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Deutschlands „leichte Gruppe“

Wenige Monate nach dem doch etwas überraschenden Ausscheiden in der WM-Vorrunde in der „Todesgruppe“ gegen die Fußballgiganten Mexiko, Schweden und Südkorea jubeln alle selbsternannten Experten über die leichte Gruppe in der Qualifikation für die Europameisterschaft 2020. Die Mannschaft hat es ja nur mit den Niederlanden, Nordirland, Estland und Weißrussland zu tun!

Nur?

Über die Stärke der Niederländer braucht man sich keine Illusionen zu machen. Die Länderspielbilanz gegen unsere Nachbarn ist immer noch positiv (15 Siege, 16 Unentschieden, 11 Niederlagen bei 79:69 Toren) und gerade gegen Holland haben die deutschen Spieler noch eine Rechnung offen, nachdem ihnen, trotz zweier guter Spiele, die Boulevardpresse vor allem das 0:3 um die Ohren schlug. Dabei war man, bis auf die letzten zehn Minuten, durchaus auf Augenhöhe, wenn nicht sogar überlegen und im Rückspiel wurde der höchst verdiente Sieg erst in den letzten Minuten verschenkt. Egal, ob die Revanche gelingt oder nicht, es nehmen ja zwei Mannschaften aus jeder Qualigruppe an der aufgeblähten Meisterschaft teil. Aber sind Nordirland, Weißrussland und Estland wirklich so ungefährlich, wie ihr Fifa-Ranglistenplatz uns glauben machen will?

Nordirland, als 35. der aktuellen Fifa-Rangliste war immer ein unbequemer Gegner für Deutschland. Das 2:2 bei der WM 1958 hat zwar schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, aber es gab z.B. auch noch 1996 bei der WM-Qualifikation nur ein 1:1. Und zuletzt bei der EM 2016 quälte sich das deutsche Team zu einem mühsamen 1:0-Sieg. Trotz der Gesamtbilanz von 11 Siegen, 4 Unentschieden und nur 2 Niederlagen bei 38:14 Toren gewinnt man gegen die Nordiren nicht im Vorbeigehen.

Gegen Weißrussland, auf Rang 76 gelistet, hat Deutschland die schlechteste Bilanz aller Gruppengegner: Noch nie wurde gegen diese Mannschaft gewonnen. Allerdings gab es gegen Belarus auch nur ein Spiel, welches Unentschieden endete. Aber wir sehen schon, dass auch die Weißrussen offensichtlich nicht nur Eishockey spielen können.

Die große Unbekannte scheint Estland zu sein, schnöder 96. in der Fifa-Computerliste. Für die makellose Bilanz der deutschen Nationalmannschaft von drei Siegen in drei Spielen bei 11:1 Toren kann sich Jogi Löw aber auch nichts kaufen, handelt es sich doch um drei Spiele aus den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts.

Fazit?

Alles machbar, aber wenn die Abwehr nicht stabilisiert wird, kann man auch gegen angeblich schwächere Mannschaften (wie gegen Österreich, Saudi-Arabien oder Südkorea) Tore kassieren. Der Absturz des deutschen Teams in der Weltrangliste von Platz 1 auf Rang 16 im Jahr 2018 ist ja kein Zufall. Ähnliches gab es zwar schon mal, als man von Platz 4 (2002) auf Platz 19 (2004) abstürzte, sollte aber nicht zur Regel werden.

Wenn man also nicht fahrlässig von einer „leichten Gruppe“ faselt und konzentriert zu Werke geht, müsste die verjüngte deutsche Mannschaft auch den ersten Platz erreichen können. Und bei der EM selber wären wir ja zum Glück seit langer Zeit erstmals nicht in der Favoritenschar dabei…

Lügen mit Zahlen

Von wegen! Die vereinte Meute der Fernsehjournalisten, Zeitungsschreiber, Radiomoderatoren, selbsternannten Experten und sogar die seriöse „Fußball-Woche“ behaupten es: Das Jahr 2018 sei das schlechteste in der Länderspielgeschichte. Das stimmt jedoch höchstens nach dem Motto, dass man nur an Statistiken nicht glaubt, die man selber nicht gefälscht hat. Oder so.

