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Die Pressekonferenz, eine Zeitvernichtungsmaschine

Zeit, insbesondere die kurze Lebenszeit von uns Menschen, vergeht auch ohne große Anstrengung. Man kann die geringe Zeitspanne, die den Menschen schon bei der Geburt von seinem Tode trennt, sinnvoll verbringen (z.B. schlafen, essen, Quizduell spielen oder Fußballspiele ansehen) oder sinnlos vergeuden, z.B. sich Pressekonferenzen von Bundesligisten ansehen. Noch nie, seit die DFL in irgendeinem Kleingedruckten den Vereinen vorschrieb Pressekonferenzen durchzuführen, wurde auf einer solchen Veranstaltung auch nur ansatzweise eine vorher nicht bekannte Tatsache bekanntgegeben, mit Ausnahme vielleicht, dass ein Herr Struuunz eine leere Flasche sei, aber auch das wussten nicht nur Insider schon vorher. Für Fragen nach verletzten Spielern, der erwarteten Zuschauerzahl, ob die Mannschaft das Spiel eigentlich gewinnen wolle und ähnlichen geistvollen Ausbrüchen, benötigte man eigentlich keine Pressekonferenz, zumal die Antworten auf der Hand liegen: Der Kreuzbandriss ist nach drei Wochen noch nicht verheilt, es kommen so viele Zuschauer wie immer und das Spiel will man keinesfalls gewinnen, ein Unentschieden wäre das höchste der Gefühle. Auch die Frage nach der Taktik wird jedes Mal mit der alten Sepp-Herberger-Floskel beantwortet, dass der Journalist/die Journalistin (auch wenn keine Frau im Raum/der Räumin ist) doch bitte nach dem Spiel kommen solle, dann würde sie der Trainer gerne erklären.

Bei Pal Dardai und Michael Preetz verhält es sich nicht anders. Woche für Woche die gleiche Bekanntgabe von Bekanntem und Ausweichen bzw. Antwortverweigern bei echten Fragen.

Aber neulich gab es eine Abweichung von der großen Leerstelle: Pal Dardai antwortete noch ernsthaft auf die für einen Fußball-Bundesligisten wichtige Frage nach dem Karneval in Ungarn (nämlich dass er nicht so ausgeprägt sei wie im Rheinland, eher etwas für Schulkinder sei). Anschließend war er kurz davor zuzugestehen, in der nächsten Pressekonferenz mit einer etwas schlüpfrigen Verkleidung aufzutreten. Unter zwei Voraussetzungen: Erstens muss er noch Monika fragen, ob er das darf, was nicht allzu schwierig sein dürfte und außerdem müsste Hertha am Wochenende „richtig“ gewinnen, was ja wohl ein Sieg mit mindestens drei Toren Differenz bedeutet. Daran wird es also leider scheitern, wenn man sich die 16 Ergebnisse der Hertha gegen Mainz im Olympiastadion ansieht: Zwar stehen acht Siegen fünf Unentschieden und nur drei Niederlagen gegenüber, aber in den letzten vier Heimspielen siegte Hertha lediglich zweimal, verlor aber auch zwei Spiele. Demnach wäre jetzt ein Sieg an der Reihe, der aber erfahrungsgemäß nur mit einem oder höchstens zwei Toren Unterschied ausfällt. Der 5:0 Heimsieg von Hertha gegen Mainz datiert aus dem Jahr 1994, da war wohl Eberhard Diepgen noch regierender Bürgermeister, auch wenn es zwischen beiden Tatsachen keinerlei kausalen Zusammenhang geben dürfte.

Fazit: Pal Dardai als Piroschka auf der nächsten Pressekonferenz dürfte ein heimlicher Wunschtraum bleiben…

Macht eine Schwalbe schon den Sommer?

