Dortmunder Polizei – Meister der Eskalation

Wie provoziert man einen spätpubertierenden, angetrunkenen Ultra? Indem man ihn eine dreckige Schwuchtel schimpft und behauptet, dass seine Mutter das älteste Gewebe der Welt ausübt. Und wenn das nicht reicht, reißt man die aufgehängten Vereinsbanner herunter, was so ziemlich das Schlimmste auf der Welt ist, kurz vor einem Atomkrieg. Genau diese Strategie, die in etwa so deeskalierend wirkt, wie die Aussagen von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge auf einer Pressekonferenz, wenn ihr Verein vier Pflichtspiele in Reihe nicht gewonnen hat, ergriff geschickter Weise die Dortmunder Polizei, die in voller Kampfmontur den Hertha-Block stürmte. Natürlich zündelten Hertha-Ultras im Dortmunder Stadion. Nicht schön, kostet den Verein Geld und riecht giftig, wenn auch nicht vor dem Fernsehapparat. Aber wann hat z.B. die Berliner Polizei zum letzten Mal einen Gästeblock wegen des Abbrennens von Pyrotechnik, was ungefähr in jedem zweiten Spiel vorkommt, gestürmt? Zumindest seit 1945 nicht mehr, weil man weiß, dass man durchgeknallte Hooligans aus einem Fanblock nicht identifizieren kann, und das müsste man, wenn man ihnen den wohlverdienten Prozess machen wollte, denn Sippenhaft für 4000 Fans gibt es nicht, auch wenn dies die Dortmunder Polizeiführung zu glauben scheint. Abgesehen davon sollte man mal, was die sogenannte Gewaltorgie angeht, auf dem Teppich bleiben. Die wild aussehenden „Knüppel“, die da angeblich geschwungen wurden, sind gummiähnliche Fahnenstangen, über die behelmte Polizisten nur müde lächeln und „mehr davon“ sagen können. Die amüsierten Ordner und Sanitäter im Vordergrund des kurzen Fernsehausschnitts sprachen für sich. Von Verletzten ist nichts bekannt.

Es scheint sich in Dortmund übrigens nicht um eine vorgezogene Strafaktion gegen Hertha zu handeln, die doch wirklich so frech war, nach großem Kampf einen Punkt mitzunehmen. Letztes Jahr ging man gegen die 12.000 mitgereisten Union-Fans genauso unverhältnismäßig vor, als diese Einlass begehrten und den chaotischen Organisationstalenten zeigten, dass man auch ohne sie ins Stadion kommen kann. Also eher ein Anti-Berlin-Problem, das man da in Dortmund hat. Mal sehen, was in der Woche beim neuerlichen Pokalspiel gegen Union passiert!

Ach ja, gespielt wurde trotzdem noch. Wenn Hertha zwei Tore schießt (und außerdem eine Reihe von Chancen kreiert) und Atletico Madrid keines und wenn Hertha nur zwei Tore kassiert und Atletico Madrid vier, dann sagt das schon einiges über den neuen Stellenwert von Hertha. Auch wenn Überkreuzvergleiche im Fußball streng verboten sind. Sie machen aber doch sooo viel Spaß. Hoffentlich hört die Hinrunde niemals auf…

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