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Lügen mit Zahlen

Von wegen! Die vereinte Meute der Fernsehjournalisten, Zeitungsschreiber, Radiomoderatoren, selbsternannten Experten und sogar die seriöse „Fußball-Woche“ behaupten es: Das Jahr 2018 sei das schlechteste in der Länderspielgeschichte. Das stimmt jedoch höchstens nach dem Motto, dass man nur an Statistiken nicht glaubt, die man selber nicht gefälscht hat. Oder so.

Fakt ist, dass die deutsche Nationalmannschaft sechs Spiele verloren hat, was es in der 99 Jahre währenden Länderspielgeschichte ( 111 Jahre seit 1908 abzüglich 12 Jahren Pause wegen der Weltkriege 1 und 2) wirklich noch nie gab. Aber wenn man nur ein Spiel macht, wie 1950, kann man auch nicht sechs verlieren. Selbst wenn man vier Spiele bestreitet, wie noch im Jahr 1963, ist es schwierig, sich sechs Niederlagen zu erarbeiten. Grundsätzlich gibt es heutzutage viel mehr Länderspiele pro Jahr als früher. In den ersten Jahrzehnten gab es durchschnittlich unter 5 Spiele im Jahr, in den Sechziger- und Siebzigerjahren nicht mal 10 und in den letzten dreißig Jahren ist der Schnitt auf 13 bis 14 Länderspiele pro Jahr gestiegen, was auch an der Aufblähung der internationalen Meisterschaften und deren Qualifikation liegt. Beispiel: Bei der Quali zur WM 66 benötigte die deutsche Mannschaft 4 Spiele gegen Schweden und Zypern, um sich für das Turnier in England zu qualifizieren. Heute wären dafür mindestens 10 Spiele nötig.

Aber zurück zu Jogi Löws verkorkstem Jahr 2018 (denn es ist nur Löws Seuchenjahr, nicht etwa das der Spieler, die das Tor nicht mehr treffen): Um gewissenhaft sagen zu können, ob es sich um ein schlechtes oder gutes Jahr handelt, muss man also die Zahl der Spiele im Verhältnis zur Zahl der Niederlagen betrachten. Denn wenn man 100 Spiele macht und davon nur sechs verliert, handelte es sich zweifellos um eine gute Bilanz. Und siehe da: Die Journaille hat dies auf ihrer Jagd nach Superlativen „vergessen“, weil man ja ein Ziel verfolgt, nämlich dem Bundestrainer ein möglichst schlechtes Zeugnis auszustellen. Ansonsten wüssten die Fußballexperten, dass es 11 Jahre in der Länderspielgeschichte gab, die schlechter waren als das Jahr 2018, mit sechs Niederlagen in 13 Spielen, was 46 % ausmacht. Die schlechtesten Jahre reichen von 100 % Niederlagen (1908: drei von drei Spielen) bis zu 50 % (1963: zwei von vier Spielen). 1985 war das letzte Jahr mit negativer Bilanz: 45 % Niederlagen waren nur geringfügig besser als 2018.

Das beste Jahr ihrer Länderspielgeschichte war übrigens 1950 mit 100 % Siegen. Allerdings gab es als einziges Länderspiel nur den 1:0-Sieg gegen die Schweiz…