Endlich startet Hertha furios in eine Rückrunde, denken viele Fans nach dem souveränen Sieg beim 1. FC Nürnberg. Aber abgesehen davon, dass Hertha wieder den alten, oft gesehenen Fehler machte, sich nach einer Führung ausruhen zu wollen und den Gegner aufzubauen, muss man berücksichtigen, dass der Club keinesfalls Erstligaformat besaß. Selbst ein Zweit- und Drittligist kämpft im Pokal wenigstens und versucht das Spiel der technisch überlegenen Mannschaft zu zerstören. Davon war beim Club, für den jedes Spiel ja eine Art Pokalspiel mit k.o.-Charakter ist, nichts zu sehen. Man sollte sich also davor hüten, diesen Sieg überzubewerten. Erst wenn aus den nächsten drei Spielen gegen Gelsenkirchen, Wolfsburg und Mönchengladbach wenigstens vier Punkte geholt werden (im Vorjahr war es nur einer gegen diese Mannschaften) könnte man von einem gelungenen Rückrundenstart sprechen.

In der Saison 14/15 holte Hertha ganze 18 Punkte in der Hinrunde und dann 3 Zähler in den ersten vier Spielen der Rückserie, wovon zwei Spiele unter Dardai als Cheftrainer (der auf Luhukay  mit dem Auswärtssieg in Mainz folgte) stattfanden. 15/16 hatte Hertha 32 Punkte nach der Hinrunde, aus den ersten vier Rückrundenspieltagen wurden aber nur 3 Punkte geholt. 16/17 war das Verhältnis 30 Punkte und vier, 17/18 waren es 24 Punkte und drei. Wenn es in diesem Jahr sieben Punkte aus den ersten vier Spielen wären, könnte man davon ausgehen, dass die Rückrunde besser wird als in den bisherigen vier Serien unter Dardais Regentschaft. Auch wenn die Zahlen beim Blick in die Vergangenheit weniger wert sind, als die Prozentergebnisse der SPD unter Willy Brandt in den Sechziger- und Siebzigerjahren bei der Vorausschau auf die kommenden Landtagswahlen, kann ein gelungener Start doch so viel Selbstvertrauen freisetzen, dass eine Rückrunde mit 24 Punkten nicht unmöglich sein muss. Wenn dann nicht wieder der halbe Kader verletzt sein wird, könnte Hertha durchaus auf einen Platz in der Europa-League spekulieren. Auf die nächsten drei Spiele kommt es also an…

Wie wird Herthas Rückrunde diesmal?

In der letzten Fußball-Woche ist ein schönes Foto abgedruckt, das Salomon Kalou in einem Luftduell mit einem Gegenspieler zeigt. Wer das Spiel, aufgrund eines gehässigen Hinweises eines Freundes, am Fernsehapparat verfolgen musste, kann sich nicht erinnern, dass auch nur irgendein Herthaner einen einzigen Zweikampf in der 45-minütigen Spielzeit absolviert hat. War die erste Garnitur im sogenannten Telekom-Cup noch knapp gegen Gladbach unterlegen, so zeigte niemand, der im zweiten Spiel gegen Düsseldorf auf dem Platz stand, dass er ernsthafte Ambitionen hat, in der zweiten Saisonhälfte professionell Fußball zu spielen. Man kann nur spekulieren, woran es liegt, wenn Spieler, die doch so gerne Stunk wegen zu geringer Einsatzzeiten machen, nicht das Geringste dafür tun, um diesen Zustand zu ändern. Man kann doch nicht nur auf entsprechende Verletzungen von Mitspielern hoffen, oder, wie es Darida vorgemacht hat, durch robuste Zweikampfführung im Training, aktiv dazu beitragen. Vielleicht liegt die Nichtleistung auch am zu harten oder am zu laschen Vorbereitungstraining, wer weiß? Eventuell war das Trainingslager in der kalten Heimat Schuld. In früheren Jahren lag es allerdings an der Hitze in der Türkei, dass die Umstellung auf den deutschen Winter nicht gelang. Man kann nur hoffen, dass sich die alte Theaterweisheit von der schlechten Generalprobe und der guten Premiere bewahrheitet. So schlecht wie die Generalprobe war, müsste Hertha in Nürnberg allerdings schon zweistellig gewinnen, um die Redewendung zu verifizieren.

Wie sieht denn nun die ernsthafte Kaffeesatzleserei in Bezug auf die Rückrunde aus?