Fakt ist, dass die deutsche Nationalmannschaft sechs Spiele verloren hat, was es in der 99 Jahre währenden Länderspielgeschichte ( 111 Jahre seit 1908 abzüglich 12 Jahren Pause wegen der Weltkriege 1 und 2) wirklich noch nie gab. Aber wenn man nur ein Spiel macht, wie 1950, kann man auch nicht sechs verlieren. Selbst wenn man vier Spiele bestreitet, wie noch im Jahr 1963, ist es schwierig, sich sechs Niederlagen zu erarbeiten. Grundsätzlich gibt es heutzutage viel mehr Länderspiele pro Jahr als früher. In den ersten Jahrzehnten gab es durchschnittlich unter 5 Spiele im Jahr, in den Sechziger- und Siebzigerjahren nicht mal 10 und in den letzten dreißig Jahren ist der Schnitt auf 13 bis 14 Länderspiele pro Jahr gestiegen, was auch an der Aufblähung der internationalen Meisterschaften und deren Qualifikation liegt. Beispiel: Bei der Quali zur WM 66 benötigte die deutsche Mannschaft 4 Spiele gegen Schweden und Zypern, um sich für das Turnier in England zu qualifizieren. Heute wären dafür mindestens 10 Spiele nötig.

Aber zurück zu Jogi Löws verkorkstem Jahr 2018 (denn es ist nur Löws Seuchenjahr, nicht etwa das der Spieler, die das Tor nicht mehr treffen): Um gewissenhaft sagen zu können, ob es sich um ein schlechtes oder gutes Jahr handelt, muss man also die Zahl der Spiele im Verhältnis zur Zahl der Niederlagen betrachten. Denn wenn man 100 Spiele macht und davon nur sechs verliert, handelte es sich zweifellos um eine gute Bilanz. Und siehe da: Die Journaille hat dies auf ihrer Jagd nach Superlativen „vergessen“, weil man ja ein Ziel verfolgt, nämlich dem Bundestrainer ein möglichst schlechtes Zeugnis auszustellen. Ansonsten wüssten die Fußballexperten, dass es 11 Jahre in der Länderspielgeschichte gab, die schlechter waren als das Jahr 2018, mit sechs Niederlagen in 13 Spielen, was 46 % ausmacht. Die schlechtesten Jahre reichen von 100 % Niederlagen (1908: drei von drei Spielen) bis zu 50 % (1963: zwei von vier Spielen). 1985 war das letzte Jahr mit negativer Bilanz: 45 % Niederlagen waren nur geringfügig besser als 2018.

Das beste Jahr ihrer Länderspielgeschichte war übrigens 1950 mit 100 % Siegen. Allerdings gab es als einziges Länderspiel nur den 1:0-Sieg gegen die Schweiz…

Endlich – Hertha in bekannten Tabellen-Gefilden

Das muss Hertha erst mal jemand nachmachen: Gegen einen Verein, der in zehn Spielen ganze sechs Tore erzielt, in einer Halbzeit deren vier zu kassieren – Hut ab. Nur Statistiker könnten sagen, ob es das überhaupt schon mal in der langen Geschichte der Bundesliga gab! An den Fans kann es diesmal nicht gelegen haben, die unterstützten die Blau-weißen nach Kräften. Wie es zu dieser verpatzten Revanche für 2012 kommen konnte, ist natürlich schnell erzählt. Mit einer in kürzester Zeit atomisierten Abwehr ( Ausfall von Plattenhardt kurz vor dem Spiel wegen Krankheit, von Stark nach 20 Minuten wegen Verletzung und von Mittelstädt noch vor der Halbzeitpause wegen Dummheit und folgender gelb-roter Karte) ist es schwer, die Kontrolle zu behalten. Aber die Ersatzspieler, auch wenn sie wie Torunarigha auf ungewohnter Position spielen müssen, sind ja keine C-Junioren, sondern haben sich alle schon in der Liga bewährt. Nein, es war die Spielauffassung insgesamt, die zum Desaster führte. Mit 10 Meter Abstand zum ballführenden Gegner verliert man heutzutage jedes Spiel. Nur mit konsequentem Pressing könnte man ein Spiel auch in Unterzahl siegreich gestalten, wie voriges Jahr von Hertha in Leipzig genial bewiesen wurde.