Dortmunder Polizei – Meister der Eskalation

Wie provoziert man einen spätpubertierenden, angetrunkenen Ultra? Indem man ihn eine dreckige Schwuchtel schimpft und behauptet, dass seine Mutter das älteste Gewebe der Welt ausübt. Und wenn das nicht reicht, reißt man die aufgehängten Vereinsbanner herunter, was so ziemlich das Schlimmste auf der Welt ist, kurz vor einem Atomkrieg. Genau diese Strategie, die in etwa so deeskalierend wirkt, wie die Aussagen von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge auf einer Pressekonferenz, wenn ihr Verein vier Pflichtspiele in Reihe nicht gewonnen hat, ergriff geschickter Weise die Dortmunder Polizei, die in voller Kampfmontur den Hertha-Block stürmte. Natürlich zündelten Hertha-Ultras im Dortmunder Stadion. Nicht schön, kostet den Verein Geld und riecht giftig, wenn auch nicht vor dem Fernsehapparat. Aber wann hat z.B. die Berliner Polizei zum letzten Mal einen Gästeblock wegen des Abbrennens von Pyrotechnik, was ungefähr in jedem zweiten Spiel vorkommt, gestürmt? Zumindest seit 1945 nicht mehr, weil man weiß, dass man durchgeknallte Hooligans aus einem Fanblock nicht identifizieren kann, und das müsste man, wenn man ihnen den wohlverdienten Prozess machen wollte, denn Sippenhaft für 4000 Fans gibt es nicht, auch wenn dies die Dortmunder Polizeiführung zu glauben scheint. Abgesehen davon sollte man mal, was die sogenannte Gewaltorgie angeht, auf dem Teppich bleiben. Die wild aussehenden „Knüppel“, die da angeblich geschwungen wurden, sind gummiähnliche Fahnenstangen, über die behelmte Polizisten nur müde lächeln und „mehr davon“ sagen können. Die amüsierten Ordner und Sanitäter im Vordergrund des kurzen Fernsehausschnitts sprachen für sich. Von Verletzten ist nichts bekannt.

Es scheint sich in Dortmund übrigens nicht um eine vorgezogene Strafaktion gegen Hertha zu handeln, die doch wirklich so frech war, nach großem Kampf einen Punkt mitzunehmen. Letztes Jahr ging man gegen die 12.000 mitgereisten Union-Fans genauso unverhältnismäßig vor, als diese Einlass begehrten und den chaotischen Organisationstalenten zeigten, dass man auch ohne sie ins Stadion kommen kann. Also eher ein Anti-Berlin-Problem, das man da in Dortmund hat. Mal sehen, was in der Woche beim neuerlichen Pokalspiel gegen Union passiert!

Ach ja, gespielt wurde trotzdem noch. Wenn Hertha zwei Tore schießt (und außerdem eine Reihe von Chancen kreiert) und Atletico Madrid keines und wenn Hertha nur zwei Tore kassiert und Atletico Madrid vier, dann sagt das schon einiges über den neuen Stellenwert von Hertha. Auch wenn Überkreuzvergleiche im Fußball streng verboten sind. Sie machen aber doch sooo viel Spaß. Hoffentlich hört die Hinrunde niemals auf…

Kann Bayern trotz Söder noch Meister werden?

Die CSU treidelt kurz vor der Landtagswahl um ein historisches Tief herum. Bayern München liegt derzeit auf dem sechsten Tabellenplatz, noch hinter den Sparkickern von Hertha BSC. Gibt es einen Zusammenhang? Man könnte sagen, dass der Niedergang des Abendlandes (CSU-Tief) eben alle Bereiche des öffentlichen Lebens umfasst: Japaner trinken Bier aus großen Gläsern im Hofbräuhaus, Radler benutzen den Englischen Garten als Cross-Piste und Dieselautos dürfen nicht mehr ungestört die mit eigenen Steuergeldern gebauten Straßen benutzen. Was bleibt da noch von bayerischer Lebensart? Nun gut: Die Spieler des FC Bayern kommen ja seit langem nicht mehr aus Bayern oder angrenzenden Staaten, z.B. Franken oder Tirol (Alaba ist immerhin Österreicher, aber auch kein ganz waschechter). Aber sie bekommen zum Einstand ihre Lederhose verpasst, die Ehefrau kauft sich vom ersten Monatsgehalt in Höhe von 200.000 bis 500.000 Euro ein fesches Dirndl , der Daimler wird gegen einen Ingolstädter oder Münchener Wagen umgetauscht und schon darf man sich zu den Einheimischen zählen. Und was passiert nach der kommenden Wahl? Gibt es eine Trotzreaktion der Bayern-Spieler, wenn die CSU gar unter 30 % landet? Kommen etwa die Grünen in die Regierung und heißt das, dass Werder Bremen dann neuer Titelkandidat wird? Eins steht fest: Jede Serie geht einmal zu Ende und wer sechsmal hintereinander Meister war, hat es schwer auch zum siebenten Mal den Titel zu erringen. Nur der BFC Dynamo konnte zehnmal Meister werden, aber da waren ja auch die Schiedsrichter mit Schuld, die auf Herrn Mielkes Weisung hin des Öfteren seltsame Entscheidungen trafen. Allerdings gab es in der Vergangenheit anrüchige Pro-Bayern-Entscheidungen auch in Hülle und Fülle. Ohne einen Herrn Mielke. Oder reicht Seehofers Arm als Innenminister (demnach auch Sportminister) bis in die Kölner Videozentrale? Aber so lange ist er ja noch nicht im Amt. Und ob er sich wirklich für eine Multi-Kulti-Truppe, deren Mitglieder aus aller Herren Länder zugewandert sind, starkmachen würde, sei mal dahingestellt.