Wenn man die Vorsaison betrachtet, liegt Hertha gegen die gleichen Gegner (Absteiger gegen Aufsteiger ausgetauscht) mit acht Punkten im Plus. Würde Hertha die Ergebnisse der letzten Spielzeit wiederholen, müssten die Blau-weißen 30 Punkte holen, was dann 54 Zähler ergäbe und in jedem Fall einen Euro-League-Startplatz, im günstigsten Falle sogar ein Schnuppern an den Champions-League-Plätzen ermöglichte. Aber ist das realistisch? Dazu müsste erstmal in Nürnberg gewonnen werden, was bei aller fairen Aufbauhilfe Herthas für minderbefähigte Vereine in der Hinrunde nicht selbstverständlich wäre. Dortmund müsste zuhause geschlagen werden, Leipzig auswärts. Und in Frankfurt und heimwärts gegen Leverkusen gewinnt man auch nicht nebenbei. Es sieht also, nach objektivem Ermessen, eher nach 20 als nach 30 Punkten für die Rückrunde aus. Ein Glück nur, dass Fußball mit objektiven Maßstäben nicht zu fassen ist. Einigen wir uns gütlich in der Mitte, Hertha holt 25 Punkte und ist mit dann 49 Zählern am Ende deutlich besser als letztes Jahr. Und was will man mehr…

Die Pause geht – der Winter kommt

So sicher, wie einst das rhythmische Parteitagsklatschen nach der Rede des 1. Vorsitzenden in der DDR, nimmt auch diesmal Ende Januar, Anfang Februar mit dem Ende der Winterpause in der Fußball-Bundesliga, General Winter das Land in seinen Schwitzkasten, wobei „schwitzen“ zwar ein falsches Bild ist, die Tatsache aber trotzdem richtig beschreibt. Jeder, der sich auch nur ein kleines Bisschen in der meteorologischen Pseudowissenschaft auskennt oder auch nur das Wetter halbwegs bewusst zu verfolgen in der Lage ist, weiß, dass der Dezember in der Regel relativ mild ist (in sieben von zehn Jahren gibt es „Grüne Weihnachten“). Erst Ende Januar, Anfang Februar, wenn der Winter laut Kalender kurz vor seinem traurigen Abgesang steht, wird es so richtig kalt und eklig. Just dann, wenn wir wieder ins Stadion gehen müssen und auch dicke Socken, lange Männer und mehrere Lagen Pullover vor einem gehörigen Durchfrieren nicht schützen können, beginnt die Bundesliga mit der Rückrunde. Tendenziell hat es die 2. Liga besser gemacht: Sie beginnt eine Woche später, da sie schon ein Rückrundenspiel im Dezember absolviert hat, weil sie im schönen August bereits vor der 1. Liga gestartet ist.

Am sinnvollsten wäre es natürlich, die Saison ans Kalenderjahr anzupassen, d.h., die Saison würde im Frühjahr, Ende März beginnen, im Sommer an heißen Tagen weitgehend unter Flutlicht abends spielen und spätestens im November den Meister küren (was Bayern München ja auch mit dem aktuellen Spielplan schon fast geschafft hätte). Dieses fortschrittliche Modell hatte die verblichene DDR in den Fünfzigerjahren für einige Zeit vom großen Bruder Sowjetunion übernommen, aber nicht immer setzt sich die Vernunft durch. Das Kalendersaisonmodell würde natürlich nur funktionieren, wenn sich weltweit alle Länder anschließen würden, weil ansonsten die Wettbewerbsfähigkeit bei internationalen Meisterschaften nicht gegeben wäre. Ein Schritt in die richtige Richtung hat die FIFA aber schon vor Jahren gemacht: Die kommende Winter-WM in Katar böte geradezu an, die Saison vorher beendet zu haben und sich in aller Ruhe auf das Turnier zu freuen. Und wenn die deutsche Mannschaft ihre Leistung aus Russland wiederholen würde, könnten die Spieler trotzdem in Ruhe in der Heimat Weihnachten feiern…