Jetzt steht Hertha wieder dort, womit man vor der Saison eigentlich zufrieden gewesen wäre, nämlich etwas besser als in der vorigen Spielzeit auf einem einstelligen Tabellenplatz. Wenn da nicht einige berauschende Spiele zu Saisonbeginn den Blick für die Realitäten vernebelt hätten. Die Ursachen für den Sensationsstart waren ein überragendes Mittelfeld und ein Dilrosun, dessen Leistung explodierte. Davon ist momentan nichts übrig geblieben: Duda hat die Form seiner ersten beiden Herthajahre, Maier wirkt überspielt und benötigt dringend eine Pause und Grujic ist noch verletzt. Dilrosun bekommt seit einigen Spielen keinen Ball, bei dem er seine Stärken ausspielen kann, nämlich steil an der linken Außenbahn. Im hängenden Mittelfeld ist er praktisch nicht anwesend.

Hoffen wir, dass die Länderspielpause einigen Akteuren gut tut. Im direkten Vergleich mit dem Vorjahr (Spiele gegen die gleichen Gegner) liegt Hertha noch sechs Punkte im Plus. Gegen Hoffenheim müsste demnach ein Punkt (wie im Vorjahr) geholt werden. Gar nicht so einfach, die haben jetzt vier Spiele nacheinander gewonnen. Aber warum soll nur Hertha immer schwächelnde Gegner aufbauen…

Pokalfinale adieu?

Nach der Auslosung des DFB-Pokal-Achtelfinales stellt sich für den Herthaner folgende einfache Frage: „Kann man gegen Bayern München zweimal in einer Saison gewinnen?“ Eigentlich könnte man die Frage kurz und bündig mit „Nein!“ beantworten und diesen Beitrag beenden.

So leicht machen wir es uns aber nicht!

Selbst wenn die scheinbar überirdischen Bayern bald in einer irgendwie gearteten Superliga spielen und dafür mit noch mehr Geldern zugeschüttet werden und noch bessere (teurere) Spieler kaufen können: niemand ist unschlagbar, was in der Geschichte des Fußballs tausendfach bewiesen wurde und auch in Zukunft, wenn auch immer seltener, möglich sein wird. Geld schießt zwar Tore, aber nicht immer. Wenn also die Bayern ihre Krise bis dahin nicht überwunden haben werden (wenn also weder Heynkes noch Zidane Trainer sind) und sich auf die Verfolgung der Dortmunder konzentrieren müssen, kann, „an einem besonders guten Tag“, eine Überraschung möglich sein. Auch ein zweites Mal in einer Saison.

Im Februar 2016 stand Hertha gegen Dortmund im Halbfinale und hatte Angst vor der eigenen Courage. Wenn sich die Spieler mutig ins Getümmel werfen und die beleidigten Ostkurven-Fans wieder ausgeschnappt sind, kann in einem ausverkauften Olympiastadion mit weniger Bayern-Anhängern als sonst (man ist ja nicht Tabellenerster…) eine Sensation möglich werden. We will see…