Lesen wir die Tabelle also mit Genuss: Zwei Wochen lang sind die Bayern Jäger und nicht Gejagter, was Ihnen historisch als Bergvolkangehörige auch eher liegen müsste. Und bald kann das wieder anders aussehen, selbst wenn Jupp diesmal dem Ruf seines Freundes Uli nicht nachgeben wird. Taifun Korkut ist gerade auf dem Trainermarkt preiswert zu haben und Zinedin Zidane ebenfalls, aber nicht preiswert…

Jammern überflüssig…

Die nächste Bundesligasaison steht mit der spannenden Frage vor der Tür, wer hinter den Bayern Zweiter werden wird. Auch die Abstiegsfrage verspricht gewisses Herzklopfen, da der erste Kandidat für die unteren Tabellenplätze, der HSV, sich vorerst aus der Liga verabschiedet hat.

Das WM-Finale liegt schon über zwei Wochen (gefühlt zwei Jahre) zurück und das allgemeine Jammern über das schlechte Abschneiden der deutschen Mannschaft wird von Herrn Özils grandiosem Sommer-Rücktritts-Theater überlagert. Dabei gibt es auch überhaupt nicht den geringsten Grund zum Hadern und Klagen. Was ist denn passiert? Die deutsche Nationalmannschaft ist erstmals in der Vorrunde ausgeschieden!

Na und?

Was sollen denn da die anderen großen Fußballnationen sagen?  Sollen sie kollektiven Selbstmord begehen? Engländer und Argentinier sind schon jeweils dreimal in der Vorrunde gescheitert (obwohl sie nur 15- bzw- 17-Mal an einer WM teilgenommen haben, gegenüber 19 Teilnahmen des deutschen Teams). Die Spanier haben viermal eine Vorrunde nicht überstanden (15 Teilnahmen), die Franzosen fünfmal (15 Teilnahmen) und für die armen Italiener war sage und schreibe siebenmal in der Vorrunde Schluss (16 Teilnahmen). Deshalb kamen die italienischen Spieler, nachdem sie 1966 gegen Nordkorea ausgeschieden waren, auch immer auf kleinen, geheim gehaltenen Ausweichflughäfen in der Heimat an, weil sich die Airports der großen Städte außerstande sahen, die tonnenschweren Berge verfaulter Tomaten, die dort als traditionelle Begrüßungsgeschenke für ungebetene Gäste verteilt werden, ökologisch korrekt zu entsorgen. Unsere Spieler dagegen werden von kleinen Mädchen mit Stofftieren begrüßt. Und zwar zu Recht. Schließlich kann jedem mal ein Ausrutscher passieren. Und wir stehen mit unserem einen lächerlichen Vorrunden-Aus immer noch weltmeisterlich da. Stets das Positive sehen. Nur Brasilien ist einen Tick besser, auch sie schieden erst einmal in der Vorrunde aus, bei 21 Teilnahmen. Und auch die Brasilianer waren damals, 1966, amtierender Weltmeister. Die Franzosen brauchen also im Winter 2022 nur eine kurze Meisterschaftspause einzukalkulieren, wenn die deutsche Mannschaft wieder mindestens bis ins Halbfinale vorstoßen wird. Wie es sich auch gehört…

Komische Statistik

Russland gewinnt vor Japan, Saudi-Arabien und Südkorea! Was soll das denn?