Dardais lächerliches Angebot

Pal Dardai, seit fast vier Jahren insgesamt erfolgreicher Hertha-Trainer, wollte aus den letzten drei Spielen vier Punkte holen, was die Mannschaft in einer Art „jüdischem Poker“ (frei nach Ephraim Kishon) auf sieben Punkte erhöhte. Zum Glück war wenigstens Manager Preetz vernünftig und setzte nicht die magische Zahl „zehn“ in die Welt. Wahrscheinlich war der Mannschaft aber ein popeliges Essen aber zu wenig, um einen bedingungslosen Einsatz aus den Restreserven  hervorzuzaubern. Da sollte sich der gute Pal doch mal ein Beispiel an Salomon Kalou nehmen: Da geht es wenigstens gleich um protzige Uhren, aber der weiß halt aus Erfahrung, worauf Fußballer so abfahren. Es kam wie es kommen musste: Für eine lumpige Pizza sich kurz vor dem Weihnachtsurlaub noch ein Bein ausreißen? Nachdem man das Spiel in Stuttgart verschenkt hatte, brauchte man sich auch gegen Augsburg nicht mehr über Gebühr konzentrieren, und dass man aus Leverkusen etwas mitnehmen könnte, wäre sowieso nur mit den fünf verletzten Stammspielern möglich gewesen. Für die Werkself-Spieler ging es schließlich schon um die Stammplätze unter dem neuen Trainer, der das Spiel sicher am Fernseher verfolgte. Ob er in Zukunft immer den Strafraum aufhacken lässt, um Platzfehler bei Rückgaben zu provozieren, entzieht sich unserer Kenntnis, auf jeden Fall sollte Hertha das schmierige Geläuf im Olympiastadion erst nach dem Pokalspiel gegen die Bayern durch einen bespielbaren Rasen ersetzen, mit Kampf lässt sich gegen Technik durchaus etwas ausrichten. Nun gut.

Ein Punkt statt vier bzw. sieben aus den letzten drei Spielen ist zwar etwas dürftig, aber mit 24 Punkten steht Hertha immer noch glänzend da und man mag sich gar nicht vorstellen, wo man jetzt ohne die Verletzungsseuche stünde, die aber nicht auf falsches Training zurückzuführen ist, da es sich in der Hauptsache nicht um muskuläre Probleme handelt. Es gilt für die Rückrunde die richtigen Schlüsse aus den Vorjahren zu ziehen, um noch mal Richtung Tabellen-Norden anzugreifen: Eine solide, akribische Vorbereitung hat in den letzten Jahren stets zum Einbruch nach der Winterpause geführt. Warum kopiert man nicht Danish Dynamite von 1992, wo das Team ohne Vorbereitung aus dem Strandurlaub zurückgeholt und Europameister wurde? Mein Vorschlag: Lasst die Spieler in den Süden fliegen oder zum Skilaufen (Helm erwünscht, aber keine Pflicht) in die Alpen fahren. Am Vorabend des Spiels gegen Nürnberg, also am 19. Januar, trifft man sich zur Vorbesprechung im Hofbräuhaus in München, um einen Tag später die Nürnberger vom Platz zu fegen und mit übervollem Akku werden in der Rückrunde 30 Punkte akquiriert, was auf jeden Fall für die Europa-League reichen wird. Das Thema „übertrainiert“, das schon vor vierzig Jahren im DDR-Fußball große Erfolge verhinderte, würde endlich wieder in den deutschen Fußballdiskurs einfließen. Jetzt muss nur noch der Weihnachtsmann Pal Dardai von der Idee überzeugen…

Endlich – Hertha in bekannten Tabellen-Gefilden

Das muss Hertha erst mal jemand nachmachen: Gegen einen Verein, der in zehn Spielen ganze sechs Tore erzielt, in einer Halbzeit deren vier zu kassieren – Hut ab. Nur Statistiker könnten sagen, ob es das überhaupt schon mal in der langen Geschichte der Bundesliga gab! An den Fans kann es diesmal nicht gelegen haben, die unterstützten die Blau-weißen nach Kräften. Wie es zu dieser verpatzten Revanche für 2012 kommen konnte, ist natürlich schnell erzählt. Mit einer in kürzester Zeit atomisierten Abwehr ( Ausfall von Plattenhardt kurz vor dem Spiel wegen Krankheit, von Stark nach 20 Minuten wegen Verletzung und von Mittelstädt noch vor der Halbzeitpause wegen Dummheit und folgender gelb-roter Karte) ist es schwer, die Kontrolle zu behalten. Aber die Ersatzspieler, auch wenn sie wie Torunarigha auf ungewohnter Position spielen müssen, sind ja keine C-Junioren, sondern haben sich alle schon in der Liga bewährt. Nein, es war die Spielauffassung insgesamt, die zum Desaster führte. Mit 10 Meter Abstand zum ballführenden Gegner verliert man heutzutage jedes Spiel. Nur mit konsequentem Pressing könnte man ein Spiel auch in Unterzahl siegreich gestalten, wie voriges Jahr von Hertha in Leipzig genial bewiesen wurde.

