. Wenn er sich da mal nicht täuscht. Mit dem ekstatischen Publikum spielt Union praktisch immer mit zwölf gegen elf und warum sollten die Köpenicker nicht zuhause acht Spiele gewinnen? Wenn dann noch drei Heimunentschieden, zwei überraschende Auswärtssiege und drei Unentschieden auf fremden Plätzen dazukommen, steht man am Saisonende bei 36 Punkten, was für den Klassenerhalt durchaus ausreichen könnte. Allerdings wird man nicht immer, wie im Rückspiel gegen Stuttgart, im Pokalmodus spielen und 120 % Energie abrufen können. Die spielerischen Mittel sind doch teilweise, was Erstliganiveau angeht, ausbaufähig und die Zahl der Fehlpässe lag in der Relegation in der Nähe der 50-Prozent-Marke. Aber Union hat alle Zeit der Welt, um sich punktuell, vor allem was die Spielkultur angeht, zu verstärken. Den Fehler, die Aufstiegsmannschaft zu zerpflücken und Neuverpflichtungen gleich im Dutzend zu tätigen, haben vor Union schon andere Mannschaften gemacht und meist bitter bereuen müssen. Obwohl die Fernsehgelder reichlich sprudeln werden und Union sowieso nicht der völlig andere Club ist, als der er sich gerne darstellt, sollten die Verantwortlichen, wenn der erste Aufstiegskater auskuriert ist, auf dem Boden der Tatsachen bleiben und solide und bodenständig planen. Dann kann aus dem Urlaubsjahr vielleicht auch ein Lebensabschnitt werden. Berlin wird zwei Erstligisten auf jeden Fall gut verkraften können.