Nun, aus der beliebten Serie „Statistiken, die ich selber nicht gefälscht habe, die aber trotzdem niemand braucht, weil sie die Welt nicht besser machen“ wird die Differenz zwischen FIFA-Rangliste und tatsächlich erreichtem Ergebnis bei der WM in Russland bewertet.

Beispiel gefällig?

Russland war vor der WM 66. der FIFA-Rangliste, erreichte aber bei der WM den fünften Platz. Da dieser Platz nicht offiziell vergeben wird, vergleicht man die Ergebnisse der ausgeschiedenen Mannschaften. Da Russland das knappste Ergebnis im Viertelfinale hatte, ist es logischerweise Fünfter, ein Unterschied von 61 Plätzen zur FIFA-Rangliste. Japan hat 47 Plätze besser abgeschnitten, Saudi-Arabien 44 und Südkorea 42. Man könnte die Liste jetzt durchgehen, wir picken uns aber nur einige Rosinen heraus: Kroatien schneidet 16 Plätze besser ab als eingestuft,  Belgien ist die einzige Mannschaft, die genau ihren Ranglistenplatz einnimmt, nämlich den Dritten. Die Mannschaften, die am weitesten negativ abweichen, sind Portugal (-10) und Polen (-15) und, man ahnt es schon, Deutschland belegt einen unehrenhaften letzten und 32. Platz dieser Statistik mit -21, da Die Mannschaft als Ranglistenerster ins Turnier ging (niemand weiß natürlich, warum, wenn man die Ergebnisse des letzten halben Jahres betrachtet) und 22. wurde. Man kann es also drehen und wenden, wie man will, die deutsche Mannschaft hat Historisches erreicht, leider etwas anders, als von vielen Berufsoptimisten erwartet. Ein Gutes hat die Geschichte: Bei der nächsten WM (und schon bei der nächsten EM 2020) wird Deutschland erstmals nicht als Favorit gehandelt werden. Entspannung pur also. Vorausgesetzt, Deutschland schafft die Qualifikation…

Bonus für Stars

Seit wann wird ein Ellbogenschlag ins Gesicht mit einer gelben Karte geahndet? Seit gestern. Und wenn der Schläger Christiano Ronaldo heißt. Natürlich kann man frustriert sein, wenn man gerade seine Unfehlbarkeit eingebüßt hat, weil man einen Elfmeter im Stile eines Engländers verschossen hat. Trotzdem gibt es ja den Videobeweis und das Vergehen wird aus zehn Perspektiven gezeigt und mit jeder Ansicht wird es klarer. Die rote Karte wäre zwingend gewesen. Es wäre interessant, wenn man den Spielbericht des Schiedsrichters lesen könnte und in Erfahrung brächte, wie er den Schlag Ronaldos interpretiert. Eine Steigerung der Fehlentscheidung war jedoch die Reaktion des Göttlichen: Er lachte und schimpfte noch über die gelbe Karte, nicht weil er selber mit rot gerechnet hätte, sondern weil er die lächerliche Bestrafung auch noch als Majestätsbeleidigung empfand. Da Ronaldo ja weiß, dass er groß im Bild ist, wenn er ungläubig den Kopf schüttelt und abfällige Gesten nur mit Mühe unterdrücken kann, will er seine Mimik der Welt zeigen. Unklar ist nur, wie er verdrängen kann, dass sein Vergehen ja auch klar zu sehen war und er demnach als dummer Junge dasteht, der nicht einsieht, dass ihm jemand das Spielzeugauto wegnimmt, das leider dem Nachbarsjungen gehört. Ein Platzverweis hätte mindestens zwei Spiele Sperre zur Folge gehabt. Er hätte also frühestens im Halbfinale wieder ins Geschäft eingreifen können. Soweit werden die Portugiesen voraussichtlich auch mit ihm nicht kommen.