Jetzt steht Hertha wieder dort, womit man vor der Saison eigentlich zufrieden gewesen wäre, nämlich etwas besser als in der vorigen Spielzeit auf einem einstelligen Tabellenplatz. Wenn da nicht einige berauschende Spiele zu Saisonbeginn den Blick für die Realitäten vernebelt hätten. Die Ursachen für den Sensationsstart waren ein überragendes Mittelfeld und ein Dilrosun, dessen Leistung explodierte. Davon ist momentan nichts übrig geblieben: Duda hat die Form seiner ersten beiden Herthajahre, Maier wirkt überspielt und benötigt dringend eine Pause und Grujic ist noch verletzt. Dilrosun bekommt seit einigen Spielen keinen Ball, bei dem er seine Stärken ausspielen kann, nämlich steil an der linken Außenbahn. Im hängenden Mittelfeld ist er praktisch nicht anwesend.

Hoffen wir, dass die Länderspielpause einigen Akteuren gut tut. Im direkten Vergleich mit dem Vorjahr (Spiele gegen die gleichen Gegner) liegt Hertha noch sechs Punkte im Plus. Gegen Hoffenheim müsste demnach ein Punkt (wie im Vorjahr) geholt werden. Gar nicht so einfach, die haben jetzt vier Spiele nacheinander gewonnen. Aber warum soll nur Hertha immer schwächelnde Gegner aufbauen…

Dortmunder Polizei – Meister der Eskalation

Wie provoziert man einen spätpubertierenden, angetrunkenen Ultra? Indem man ihn eine dreckige Schwuchtel schimpft und behauptet, dass seine Mutter das älteste Gewebe der Welt ausübt. Und wenn das nicht reicht, reißt man die aufgehängten Vereinsbanner herunter, was so ziemlich das Schlimmste auf der Welt ist, kurz vor einem Atomkrieg. Genau diese Strategie, die in etwa so deeskalierend wirkt, wie die Aussagen von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge auf einer Pressekonferenz, wenn ihr Verein vier Pflichtspiele in Reihe nicht gewonnen hat, ergriff geschickter Weise die Dortmunder Polizei, die in voller Kampfmontur den Hertha-Block stürmte. Natürlich zündelten Hertha-Ultras im Dortmunder Stadion. Nicht schön, kostet den Verein Geld und riecht giftig, wenn auch nicht vor dem Fernsehapparat. Aber wann hat z.B. die Berliner Polizei zum letzten Mal einen Gästeblock wegen des Abbrennens von Pyrotechnik, was ungefähr in jedem zweiten Spiel vorkommt, gestürmt? Zumindest seit 1945 nicht mehr, weil man weiß, dass man durchgeknallte Hooligans aus einem Fanblock nicht identifizieren kann, und das müsste man, wenn man ihnen den wohlverdienten Prozess machen wollte, denn Sippenhaft für 4000 Fans gibt es nicht, auch wenn dies die Dortmunder Polizeiführung zu glauben scheint. Abgesehen davon sollte man mal, was die sogenannte Gewaltorgie angeht, auf dem Teppich bleiben. Die wild aussehenden „Knüppel“, die da angeblich geschwungen wurden, sind gummiähnliche Fahnenstangen, über die behelmte Polizisten nur müde lächeln und „mehr davon“ sagen können. Die amüsierten Ordner und Sanitäter im Vordergrund des kurzen Fernsehausschnitts sprachen für sich. Von Verletzten ist nichts bekannt.

Es scheint sich in Dortmund übrigens nicht um eine vorgezogene Strafaktion gegen Hertha zu handeln, die doch wirklich so frech war, nach großem Kampf einen Punkt mitzunehmen. Letztes Jahr ging man gegen die 12.000 mitgereisten Union-Fans genauso unverhältnismäßig vor, als diese Einlass begehrten und den chaotischen Organisationstalenten zeigten, dass man auch ohne sie ins Stadion kommen kann. Also eher ein Anti-Berlin-Problem, das man da in Dortmund hat. Mal sehen, was in der Woche beim neuerlichen Pokalspiel gegen Union passiert!