Dortmunder Polizei – Meister der Eskalation

Wie provoziert man einen spätpubertierenden, angetrunkenen Ultra? Indem man ihn eine dreckige Schwuchtel schimpft und behauptet, dass seine Mutter das älteste Gewebe der Welt ausübt. Und wenn das nicht reicht, reißt man die aufgehängten Vereinsbanner herunter, was so ziemlich das Schlimmste auf der Welt ist, kurz vor einem Atomkrieg. Genau diese Strategie, die in etwa so deeskalierend wirkt, wie die Aussagen von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge auf einer Pressekonferenz, wenn ihr Verein vier Pflichtspiele in Reihe nicht gewonnen hat, ergriff geschickter Weise die Dortmunder Polizei, die in voller Kampfmontur den Hertha-Block stürmte. Natürlich zündelten Hertha-Ultras im Dortmunder Stadion. Nicht schön, kostet den Verein Geld und riecht giftig, wenn auch nicht vor dem Fernsehapparat. Aber wann hat z.B. die Berliner Polizei zum letzten Mal einen Gästeblock wegen des Abbrennens von Pyrotechnik, was ungefähr in jedem zweiten Spiel vorkommt, gestürmt? Zumindest seit 1945 nicht mehr, weil man weiß, dass man durchgeknallte Hooligans aus einem Fanblock nicht identifizieren kann, und das müsste man, wenn man ihnen den wohlverdienten Prozess machen wollte, denn Sippenhaft für 4000 Fans gibt es nicht, auch wenn dies die Dortmunder Polizeiführung zu glauben scheint. Abgesehen davon sollte man mal, was die sogenannte Gewaltorgie angeht, auf dem Teppich bleiben. Die wild aussehenden „Knüppel“, die da angeblich geschwungen wurden, sind gummiähnliche Fahnenstangen, über die behelmte Polizisten nur müde lächeln und „mehr davon“ sagen können. Die amüsierten Ordner und Sanitäter im Vordergrund des kurzen Fernsehausschnitts sprachen für sich. Von Verletzten ist nichts bekannt.

Es scheint sich in Dortmund übrigens nicht um eine vorgezogene Strafaktion gegen Hertha zu handeln, die doch wirklich so frech war, nach großem Kampf einen Punkt mitzunehmen. Letztes Jahr ging man gegen die 12.000 mitgereisten Union-Fans genauso unverhältnismäßig vor, als diese Einlass begehrten und den chaotischen Organisationstalenten zeigten, dass man auch ohne sie ins Stadion kommen kann. Also eher ein Anti-Berlin-Problem, das man da in Dortmund hat. Mal sehen, was in der Woche beim neuerlichen Pokalspiel gegen Union passiert!

Ach ja, gespielt wurde trotzdem noch. Wenn Hertha zwei Tore schießt (und außerdem eine Reihe von Chancen kreiert) und Atletico Madrid keines und wenn Hertha nur zwei Tore kassiert und Atletico Madrid vier, dann sagt das schon einiges über den neuen Stellenwert von Hertha. Auch wenn Überkreuzvergleiche im Fußball streng verboten sind. Sie machen aber doch sooo viel Spaß. Hoffentlich hört die Hinrunde niemals auf…

Kann Bayern trotz Söder noch Meister werden?