Das Prinzip des Bonus` kennen wir im Übrigen auch aus der Bundesliga. Damit ein deutscher Nationalspieler mal eine Karte bekommt, muss beim Gegner schon mindestens Blut fließen, wenn nicht gar Bänder reißen oder Knochen splittern müssen. Der Nationalspielerbonus, besonders wenn die Spieler beim deutschen Serienmeister unter Vertrag stehen, ist also offensichtlich keine deutsche Erfindung. Trotzdem ein Ärgernis, genauso, wie die lächerliche Strafe für die Kosovo-Provokationen der Schweizer Xhaka und Shaqiri. 15.000 Euro hört sich viel an, ist aber nicht mehr als ein halber Tagessatz. Ein Spiel Sperre wäre angemessen gewesen. Aber die FIFA hat ihren Sitz schließlich in der Schweiz. Da muss ein kleiner Bonus schon mal drin sein…

Erwartet eigentlich jemand spannende Länderspiele?

Früher waren Länderspiele ein Fest. Es gab davon vier oder fünf im Jahr und wenn eine Weltmeisterschaft anstand vielleicht auch mal zehn bis zwölf, je nach Erfolg der deutschen Mannschaft. Heutzutage, wo ja nicht alles schlechter, sondern im Gegenteil manches besser ist als früher, spielt die Nationalmannschaft dreizehn- bis achtzehn mal pro Saison, was heißt, dass die Übersättigung auch hier fröhlich Einstand gehalten hat, wie ja fast jeder Lebensbereich von Viel-zu-viel-von-allem geprägt ist. Dies soll keine philosophische Abhandlung über die Krise der globalisierten Gesellschaften werden, sondern erklären, warum wohl die meisten Fußballfans zwar verstehen, dass man vor einer Weltmeisterschaft Spiele gegen starke Gegner, wie jetzt Spanien und Brasilien, durchführen muss, die richtige Vorfreude aber nicht so recht aufkommen will. Eventuell liegt dies neben dem Vollstopfen mit der täglichen Portion Fußball auch an der Erfahrung, die man mit solchen Spielen, die nicht selten zu langweiligsten Grottenkicks ausarteten, gemacht hat. Dagegen spricht zwar, dass sich jeder Profi eigentlich zerreißen müsste, wenn er sich um die Fahrkarte nach Russland bewerben will. Aber ein Sandro Wagner oder ein Marvin Plattenhardt können, und wenn sie sich noch so anstrengen, einem gelangweilten Toni Kroos oder einem gewohnt arrogant rüber kommenden Mesut Özil, nicht das Spiel aus der Hand nehmen und an sich reißen. Weil sie es einfach nicht können (und auch nicht ihre Aufgabe ist). Und dass die Torhüter, bei denen es ja um die Nummer 1 geht, da Manuel Neuer nicht mehr rechtzeitig fit werden wird, das Spiel vorantreiben können, ist auch mit der modernsten Auffassung vom Torhüterspiel nicht zu befürchten.

Also wird man sich die Spiele mit mittelmäßiger Begeisterung ansehen und wenn es wider Erwarten doch ein oder zwei ansehnliche Spiele gibt, dann liegt das sicher daran, dass die Bayern, die ja quasi schon Meister sind, frei aufspielen können – es sei denn, sie scheuen das Verletzungsrisiko, weil sie in der Champions League noch was vorhaben. Womit wir wieder beim Thema Übersättigung wären…

Das bayerische Murmeltier grüßt mal wieder…

Wann wird es Frühling? Nein, nicht wenn irgendeine Bisamratte ihren Bau verlässt oder ein Murmeltier zur ach so beliebten Fettpaste verarbeitet wird. Frühling wird’s, wenn die Bayern die Meisterschaft feiern! Im Mai wird zwar erst der Salatteller überreicht, im April aber bereits uneinholbar davon gezogen. Und diesmal ist doch auch der März noch in Reichweite: Wenn Schalke und Dortmund verlieren und Bayern am Wochenende gewinnt, heißt der alte und neue Deutsche Fußballmeister am 18. März: „Bayern München“! Und wenn beide gewinnen, verzögert sich die Chose auf das Osterwochenende und reicht nur deshalb in den April hinein, weil der internationale Spielkalender eine Länderspielpause angesetzt hat.