Ach ja, gespielt wurde trotzdem noch. Wenn Hertha zwei Tore schießt (und außerdem eine Reihe von Chancen kreiert) und Atletico Madrid keines und wenn Hertha nur zwei Tore kassiert und Atletico Madrid vier, dann sagt das schon einiges über den neuen Stellenwert von Hertha. Auch wenn Überkreuzvergleiche im Fußball streng verboten sind. Sie machen aber doch sooo viel Spaß. Hoffentlich hört die Hinrunde niemals auf…

Kann Bayern trotz Söder noch Meister werden?

Die CSU treidelt kurz vor der Landtagswahl um ein historisches Tief herum. Bayern München liegt derzeit auf dem sechsten Tabellenplatz, noch hinter den Sparkickern von Hertha BSC. Gibt es einen Zusammenhang? Man könnte sagen, dass der Niedergang des Abendlandes (CSU-Tief) eben alle Bereiche des öffentlichen Lebens umfasst: Japaner trinken Bier aus großen Gläsern im Hofbräuhaus, Radler benutzen den Englischen Garten als Cross-Piste und Dieselautos dürfen nicht mehr ungestört die mit eigenen Steuergeldern gebauten Straßen benutzen. Was bleibt da noch von bayerischer Lebensart? Nun gut: Die Spieler des FC Bayern kommen ja seit langem nicht mehr aus Bayern oder angrenzenden Staaten, z.B. Franken oder Tirol (Alaba ist immerhin Österreicher, aber auch kein ganz waschechter). Aber sie bekommen zum Einstand ihre Lederhose verpasst, die Ehefrau kauft sich vom ersten Monatsgehalt in Höhe von 200.000 bis 500.000 Euro ein fesches Dirndl , der Daimler wird gegen einen Ingolstädter oder Münchener Wagen umgetauscht und schon darf man sich zu den Einheimischen zählen. Und was passiert nach der kommenden Wahl? Gibt es eine Trotzreaktion der Bayern-Spieler, wenn die CSU gar unter 30 % landet? Kommen etwa die Grünen in die Regierung und heißt das, dass Werder Bremen dann neuer Titelkandidat wird? Eins steht fest: Jede Serie geht einmal zu Ende und wer sechsmal hintereinander Meister war, hat es schwer auch zum siebenten Mal den Titel zu erringen. Nur der BFC Dynamo konnte zehnmal Meister werden, aber da waren ja auch die Schiedsrichter mit Schuld, die auf Herrn Mielkes Weisung hin des Öfteren seltsame Entscheidungen trafen. Allerdings gab es in der Vergangenheit anrüchige Pro-Bayern-Entscheidungen auch in Hülle und Fülle. Ohne einen Herrn Mielke. Oder reicht Seehofers Arm als Innenminister (demnach auch Sportminister) bis in die Kölner Videozentrale? Aber so lange ist er ja noch nicht im Amt. Und ob er sich wirklich für eine Multi-Kulti-Truppe, deren Mitglieder aus aller Herren Länder zugewandert sind, starkmachen würde, sei mal dahingestellt.

Lesen wir die Tabelle also mit Genuss: Zwei Wochen lang sind die Bayern Jäger und nicht Gejagter, was Ihnen historisch als Bergvolkangehörige auch eher liegen müsste. Und bald kann das wieder anders aussehen, selbst wenn Jupp diesmal dem Ruf seines Freundes Uli nicht nachgeben wird. Taifun Korkut ist gerade auf dem Trainermarkt preiswert zu haben und Zinedin Zidane ebenfalls, aber nicht preiswert…

Herthas Saisonstart macht Appetit auf mehr

Nach sechs Spieltagen in der Fußball-Bundesliga kann man getrost von einem gelungenen Saisonstart von Hertha BSC sprechen. Zwei mitreißende Spiele gegen Gladbach und Bayern, zwei gute Partien in Gelsenkirchen und Wolfsburg und zwei mittelmäßige Leistungen gegen Nürnberg und in Bremen ergeben immerhin 13 Punkte und den dritten Tabellenplatz.