Die CSU treidelt kurz vor der Landtagswahl um ein historisches Tief herum. Bayern München liegt derzeit auf dem sechsten Tabellenplatz, noch hinter den Sparkickern von Hertha BSC. Gibt es einen Zusammenhang? Man könnte sagen, dass der Niedergang des Abendlandes (CSU-Tief) eben alle Bereiche des öffentlichen Lebens umfasst: Japaner trinken Bier aus großen Gläsern im Hofbräuhaus, Radler benutzen den Englischen Garten als Cross-Piste und Dieselautos dürfen nicht mehr ungestört die mit eigenen Steuergeldern gebauten Straßen benutzen. Was bleibt da noch von bayerischer Lebensart? Nun gut: Die Spieler des FC Bayern kommen ja seit langem nicht mehr aus Bayern oder angrenzenden Staaten, z.B. Franken oder Tirol (Alaba ist immerhin Österreicher, aber auch kein ganz waschechter). Aber sie bekommen zum Einstand ihre Lederhose verpasst, die Ehefrau kauft sich vom ersten Monatsgehalt in Höhe von 200.000 bis 500.000 Euro ein fesches Dirndl , der Daimler wird gegen einen Ingolstädter oder Münchener Wagen umgetauscht und schon darf man sich zu den Einheimischen zählen. Und was passiert nach der kommenden Wahl? Gibt es eine Trotzreaktion der Bayern-Spieler, wenn die CSU gar unter 30 % landet? Kommen etwa die Grünen in die Regierung und heißt das, dass Werder Bremen dann neuer Titelkandidat wird? Eins steht fest: Jede Serie geht einmal zu Ende und wer sechsmal hintereinander Meister war, hat es schwer auch zum siebenten Mal den Titel zu erringen. Nur der BFC Dynamo konnte zehnmal Meister werden, aber da waren ja auch die Schiedsrichter mit Schuld, die auf Herrn Mielkes Weisung hin des Öfteren seltsame Entscheidungen trafen. Allerdings gab es in der Vergangenheit anrüchige Pro-Bayern-Entscheidungen auch in Hülle und Fülle. Ohne einen Herrn Mielke. Oder reicht Seehofers Arm als Innenminister (demnach auch Sportminister) bis in die Kölner Videozentrale? Aber so lange ist er ja noch nicht im Amt. Und ob er sich wirklich für eine Multi-Kulti-Truppe, deren Mitglieder aus aller Herren Länder zugewandert sind, starkmachen würde, sei mal dahingestellt.

Lesen wir die Tabelle also mit Genuss: Zwei Wochen lang sind die Bayern Jäger und nicht Gejagter, was Ihnen historisch als Bergvolkangehörige auch eher liegen müsste. Und bald kann das wieder anders aussehen, selbst wenn Jupp diesmal dem Ruf seines Freundes Uli nicht nachgeben wird. Taifun Korkut ist gerade auf dem Trainermarkt preiswert zu haben und Zinedin Zidane ebenfalls, aber nicht preiswert…

Herthas Saisonstart macht Appetit auf mehr

Nach sechs Spieltagen in der Fußball-Bundesliga kann man getrost von einem gelungenen Saisonstart von Hertha BSC sprechen. Zwei mitreißende Spiele gegen Gladbach und Bayern, zwei gute Partien in Gelsenkirchen und Wolfsburg und zwei mittelmäßige Leistungen gegen Nürnberg und in Bremen ergeben immerhin 13 Punkte und den dritten Tabellenplatz.

Die Leistungsexplosion bei Duda, die Zuverlässigkeit und Abgeklärtheit eines alten Hasen beim 19-jährigen Maier und die Ballsicherheit und körperliche Robustheit eines Grujic (obwohl auf diese seit Hermanns Körperverletzung eine ganze Weile verzichtet werden muss) ergeben erstmals seit Jahren oder gar Jahrzehnten (Championleague-Saison 1999/2000 mit Wosz, Beinlich und Deisler) ein Mittelfeld, das sich spielerisch hinter keinem in der gesamten Liga verstecken muss. Dazu kommt das rasante Tempo und die Durchsetzungsfähigkeit eines Dilrosun, der schon fast erschreckend an Superstar Mbappé erinnert. Zusätzlich gibt es mit Jarstein einen der besten Torhüter der Liga und mit Rekik einen der sichersten Innenverteidiger. Und fällt der aus, tritt Torunarigha an seine Stelle. Und muss auch der pausieren, ersetzt ihn Lustenberger mit einer 100 %-Zweikampfquote gegen Mönchengladbach. Alles passt momentan zusammen und der verletzte Darida ist noch eine weitere Option für die Zukunft.