Die Frage bleibt trotzdem unausgesprochen im Raum: Welches wäre eigentlich der theoretisch frühestmögliche Termin, um die wohlverdiente Meisterschaft zu feiern? Wenn nicht Ostern, wie dieses Jahr, vielleicht zu Purim, dem jüdischen Laubfest am 8. März (bzw. dem Internationalen Frauentag zum selben Termin), Rosenmontag oder Aschermittwoch („Alles vorbei“ – für die anderen Vereine) im Februar scheinen auch gute Tage zu sein. Die Heiligen Drei Könige ( Beckenbauer, Hoeneß, Rummenigge) am 6. Jänner böten sich an, aber ginge es nicht auch schon zu Weihnachten, um den Silvesterabend krachend feiern zu können? Wenn Bayern in der Hinrunde alle Spiele gewönne und alle anderen Vereine alle Spiele verlören, wären die Bayern schon im Dezember verdientermaßen Meister. Leider spielt die kleine Schar der restlichen 17 nicht nur gegen Bayern sondern auch gegeneinander, sodass der Zweite zumindest den einen oder anderen Punkt holen muss. Bei völliger Ausgeglichenheit hätte der Zweite nur 16 Punkte auf seinem Konto (nämlich 16 Unentschieden und eine Niederlage gegen Bayern) und also 35 Punkte Rückstand auf die Roten. Also wird’s nichts mit der Silvesterparty, ein Weißbier und ab ins Bett, am 1. Januar geht’s um 9 Uhr zum Trainingsplatz. Um dann am 21. Spieltag (also doch zum Fasching) mit 63 Punkten gegenüber 20 der Konkurrenz bei noch 13 Spielen (also 39 möglichen Punkten) endlich die Meisterschaft zu feiern. Es gibt also noch einiges zu tun an der Säbener Straße. Ein Rekord ist schließlich dazu da, gebrochen zu werden.

Und dann wird die Champions League ins Auge gefasst: Es müsste doch möglich sein, dass auch der Silberpott schon nach dem Viertelfinale nach München geht…

Die Regelauslegung des passiven Abseits‘

Pech für Hertha: Der Videoassistent entschied im Spiel gegen Hoffenheim, dass Nico Schulz im passiven Abseits stand, als ein Flankenschuss in seine Richtung abgegeben wurde, weil er das Spielfeld verlassen hatte. So weit, so eindeutig. Als Niclas Stark den Ball stoppte (hätte er ihn ins Aus durchrutschen lassen, hätte es Einwurf für Hertha gegeben) ergab sich eine neue Spielsituation, sodass Schulz wieder ins Spiel eingreifen konnte. Entscheidend ist, ob er das Spielfeld wieder betrat, bevor Stark den Ball berührte (dann wäre aus seinem passiven nämlich ein aktives Abseits geworden) oder erst danach. Wenn man das Fernsehbild im Einzelbildmodus laufen lässt, erkennt man, dass beide Vorgänge (also Starks Ballberührung und Schulz’ Platzbetreten) gleichzeitig ablaufen, also eine Hundertstelsekundenentscheidung. Insofern lagen Schiedsrichter und Videoassistent nicht falsch. Fraglich ist nur, ob der Sinn der Regel richtig angewandt wurde. Nico Schulz hat sich, als er sich von hinten aus dem Aus in Starks Rücken an ihn heranschlich, einen großen Vorteil verschafft. Stark konnte ihn ja erst im letzten Moment sehen und das Bein, das Schulz’ Schienbein traf, wollte eigentlich den Ball schlagen, den dieser aber Sekundenbruchteile vorher weggespitzelt hatte. Schulz hat also einen doppelten Vorteil gegenüber dem Herthaspieler gehabt: Zuerst wurde nicht Abseits gepfiffen und dann durfte er „hinterlistig“ denn Ball erobern. Das kann nicht der Sinn der Regel sein!

