Dardais lächerliches Angebot

Pal Dardai, seit fast vier Jahren insgesamt erfolgreicher Hertha-Trainer, wollte aus den letzten drei Spielen vier Punkte holen, was die Mannschaft in einer Art „jüdischem Poker“ (frei nach Ephraim Kishon) auf sieben Punkte erhöhte. Zum Glück war wenigstens Manager Preetz vernünftig und setzte nicht die magische Zahl „zehn“ in die Welt. Wahrscheinlich war der Mannschaft aber ein popeliges Essen aber zu wenig, um einen bedingungslosen Einsatz aus den Restreserven  hervorzuzaubern. Da sollte sich der gute Pal doch mal ein Beispiel an Salomon Kalou nehmen: Da geht es wenigstens gleich um protzige Uhren, aber der weiß halt aus Erfahrung, worauf Fußballer so abfahren. Es kam wie es kommen musste: Für eine lumpige Pizza sich kurz vor dem Weihnachtsurlaub noch ein Bein ausreißen? Nachdem man das Spiel in Stuttgart verschenkt hatte, brauchte man sich auch gegen Augsburg nicht mehr über Gebühr konzentrieren, und dass man aus Leverkusen etwas mitnehmen könnte, wäre sowieso nur mit den fünf verletzten Stammspielern möglich gewesen. Für die Werkself-Spieler ging es schließlich schon um die Stammplätze unter dem neuen Trainer, der das Spiel sicher am Fernseher verfolgte. Ob er in Zukunft immer den Strafraum aufhacken lässt, um Platzfehler bei Rückgaben zu provozieren, entzieht sich unserer Kenntnis, auf jeden Fall sollte Hertha das schmierige Geläuf im Olympiastadion erst nach dem Pokalspiel gegen die Bayern durch einen bespielbaren Rasen ersetzen, mit Kampf lässt sich gegen Technik durchaus etwas ausrichten. Nun gut.

Ein Punkt statt vier bzw. sieben aus den letzten drei Spielen ist zwar etwas dürftig, aber mit 24 Punkten steht Hertha immer noch glänzend da und man mag sich gar nicht vorstellen, wo man jetzt ohne die Verletzungsseuche stünde, die aber nicht auf falsches Training zurückzuführen ist, da es sich in der Hauptsache nicht um muskuläre Probleme handelt. Es gilt für die Rückrunde die richtigen Schlüsse aus den Vorjahren zu ziehen, um noch mal Richtung Tabellen-Norden anzugreifen: Eine solide, akribische Vorbereitung hat in den letzten Jahren stets zum Einbruch nach der Winterpause geführt. Warum kopiert man nicht Danish Dynamite von 1992, wo das Team ohne Vorbereitung aus dem Strandurlaub zurückgeholt und Europameister wurde? Mein Vorschlag: Lasst die Spieler in den Süden fliegen oder zum Skilaufen (Helm erwünscht, aber keine Pflicht) in die Alpen fahren. Am Vorabend des Spiels gegen Nürnberg, also am 19. Januar, trifft man sich zur Vorbesprechung im Hofbräuhaus in München, um einen Tag später die Nürnberger vom Platz zu fegen und mit übervollem Akku werden in der Rückrunde 30 Punkte akquiriert, was auf jeden Fall für die Europa-League reichen wird. Das Thema „übertrainiert“, das schon vor vierzig Jahren im DDR-Fußball große Erfolge verhinderte, würde endlich wieder in den deutschen Fußballdiskurs einfließen. Jetzt muss nur noch der Weihnachtsmann Pal Dardai von der Idee überzeugen…

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