Die Leistungsexplosion bei Duda, die Zuverlässigkeit und Abgeklärtheit eines alten Hasen beim 19-jährigen Maier und die Ballsicherheit und körperliche Robustheit eines Grujic (obwohl auf diese seit Hermanns Körperverletzung eine ganze Weile verzichtet werden muss) ergeben erstmals seit Jahren oder gar Jahrzehnten (Championleague-Saison 1999/2000 mit Wosz, Beinlich und Deisler) ein Mittelfeld, das sich spielerisch hinter keinem in der gesamten Liga verstecken muss. Dazu kommt das rasante Tempo und die Durchsetzungsfähigkeit eines Dilrosun, der schon fast erschreckend an Superstar Mbappé erinnert. Zusätzlich gibt es mit Jarstein einen der besten Torhüter der Liga und mit Rekik einen der sichersten Innenverteidiger. Und fällt der aus, tritt Torunarigha an seine Stelle. Und muss auch der pausieren, ersetzt ihn Lustenberger mit einer 100 %-Zweikampfquote gegen Mönchengladbach. Alles passt momentan zusammen und der verletzte Darida ist noch eine weitere Option für die Zukunft.

Wie vor der Saison prognostiziert, ist die eingespielte Elf ein großer Vorteil und sicher wird die Mannschaft nicht, wie ein Nürnberger Anhänger nach dem etwas holprigen ersten Saisonspiel voraussagte, um den Ligaverbleib zu kämpfen haben. Ob es aber für die Europapokalplätze, Championsleague oder gar Pokalsieg oder Meisterschaft reichen könnte, wird die Zukunft zeigen und hängt natürlich auch von Glück (laut Dardai ein 30%-Faktor), der Verletztensituation und dem möglichen Schwächeln eigentlicher Favoriten ab.

Gegen Mainz, dem schwersten Spiel der Saison, weil jeder nach einem Sieg gegen die Bayern drei Punkte gegen Mainz voraussetzt, wird man sehen, ob Hertha Konstanz in die Leistung bekommt. Das Potenzial, das haben die ersten sechs Spiele gezeigt, hat Hertha in diesem Jahr auf jeden Fall. Also: Wann, wenn nicht jetzt…

Wundertüte Hertha

Gibt es eigentlich noch diese Wundertüten, die wir älteren Menschen noch aus ihrer Kinderzeit kennen? Man wusste nicht, was in der Tüte war, riss sie auf und war immer enttäuscht, weil man den Schrott entweder schon kannte oder ihn sowieso nicht gebrauchen konnte. Manchmal war eine kleine Süßigkeit drin, dann war wenigstens nicht alles umsonst.

Die Hertha der Saison 2018/19 kommt mir wie eine Wundertüte vor: Niemand weiß, was das wohl werden wird. Ob Radio, „Fußballwoche“ oder das Magazin „11 Freunde“, keiner traut sich auch nur den Versuch einer Saisonprognose abzugeben. Wie auch? Die Neuverpflichtungen mit dem Ersatzspieler eines Absteigers als Rechtsverteidiger, einem aufstrebenden Zweitligastürmer, einem Stürmertalent aus der zweiten Mannschaft eines englischen Erstligisten und diversen Jungspunden aus dem eigenen Nachwuchs lassen die Fans nicht zu tausenden für Autogrammwünsche anstehen. Es erscheint schwierig, sich vorzustellen, dass sich die Mannschaft mit dieser Art von „Verstärkungen“ in der Tabelle Richtung Nordpol bewegen könnte. Andererseits spricht die Kontinuität, die Trainer und Manager seit Jahren praktizieren (auch wenn diese eher der Not geschuldet als innere Überzeugung ist) für eine eingespielte Mannschaft, was gerade zu Beginn der Saison ein entscheidender Vorteil sein kann. Nicht von ungefähr schnitt Hertha in der ersten Saisonhälfte in den letzten Jahren stets gut ab, um nach der Winterpause immer gnadenlos einzubrechen. Kurz und gut: Man kann nichts sagen, schon gar nicht voraussagen. Unter diesen Umständen wäre die Verbesserung um einen Tabellenplatz, der gleichzeitig in der Sportschau die zuerst gezeigte Tabellenhälfte bedeuten würde, schon ein Erfolg.

Echte Herthaner sind eben bescheiden…