Nur zur Erinnerung: Als Hertha im Frühjahr 2010 die Aufholjagd gegen den Abstieg startete (und am vorletzten Spieltag verlor) wurde im Heimspiel gegen Borussia Dortmund ein Tor von Theofanis Gekas nicht anerkannt, weil er bei einer Flanke, die in den Strafraum kam, im Abseits stand, passiv wohlgemerkt, weil er an den Ball nicht herankam. Nachdem ein Dortmunder Spieler den Ball berührt hatte, schoss Gekas den Ball ins Tor, das nicht gegeben wurde, weil angeblich aus dem passiven ein aktives Abseits wurde. Entsprechend dem “Fall“ Schulz hätte man sagen müssen: „Neue Spielsituation!“  Hertha spielte 0:0 gegen Dortmund und verlor zwei wichtige Punkte im Abstiegskampf. So ändern sich die Zeiten! Oder soll man sagen: So ändern sich die Regeln? Oder soll man sagen: Es kommt drauf an, gegen wen eine bestimmte Regel ausgelegt wird…?

Das viele Geld im Markt und Herthas Transferpolitik

Die Winterpause ist vorbei und Hertha verliert. Eigentlich ist alles  wie immer! Oder sagen wir nicht immer, sondern wie so häufig in den letzten Jahren. Trotzdem hat Hertha in Stuttgart zufriedenstellend gespielt und hätte niemals als Verlierer vom Platz gehen dürfen. Sollte vielleicht doch noch auf dem Spielermarkt nach Verstärkungen geforscht und gegebenenfalls zugeschlagen werden? Bloß nicht! Herthas Kader ist mit 28 Spielern (nach Stockers Abgang) zwar nicht aufgebläht, wohl aber groß genug um die Europa- und DFB-pokalfreie Rückrunde absolvieren zu können. Und wenn mich nicht alles täuscht, wird diesmal alles ganz anders kommen…

Hertha hat in den vergangenen Jahren im großen und ganzen eine vernünftige und meist erfolgreiche Transferpolitik betrieben. Nicht zehn bis vierzehn Zu- und Abgänge vor Saisonbeginn sondern drei, vier Spieler, die das gewachsene Gefüge ergänzen sollten, was sehr oft gelungen ist. Ob Jarstein, Weiser, Rekik, Stark, Plattenhardt und viele andere: alles Volltreffer. Das gelingt nicht jedem Manager.

Ein Grund für die hohe Transferzahl bei vielen Vereinen, die ja auch von den Spielern, die sich finanziell verbessern wollen, bestimmt wird, ist natürlich das viele Geld im Markt, wie Fredi Bobic in einem Interview erklärte. Interessant seine Äußerung, dass Spieler heute nur durchschnittlich ein bis zwei Jahre bei einem Verein bleiben. Gefühlt ist das bei Hertha anders. Untersuchen wir mal die Fakten:

Wenn man die vereinseigenen Daten aus der Hertha Homepage zugrunde legt, erhält man eine durchschnittliche Vereinszugehörigkeitsdauer von 2,5 Jahren. Die Zahlen bewegen sich zwischen einem halben Jahr (Leckie, Selke, Lazaro, Rekik, Klinsmann) und den zehneinhalb Jahren von Fabian Lustenberger. Bei den jungen Spielern (Mittelstädt, Baak, Meier, Kade und Torunarigha) wird der Erhalt eines Profivertrages gewertet. Rechnet man jedoch mit der wahren Zugehörigkeitsdauer dieser Spieler (Meier: 10 Jahre, Torunarigha 11,5 Jahre u.s.w.), kommt man auf 4,1 Jahre durchschnittlicher Zugehörigkeit zum Verein. Das kann man doch gewiss, wenn man es mit Bobics Aussage vergleicht, als Zeichen von Kontinuität werten.

Und da sich diese gute, den Wünschen der meisten Anhänger entsprechende, Politik irgendwann auszahlen müsste, wird diese Rückrunde auch ganz anders als die letzten werden. Aber so gut und erfolgreich sie vielleicht auch sein mag, eins ist leider totsicher: Deutscher Meister wird nur der ÄffZehBee…