Wie vor der Saison prognostiziert, ist die eingespielte Elf ein großer Vorteil und sicher wird die Mannschaft nicht, wie ein Nürnberger Anhänger nach dem etwas holprigen ersten Saisonspiel voraussagte, um den Ligaverbleib zu kämpfen haben. Ob es aber für die Europapokalplätze, Championsleague oder gar Pokalsieg oder Meisterschaft reichen könnte, wird die Zukunft zeigen und hängt natürlich auch von Glück (laut Dardai ein 30%-Faktor), der Verletztensituation und dem möglichen Schwächeln eigentlicher Favoriten ab.

Gegen Mainz, dem schwersten Spiel der Saison, weil jeder nach einem Sieg gegen die Bayern drei Punkte gegen Mainz voraussetzt, wird man sehen, ob Hertha Konstanz in die Leistung bekommt. Das Potenzial, das haben die ersten sechs Spiele gezeigt, hat Hertha in diesem Jahr auf jeden Fall. Also: Wann, wenn nicht jetzt…

Wundertüte Hertha

Gibt es eigentlich noch diese Wundertüten, die wir älteren Menschen noch aus ihrer Kinderzeit kennen? Man wusste nicht, was in der Tüte war, riss sie auf und war immer enttäuscht, weil man den Schrott entweder schon kannte oder ihn sowieso nicht gebrauchen konnte. Manchmal war eine kleine Süßigkeit drin, dann war wenigstens nicht alles umsonst.

Die Hertha der Saison 2018/19 kommt mir wie eine Wundertüte vor: Niemand weiß, was das wohl werden wird. Ob Radio, „Fußballwoche“ oder das Magazin „11 Freunde“, keiner traut sich auch nur den Versuch einer Saisonprognose abzugeben. Wie auch? Die Neuverpflichtungen mit dem Ersatzspieler eines Absteigers als Rechtsverteidiger, einem aufstrebenden Zweitligastürmer, einem Stürmertalent aus der zweiten Mannschaft eines englischen Erstligisten und diversen Jungspunden aus dem eigenen Nachwuchs lassen die Fans nicht zu tausenden für Autogrammwünsche anstehen. Es erscheint schwierig, sich vorzustellen, dass sich die Mannschaft mit dieser Art von „Verstärkungen“ in der Tabelle Richtung Nordpol bewegen könnte. Andererseits spricht die Kontinuität, die Trainer und Manager seit Jahren praktizieren (auch wenn diese eher der Not geschuldet als innere Überzeugung ist) für eine eingespielte Mannschaft, was gerade zu Beginn der Saison ein entscheidender Vorteil sein kann. Nicht von ungefähr schnitt Hertha in der ersten Saisonhälfte in den letzten Jahren stets gut ab, um nach der Winterpause immer gnadenlos einzubrechen. Kurz und gut: Man kann nichts sagen, schon gar nicht voraussagen. Unter diesen Umständen wäre die Verbesserung um einen Tabellenplatz, der gleichzeitig in der Sportschau die zuerst gezeigte Tabellenhälfte bedeuten würde, schon ein Erfolg.

Echte Herthaner sind eben bescheiden…

Jammern überflüssig…

Die nächste Bundesligasaison steht mit der spannenden Frage vor der Tür, wer hinter den Bayern Zweiter werden wird. Auch die Abstiegsfrage verspricht gewisses Herzklopfen, da der erste Kandidat für die unteren Tabellenplätze, der HSV, sich vorerst aus der Liga verabschiedet hat.

Das WM-Finale liegt schon über zwei Wochen (gefühlt zwei Jahre) zurück und das allgemeine Jammern über das schlechte Abschneiden der deutschen Mannschaft wird von Herrn Özils grandiosem Sommer-Rücktritts-Theater überlagert. Dabei gibt es auch überhaupt nicht den geringsten Grund zum Hadern und Klagen. Was ist denn passiert? Die deutsche Nationalmannschaft ist erstmals in der Vorrunde ausgeschieden!

Na und?

Was sollen denn da die anderen großen Fußballnationen sagen?  Sollen sie kollektiven Selbstmord begehen? Engländer und Argentinier sind schon jeweils dreimal in der Vorrunde gescheitert (obwohl sie nur 15- bzw- 17-Mal an einer WM teilgenommen haben, gegenüber 19 Teilnahmen des deutschen Teams). Die Spanier haben viermal eine Vorrunde nicht überstanden (15 Teilnahmen), die Franzosen fünfmal (15 Teilnahmen) und für die armen Italiener war sage und schreibe siebenmal in der Vorrunde Schluss (16 Teilnahmen). Deshalb kamen die italienischen Spieler, nachdem sie 1966 gegen Nordkorea ausgeschieden waren, auch immer auf kleinen, geheim gehaltenen Ausweichflughäfen in der Heimat an, weil sich die Airports der großen Städte außerstande sahen, die tonnenschweren Berge verfaulter Tomaten, die dort als traditionelle Begrüßungsgeschenke für ungebetene Gäste verteilt werden, ökologisch korrekt zu entsorgen. Unsere Spieler dagegen werden von kleinen Mädchen mit Stofftieren begrüßt. Und zwar zu Recht. Schließlich kann jedem mal ein Ausrutscher passieren. Und wir stehen mit unserem einen lächerlichen Vorrunden-Aus immer noch weltmeisterlich da. Stets das Positive sehen. Nur Brasilien ist einen Tick besser, auch sie schieden erst einmal in der Vorrunde aus, bei 21 Teilnahmen. Und auch die Brasilianer waren damals, 1966, amtierender Weltmeister. Die Franzosen brauchen also im Winter 2022 nur eine kurze Meisterschaftspause einzukalkulieren, wenn die deutsche Mannschaft wieder mindestens bis ins Halbfinale vorstoßen wird. Wie es sich auch gehört…

Komische Statistik

Russland gewinnt vor Japan, Saudi-Arabien und Südkorea! Was soll das denn?

Nun, aus der beliebten Serie „Statistiken, die ich selber nicht gefälscht habe, die aber trotzdem niemand braucht, weil sie die Welt nicht besser machen“ wird die Differenz zwischen FIFA-Rangliste und tatsächlich erreichtem Ergebnis bei der WM in Russland bewertet.

Beispiel gefällig?

Russland war vor der WM 66. der FIFA-Rangliste, erreichte aber bei der WM den fünften Platz. Da dieser Platz nicht offiziell vergeben wird, vergleicht man die Ergebnisse der ausgeschiedenen Mannschaften. Da Russland das knappste Ergebnis im Viertelfinale hatte, ist es logischerweise Fünfter, ein Unterschied von 61 Plätzen zur FIFA-Rangliste. Japan hat 47 Plätze besser abgeschnitten, Saudi-Arabien 44 und Südkorea 42. Man könnte die Liste jetzt durchgehen, wir picken uns aber nur einige Rosinen heraus: Kroatien schneidet 16 Plätze besser ab als eingestuft,  Belgien ist die einzige Mannschaft, die genau ihren Ranglistenplatz einnimmt, nämlich den Dritten. Die Mannschaften, die am weitesten negativ abweichen, sind Portugal (-10) und Polen (-15) und, man ahnt es schon, Deutschland belegt einen unehrenhaften letzten und 32. Platz dieser Statistik mit -21, da Die Mannschaft als Ranglistenerster ins Turnier ging (niemand weiß natürlich, warum, wenn man die Ergebnisse des letzten halben Jahres betrachtet) und 22. wurde. Man kann es also drehen und wenden, wie man will, die deutsche Mannschaft hat Historisches erreicht, leider etwas anders, als von vielen Berufsoptimisten erwartet. Ein Gutes hat die Geschichte: Bei der nächsten WM (und schon bei der nächsten EM 2020) wird Deutschland erstmals nicht als Favorit gehandelt werden. Entspannung pur also. Vorausgesetzt, Deutschland schafft die Qualifikation…